Ausgabe 
14.2.1889
 
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Aus Stadt und Land.

Friedberg, 12. Febr. Das Unwetter der letzten Tage hat sich so ziemlich über ganz Deutschland, Holland, Belgien und England erstreckt. Seit gestern sind die Geleise der Bahn nach Gießen Frankfurt wieder frei; von anderen Orten lesen wir vom 10. Febr.: In Groß⸗ Umstadt ist alles eingeschnelt und der Bahnverkehr voll⸗ ständig eingestellt. Bei Wiebels bach sind 3 Lokomotiven im Schnee stecken geblieben. Ein neuer Schneesturm ist im Anzuge. Zwei Lokomotiven, welche den Schnee weg⸗ räumen sollten, sind die Böschung des Bahndammes heruntergestürzt. Die Betriebsstörungen auf den Strecken Alzey Worms und Alzey Kaiserslautern dauern fort. Seit gestern Abend ist auch der Verkehr zwischen Malnz, Köln und Bonn unterbrochen. Die Frank⸗ furter Züge haben bei Rüsselsheim ein schweres Durch⸗ kommen. Der Schneesturm hat verschiedene Schiffsun⸗ fälle verursacht. Beim Binger Loch ist die Schifffahrt durch ein gesunkenes Schiff stark behindert. Der Gesammtverkehr der in Würzburg mündenden Bahnen ist seit Samstag Abend eingestellt. Die Strecken nach Ansbach und Schweinfurt waren schon seit zwei Tagen nicht mehr fahrfrel. Die Post Aschaffenburg-Malnz geht mittelst Dampfer. Nach in München vorliegenden Meldungen dauern die Schneestürme im ganzen Lande fort und haben zahlreiche Verkehrsstörungen veranlaßt; an verschtedenen Orten sind Eisenbahnzüge im Schnee stecken geblieben. Zwischen Türkheim und Buchloe (Bayerisch Schwaben) ist ein Güterzug entgleist. Auf den Seeundärbahnen im Fichtelgebirge ist der Verkehr eingestellt In Aachen ist außer der englischen Post auch die Berliner Post wegen Schneesturmes ausgeblteben. Der Frühzug von Malmedy steckt bei Sourbrodt im Schnee. Aller Verkehr am Harz ist wegen Schnee sturmes gehemmt. Seit gestern Abend gebt ein anhal tend heftiger Schneesturm durch ganz Thüringen. Die Vabnzüge erlitten mehrfache Verspätung. Auf den sächstschen Bahnen herrschen Betriebsstörungen auf den Strecken Riesa-Priestewitz, Meißen-Dres den, Riesa⸗Nossen, Bautzen, Bischofswerda. Die Linie Dres den⸗Zossen ist ganz verweht. Dle Linien Chemnitz Döbeln, Dresden⸗Bodenbach sind seit heute Nach mittag wieder fahrbar. Heute haben wir abermals Schneesturm. Der Verkehr der Leipzig-Dresdener Linie ist in Folge von Schneeverwehungen gestört. Die Linien Halle-Nord hausen, Weißenfels-Zeitz, Heringen-Nordhausen, Könnern Halberstadt sind noch gesperrt. Der Verkehr auf der Strecke Glogau Sagan und Glogau Neusalz ist durch Schneeverwehungen unterbrochen. Das Schnee treiben ist noch im vollen Gange. Die voraussichtliche Dauer der Verkehrsstörung ist unbestimmt. In Holland herrschen ungewöhnliche Ueberschwemmungen. Die Meeresfluthen durchbrachen die Rotterdamer Dämme, wodurch die Stadt theilwetse unter Wasser gesetzt ist. In Folge eines schrecklichen Sturmes auf dem Canal La Manche ist der englische Verkehr auf dem Festlande fast ganz unterbrochen; mehrere Kabel sind gerissen. Die Antwerpener Seebehörde erhielt Nachricht über mebrere Scheffsunfälle. Ganz London ist mit Schnee bedeckt und in allen Theilen des Landes wüthen gleich falls große Schneestürme. Heute am 18. Febr. sind so ziemlich alle Strecken wieder frei.

Mainz, 9. Febr. Heute Morgen wurde die Frau eines Arbeiters verhaftet, welche seit einigen Tagen falsche Zweimarkstücke verausgabt hatte.

Allerlei.

Hamburg. Geh. Rath Geffcken siedelte von Kon stanz nach der Schweiz über; seine Frau folgte ihm von Hamburg aus. Geffcken wird bis auf weiteres nicht hier her zurückkehren.

