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Rouvier Finanzen, Thivenet Justiz, Fallidre Unterricht, Faye Ackerbau, Pves Guyot Arbeiten, Freycinet Krieg, Jaures Marine. Die Ernen— nung des Ministers für das Auswärtige bleibt vorbehalten.
Großbritannien. London. In der Par⸗ nell-Untersuchungs Commission wurden Mitthei— lungen des Feniers Davis an Pigott verlesen; danach hatten Parnell und andere irische Par— teiführer im Jahre 1887 in Paris eine Con— ferenz abgehalten, worin Repressalien gegen die britische Regierung beschlossen worden waren. Nach der Verhaftung Parnell's wurden die Invincibles Tynan und Byrne nach Cannes ge— sandt, um den Prinzen von Wales und Glad— stone während des Carnevals zu ermorden. Die Abgesandten unternahmen aber nichts.
— 21. Febr. Die Thronrede zur Eröffnung des Parlaments bezeichnet die Beziehungen zu den Mächten als herzliche und sagt, es sei kein Grund zur Befürchtung neuer Unruhen bei Suakim vorhanden. Die Königin willige in die Conferenz betreffs Samoa in Berlin ein. Die Thronrede erklärt Vorsichtsmaßregeln zum Schutze der Küsten und des Handels für nothwendig; da dle anderen Mächte fortführen, zu rüsten. Der „St. James Gazette“ zufolge wird die Regier— ung eine Creditforderung von 12 Millionen zur Vermehrung der Kriegsschiffe und zur Verstärk— und des Marinepersonals um 3000 Mann ein— bringen.
Italien. Rom, 20. Febr. In der Kammer wurde die erste Lesung des Gesetzes betr. die Finanzmaßnahmen fortgesetzt. Brunalti bean— tragte die Ablehnung der zweiten Lesung Lucca befürwortete Ersparungen von 9 Millionen an den afrikanischen Ausgaben anstatt der Wieder— herstellung des Zehntels der Grundsteuer. Mar— tini verlangt eine Beschränkung der afrikanischen Action. Blasio forderte die Herstellung des Gleichgewichts im Staatshaushalt durch Erspa— rungen. Topanelli beantragte ein Mißtraueus— votum gegen die Regierung.— 21. Febr. Die Kammer setzte auch heute die Berathung der finanziellen Maßnahmen fort. In Abgeordneten kreisen glaubt man, daß die Generaldebatte am Samstag geschlossen wird. Bisher sind 22 Tagesordnungen in Antrag gebracht. Außer den gestern bereits mitgetheilten Tagesordnungen beantragen noch fünf weitere das Eintreten in die Specialberathung, empfehlen indeß Erspa— rungen. Die Tagesordnung Ricotti's ist für das Eintreten in die Specialdebatte in Erwägung des Umstandes, daß das Budget des Kriegs— ministeriums eine neue unvermeidliche Erhöhung erheischen werde. Fünf Tagesordnungen sind gegen Eintreten in die Specialberathung, zwei, nämlich jene Brancas und Bonghis, enthalten ein Mißtrauensvotum, zwei weitere fordern Ent— lastung des Ackerbaues.
— 21. Febr. Gestern wurde bei einem Schuhmacher Namens Dini in Spezzia ein Kistchen Dynamit beschlagnahmt und Dini ver— haftet. Im Kanal nächst Politcama sind wei— tere Kistchen Dynamit gefunden worden. In der letzten Nacht kamen mehrere Verhaftungen vor.
— Die„Agenzia-Stefani“ meldet aus Aden ein Gerücht, nach welchem der französische Kreuzer „Seignelay“ mit dem Admiral Aubry an Bord die Stellung der Expedition Atschinoff bei Sagallo bombardirte, 5 Kosaken verwundete und einige derselben als Gefangene nach Obok brachte.
Griechenland. Athen, 20. Febr. Kammer bewilligte das Budget. Darauf wurde die Tagung geschlossen.
Rumänien. Bukarest, 21. Febr. In der Deputirtenkammer wurde der neuerdings von Blaremberg und Genossen eingebrachte Antrag, das Ministerium Bratiano in den Anklagezustand zu versetzen, mit Ol gegen 41 Stimmen ange— nommen. Die Untersuchungs-Commission, aus 7 Mitgliedern bestehend, wird noch heute gewählt.
