um dieselbe zum Besuch in Belgrad einzuladen. Es verlautet, die Königin wolle hier einen dauern— den Aufenthalt nehmen.
Nußland. Petersburg. Der„Nationalztg.“ wird die Theilnahme des russischen Thronfolgers an den deutschen Kaisermanövern bestätigt. Die Vorbereitungen für seine Gegenwart bei den Manövern seien bereits getroffen.
Aus Stadt und Land.
2. Friedberg. Wir machen unsere Leser hiermit auf die im Inseratentheile angekündigte, nächsten Sonntag den 25. d. Mts. in hiesiger Stadtkirche stattfindende Gesangsaufführung aufmerksam. Wie wir aus dem uns vorliegenden Programm ersehen, sind den aus Chorälen und Motetten bestehenden, historisch geordneten Haupt— nummern desselben noch Einzelvorträge in Orgel, Violon— cell und Gesang(Bariton und Baß) beigefügt. Diese Aufführung wird in allen ihren Theilen ausschließlich von Mitgliedern des hiesigen Predigerseminars unter der bewährten Leitung des Seminarlehrers Schmidt veran— staltet. Da außerdem der Erlös dem Stadtkirchenbau— verein zu Gute kommen soll, so wüanschen wir, daß die Betheiligung Seitens unserer Mitbürger eine rege sei.
? Vilbel. Das in weiten Kreisen bekannte und ebenso in jeder Beziehung renommirte erste und älteste Gasthaus„Zur Stadt Cassel“ dahler ist vorige Woche von Metzgermeister Lenhardt in Frankfurt a. M. für 50,000 Mark käuflich erstanden worden. Der Käufer, welcher neben der Gastwirthschaft noch eine feinere Metz geret betreiben will, will in kleinem Maßstabe eine Restau— ration ähnlich der bekannten„Stadt Caub“ auf der ver— längerten Zeil in Frankfurt anfangen, was für Ein— heimische und Fremde von großem Werthe ist.
Darmstadt, 19. August. Der Oberstabsauditeur Eigenbrodt, längjähriger Präsident der Landes Synode und des hessischen Hauptvereins der Gustav-Adolf-Stif— tung, ist gestorben.
Allerlei.
Homburg, 18. August. Die Fürstin Bismarck trifft morgen zum Kurgebrauch hier ein und wird im Hotel Riechelmann Wohnung nehmen.
Naney, 20. August. Der Orientexpreßzug ist nahe bei Frouard infolge Zusammenstoßes mit einem Güterzug entgleist. Es wurde Niemand verletzt.
Madrid, 18. August. Ein Orkan, der Granada heimsuchte, beschädigte die Alhambra, verwüstete die Gärten derselben und zerstörte den Cireus der Sttergefechte und zahlreiche Gebäude.
Rom, 19. August. Gestern Abend wurde während einer Musikaufführung auf dem Colonnaplatz eine Bombe geworfen. Eine Frau, ein Kind und ein Gendarm wur den verwundet. Es brach eine Panik aus, jedoch kehrte die Ruhe bald zurück. Die Musikaufführung nahm ihren Fortgang.
Die werthvollsten Bibliotheken der Gegenwart. Von Professor Joh. Flach.
Die ältesten literarischen Sammlungen, von denen wir Kunde haben, sind von Priestern aus— gegangen, welche zu jenen alten Zeiten auch allein schreibkundig waren. Sie schrieben die Verzeichnisse der Tempelgeräthe, die Chronik und die heiligen Hymnen auf und verwahrten diese Urkunden in einem besonderen Raum ihres Tempels. Waren mit dem Gottesdienst in einem Tempel in bestimmter periodischer Wiederkehr gewisse größere Festlichkeiten oder Wettspiele verbunden, so bildete das von den Priestern angelegte Verzeichniß der Sieger, Schiedsrichter und des amtirenden Oberpriesters allmählich die Grundlage zu einer Chronik, welche Jahrhunderte hindurch geführt und für die späteren Geschichts— schreiber die werthvollste Quelle zur Festsetzung der Chronologie wurde, ähnlich wie in Rom die Verzeichnisse der Konsuln. Mit der Ausbreitung der Schriftsprache trat auch bald das Verlangen auf, die überall zerstreuten Denkmäler der welt— lichen Literatur durch Gründung einer Bibliothek allgemein zugänglich zu machen. Und dies Be dürfniß lag um so naher, als infolge des Vor— handenseins nur vereinzelter Abschriften eines Gedichts oder einer prosaischen Schrift die Be— fürchtung vorhanden sein mußte, daß bei unge— nügender Sorgfalt ein Werk ganz verloren gehen konnte. Es ist bekannt, daß selbst die homerischen Gedichte vor ihrer Sammlung dieser Gefahr ausgesetzt waren. Die erste öffentliche Bibliothek wird im Alterthum von einigen Schriftstellern auf Pisistratus, den Tyrannen von Athen, zurück— geführt, doch neigen sich heute die besten Ge— lehrten der Ansicht zu, daß diese Nachricht un— verbürgt ist und entweder auf einem Mißver— ständniß oder auf einer tendenziösen Erfindung beruht. Desto genauer sind wir über die beiden