Wilen, 11. Febr. Ein Goldarbeiter im Vororte Breitensee hat seine fünf Kinder ermordet und sich dann selbst entletbt. Seine Frau hatte vor vier Wochen Hand an sich gelegt.

Pont⸗a Mousson. Hier sind innerhalb 14 Tagen vler Mordthaten verübt worden, die, wie nunmehr fest gestellt ist, auf einen Urheber zurückzuführen sind. Der Tbäter ist in Epinal verhaftet worden. Derselbe soll Danga heißen und Lithograph sein.

Sünden gegen die Augen der Kinder. Von Professor Dr. E. Netoliezka.

Schon von der Geburt des Kindes an drohen dem Auge viele Gefahren. Wie oft wird das neugeborene Kind einem zu starken Licht ausge setzt, wie oft wird das gehörige Reinigen des Auges vernachlässigt, wie oft sind die Kinder stuben mit unreiner Luft erfüllt! Allerdings sin den sich letztere Umstände mehr in den Woh nungen der Armen, und diese Verhältnisse wer den wir schwerlich ganz zu ändern vermögen Aber wenden wir uns zu den Kreisen des Wohl standes, oder wenigstens solcher Familien, welche die Bedürfnisse des gewöhnlichen Lebens sorgen frei zu befriedigen im Stande sind. Wie viele Stunden sind da die Kleinen den Dienstmädchen allein überlassen. Diese aber, wie man nur zu oft sieht, fahren die in einem Wagen auf dem Rücken liegenden Kinder so im Freien herum, daß diesen die Sonne gerade in die Augen scheint. Viele Mütter glauben gar nicht anders

Kopf tief auf das Papier hinab, und kaum fällt

mit kleinen Kindern schlafen zu können, als wenn sie die ganze Nacht eine Lampe brennen lassen, ohne die Augen der Kleinen vor dem Lichte zu schützen. Dies ist besonders reizbaren Augen nachtheilig. Liegt das Kind so, daß die Füße vom Licht abgewendet sind, so ist es zu empfehlen, über das Kopfende des Lagers einen Bügel zu spannen und diesen mit einem mäßig dunklen Vorhang zu bedecken. Manche Eltern stellen die Betten ihrer bereits die Schule be suchenden Kinder absichtlich so, daß die Füße der Kinder den Fenstern häufig nach Osten zu gekehrt sind, damit die Kleinen keine Langschläfer werden und damit sie vonder Morgensonne aufgeweckt werden. Dies ist ein sicherer Weg, Gesichtsschwäche herbeizuführen. Nicht selten ge schieht es, daß am Abend eine Lampe für meh⸗ rere Personen an einem größeren Tische aus reichen soll, und daß das lernende Kind nicht eben den nächsten Platz an der Lichtquelle er hält. Bei unzureichender Beleuchtung, vielleicht auch auf einem zu niedrigen Sitz senkt es seinen

es Jemandem ein, daß gerade das kindliche Auge so leicht verdorben werden kann. Im Gegentheil hört man zuweilen die Aeußerung: Kinder haben gute Augen, die sehen auch bei schwächerem Licht, aber wir älteren Leute müssen näher der Lampe arbeiten. Leider wird auch in den meisten Familien auf die Körperhaltung der Kinder beim Lesen, Schreiben, Zeichnen Nähen u. s. w. zu wenig Gewicht gelegt, und doch ist sie eine der Hauptursachen von Kurz sichtigkeit, haufig auch einer ungleichen Sehweite der Augen. Die Kinder haben bekanntlich bei allen diesen Beschäftigungen eine große Neigung, eine gebückte Stellung einzunehmen, wodurch auch Blutandrang nach Kopf und Auge veran laßt wird. Der auf dem Gebiete der Augen heilkunde als eine unserer ersten Autoritäten geltende Professor Dr. Arlt sagt:Wenn wir dem Entstehen und dem Fortschreiten der Kurz sichtigkeit vorbeugen und entgegenwirken wollen, so dürfen wir nicht bloß darauf bedacht sein, daß das jugendliche Auge nicht mit Arbeit über bürdet werde, wir müssen auch darauf sehen, daß es in der arbeitsfreien Zeit Gelegenheit finde, sich im Fernblick zu erholen und zu üben. Die zahlreichen Rathschläge zur Verhütung der Kurzsichtigkeit, welche wir in älteren und neueren Schriften finden, sind fast durchgehends nur gegen Ueberbürdung, gegen schlechte Beleuchtung, zu feine Schrift- und Druckzeichen, fehlerhafte (gezwungene oder freiwillige) Körperhaltung ꝛc. gerichtet, und meistens für die Zeit des Schul besuches berechnet, hier und da wurde indeß auch auf die häusliche Beschäftigung, selbst auf die ersten Kindesjahre(vor dem Schulbesuche) hingewiesen. Ich will indeß das Klagelied über die Fehler in der Kinderstube und in den Schu len nicht weiter fortführen und nur, entsprechend meiner Anschauung über die entfernten Ursachen der Kurzsichtigkeit, wiederholen, daß ich die Uebung im Fernsehen, die Veranlassung dazu schon in den Kinderjahren für nicht minder wichtig halte, als ein vernünftiges Maß in der Beschäftigung mit Lesen, Schreiben u. dergl., öfteres Unterbrechen der Arbeit oder wenigstens planmäßiges Abwechseln in der Art der Be schäftigung. Gleichwie man in der Stadt den