— Die König Natalie von Serbien trifft in den nächsten Tagen hier ein und ordnete den Ankauf eines Hauses an, da sie längere Zeit hier zu verbleiben gedenkt.
Die
Rußland. Petersburg. Meldungen aus Tschardschui zufolge leitet der Emir Abdurrahman persönlich in Mazarischerif den Prozeß gegen die Theilnehmer an dem Aufstande Ishak Khans. Eine unter dem Befehl des Generals Christiani in Barki stehende russische Militärcolonne be— findet sich in voller Feldaus rüstung, eine Offen— siobewegung der Afghanen gegen Buchara und die Russen wird jedoch bezweifelt. Zum Gene— ralgouverneur des afghanischen Turkestan wurde Gohlam Chander, der Besieger des Ghilsa— Stammes, anstatt Ishak Khan ernannt.
Türkei. Konstantinopel. Der Sultan ist sehr unwillig über eine Bewegung der Softas, die sich gegen ihn und den Scheik ul Islam richtet. 23 Softas wurden verhaftet und nach dem Innern des Landes verbannt. Der Sultan ist seit drei Tagen den Regierungsgeschäften fern geblieben.
Afrika. Sansibar. In einem Berichte über die Angriffe der Aufständischen auf Dar-es Salam am 10. und 11. d. M., den die„Nordd. Allg.
Ztg.“ veröffentlicht und der im Allgemeinen be—
reits bekannte Thatsachen bespricht, wird be— hauptet, die neuerdings zur Verstärkung der Aufständischen eingetroffenen Sansibar- und Maskat-Araber seien im Besitze eines Schrei— bens des Sultans von Sansibar, in welchen derselbe sie zur Vernichtung der Europäer in Dar⸗-es⸗Salam auffordert.
Aus Stadt und Land.
P. Friedberg. Wie aus der Bekanntmachung im amtlichen Theil der heutigen Nummer hervorgeht, soll kommenden Sonntag Nachmiitag ½3 Uhr eine Ver— sammlung des landw. Bezirksvereins, Sektion Friedberg, stattfinden, auf welcher ein Vortrag über„Stand des Obstbaues in der Wetterau, Obsthandel, Obstmarkt und die Vortheile eines eigenen Vereines für Förderung des Obstbaues“ gehalten werden wird. Die Versammlung, welche eigentlich schon vor 14 Tagen anberaumt war, mußte damals wegen des Schneeunwetters unterbleiben Es wäre sehr wuͤnschenswerth, daß die Versammlung zahlreich besucht würde, auch von Nichtmitgliedern des landw. Vereins, die Interesse für Obstbau haben, da zugleich das Projekt der Gründung eines eigenen Obst— bauvereins, dem Jedermann gegen den geringen Beitrag von 1 Mark jährlich beitreten kann, besprochen werden soll. Sobald der Verein, der sich über die ganze, für Obstbau so geeignete Wetterau erstrecken und die Sek ttionen Butzbach, Friedberg und Vilbel umfassen soll, deren erste und letzte bereits gesichert sind, sich eonstituirt hat, soll die Anstellung eines Obstbautechnikers für den genannten Bezirk angestrebt werden, der den Mitgliedern gegen eine festgesetzte Entschädigung in allen praktischen Fragen mit Rath und That zur Seite stehen wuß. Dem⸗ selben wird zugleich die praktische Unterweisung bei den Obstbaukursen und die fernere Ueberwachung der Thätig— keit der Obstbaumwärter übertragen werden, wenn die Gemeinden oder Ortsobstbauvereine solche anstellen und controlirt zu haben wünschen. Da seitens der Regie— rung eine staatliche Beihülfe zur Besoldung solcher Kreis obstbautechniker zugesichert wurde und auch seitens der oberen landw. Behörde und der Leitung des landw. Provinzialvereins diesen Bestrebungen das weitgehendste Interesse geschenkt wird, so liegt es nur an der regen Bethätigung des Interesses von Seiten der Obstzüchter, einem längst gefühlten Bedürfniß zu entsprechen und einer guten Sache zum Werden zu verhelfen. Nur, wer sich persönlich an den Berathungen betheiligt, kann er— warten, daß seinen Wünschen und Ansichten Rechnung getragen wird.
