Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Pest, 25 Febr. Ab⸗ geordnetenhaus. Anläßlich der Berathung über die Indemnität verwahren sich die Abgg. Graf Apponyi und Helfy gegen jene Auffassung eines Theiles der ausländischen Presse, als ob es in Ungarn eine Partei gebe, deren Cardinalpunkte in der äußeren Politik nicht die unbedingte und aufrichtigste Erhaltung der deutschen und italie— nischen Allianz wäre. Jede anderweitige Auffassung sei als böswillige Insinuation zurückzuweisen. Mi⸗ nisterpräses Tisza drückte seine aufrichtigste Freude darüber aus, daß beide Oppositionsparteien so entschieden für die deutsche und italienische Allianz einträten; er halte dies Bündniß nicht für so ephemer, daß die Verdaͤchtigungen der gegnerischen Presse im Auslande demselben irgendwie schaden könnten, denn das Bündniß beruhe auf einer viel festeren Basis als bloßer Sympathie, es basire auf dem wohlverstandenen Interesse der betheiligten Staaten.(Lebhafte Zustimmung.) Tisza hob sodann die thatsächlichen Erfolge seiner 14jährigen Regierung hervor: die Con- solidirung des ungarischen Staates, die Hebung des politischen Gewichtes in der Monarchie und im Auslande, die Herstellung des finanziellen Credites und des Vertrauens, welche Thatsachen nicht hinwegeleugnet werden könnten. Die In— deminität wurde darauf mit überwiegender Ma— jorität angenommen.— 26. Febr. Im Abge— ordnetenhause brachte bei Berathung der§§. 24 und 25 der Wehrvorlage Abg. Gajary einen Antrag auf ausgedehntere Berücksichtigung der magyari- schen Sprache bei den Offiziersprüfungen der Einjährig-Freiwilligen ein. Der Landesverthei— digungsminister erklärte sich für ermächtigt, diesen Antrag anzunehmen, der Unterrichtsminister Czaky sagte unter lebhaften Beifall ziemlich bedeutende Begünstigungeu für Einjährig-Freiwillige sowohl in sprachlicher Beziehung, als für den Fall eines zweiten Dienstjahres zu.— Es fanden mehr⸗ fach Kundgebungen gegen das Wehrgesetz statt, so in Fünfkirchen, Klausenburg, Maros-Vasar- hely und Kaposvar.
Belgien. Brüssel. Die in Folge der Wahl Boulanger's aufgeschobene Rückberufung des hier weilenden Herzogs von Aumale nach Frankreich soll in den nächsten Tagen erfolgen.
Frankreich. Paris, 24. Febr. Die auf heute beabsichtigten Arbeiter- Kundgebungen sind unterblieben. Vor dem Stadthause hatten sich zwar einige Gruppen angesammelt, dieselben wurden aber von der Polizei ohne Mühe zer— streut, nur einige Personen, welche der Auffor— derung, weiter zu gehen, keine Folge leisteten, wurden verhaftet.
Großbritannien. London, 26. Febr. Kaiserin Friedrich nebst Töchtern ist heute nach Deutschland abgereist. Die Kaiserin wurde von der Königin zum Bahnhofe geleitet, wo zur Verabschiedung die Prinzessin von Wales mit Töchtern, andere Mitglieder der Königsfamilie, sowie der dentsche Bolschafter und der griechische Gesandte anwesend waren.
— Zu der heutigen Verhandlung der Par— nellcommisston war Pigott nicht erschienen. Auf Antrag Russel's erließ der Präsident einen Ver— haftungsbefehl gegen ihn und vertagte darauf die Sitzung für eine Stunde. Nach Wiederauf— nahme der Verhandlungen theilte Russel mit, Pigott habe am Samstag Labouchere aufgesucht und das Geständniß unterzeichnet, daß die Parnell und Anderen zugeschriebenen Briefe gefälscht seien.
Italien. Rom, 26. Febr. Die Kammer
setzte die Berathung der Finanzmaßnahmen heute fort. Die Anzahl der Tagesordnungen ist auf 58 gestiegen. Serbien. Belgrad. Da die liberalen Fuhrer Christusch die Cabinetsbildung vor den Wahlen zur Skupschtina widerriethen, ist nunmehr ent— schieden, daß Christitsch im Amte verbleibt und die Neubildung des Cabinets bis nach den Herbst— wahlen verschoben wird.
— Serbien kündigte den englischen Handels— vertrag, um dann alle anderen Handelsverträge, zunächst den österreichischen kündigen zu können.