Mangel an Gelegenheit zu freier und allseitiger Muskelübung durch Turnen ersetzen soll, muß auch in den Augen nicht nur freie Zeit gegönnt werden, sondern auch Veranlassung, sich im Nah wie Fernsehen zu üben und ebenmäßig zu entwickeln. Da im kindlichen Alter die Ent wickelung des Kopfes schneller vor sich geht, als die des übrigen Körpers, so dürfen Kinder nicht zu sehr geistig angestrengt werden, weil durch dies erhöhte Hirnleben der Blutandrang nach dem Kopfe entsteht. Wie oft sehen wir, daß ein kleiner Knabe nach gemachten Aufgaben im Gesicht ungewöbnlich roth erscheint, daß sein Kopf heiß ist. Manche Eltern beherzigen dieses Moment nicht und können es gar nicht er warten, daß ihre Kinder mit fremden Sprachen,

Musik u. s. w. beginnen und bedenken gar nicht, daß der Kleine mit seinen Schulgegenständen

vollauf zu thun hat. Man lasse Kinder auch nicht in stark geheizten, besonders niedrigen Stuben zu anhaltend arbeiten. Gleich nach dem Hauptessen sollen die Kinder keine geistigen Arbeiten verrichten, welcher Punkt gewohnlich auch sehr wenig beachtet wird. Das Mitnehmen von Kindern, zuweilen im zartesten Alter, in Gast⸗ und Kaffeehäuser, besonders Abends, ist entschieden zu tadeln. Die mit Rauch erfüllte Luft ist nicht nur den Augen, sondern dem gan⸗ zen kindlichen Organismus sehr schädlich. Wir sehen auch, daß die Kinder daselbst entweder mit dem sie überwältigenden Schlafe kämpfen, oder sich in einer könstlich hervorgerufenen Auf⸗ regung befinden. Eine uralte Gesundheitsregel sagt:Kinder gehören am Abende ins Bett. Häufig wird von manchen Eltern bei eintreten⸗ den Augenleiden der Kinder kaltes Wasser als das beste Heilmittel betrachtet. Das frische Quellwasser ist aber nicht unter allen Umständen ein Stärkungsmittel für die Augen. So ist dasselbe bei Augenkatarrhen geradezu schädlich, denn, obwohl es eine augenblickliche Erleich terung verschafft, so kann dadurch der Entzün⸗ dungsproceß in den äußeren Häuten der Augen ganz unterdrückt werden, und sich dann auf die inneren Gebilde werfen. Man wende sich da her in solchen Fällen sogleich an einen Arzt, um nicht durch ein unberufenes Einmischen das Uebel noch zu vergrößern. Ein sehr oft vor kommender Uebelstand ist auch, daß Kinder, deren Augen häufig thränen, wodurch das Sehen getrübt wird und die Gegenstände umflort er⸗ scheinen, sich die Auzen mit den Händen, die oft unrein sind, oder mit baumwollenen Taschen tüchern zu trocknen suchen. Es ist wahrhaftig die höchste Zeit, daß Schule und Haus zu sammenwirken, denn was soll sonst aus den künftigen Generationen werden, besonders da es anerkannte Thatsache ist, daß solche Uebel, sowie andere physische Eigenschaften häufig auf die Nachkommen vererbt werden.

Verloosung.