r. Bad⸗Nauheim. Die am letzten Samstag im Fritz'schen Saale abgehaltene General-Versammlung des bies. Spar- und Vorschuß Vereins und der Pfennigspar kuͤsse war von ca 150 Mitgliedern besucht. Aus dem Geschäftsbericht sei Folgendes hervorgehoben: Die Mit gliederzahl hat sich um 15 vermehrt, beträgt also nun— mehr 304, der Gesammtumsatz war 19,939,34 M., die Stammantheile umfassen 108,481 Ms, der Reservefonds beträgt 20,375 M.; an Verwaltungskosten wurden ver ausgabt 3,201 M., an Reingewinn wurden 10,170 M. erztelt. An Dividende werden 6% gezahlt Der Bestand der Pfennigsparkasse betrug Ende 1887 10,556 M. 98 Pf. Die Einlagen betrugen im Jahr 1888 3735 M. 10 Pf An Zinsen wurden den Sparern zugeschrieben 267 M. 15 Pf. Die Rückzahlungen summiren 3416 M. 16 Pf., so daß für die Sparer ein Guthaben von 11,153 M. 7 Pf. bleibt. Zusammen in den 712 Jahren des Be stehens der Pfennigsparkasse wurden gesammelt 29,298 M. 69 Pf., an Zinsen gutgeschrieben 1,453 M. 36 Pf., in Summa also 30,693 M. erzielt. Die Mitgliederzahl be— trägt über 400.
Gießen. Als Geschworene für die am 18. März be— ginnende Sitzungsperiode des Schwurgerichts vom ersten Quartal 1889 wurden gezogen: 1. Ockel, Johs., Selters; 2. Adam, Fr., Gießen; 3. Schneider, H. E., Alsfeld; 4. Burk, G. J, Wotzenborn; 5. Schmidt, Chr., Trohe; 6. Hoffmann, C., Hof- Gill; 7. Horn, K. III., Bad⸗Nau heim; 8. Nahrgang, E., Allendorf a. d. L.; 9. Niepoth,
G. L., Schlitz; 10. Sommerlad, J., Beuern; 11. Kißner, G. A., Schotten; 12. Heller, K., Lich; 13. Alker, Johs., Gießen; 14. Nohl, H. Chr., Echzell; 15. Reif, H., Dor⸗ heim; 16. Dieffenbach, K. Dr., Lich; 17. Gerhardt, C., Butzbach; 18. Ackermann, A. Gießen; 19. Repp, Jobs. II., Bobenhausen; 20. von Löw, Freiherr G., Steinfurth; 21. Keßler, Joh. VI., Großen Linden; 22. Baltz, M.,
Gießen; 23. Schul, G., Schlitz; 24. Dierlamm, H., Wind⸗
hausen; 25. Kaufmann, S., Schotten; 26. Schudt, K. M., Dorbeim; 27. Pasch, M., Dr. Prof., Gießen; 28. Görnert, L. IV., Queckborn; 29. Inderthal, Heinr. II., Rödgen; 30. Schmidt, A, Schotten.
Allerlei.
Berlin. Die diesjährige große akademische Kunst⸗ ausstellung von Werken lebender Künstler des In- und Auslandes wird vom 15. August bis 6. October im Landesausstellungspalast zu Berlin stattfinden.
London. Das englische Schulschiff„Cumberland“ bei Glasgow, mit 400 Zöglingen an Bord, wurde in der Nacht vom 17. d. M. von diesen in Brand gesteckt und brannte gänzlich nieder. Die Rettung aller auf dem Schiffe befindlichen Personen ist glücklicherweise gelungen.
Newyork, 19. Febr. Ein furchtbarer Wirbelsturm tobte heute in Alabama, Georgia und Virginia. Ganze Dörfer sind vom Erdboden verschwunden. In Atlanta riß der Sturm ein hölzernes Bauernhaus, in welchem sich die ganze Familie befand, hoch in die Luft empor und trug es fast eine englische Meile weit fort, worauf es berstend niederstürzte und alle seine Insassen beim Sturz tödtete und unter seinen Trümmern begrub.
Handel und Verkehr.
Butzbach, 20. Febr. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfund M. 1.00—0.00., Käse per Pfund 45— 46 Pf., Eier 1 Stück 6 Pf.