großen öffentlichen Bibliotheken in Alexandria unterrichtet, welche die vortrefflichen Fürsten Ptolemäus Soter und sein Sohn Philadelphos, die Freunde und Gönner der Wissenschaft, im königlichen Palast und im Serapistempel auf— gestellt hatten, indem sie gleichzeitig für die stete Vergrößerung derselben Sorge trugen. Während die kleinere Bibliothek von den Doubletten der Hauptbibliothek gespeist wurde, umfaßt diese sehr bald 40,000 Bände, oder wie man richtiger sagen muß, Rollen, da im Anfang der alexandri— nischen Zeit die literarischen Denkmäler nur in Papyrusrollen niedergelegt waren und erst später Pergamentbände hinzutraten. Die Oberbiblio— thekare der großen Bibliothek haben Namen von unvergänglicher Bedeutung, wie Zenodot, Kallimachus, Eratosthenes. Die Erbschaft von Alexandria übernahm Rom, was den Sammel— fleiß anbetrifft, so daß das Ende der Republik dort schon eine Bibliothek kannte, die Kaiserzeit mehrere, welche für die öffentliche Benutzung freigegeben waren. Die wirkliche Erbschaft aber der Büͤcherschätze von Alexandria, soweit diese nicht durch den alexandrintschen Brand unter Cäsar und im siebenten Jahrhundert durch die Plünderung der Araber vernichtet worden waren, trat Konstantinopel an, die Hauptstadt des ost— römischen Reiches, in welcher durch verschiedene Kaiser und Kaiserinnen der Sinn für Literatur rege gemacht worden war. Was an alten und werthvollen Schriften in Konstantinopel noch am Ende des 15. Jahrhunderts vorhanden war, ist zweifellos bei der Einnahme dieser Stadt durch die Türken zum Opfer gefallen. Vieles ist aber vorher durch gebildete Griechen gerettet worden.
Indessen hatte das Christenthum dafür gesorgt, daß nicht alles dem Untergang verfiel. In den besonders seit dem 8. und 9 Jahrhundert zahl— reich entstehenden Klösteru brachten die Mönche ihre Mußestunden teils mit Abschreiben der klas— sischen Werke, teils mit Aufzeichnung der zeitge— mäßen Geschichte zu, und so dauerte es nicht lange, daß einzelne Klosterbibliotheken einen ge— wissen Ruf wegen der in ihnen enthaltenen Kost— barkeiten bekamen.
Drei Gruppen vermögen wir in dieser Ab— schreibungs- und Sammlungsgeschichte der Klöster zu unterscheiden. Die eine befand sich auf dem macedonischen Berg Athos, auf dem noch heute 22 Klöster mit Klosterbibliotheken stehen— da— runter die berühmtesten Laura Jviron—, welche fast alle in der Geschichte der Textüberlieferung eine hervorragende Rolle spielen. Es genügt, daran zu erinnern, daß die verlorenen Fabeln des Babrios hier gefunden worden sind. Die zweite umfaßt Italien und die meist berühmt gewordenen Klosterbibliotheken befanden sich in Bobbio, Monte Casino, La Cava, Grottaferrata, während die fleißigsten Mönche dem Benedik— tinerorden angehörten. Endlich weisen auch die Schweiz und Deutschland zahlreiche Klosterbib— liotheken auf, unter denen wir Hersfeld, Bene— diktbeuren und das noch heute durch seine überaus werthvolle und durch kunstvolle Initialen ausge— zeichnete Sammlung besonders deutscher mittel— alterlicher Dokumente hochberühmte und sehens— werthe St. Gallen erwähnen.
Die erste moderne öffentliche Bibliothek wurde von der päpstlichen Regierung im Vatikan auf— gestellt. Es folgten dann Florenz, welches alles den gebildeten Fürsten des Hauses Medici zu verdanken hat, und einzelne deutsche Universitäts— bibliotheken, unter denen damals die Heidelberger sehr bald wegen ihrer werthvollen Handschriften das größte Ansehen erhielt. Gleichzeitig wurde aber die große Gefahr, daß noch einige der er— haltenen Handschriften zerstreut oder verloren gehen könnten, durch die Erfindung der Buch— druckerkunst vermieden, in welcher sich sofort zwei große Offizinen um die klassische Literatur ein außerordentliches Verdienst erwarben, die des Aldus Manutius in Venedig und die des Opo— rinus in Basel. Die vatikanische Bibliothek im vatikanischen Palast, welche der päpstlichen Re— gierung unterstellt ist, ist noch heute die be— rühmteste der Welt, obwohl seit dem Anfang
dieses Jahrbunderts durch das überall eing führte Centralisirungssystem, ganz besonders aber durch die Aufhebung der Kloster- und kleineren 2 Stadtbibliotbeken, zahlreiche Rivalen entstan⸗ den sind. Ihr Ansehen wird die Bibliothek des Vatikans steis erhalten durch die große Menge der werthvollen griechischen Handschriften (ca. 30,000) und der berühmten lateinischeg Palimpseste, von denen ein großer Theil auß dem Kloster Bobbio stammt. Die früher sehr beschränkte Benutzung derselben ist in Folg; von Vorstellungen der europäischen Regierungen durch den jetzigen Papst in eine freiere Bahg gelenkt worden, womit dieser sich den Dank aller Gelehrten erworben hat. In Betreff dez
Werthes folgen heute die Nationalbibliothek 65 1 Paris, welche im Palais Richelieu Aufstellung— 5 gefunden und durch einen ungeheueren, amphit grantf
theatralisch aufgebauten Lesesaal in der liberalsteß pak war Weise der öffentlichen Benutzung Vorschub ge an u. R.
