Ausland. ö
Oesterreich-Ungarn. Pest. Es werden neue Truppenansammlungen an der russischen Grenze gemeldet und ungarische Blätter melden das Erscheinen von vier russischen Schiffen auf der unteren Donau. Die Schiffe heißen„Olga“, „Sokol“,„Bulgaria“,„Ruß“, sie sind proviso⸗ risch für Haudelszwecke eingerichtet, sollen aber eigentlich Kriegsfahrzeuge mit kaiserlichen Offi— cieren sein. In den Häfen der unteren Donau, von Odessa bis Skella-Kladova, hat man eine auffällige Vorbereitung von Pontons bemerkt, so daß an vielen Punkten ein Brückenschlag
über die Donau leicht zu ermöglichen sei. Auch ist das russische Kriegsschiff„Serbia“
auf der Donau erschienen, zwei andere Kriegs— schiffe werden erwartet. Einzelne Russen ent— falten eine lebhafte Thätigkeit in jener Gegend, besonders zahlreich treiben sich die Russen in der Gegend des Eisernen Thores umher, wo sie die Arbeiten aufmerksam verfolgen und Auf— zeichnungen machen. Die österreichischen Behör— den legen ihrer Thätigkeit vorläufig kein Hinderniß in den Weg.
Schweiz. Bern. Der Bundesrath beschloß, daß das Gesetz, betreffend die Bundesanwalt— schaft mit dem 15. October in Kraft treten soll.
Belgien. Brüssel, 30. Sept. Gestern fand in Mons eine große Socialistenversammlung statt, wobei Anseele eine aufreizende Rede hielt. Infolge dieses socialistischen Einflusses brach heute eine neue Streikbewegung in Südbelgien aus. 2500 Bergleute haben die Arbeit eingestellt.
Dänemark. Kopenhagen, 1. Oct. Der Prinz von Wales ist mit den Prinzen Albert Victor und Georg gestern hier eingetroffen.
Holland. Rotterdam, 1. Oct. Die Ver— sammlung der Streikenden am gestrigen Abend wählte Delegirte, um mit dem Comité der Schiffseigenthümer zu verhandeln; letzteres be— schloß, den Forderungen der Streikenden nicht nachzugeben und den bedürftigen derselben unent— geltliche Nahrung zukommen zu lassen.
Italien. Rom, 1. Oct. Der„Fanfulla“ zufolge fand gestern ein Sicherheitswachmann in der Nähe des königlichen Palastes in Genua eine große Menge Jagdpulver und Blei und schnitt die brennende Lunte ab.
Serbien. Belgrad. Das Gesammtergebniß der Wahlen ist folgendes: Gewählt sind 102 Radikale und 15 Liberale.
Belgrad, 30. Sept. Die Königin Natalie ist gestern auf einem Separatschiffe eingetroffen und wurde von Tausenden begrüßt. Die Königin stieg in einem Privathause ab. Das„Amtliche Blatt“ veröffentlicht solgendes Communiqué: Königin Natalie traf heute in Belgrad ein. Da die Königin kommt, ohne daß ein vorheriges Einvernehmen betreffs ihrer künftigen Beziehungen zum königlichen Hofe erzielt worden, findet bei! der Ankunft ein feierlicher Empfang nicht statt.“ Die Regelung der künftigen persönlichen Bezieh⸗ ungen des Königs Alexander zur Königin-Mutter steht verfassungsmäßig ausschließlich der Compe— tenz des Königs Milan anheim. g
— 1. Oct. König Milan ist gestern von Karlsbad abgereist; derselbe geht zunächst nach der Schweiz, sodann zu längerem Aufenthalte nach Paris.
— Hiesigen Meldungen zufolge, hätte die serbische Regentschaft von der Königin Natalie verlangt, daß sie als Madame Keschko eine Audienz beim Könige Alexander nachsuchen müsse. Königin Natalie habe dies abgelehnt. Publikum und Presse nähmen für die Königin Partei.
