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mender und übersprudelnder Lebenslust zu Tage. Das Ende des Kronprinzen und Vieles, was ihm vorangegangen ist, hat den Völkern Oester⸗ reich's ein böses Beispiel gegeben und das mo— narchische Staatsgefühl sehr erschüttert, wie noch zum Vorschein kommen dürfte. Kaiser Franz Joseph, der tief beklagenswerthe Vater, der treue Bundesgenosse des deutschen Reiches, soll geäußert haben:„er hätte lieber eine Provinz seines Reiches verloren, als dies Ende seines einzigen Sohnes und Thronerben erlebt.“
Pest, 19. Febr. Auf die Aufforderung des Kaisers reisten die Erzherzöge Albrecht und Wilhelm, sowie der Kriegsminister und der Generalstabschef zu einer Militär-Conferenz nach Pest.
— 19. Febr. Die Regierung legte im Ab⸗ geordnetenhaus einen Gesetzentwurf vor, wonach die regelmäßige Stellung zum Militärdienste für das Jahr 1889 aufgeschoben wird und nach Maßgabe einer besonderen Zeitbestimmung statt⸗ finden soll, welche der gesetzlichen Bewilligung der Rekruten-Aushebung vorbehalten ist. Bei der Fortsetzuug der Debatte über das Wehrge— setz erklärte Apponyi, der Ministerpräsident com⸗ promitire die Stellung und Wuͤrde der Krone, die Rückkehr zu normalen Zuständen sei unmög— lich, so lange Tisza Ministerpräsident sei, dessen Ansehen jedenfalls geschwunden wäre. Tisza er— wiederte, die vorgefallenen Ausschreitungen kämen auch anderwärts vor, ohne daß Jemand daraus große Gefahr folgere, wie z. B. jüngst in Rom, wo die Regierung aber angegriffen werde, weil sie für die Aufrechterhaltung der Ruhe und Ord— nung nicht sorgte. Nirgends aber sei ein Ton angeschlagen worden wie hier, nirgends die Idee des Widerstandes mit dem Revolver angeregt. Tisza wies ferner mit großer Eutschiedenheit den Vorwurf der Demagogie zurück und be— merkte schließlich, das vereinigte Wirken beider Oppositionsparteien werde zweifellos nach einer Richtung hin erfolgreich sein, in der Verthei⸗ digung der Verfassung. Nachdem die Opposition drohte, keinen Minister mehr anhören zu wollen, wurde die Sitzung geschlossen.
Holland. Haag, 18. Febr. Ein amtliches Bulletin besagt: Der Zustand des Königs hat sich in den letzten Tagen verschlimmert. Leiden im Munde und im Halse hat sich er— neuert, das Schlucken ist erschwert und schmerz— haft. Der König nimmt wenig Nahrung, wo⸗ durch der Kräftezustand erheblich beeinträchtigt wird.
Belgien. Brüssel. Die belgische Fort— schrittspartei beruft zum 24. Februar einen großen Parteitag nach Bruͤssel ein, behufs Auf— nahme der Forderung einer umfassenden Heeres— reform in das liberale Programm.
Frankreich. Paris, 18. Febr. Die Kammer hielt heute eine kurze Sitzung ab und vertagte sich bis morgen. Ein Antrag auf Vertagung bis Donnerstag wurde mit 292 gegen 262 Stimmen abgelehnt.
— 19. Febr. Die Franzosen können für ihr abgedanktes Ministerium kein neues be— kommen; wem sie das Präsidium anbieten, der lehnt dankend ab. Präsident Carnot conferirte im Laufe des heutigen Vormittags mit Tirard, welcher sich darauf zu Meline begab. Die Ver— handlungen über die Neubildung des Cabinets werden dem Vernehmen nach erst nach der heu tigen Kammersitzung und der ebenfalls heute statifindenden Versammlung der Gruppen der Linken wieder aufgenommen, In der Kammer wurde heute der Antrag auf Vertagung der Sitzung bis Samstag abgelebnt, ein anderer auf Vertagung bis Donnerstag angenommen. Als Cuneo(Bonapartist) unter lebhaftem Wider spruch die Tribüne bestieg, erklaͤrte der Praͤsi dent die Sitzung für geschlossen. Die Franzosen sind infolge der vergeblichen Anstrengungen, ein Ministerium zusammenzubringen und aus Furcht vor den deswegen ihrer Ausstellung drohenden Gefahren bereits dahin gelaugt, daß in Paris ernsthaft der Vorschlag gemacht wird, dem In—
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genieur Alphaud, dem Director der Ausstellungs⸗ arbeiten, die Cabinetsbildung zu übertragen.
