Saarbrücken, 21. Dec. Auf den Gruben Friedrichsthal, Maybach, König, Kohlwald, Sulz— bach, Kreuzgraben, Jägersfreude ist alles ange— fahren. Partieller Streik besteht noch in Ens— dorf, Altenwald, Dudweilen, Camphausen, Reden, Itzenplitz, von der Heydt, Louisenthal, Puttlitz; jedoch sind überall mehr Arbeiter als gestern angefahren; neu in den Streik eingetreten ist die Grube Heinitz mit Dreiviertel der Belegschaft.
München. Die„Neuesten Nachrichten“ melden, der Prinzregent habe an den Minister— präsidenten v. Lutz anläßlich dessen zwanzigsten Jahrestages der Uebernahme des Cultusmini— steriums herzliche Glückwünsche und ein pracht— volles Bouquet übersandt.
— Die Kammer hat sich bis 7. Januar 1890 vertagt.
Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Wien, 20. Dec. Ministerpräsident Taaffe sprach im Auftrag des Kaisers die Vertagung des Reichsraths aus.
— 21. Dec. Daß Kaiserpaar ist Abends nach Miramare abgereist.
Schweiz. Neuenburg. Die Assisen sprachen die wegen des bekannten Anarchistenmanifestes Angeklagten einstimmig frei.
Bern. Die Session der Bundesversamm— lung wurde geschlossen; die nächste beginnt am 2. Juni 1890.
Belgien. Brüssel. Eine belgische Gesell— schaft beabsichtigt die Herstellung einer Eisen— bahnlinie am Congo von Boma nach Brazzaville.
— 21. Dec. Eine neue Streikbewegung unter den belgischen Bergleuten greift um sich. Die Zahl der Streikenden beträgt ca. 3000.
Frankreich. Paris. Die„Köln. Ztg.“ bringt folgende Meldung von hier:„Wie wir erfahren, hat der Oberkriegsrath nach langen Berathungen sich gutachtlich dahin geäußert, daß mit Rücksicht auf die Theilung des 15. deutschen Armeecorps und die damit zusammenhängenden Neugestaltungen des deutschen Heeres Grund vor— liege, die Garnisonen an der Ostgrenze zu ver— stärken und ein zweites 6. Armeecorps unter der Bezeichnung 6 bis zu errichten.“
Großbritannien. London. Der Herzog
von Cambridge erklärte vor wenigen Tagen bei einem Festmahle das von der„World“ ver— breitete Gerücht über die Kränklichkeit des Prinzen von Wales für unbegründet. Der Prinz erfreue sich vielmehr vortrefflicher Gesundheit. Eine Note Lord Salisbury's an die portugiesische Regierung fordert die Miß— billigung und die Zurückweisung des Vorgehens der portugiesischen Agenten in Südwestafrika, sowie die Wiederherstellung des status quo. Die Herabnahme einer aufgehißten englischen Flagge könne England unter keinen Umständen gestatten. Die englischen Kriegsschiffe„Raleigh“,„Curagao“ und„Brisk“ erhielten denn auch Befehl, unver— weilt nach der Delagoabay abzugehen.
Italien. Rom, 20 Dec. Die Kammer genehmigte mit 170 gegen 50 Stimmen den Gesetzentwurf betreffend Aufhebung der Differen— tialzölle und vertagte sich bis zum 20. Jan. 1890.
—„Riforma“ bemerkt der„Times“ gegen— über, welche Italien Eroberungspläne im Sudan zugeschrieben hat, Italien sei seit langer Zeit in allen Afrika betreffenden Fragen im Einver— nehmen mit England vorgegangen, es werde von der alten Freundschaft nicht plötzlich zu gewalt— samen Eroberungen eines England wenigstens indirect unterworfenen Hafens übergehen.
— 21. Dec. Die wegen des Bombenwerfens am 18. September auf dem Kolonnaplatze ange— klagten Frattini und Pallotta wurden ersterer zu fünfzehnjähriger Zwangsarbeit, letzterer zu drei— jährigem Gefängniß verurtheilt. Als der Staats— anwalt zwanzigjährige Zwangsarbeit beantragte, rief Frattini: Es lebe die Anarchie!
Amerika. Washington. Der Senat be— stätigte die Ernennung Phelps' zum Gesandten in Berlin.
Rio de Janeiro, 22. Dec. Ein gestern ver— öffentlichter Erlaß der provisorischen Regierung
— 21.
setzt die allgemeinen Wahlen auf den 15. Sep⸗ tember 1890 fest. Der Erlaß verhängt ferner die Verbannung über den Kaiser Dom Pedro und seine Familie, sowie über den ehemaligen Premierminister Preto und dessen Bruder. Der Gouverneur von Rio Grande do Sul soll depor— tirt werden; endlich wird die dem Kaiser gewährte Summe von 5 Million Milreis zurückgezogen und dessen jährliche Pension suspendirt.