Rußland. Petersburg. Die Nachricht, daß der Zarewitsch Paris besuchen werde, wird jetzt dementirt. Als sicher gilt jedoch, daß der Thronfolger als Vertreter des Zaren zu den. Hochzeitsfeierlichkeiten nach Athen gehen wird.
Afrika. Sansibar, 30. Sept. Aus Mwapwa eingetroffene Briefe bestätigen, daß Buschiri vor zwei Monaten den deutschen Missionär tödtete und den englischen Missionär zu fangen versuchte.
Dieser entdeckte den Anschlag und entkam nach Ugogo. f
— 30. Spt. Durch Decret der deutschen und englischen Admirale und des Commandanten des italienischen Kriegsschiffs„Stafetta“ ist die am 29. November 1888 erklärte Blockade der ostafrikanischen Küste aufgehoben. Ein weiteres Decret des deutschen Geschwaderchefs bestimmt, daß jede Einfuhr von Waffen und Kriegsmate⸗ rial an der unter deutscher Verwaltung stehen— den Kuste Ostafrikas verboten sei.
Aus Stadt und Land.
Friedberg, 2. Oet. Bei der gestern stattgehabten Gemeinderathswahl machten von 790 Wahlberechtigten 497 Einwohner von ihren Stimmrechte Gebrauch. Es wurden gewählt: C. Trapp mit 471, E. Engel mit 394, J. Koob mit 289, C. Damm mit 274, E. Hirsch mit 271, E. Windecker mit 250 un L. Waas mit 244 Stimmen. Von den sonst aufgestellten Candidaten hatten die meisten Stimmen: H. E. Hanstein 234, A. Windecker 166, A. Valentin 139, Ed. Preußer 105, W. Kreuter 99, H. Rausch 57, die übrigen zersplitterten sich auf 40 Namen; 2 Zettel waren ungiltig, weil sie mehr Namen enthielten, als Stadträthe zu wählen waren. Die Folgen dieser Stimmenzersplitterung hatte die Wahlkommission zu tragen, denn dadurch daß nur 84 vollständig gleichlautende Zettel abgegeben wurden, mußten alle Stimmen einzeln aufge⸗ führt werden. Hierdurch waren die unruhig wartenden Wähler bis um ½ 11 Uhr Nachts gezwungen auszuhalten, denn da erst konnte das Resultat verkündigt werden.
W. Dornassenheim. Bei der am Freitag statt⸗ gehabten Gemeinderathswahl wurde das seitherige Mit— glied W. Ad. Güb wiedergewählt und J. H. Würz neu— gewählt. Als 3. Mitglied hatten Obersteiger Schiffman und W. Jung V. Stimmengleichheit und entschted das Loos zu Gunsten des letzteren.
Gießen, 30. Sept. Das Schwurgericht verurtheilte heute den Gemeinderechner Conrad Ohly von Griedel, der 3530 Mark unterschlagen und eine Anzahl mit Nickel
münzen gefüllter Geldrollen, die zusammen 28 Mark ent⸗
hielten, zu der Höhe der Unterschlagung deelarirt hatte, zu 1½ Jahren Gefängniß und Tragung der Kosten. Strafmildernd kam der Umstand, daß der Fehlbetrag von reichen Verwandten gedeckt worden, die Kasse somit nicht geschädigt ist, strafschärfend das Fehlen einer Noth⸗ lage und die Höhe des Unterschleifs in Betracht. Der Angeklagte, dem übrigens von allen Seiten die besten Zeugnisse ausgestellt werden, hatte viel Gelder ausstehen, deren Einziehung er aus falscher Scham, wie es scheint, unterließ.
Seligenstadt, 30. Sept. Unsere Gendarmerte ver— haftete gestern auf hiesiger Verpflegungsstation einen an⸗ geblichen Handweiksburschen Schmitt, welcher nach Kleidung und Aus sehen mit der bisher vergeblich gesuchten Person des Raubmörders des Technikers Elsner zu Frankfurt ziemlich iventisch erscheint.