Frankfurt, 20. Febr. Wochenmarkt. Erbsen ganze per Pfd. 12— 18 Pf., do. geschälte 14— 18 Pf., Linsen 18-28 Pf., weiße Bohnen 16— 18 Pf., hiesige Kartoffeln per Gescheid 10—12 Pf., krause Endivien 25— 30 Pf., Butter per Pfd. M. 1.10— 1.20, Eier das Stück 7 bis 8 Pf., Blumenkohl 25—60 Pf., frische Suppenspargeln das Päckchen 20—40 Pf., frische Spargein das Pfd. M. 3.00 bis 3.50, franz. Kopfsalat das Stück 14—18 Pf., Sellerle⸗ köpfe 15— 20 Pf., franz Sellerie 40— 50 Pf., engl. Sellerie 50-60 Pf., franz. Romainsalat per Stück 60—80 Pf., Wirsing per Stück 10—15 Pf., Zwiebeln per Pfund 7 bis 9 Pf., per Centner M. 7.00—8.00, Welßkraut per St. 10-25 Pf. neuer Lattigsalat die Port. 50 80 Pf., Aepfel per Pfd. 15— 20 Pf., Birnen per Pfd. 5— 10 Pf., Nüsse per Pfund 20—28 Pf., Mauskartoffeln per Ge— scheid 20 bis 25 Pf., Spinat 70— 100 Pf., Rosenkohl 50—80 Pf., Schwarzwurzel 40—70 Pf., gelbe Rüben die Portion 1520 Pf., weiße Rüben das Stück 2 Pf., rothe Rüben per Portion 20—30 Pf., Teltower Rübchen 0000 Pf., Grünkohl 40-50 Pf., Kastanien das Pfund 15-16 Pf.
Frankfurt, 21. Februar. Fruchtbericht. Hiesiges Weizenmehl Nr. 0 M. 31.50— 33.50, Nr. 1 M. 29.00 bis 31.25, Nr. 2 M. 26.50— 27.50, Nr. 3 M. 24.50 ois 25.50, Nr. 4 M. 21.50-22.00, Nr. 5 M. 18.00 bis 19.00, Milchbrod- und Brod-Mehl im Verband M. 54.00 58.00, norddeutsche und westfälische Weizen⸗ mehle Nr. 00 M. 26.50— 27.00, Roggenmehl(hiefiges) Nr. O M. 25.50— 26 00, Nr. 0/1 M. 23 50- 24.00, Nr. 1 M. 21.50—22.00, Nr. 2 M. 18.00- 19.00, Roggenkleie M. 10.— 00.00, Weizenkleie M. 9.50— 0.00, Malzkeime M. 9.60, Spelzenspreu M. 4 0.00, Rüböl im Detail M. 55. Obige Preise verstehen sich per 100 Kilo ab hier häufig jedoch auch loco auswärtiger Stationen.
Geld⸗Cours. Frankfurt am 21. Februar 1889.
Geber. Nehmer.
M. Pf. M. Pf.
20⸗Frankenstücke„55; do. N%%,„ Englische Sovereigns... 20. 40 20. 35 Russische Imperlales.—. 16. 73
Ducaten. 5 5„ 9. 57 e ee Dolle in Gold 20 4. 16
Gedenket der Vöglein im Schnee! Der Frost und Hunger thun weh.
Verwahret Feuer und Licht, Damit kein Schaden geschicht!
Beim Eis vergeßt das Streuen nicht, Sonst kommt Ihr vor das Strafgericht.
Kirchliche Anzeigen für Friedberg Evangelische Gemeinde. Sexagesimä.
Pfarramtswoche Herr Pfarrer Velte. Gottesdienst in der Burgkirche.
Vormittags 9½ Uhr: Herr Pfarrer Meyer. Nachmittags 112 Uhr: Herr Candidat Ulrich. Abends 5½ Uhr: Herr Pfarrer Velte. Katholische Gemeinde. Samstag von 4 Uhr an Beicht. Sonntag Morgen 6 Uhr: Beicht; 3/7 Uhr: Austheilung der hl. Communion. 10 Uhr: Hochamt mit Predigt. 2 Uhr: Christenlehre und Andacht.
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