China. Shanghai. Sämmtliche Eisenbahn— projekte mußten infolge politischer Umtriebe und wegen Abneigung der Bevölkerung gegen dieselben auf unbestimmte Zeit vertagt werden.
Afrika. Sansibar, 21. Dec. Die„Times“ meldet von hier, daß der Arzt Dr. Parke am gastrischen Fieber gefaͤhrlich erkrankt sei. Drei Hauptanhänger Buschiri's wurden gestern in Bagamoyo hingerichtet.
Australien. Samoa, 10. Dec. Malietoa ist zum König proclamirt worden und hat seine Fahne gehißt; derselbe wurde von den Consuln Deutsch— lands, Englands und der Vereinigten Staaten formell anerkannt.
f Allerlei.
Coblenz. Einen ganz merkwürdigen Fund hat der Schlächtermeister Lichtenberg hier gemacht. Derselbe fand im Magen eines Ochsen einen schweren goldenen Ring, der folgende Inschrift trug:„Napoléon III., Empereur 1862.“ Welche Schicksale mag jener Ring durchgemacht haben, bevor er in den Magen des Ochsen gerieth?
Bürstein, 19. Dez. Heute ist der frübere Erzherzog Johann(Johann Orth) zu längerem Besuche seiner Schwester, der Fürstin Psenburg Birstein hier angekommen. Berlin, 21. Dez. Unterstaatsseeretär v. Zastrow, ist im Alter von 56 Jahren heute Morgen auf seinem Arbettsstuhl im Ministerium gestorben.
Pest, 20. Dee. Das Deutsche Theater ist heute bis auf den Grund niedergebrannt. Der Brand brach bald nach 3 Uhr Nachmittags im Zuschauerraum aus, nachdem kurz vorher Probe stattgefunden hatte. Um 8½ Uhr standen nur noch die nackten Mauern.
Toulon, 20. Dee. Ein Submarineschlff hält gegen⸗ wärtig seine unterseeischen Probefahrten, durchkreuzte gestern die Rhede nach allen Richtungen, vermied Ketten, Boyen, Ankergründe und fuhr unter Panzerschiffen hinweg. Die außerordentliche Leichtigkeit der Umschau gestattet dem Befehlshaber in weitem Umkreise alles auf dem Meere wahrzunehmen, obgleich sich das Schiff selbst in gewisser Tiefe fortbewegt.
Madrid. Bisher sind hier gegen 20,000 Influenza— erkrankungen vorgekommen.
Madrid, 22. Dez. Das Liceo-Theater in Sala⸗ manca ist durch eine Feuersbrunst vollständig zerstört worden. Acht Personen sollen dabei Verletzungen er— litten haben.
Genua, 21. Dez. In der Baumwollen-Niederlage am Quai Saint Lazare brach gestern eine Feuers brunst aus. 1500 Ballen Baumwolle wurden vernichtet bezieh— ungsweise beschädigt. Der Schaden wird auf 300,000 Aire geschätzt. Ein Menschenverlust ist nicht zu beklagen.
Rom, 20. Dec. Nach hier eingetroffener Meldung ist in dem Steinkohlen-Depot der Schiffswerft auf Mad⸗ dalena, in welchem sich 40,000 Tonnen Kohlen befinden, Feuer ausgebrochen. Marinesoldaten, Arbeiter und Sträf— linge sind mit den Löscharbeiten beschäftigt, die voraus— 0 00 mehrere Tage dauern dürften. Das Wetter ist ruhig.
Briefkasten. H. hier. Der Einsender des Gedichtes in letzter Nummer des Unterhaltungsblattes ist S. Hanau, nicht L. Hanau. Die Redaction.
Kirchliche Anzeigen für Friedberg Ebangelische Gemeinde. Weihnachts fest.
Erster Festtag.
Gottesdienst in der Stadtkirche. Nachmittags 1¼ Uhr: Herr Candidat Georg Becker. Gottesdienst in der Burgkirche.
Vormittags 9½ Uhr: Herr Pfarrer Velte.
(Nach dem Gottesdienst Beichte.) Abends 5 Uhr: Herr Pfarrer Meyer.
Zweiter Festtag. Gottesdienst in der Stadtkirche. Nachmittags 1½ Uhr: Herr Candidat Fritsch. Gottesdienst in der Burgkirche. Vormittags 9½ Uhr: Herr Pfarrer Pr. Weiffen bach. Abendmahl. Abends 5 Uhr: Herr Pfarrer Velte.
Katholische Gemeinde.