Cannes, 16. Febr. Der Prinz von Wales ist heute hier eingetroffen.
Italien. Neapel, 18. Febr. Heute fanden wiederholte Ruhestörungen durch beschäftigungs⸗ lose Arbeiter statt. Ein Haufen Maurer durch⸗ zog die Straßen mit einer schwarzrothen Fahne, welche die Aufschrift trug:„Communismus, Anarchie!“ Die Polizei consiscirte die Fahne und verhaftete mehrere Ruhestörer.
Rom. Hier schreibt man dem sogen.„freien Kosaken“ Atschinoff den Plan zu, Tadschurah, wo sich wegen des verweigerten Durchzuges durch Aussa, seine Landung als zwecklos erwiesen, zu verlassen, um anderwärts zu landen. Für diesen Fall hat jedoch nun die italienische Re⸗ gierung Vorkehrungen getroffen.
Rumänien. Bukarest, 18. Febr. Der Senat berieth heute wegen Erlasses der mit der Goetz'schen Waldausbeutungs-Gesellschaft verein⸗ barten Abgabe. Das von der Minorität bean⸗ tragte Tadelsvotum wurde mit 65 gegen 35 Stimmen abgelehnt.
Serbien. Belgrad. Die in Rumänien er⸗ folgte Entdeckung einer Verschwörung geschah am 2. Februar durch einen rumänischen Zoll⸗ beamten, welchem bei Turn-Mugureli zwei Per⸗ sonen auffielen, welche 5 große Kisten nach Serbien bringen wollten. In diesen Kisten wurden 2000 Revolver und 500 Gewehre ge— funden. Die Hausdurchsuchung bei den Männern, in welchen serbische Emigranten erkannt wurden, brachten für den Führer der Radikalen, Tau⸗ schanowitsch, belastende Briefe zu Tage.
— 19. Febr. Die serbisch-bulgarischen Ver⸗ tragsverhandlungen wurden gestern abgebrochen, weil die bulgarischen Deputierten sich weigerten, die Einfuhr serbischen Viehes nach Bulgarien zu gestatten.
Bulgarien. Sofia, 18. Febr. Bei den gestrigen Ersatzwahlen zur Sobranje wurden 7 Anhänger der Regierung und ein Anhänger Radoslawoff's gewählt.
Türkei. Konstantinopel. Eine Minister⸗ krisis droht hier einzutreten, und zwar in Folge der wachsenden Gunst, in welcher gewisse deutsche Finanziers an hoher Stelle stehen. Die Stim⸗ mung gegen den Großvezier und den Finanz minister, welch' letzterer noch das Vertrauen des Sultans genießt, wird sehr stark, weil sie kaum ihre Absicht verhehlen, alle Finanzgeschäfte in die Hände der Deutschen Bank zu spielen.
Afrika. Sansibar. Nach einer Reuter-Mel⸗ dung vom 17. Febr. wurden die von Tippo Tip mit Briefen für Stanley abgesandten Boten durch Araber mißhandelt und gezwungen, zurück— zukehren. Dieselben traten die Rückreise auf anderem Wege an. Nach einer„Times“-Mel⸗ dung sind die gefangenen Missionäre noch nicht befreit. Die Araber verlangen die Freigebung sämmtlicher von Deulschland aufgebrachten Skla— venschiffe. Einer Reutermeldung aus Sansibar zufolge, sind Lieutenant Wolff und die anderen Begleiter der Expedition Wißmann's dort ein— getroffen.
Aus Stadt und Land.
B. Friedberg. Wir machen auch an dieser Stelle aufmerksam auf die künftigen Montag, den 25., im großen Saale des Casinos stattfindende musikalisch theatralische Abend-Unterhaltung, die von hiesigem Frauenverein an⸗ geregt und von Mitgliedern des Musikvereins und Casinos zum Besten des Gustav Adolf Vereins gegeben werden wird. Wir appelliren an die allezeit hilfsbereite Gesin—⸗ nung unserer hiesigen Mitbürger und werden das aus— fuͤhrlichere Programm in nächster Nummer bringen.