leistet hat, die Hof- und Staatsbibliothek i 1 05 München, welche besonders durch die Vereinigung Gal M mit der Augsburger Stadtbibliothek(libri Augus- 4-46, tani) und mit zahlreichen bayerischen Kloster, II Dal. J bibliotheken unter ihren langjährigen Ober Etagen
9 5— f 15 bibliothekar, Prof. Dr. Halm, zu einer Samm—.
lung ersten Ranges gemacht worden ist, der Frankf aber das werthvolle Handschriftenmaterial der Tae m. ö 0, vorher genannten Bibliotheken theilweise fehlt, Ika pro: An Anzahl der aufgestellten Bände werden aber 5 alle diese Bibliotheken übertroffen durch das 800, britische Museum in London, dessen Bibliothek I Pack 8. ischon vor mehreren Jahren etwa zwei Millionen Ie St“ Bände umfaßte, während der dazu gehörende er Id. b. 2 NN pffeln pet!
Verbalkatalog in über 100 Foliobanden nieder Sit M. 0 gelegt war. Die englische Bibliothek zeichnete IArnosen sich auch zuerst durch eine vollendete Einfachheit I. 3530 der Einrichtung aus, welche heute verschiedenen 1 großen Bibliotheken des Kontinents zum Muster I zrank Dbedient hat. Sie ist die einzige Bibliothek, Ieehnnehl welche schon seit mehreren Jahrzehuten durch Ao, einen unbeschränkten Dispositionsfonds jedes neu e. Were 8 uchbrod⸗ u
erschienene Buch zu erwerben vermag, und was hat und das beißen will beweist die eine Zahl, daß schon gh. im Jahre 1879 in Deutschlaund allein 13,000 J. 875,; Bücher neu erschienen. In demselben Stil wird In unf seit der Regierung des jetzigen Königs von Italien n
die große Nationalbibliothek in Rom eingerichtet, 190 0—0
bei welcher jedoch alles handschriftliche Matertal Nen, neu ausgeschlossen bleiben soll. Zu den Bibliotheken e dran zweiten Ranges gehören heute die besonders durch EI. griechische Hindschriften ausgezeichnete Lauren— 0
tiana in Florenz, die Markusbibliothek in Vene- um, dig, die Ambrosiana in Mailand und die Kapital- I deng bibliothek in Verona, in deren jeder sich gleich- enn;
wohl Schätze von unberechenbarem Werth bes Tad de
finden. Wir erwähnen nur die älteste Ilias 1 handschrift in Venedig, die der griechischen Tragiker 0 in Florenz und des plautinischen Palimpfestes“. in Mailand. Den Grundstock dieser Biblio ⸗ Sr theken bilden die Erwerbungen der Griechen ing um der Renaissancezeit, welche besonders von den emu Medicäern an die italienischen Höfe berufen wurden. Diesen im Rang am nächsten stehen gert 105 dann die Staatsbibliotheken in St. Petersburg, J dauer Stuttgart und Wien, die Synodalbibliothek in 54h Moskau, sowie die Universitätsbibliotheken in;
75 Heidelberg und Oxford, von denen besonders run Oxford durch die im Anfang dieses Jahrhun⸗
derts erfolgten Erwerbungen des englischen Rei- senden Clarke sehr werthvolle griechische Hand⸗ 15 50 J schriften erhalten hat, von denen wir nur an cdbaus den ältesten Codex des Plato erinnern wollen, der von der Insel Patmos stammt. Fast alle 15 großen europäischen Bibliotheken stehen heute im Austauschverhältniß, und die meisten senden Hand— schriften und Bücher nach erfolgter diplomatischer weg Vermittelung und gewöhnlich nach Werthversiche⸗ 0 rung des Objektes dem ausländischen Gelehrten, Wen gewöhnlich auf eine bestimmte Zeit, zu. Nur zwei Bibliotheken sind davon ausgeschlossen: die vatikauische Bibliothek und das britische Museum versenden nichts, und wer mit ihren Schätzen arbeiten will, kann dies nur in den Räumen der Bibliothek selbst thun. Vor der Regierung n des jetzigen Papstes war sogar das Arbeiten im
4 * 2