Bukarester 20 Fres. Loose vom Jahre. 1869 Serien⸗ und Gewinn⸗Ziehung vom 1. Febr. 1889. Heim. zahlung am 5. März 1889. S. 2417 Nr. 31 à 25,000 Fr⸗ S. 929 Nr. 99 à 3000 Fr. S. 2354 Nr. 22, S. 2375 Nr. 100, S. 6537 Nr. 4, S. 6776 Nr. 16, S. 6807 Nr. 19 à 1000 Fr. S. 312 Nr. 29, S. 2417 Nr. 7, S. 3508 Nr. 6, S. 4922 Nr. 55, S. 5138 Nr. 92, S. 6227 Nr. 17, S. 6315 Nr. 4 26, S. 6807 Nr. 69, S. 7412 Nr. 51 à 500 Fr. S. 622 Nr. 65, S. 1114 Nr. 20, S. 1441 Nr. 68, S. 2010 Nr. 70, S. 2322 Nr. 12, S. 2884 Nr. 66, S 3553 Nr. 19, S. 3579 Nr. 83 87, S. 3717 Nr. 57, S. 3777 Nr. 44, S. 4758 Nr. 75, S. 5538 Nr. 57 86, S. 5709 Nr. 62, S. 5857 Nr. 71, S. 5995 Nr. 22, S. 6139 Nr. 5, S. 6227 Nr. 42, S. 7487 Nr. 36 à 100 Fr. Serie 312 Nr. 61, S. 486 Nr. 15 32 47 81, S. 622 Nr. 1 50, S. 627 Nr. 13 97, S. 801 Nr. 59, S. 1162 Nr. 37, S. 1441 Nr. 24 57 86, S. 1600 Nr. 12, S. 1833 Nr. 29 35, S. 1928 Nr. 16, S. 2322 Nr. 77, S. 2354 Nr. 29 33 92, S. 2381 Nr. 56, S. 2417 Nr. 51, S. 2485 Nr 36, S. 2571 Nr. 44 60, S. 2754 Nr. 27, S. 2901 Nr. 47 95, S. 3348 Nr. 62, S. 3469 Nr. 76, S. 3508 Nr. 48, S. 3579 Nr. 63, S. 3653 Nr. 57 85, S. 3674 Nr. 2 5, S. 3717 Nr. 49 61, S. 3737 Nr. 11 21 48, S. 3777

Nr. 88, S. 4518 Nr. 99, S. 4575 Nr. 49, S. 4608 Nr. 39 76, S. 4756 Nr. 14 30, S. 5078 Nr. 15 38

82, S. 5102 Nr. 14, S. 5228 Nr. 7, S. 5375 Nr. 18 24 48 68, Serte 5459 Nr. 70, Serie 5709 Nr 29 65, S. 587 Nr. 58 83, S. 5879 Nr. 5, S. 5959 Nr. 18, S. 5994 Nr. 52, S. 5995 Nr. 56 58 61, Serie 5996

Nr. 63, S. 6191 Nr. 27 58, S. 6235 Nr. 57, S 6289 Nr. 28 50 82 90, S. 6315 Nr. 87, S. 6351 Nr. 60 70, S. 6354 Nr. 25 85, S. 6536 Nr. 81, S. 6537 Nr. 16, S. 6761 Nr. 14 35 37, Serte 6776 Nr. 14, S 6911 Nr. 1 51 100, S. 6939 Nr. 100, S. 7034

Nr. 4, S. 7136 Nr. 41, S. 7487 Nr. 67 à 50 Fres. Auf alle übrigen in vorstehenden Serien enthaltenen und bier nicht aufgeführten Nummern entfällt der geringste Gewinn von je 20 Fres.

Handel und Berkehr.

Friedberg, 12. Febr. Fruchtpr. Walzen M. 19.00 bis M. 19.25, Korn M. 16.25 00.00, Gerste M. 14.50 bis 15.00 Hafer M. 13.50 13.75. Alle Preise verstehen

sich auf 100 Kilo= 200 Zollpfund.

Friedberg, 13. Febr. Buttermarkt. Butter kostett per Pfund M. 0.800.90. Eier 1 Stück 6 Pf. 1

Grünberg, 9. Febr. Fruchtpreise. Weizen M. 19.60, Korn M. 00 00, Gerste M. 13 40, Hafer M. 00.00 Erbsen M. 00.00, Samen M. 00.00, Wicken M. 00.00 Kartoffeln M. 0.00, Linsen M. 00.00. f

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