Lang Göns, 19. Februar. Gestern Abend brach dahier ein Brand aus, durch welchen eine Scheune voll— ständig eingeäschert wurde. Dem raschen Eingreifen unserer Feuerwehr gelang es, das Feuer auf seinen Heerd zu be— schränken.
Gleßen, 18. Februar. In der Nacht vom Sams— tag auf Soantag entwichen aus hiesigem Haftlokal drei Verbrecher, mit je mehreren Jahren Zuchthaus bestraft, welche sich auf dem Transport, der eine nach der Straf— anstalt Wehlhelden und die beiden andern nach der Straf anstalt Ziegenhain befanden. Die Verbrecher batten sich
der Zellenthüren befreit und gelangten durch Erbrechen zweier weiteren Thüren vom 2. Stockwerk in den Hof,
0 pro! Pfund Schlachtgewicht 55—60 Pf., 2. Qual. gegenseitig durch Abreißen eines Ofens und Erbrechens bed ech ft
Von den Verbrechern, welche gestern Abend mit Zug 7 Uhr 29 Minuten wohlverwahrt hier ankamen, ist der eine aus Klein Karben, der andere aus Sprendlingen und der dritte aus Wies baden.
Allerlei.
Wiesbaden. Der selt längerer Zeit hier wohnhafte,
aus Mainz gebürtige Localberichterstatter Ferd. Muͤller
wurde unter dem dringenden Verdacht, einen kranken Eng⸗
länder, in dessen Familie er viel verkehrte, zu vergiften versucht zu haben, verhaftet. Versuch wurde jedoch glücklicherweise vereitelt. Müller hatte dem Vernehmen nach bereits heute eln Verbör zu
bestehen und wurde nach Schluß desselben unter scharfer
Bewachung wieder in die Untersuchungshaft zurückgeführt.
Paderborn. Am Samstag Abend schoß der Maler Menke mit einem Revolver auf seinen Sohn, traf aber seine dazwischentretende Frau und verwundete dieselbe lebensgefährlich. Darauf entleibte sich der Thäter selbst.
Berlin. Das„Berl. Tagebl.“ schreibt:„Einem glaubwürdigen Gerücht zufolge unterliegt es keinem Zweifel
mehr, daß Stöcker in nicht mehr langer Zeit seines Amtes
als Hofprediger enthoben werden wird.“
Hamburg. Das Gnadengesuch des vom Schwur⸗ gericht zum Tode verurtheilten Raubmörders Dauth ist in der am 18. Februar stattgehabten Sitzung des Senats ablehnend beschteden worden. Die Hinrichtung wird in den nächsten Tagen stattfinden, fobald ein Stellvertreter für den verstorbenen Hamburger Scharfrichter herbeige⸗ zogen worden ist.
Wien, 16. Febr. Bei einem gestern statigehabten Brand des Palais des Fürsten Salm in ver Marper⸗ straße ist nebst vielen Werthsachen auch die Kupferstich⸗ Sammlung verbrannt. Ein kostbarer Schmuck und die Werthpaplere wurden gerettet. 5 Personen erlitten bei det Löscharbett Verletzungen.
Pest, 15. Febr. Bei Wieselburg an der ungartschen Staats-Bahn stand gestern Nacht ein Eisenbahnzug in Flammen, wobet zwei Waggons dritter Klasse, vlelleicht in Folge von Ueberhelzung niederbrannten. Die Zahl der Verunglückten ist unbekannt, eine Frau sprang während der Fahrt aus dem Waggon.
Neapel. Auf Vulcano, der südlichsten der Liparischen Inseln, wurden am 12. Februar innerhalb 712 Stunden 99 und am 14. Februar innerhalb 8 Stunden 112 vul⸗ kanische Explosionen beobachtet, welche sehr häufig elektri⸗ scher Natur waren. Dabei wurde keinerlei Erschütterung des Bodens wahrgenommen.
New⸗Nork, 18. Febr. Nach Meldungen aus Hart- ford explodirten heute früh die im Erdgeschosse befind⸗ lichen Dampfkessel des Park Centralhötels. Der Haupt⸗ thell des östöcigen Hötels wurde zerstört, die Trümmer geriethen in Brand. Die Zahl der darunter begrabenen Menschen ist sehr beträchtlich.