Griechenland. Athen. Die Kammer ist auf den 10. März zu einer außerordentlichen Session einberufen.
Türkei. Constantinopel, 25. Febr. Der von Professor Gneist in der Streitsache der Pforte mit Baron Hirsch(Betriebs-Gesellschaft der Ottomanischen Bihnen) gefällte Schieds— spruch wurde heute den Vertretern der beiden Theile in der türkischen Botschaft mitgetheilt. Die Streitpunkte, welche dem Schiedsspruch Gneist's unterlagen, betrafen den von der Türkei verlangten, von Baron Hirsch zu leistenden Garantiefonds und die darauf fälligen Zinsen. In beiden Punkten wurde Hirsch verurtheilt und der Betrag auf ca. 39 Millionen festgesetzt.
Rußland. Petersburg. Den Zwischenfall Atschinoff besprechend, äußern sich die„Nowoje Wremja“ und die russische„Petersb. Zeitung“ ungehalten darüber, daß die Franzosen russisches Blut vergossen, und bezweifeln, ob der Gewaltact unvermeidlich gewesen sei;„Grashdanin“ macht ironische Bemerkungen über die russisch-französische „Freundschaft“ und meldet aus sicherer Quelle, Atschinoff und seine am Leben gebliebenen Ge— nossen würden als Kriegsgefangene nach Odessa gebracht.„Swjet“ reproducirt das gestrige Re— gierungs-Communiqué und den Bericht in der amtl. Marine⸗Zeitung, in welchem der Capitän des Dampfers„Nischny-Nowgorod“ das Verhal— ten Atschinoff's und seiner Genossen nicht sehr vortheilhaft schildert.
— 24 Febr. Es verlautet, der gestern ab— gereiste Zankow gehe zunächst nach Wien, von
dort nach Konstantinopel oder Bukarest. Die
hiesigen bulgarischen Emigranten drängen Zankow zu raschem Handeln.
— 396 in Warschau ansässige ausländische Juden wurden ausgewiesen.
Aus Stadt und Land.
r. Friedberg. Für das nächste Concert des Musik⸗ vereins ist Sonntag der 10. März in Aussicht ge⸗ nommen. Mendelssohn's reizendes Finale zur unvollen deten Oper„Loreley“ und„Harald“, nach einer Uhland— schen Ballade eomponirt von Krug Waldsee, sind als die
auf dem Programm stehenden größeren Composittonen
zu nennen.
j. Friedberg. Die von den Abgeordneten Schröder und Genossen in der zweiten Kammer gestellte Interpella— tion wegen Erbauung von Seeundärbahnen hat auch in der Wetterau diese Frage von Neuem in Fluß gebracht. Das seit langen Jahren bestehende Comité hat Anfangs dieses Monats eine Deputatson aus seiner Mitte ge⸗ wählt, die, sobald ihr die nachgesuchte Audienz gewährt wird, nochmals die Bitten unserer Gegend um Erbauung einer Bahn— Hungen(oder Nidda), Echzell, Reichelsheim, Weckesheim, Friedberg— in Darmstadt vortragen soll.
d. Rodheim v. d. H. Vergangenen Sonntag ver— anstaltete die hiesige freiwillige Feuerwehr eine Abend— Unterhaltung mit Ball, welche einen sehr guten Verlauf nahm. Nachdem um 7 Uhr der von sämmtlichen Feuer⸗ wehrleuten veranstaltete Fakelzug beendigt war, ver— einigte man sich im Gasthaus„Zum deutschen Haus“. Theatralische Aufführungen wechselten hier mit Gesängen ab, die sämmtlich eines großen Beifalls sich zu erfreuen hatten. Besonderer Dank gebührt dem Dirigenten des „Liederkranz“, Lehrer Reinhardt, der bereitwilligst die Einübung der einzelnen Gesangsstücke übernommen hatte. Von den benachbarten Orten waren mehrere Feuerwehr⸗ leute erschienen. Die hiesige Einwohnerschaft war sehr zahlreich vertreten, was einen deutlichen Bewets liefert, welche Sympathieen man hier allsettig der hlesigen Feuer⸗ wehr entgegenbringt.
s. Okarben. Der Gesangverein„Eintracht“ dahser beabsichtigt am 30. Juni und 1. Jult d. J. sein 25jähriges Fahnenjubtläum abzuhalten. Da die Festwirthschaft dem in den meisten Orten der Umgegend durch seine ausge— zeichneten Leistungen in Küche und Keller bekannten Wirth Reck zu Vilbel übertragen worden ist und der Gesang— verein sowohl, als der Ortsvorstand und die hlesigen Ein— wohner Alles aufbieten werden, den Sangesbrüdern und Gästen den Aufenthalt so angenehm als möglich zu machen, so darf man einer recht zahlreichen Bethelligung an unserem Feste sicher entgegensehen.