Kostheim, 1. Oet. Ben Aklba hat nicht immer recht, denn gestern Nacht ist der Schlußstein der neuen Kostheimer Straßenbrücke zertrümmert und die darin befindliche Uckunde über den Einweihungsakt und die mit eingemauerten Geldmünzen gestohlen worden, und
[das dürfte dann doch noch nicht„dagewesen sein.“
Allerlei.
Cassel, 30. Sept. Heute Abend gegen 7 Uhr fand in einem Conditorladen der Bahnhofstraße eine Gas— explosion statt. Fünf Personen wurden schwer verletzt, darunter zwei, die gerade auf der Straße an dem Laden vorbeigingen. Letzterer ist theilwelse ausgebrannt.
Stuttgart, 1. Oet. Auf der Schwarzwaldbahn zwischen der Station Vaihingen und Hasenberg fand ein Eisenbahnzusammenstoß statt. Der Personenzug vom Schwarzwald, welcher gegen 12 Uhr hier eintreffen soll, fuhr mit großer Geschwindigkelt auf eine ihm entgegen. kommende Schiebmaschine. Die Locomotive, der Tender, zwei Waggons und ein Sicherheitswagen liegen rechts und links an der Böschung. Drei Waggons 3. Klasse sind vollständig in- resp. übereinander geschoben. Nach dem„Staatsanzeiger“ wurden dabei 7 Personen getödtet und gegen 50 verwundet. Die amtliche Liste führt 43 Verwundete auf, darunter 8 Leichtverletzte.
Eisenach, 1. Oet. Zur Generalversammlung des
Eovangelischen Bundes trafen bereits gegen 400 Theil
nehmer aus Deutschland und dem Auslande hier ein, darunter mehrere Vertreter der Waldenser Kirchenge⸗ meinden. Bisher haben nur vertrauliche Berathungen des Vorstandes stattgefunden.
Plauen(im Vogtland), 28. Sept. In der gestrigen Nacht sind in unserer Nachbarstadt Treuen 30 Gebäude, darunter 19 Wohnhäuser, die Apotheke einbegriffen, durch eine Feuersbrunst in Asche gelegt worden.
Prag, 30. Sept. Vor dem Schwurgericht begann heute die Verhandlung gegen weltere 30 Personen aus Kladno und Umgebung wegen Theilnahme an den blutigen Ausschreitungen bei der Frohnlelchnahmsfeter.
Rom. In Persien, Ostindien, China, Japan und Afrika sollen neue katholische Missionen eingerichtet werden.
Avellino, 30. Sept. In der vergangenen Nacht fand im Tunnel bei Gianeretto ein Zusammenstoß zweier Per— sonenzüge, die von Neapel resp. von Fogglia kamen, statt.
Es wurden 22 Personen theils getödtet, theils verwundet.
New⸗Vork, 28. Sept.