Dienstag Nachmittag von 3 Uhr an Beicht.
Am ersten Feiertag: Morgens 6 Uhr: Christmette; unter derselben Austheilung der heil. Communion. Um 10 Uhr: Feierliches Hochamt mit Predigt.
Um 2 Uhr: Vesper; nach derselben Beicht.
Am zweiten Feiertag: Morgens nach 6 Uhr Beicht;
3/47 Uhr Austheilung der beil. Communion. 10 Uhr: Hochamt mit Predigt. 2 Uhr: Andacht mit Segen.
Jsraelitische Gemeinde. Sabbathfeler vom 28. Dezember. Beginn:
Freitag Abend 3 Uhr 45 Min. Samstag Morgen 8 Uhr 30 Min. Samstag Nachmittag 3 Uhr 15 Min. Sabbathausgang 4 Uhr 55 Min.
Wochengottesdienst von Sonntag den 29. Dezember an
Morgens 7 Uhr, Nachmittags 3 Ubr 45 Min. —
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Eintrag in das Genossenschafts⸗
register. Der Vorschuß- und Creditverein zu Wohnbach, e. G., hat in folgenden Punkten Statutenänderung beschlossen: 1. Die Genossenschaft führt nunmehr die Firma:„Vor
schuß⸗ und Creditverein, eingetragene Genossenschaft,
mit unbeschränkter Haftpflicht“ und hat ihren Sitz zu Wohnbach. . Gegenstand des Unternehmes ist, durch gemeinschaft⸗ lichen Credit der Genossen die zu deren Gewerbe— und Geschäftsbetrieb nöthigen Geldmittel sich gegen— seitig zu beschaffen. Die Bekanntmachungen der Genossenschaft erfolgen im Oberhessischen Anzeiger. Der Vorstand zeichnet durch Beifügung der Namens- unterschriften seiner Mitglieder zu der Firma.
Im Weiteren bat die Genossenschaft die Liste ihrer am 1. Oktober l. J. ihr angehörigen Genossen bei uns eingereicht und ist dieselbe in unserer Gerichtsschreiberel öffentlich zur Einsicht ausgelegt. Die in dieser Liste auf⸗ geführten Personen, welche behaupten, daß sie am 1. Ok— tober 1889, als dem Tage des Inkrafttretens des Gesetzes vom 1. Mal 1889, nicht Mitglieder dieser Genossenschaft gewesen sind, oder, daß ihr Ausscheiden nicht richtig in die Liste eingetragen ist, sowie die in der Liste nicht auf⸗ geführten Personen, welche am 1. Oktober 1889 Mit⸗ glieder dieser Genossenschaft gewesen zu sein behaupten, werden aufgefordert, ihren Widerspruch gegen die Llste bis zum Ablauf einer Ausschlußfrist von einem Monat schriftlich oder zu Protokoll des Gerichtsschreibers zu erklären.
Hungen den 14. Dezember 1889.
Großherzogliches Amtsgericht Hungen. Ittmann.
In der Privalklagesache
des Jacob Meier zu Staden, für seinen minder⸗ jährigen Sohn Albert Meier von da, vertreten durch Rechtsanwalt Seyd von Friedberg,
Privatklägers, gegen den Federvlehhändler Georg Kaspar Scheuermann zu Echzell,
8. 4.
Angeklagten, wegen Beleidigung, hat das Großh. Schöffengericht zu Altenstadt am 5. Dezember 1889 für Recht erkannt: Der Angeklagte, Federviehhändler Georg Kaspar Scheuer⸗ mann zu Echzell, geboren den 14. September 1859, ver⸗ heirathet, evangelisch, wird der ihm zur Last gelegtes Beleidigung des minderjährigen Sohnes des Privatklägern Namens Albert Meyer für überführt erachtet und dem⸗ gemäß zu einer Geldstrafe von vier Reichsmark, im Falle der Uneinbringlichkeit zur Haftstrafe von einem Tag, so⸗ wie zur Tragung der Kosten einschließlich der dem Privat- kläger erwachsenen nothwendigen Auslagen verurtheilt. Zugleich wird dem Privatkläger das Recht zugesprochen, die erfolgte Verurtheilung einmal im Oberhessischen An⸗ zeiger zu Friedberg auf Kosten des Schuldigen binnen vierzehn Tagen, vom Tage der Zustellung einer Abschrift des rechtskräftigen Urtheils gerechnet, bekannt zu machen.
Die Richtigkeit der Abschrift der Urtheisformel wird beglaubigt und die Vollstreckbarkeit des Urtheils be⸗ scheinigt.
Altenstadt den 17. Dezember 1889. 4638
Streuber, Gerichtsschreiber des Großherzoglichen Amtsgerichts.
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