Gießen. In der Zeughaus Kaserne ist Scharlach ausgebrochen, welche Krankheit ein beurlaubter Soldat von Heuchelheim eingeschleppt haben soll Das Lazareth nebst der Reserve Baracke sind vollständig mit Kranken überfüllt, so daß nicht ein Bett mehr frei tst.
Offenbach. Kaiser Wilhelm hat sich über die neue alkalische Mineral-Quelle dahier Vortrag halten lassen und genehmigt, daß dieselbe, als während der Regte—
rungsperiode des Katsers Friedrich entdeckt, zum Ge—
dächtniß des großen Todten die offieielle Bezeichnung „Katser⸗Friedrich Quelle“ führen darf. Allerlei. Frankfurt, 25. Febr. Gestern Nachmittag gerieth auf dem hiesigen Staatsgüterbahnhof der Wagenaufseher
der Hessischen Ludwigsbahn P. Kettler beim Rangire eines Zuges zweschen die Puffer zweler Wagen, die ih
derart zerquetschten, daß er im Laufe des Nachmittags ö
in dem Krankenhaus der barmherzigen Schwestern
Bockenheim, wohin er alsbald verbracht worden, verstarb
Hanau. Die Geflügel⸗Ausstellung, welche nächsten Sonntag, Montag und Dienstag im Altstädter Schlosst dahier stattfindet, wird den eingetroffenen Anmeldungen nach stark beschickt sein. Mit der Ausstellung wird eine Verloosung von Hühnerstämmen, Singvsgeln ꝛc. in Werthe von ca. 1000 M. verbunden sein. 24
Bayreuth, 24. Febr. Eine bei dem Bauzeichner
Feller bedienstete 17jährige Magd erschlug ihre Herrin,
welche zugleich ibre Cousine war, mit einem Beil u
eignete sich sodann eine Baarschaft von ungefär 40 M.*
an. Die Mörderin wurde verhaftet und hat die schreck liche That bereits eingestanden.
Berlin, 25. Febr. Die telephonische Verbindung des htesigen Schlosses mit dem Kieler Schlosse ist her— gestellt. Der Kaiser hat sich heute bereits mit dem Prinzen Heinrich telephonisch unterhalten. 5
Kiel, 23. Febr. Das Wasser erreichte um 5 Uhr mit
72 Zoll über Null den höchsten Stand. Seitdem ist das-
selbe bei minder heftigem Winde etwas gefallen.
Prag. Im Böhmerwald droht eine Hungersnoth auszubrechen; es wird der Hunger-Typhus befürchtet. Die hiesigen deutschen Blätter bringen Hilferufe an die deutsche Bevölkerung für die armen Hinterwäldler.
Breslau, 25. Februar. Der Tischler Krahl in Breslau, welcher im Juli v. Is. einen Schutzmann er⸗ mordet hat, wurde am Samstag, nachdem er mit seiner
früheren Geliebten ehelich verbunden worden, durch den
Scharfrichter Krauts hingerichtet.
Paris. Hiesigen Berichten zufolge ist die Seine in der letzten Nacht derartig gestiegen, daß die nahe dem Ufer liegenden Ausstellungsgebäude, unter Wasser stehen. Viele der kleinen leichten Bauten drohen schon jetzt einzustürzen.
Handel und Berkehr.
Der Verunglückte hinterläßt eine Frau und drei Kinder,
konnen biemt dieselbe
armen nicht Geld it
Friedberg, 26. Febr. Fruchtpr. Waizen M. 19.00—
bis M. 19.25, Korn M. 16.25— 00.00, Gerste M. 14.50
bis 15.00, Hafer M. 13.50— 13.75. Alle Preise verstehen
sich auf 100 Kilo= 200 Zollpfund.
Friedberg, 27. Febr. Buttermarkt. Butter kostete
per Pfd. M. 0.90— 1.00, Eier 1 St. 7 Pf., 2 St. 13 Pf.
Butzbach, 23. Febr. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfund M. 1.00—0.00., Käse per Pfund 4546 Pf., Eier 1 Stück 6 Pf.
Grünberg, 23. Febr. Fruchtpreise. Weizen M. 19.30, Korn M. 16 00, Gerste M. 13.00, Hafer M. 13.40, Erbsen M. 17.00, Samen M. 00.00, Wicken M. 00.00, Kartoffeln M. 0.00, Linsen M. 00.00.