Handel und Verkehr.
Friedberg, 19. Febr. Fruchtpr. Waizen M. 19.00 bis M. 19.25, Korn M. 16.25— 00.00, Gerste M. 14.50 bis 15.00, Hafer M. 13.50— 13.75. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo= 200 Zollpfund.
Friedberg, 20. Febr. Buttermarkt. Butter kostel per Pfund M. 0.80— 0.90. Eter 1 Stück 6 Pf.
Gießen, 19. Febr. Auf dem heutigen Wochenmarkt kostete: Butter per Pfund M. 0.95 bis 0.96, Eter 1 Stück 6—0 Pf., Käse per Stück 58 Pf., Tauben per Paar M. 0.80— 1.30, Hühner per Stück M. 1.—1.60, Hahnen per Stück M. 1.60— 2.20, Enten per St. M. 2.00— 2.30, Ochsenfleisch per Pfd. 60—68 Pf., Kuh⸗ und Nindflelsch 45—54 Pf., Schweinefleisch 50— 60 Pf., Hammelfleisch 5464 Pf., Kalbfleisch 50 Pf., Kartoffeln pro 100 Kile M. 6.00—0.00, Zwiebeln per Centner M. 9.00- 9.50,
Frankfurt, 18. Febr. Fruchtbericht. Hles. Weizen. mehl Nr. O0 M. 31.50-33.50, Nr. 1 M. 29.25 31.25, Nr. 2 M. 26.50— 27.50, Nr. 3 M. 25—26, Nr. 4 M. 21.00 bis 22.00, Nr. 5 M. 18.00-19.00, Milchbrod⸗ und Brodmehl im Verband M. 55.00 58.00, norddeutsche und westfälische Weizenmehle Nr. 00 M. 26.50— 27.00, Roggenmehl(hiesiges) Nr. 0 M. 25.50— 26.00, Nr. 0,0 M. 23.50— 24, Nr. 1 M. 21.50— 22, Nr. 2 M. 18.00 bil 19.00, Weizen ab unserer Umgegend M. 19.25— 19.50
frei Bahn hier M. 19.60— 19.75, fremder nach Qualltäls
M. 21.00— 22.00, kurhessischer M. 20.00— 20.25, nord deutscher M. 00.00 00.00, Roggen hies. M. 16.25, russischer M. 15.90— 16.00, Gerste, Wetterauer und Ried M. 16.00 bis 16.25, Saal und ungarische M. 18.00— 20.00, Hafen, prima M. 5 15.25, mittel M. 13.50— 14.00, Raps M. 00, Mais(mixed) M 12.6000, Roggenklele M. 10% Welzenkleie M. 9.50— 9.75, Malzkeime M. 9.60, Spelf⸗ spreu M. 4.20, Malz bochprima M. 26 50—28, Chlll⸗ salpeter M. 22.00 ab Harburg. Rüböl im Detail M. 66. Die Preise versteben sich pro 100 Ktlo ab hier, häufig auch loco auswärtiger Stationen. 5
Frankfurt, 18. Febr Viehmarkt. Der heutige Mark
war mit 311 Ochsen, 16 Bullen, 572 Kühen, Stieren und Rindern, 368 Kälbern, 108 Hämmeln und 262 8 Ochsen
befahren. Die Preise stellten sich wie folgt: 1. Qualität pro 100 Pfund Schlachtgewicht M. 61—69 2. Qual. M. 5458, Bullen 1. Oualltät M. 40—42 2. Qual. M. 37— 39, Kühe, Stiere und Rinder 1. Qual M. 50—52, 2. Qual. M. 42—48, Kälber 1. Dual
bis 50 Pf., Hämmel 1. Qual. 58— 60 Pf., 2. Qual. 5 bis 52 Pf., Schweine 1. Qual. 55— 56 Pf., 2. Qual
53—54 Pf. 1
mit Strychnin Der Mord⸗
von wo aus sie mittelst Uebersteigens über die Mauer das Freie erreichten. Zwei von hier per Bahn nach Fried⸗ berg gesandten Schutzmärnern in Civil gelang es, die drei Verbrecher unweit Vad⸗Nauheim wieder aufzugrelfen.
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