Einer weißer Landstreicher, der in Pratt Mines ein
junges Negerweib geschändet
und dann ermordet hatte, wurde vom Poltzeirichter un⸗
bestraft entlassen. Dreihundert bewaffnete Neger über⸗ fielen hierauf gestern Nacht das kleine Städtchen, steckten
es in Brand und schossen viele fliebende Einwohner neden die Neger sind noch am Zerstörungswerk und martern Ne Gefangenen grausam zu Tode. Truppen sind ausgesanstz. Die seit längerer Zeit in jener Gegend bemerkbare G. ung zwischen Weißen und Schwarzen ist bedenklich steigert. 5
Ueber Bienenwohnungen. Von einem Praktiker. (Schluß.) Wieder andere sind für den weit verbreitet zweietagigen Dzierzonkasten, speziell das Jaͤger'sche
System, daher ist die Warnung am Platze, vielen
Bienenwohnungen unter die Landleute zu bringen In allen Orten, in welchen Bienenzucht betrieben wird, trifft man auch den Strohkorb an. Dir Landwirth ist daran gewohnt und hat ihn lieh, Der rationelle Betrieb der Bienenzucht mit b weglichen Waben setzt naturwissenschaftliche Kenn; nisse voraus. Wenn der Betrieb mit den be weglichen Waben empfohlen wird, woraus dh jenigen, welche die nöthigen Kenntnisse besitzen große Vortheile erzielen und der Landwirt entschließt sich dazu, findet aber seine Rechnung nicht im Ertrag, den er gehofft hat, so wü er mißtrauisch gegen Belehrung, da ihm seim gemachte Erfahrung mehr gilt als diese. Dat ist natürlich keine Förderung der Bienenzuch! Da ein rationeller Betrieb beim Strohkorb mo lich ist, so sollte derselbe nicht verdrängt werdes, Man kann daher die Frage nach einer Bienen wohnung dahin zusammenfassen: der über 50 Jahre alte, als Honig- und Schwarmstock gleitz brauchbare Strohkorb ist nicht fallen zu lassaß und der Dzierzonstock zu erhalten. Den Anfängern sofern sie noch keine Bienenwohnungen angeschaff haben, ist der Elsäßer Kasten zu empfehlen sowohl in Anbetracht der Leichtigkeit in der Be handlung und der leichten Verhütung der ges fürchteten Bienenstiche wegen des reichen Honigertrags, den er abwirft Zur Frage der kleinen oder großen Bienenwoh, nungen spricht sich J. H. Gravenhorst u. n folgendermaßen aus: Wir treffen in den einzelnen Landern, ja sogar einzelnen Gegenden eines größeren Landes, die Bienenwohnungen in den verschiedensten Größen an. Bezüglich der Mobi baustöcke ist der Unterschied noch größer. Dabch tritt recht deutlich hervor, daß, je weiter win nach Norden vorschreiten, gleichviel in Europn oder Amerika, der Innenraum für die Biene kleiner bemessen wird als in Gegenden mi milderen, wärmerem Klima. Es ist das keine
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den gemachten Erfahrungen über die Entwicklung Da, wo die Ueber“ winterung der Bienen weniger Schwierigkeiten
der Völker genau zusammen.
verursacht, wo eine milde Witterung früh eintritt, honigende Gewächse früher Honig spenden, wer den die Völker sich durchweg rasch entwickeln und zeitiger zu einer größeren Volkszahl gelangen. Hier empfiehlt es der eigene Vortheil, recht ge räumige Bienenwohnungen zu haben, die nicht zu leicht von der Mehrzahl der Völker übervol⸗ kert werden. Wo aber, wie im nördlichen Deutsch⸗ land, die Sachen entgegengesetzt liegen, da halten die tonangebenden Imker kleinere Bienenwob⸗ nungen für zweckmäßig. Wo recht große Bienen wohnungen sich empfehlen, wie das in Baden Elsaß⸗Lothringen ꝛc. der Fall sein soll, da empfiehlm sich sicher der badische Vereinsstock, die Berlepsch⸗ beute mit 36 oder mehr Halbrähmchen, win auch der hohe tiefe Ständer mit 4 Bogen. Daran ist gar nicht zu zweifeln. Da aber diestt Stockformen in so außergewöhnlichen Größen nicht handlich sind, so scheint es mir, als ob füt diese Gegenden denn doch jene Bienenwohnungen besser seien, welche sich durch ein Nebeneinander stellen bezw. Aufeinanderstellen, je nach Be dürfniß, erweitern lassen. Für Gegenden, we nicht gewandert wird, da gibt es z. B. keint: besseren und zweckmäßigeren Bienenwohnungen all! solche, welche aus mehreren kleinen Abtheilungen! bestehen, die auf- und nebeneinander gesetzt werden können, wie der Cowanstock, die amerikanischen! Stöcke und wie der echt deutsche, bisher wenig beachtete Kern'sche Mobilissimus. Diese, aus
einzelnen, je mit 7 Rähmchen ausgerüsteten,