Gießen, 26. Febr. Auf dem heutigen Wochenmarkt kostete: Butter per Pfund M. 0.95 bis 1.00, Eier 1 Stück 6—7 Pf., Käse per Stück 5—8 Pf., Tauben pet Paar M. 0.80— 1.30, Hühner per Stück M. 1.— 1.60, Hahnen per Stück M. 1.60— 2.20, Enten per St. M. 2.00— 2.30, Ochsenfleisch per Pfd. 60—68 Pf., Kuh⸗ und Rindflelsch 45—54 Pf., Schweinefleisch 50— 60 Pf., Hammelfleisch 54-64 Pf., Kalbfleisch 50 Pf., Kartoffeln pro 100 Kilo M. 6.00— 0.00, Zwiebeln per Centner M. 9.00 9.50.
Frankfurt, 25. Febr. Fruchtbericht. Hles. Welzen⸗ mehl Nr. 0 M. 31.50— 33.50, Nr. 1 M. 29.25 31.25, Nr. 2 M. 26.50— 27.50, Nr. 3 M. 25—26, Nr. 4 M. 21.00 bis 22.00, Nr. 5 M 18.00— 19.00, Milchbrod-⸗ und
Brodmehl im Verband M. 55.00-58.00, norddeutsche l
und westfälische Weizenmehle Nr. 00 M. 26.50— 27.00, Roggenmehl(hiesiges) Nr. 0 M. 25.50— 26.00, Nr. 0/1 M. 23.5— 24, Nr. 1 M. 21.50— 22, Nr. 2 M. 18.00 bis 19.00, Weizen ab unserer Umgegend M. 19.25 19.50, frei Bahn hier M. 19.60-19.75, fremder nach Qualität M. 21.00— 22.00, kurhessischer M. 20.00— 20.25, nord⸗ deutscher M. 00.00 00.00, Roggen hies. M. 16.25, russischer M. 15 80 00.00, Gerste, Wetterauer und Ried M. 16.00 bis 16.25, Saal und ungarische M. 18.00— 20.00, Hafer, prima M. 15— 15.25, mittel M. 13.50— 14.00, Raps M. 00, Mais(mixed) M 12.5000, Roggenkleie M. 10, Welzenkleie M. 9.50— 0.00, Malzkeime M. 9.60, Spelz⸗ spreu M. 4.00, Malz hochprima M. 26 50—28, Chili⸗ salpeter M. 22.00 ab Harburg. Rüböl im Detail M. 65, Die Preise versteben sich pro 100 Kilo ab hier, häuftg auch loco auswärtiger Statlonen.
Frankfurt, 25. Febr Vlehmarkt. Der heutige Markt
war mit 328 Ochsen, 12 Bullen, 389 Kühen, Stieren und Rindern, 284 Kälbern, 225 Hämmeln und 231 Schweinen befahren. Die Preise stellten sich wie folgt: Ochsen 1. Qualität pro 100 Pfund Schlachtgewicht M. 61—63, 2. Qual. M. 54—58, Bullen 1. Oualität M. 40-41, 2. Qual. M. 37 39, Kühe, Stiere und Rinder 1. Qual. M. 51—53, 2. Qual. M. 42-48, Kälber 1. Qual. pro Pfund Schlachtgewicht 55—60 Pf., 2. Qual. 45 bis 48 Pf, Hämmel 1. Qual. 58—60 Pf., 2. Qual. 50 bis 52 Pf., Schweine 1. Qual. 56— 57 Pf., 2. Qual. 54— 55 Pf.
Frankfurt, 26. Februar. Engros⸗Markt. Heu pro 100 Kilo M. 8.60—9.60, Stroh pro 100 Kilo M. 6.80 bis 7.60, Butter pro 50 Kilo M. 87.00— 90.00, Eler das Hundert M. 5.00—6., Erbsen 100 Kilo M. 18 bis 23.00, do. geschälte M. 20— 30, Linsen M. 34 bis 52, weiße Bohnen M. 23.—25 50, Blumenkohl 100 Stück M. 60.00— 70.00, Sellerieköpfe 100 Stück M. 8.—10., französischer Sellerie M. 0.50— 00.00, franz. Kopfsalat 100 Stück M. 10.00— 12.00, neue französische Bohnen per Pfd. M. 0.80— 1.00, englischer Sellerie 50 60 Pf., Nüsse per Centner M. 20 bis 25, Haselnüsse per Centner M. 35.— 45., Aepfel per Pfund 6-10 Pf., Birnen per
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