Ausgabe 
28.8.1888
 
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Bulgarien. Sofia. gemeldet: Die Räuberbande, welche Binder und Laendler entführte, befindet sich noch im Gebirge auf bulgarischem Boden. Karastojanoff wurde von der Raͤuberbande freigegeben. Die Polizei Organe erhielten Auftrag, alle beschaͤftigungs losen Individuen abzuschieben.

Rußland. Petersburg, 25 Aug. Die Kai⸗ serin ist mit dem Thronfolger und der Groß fürstin Kenia nach Gmunden abgereist.

25. Aug. Heute wurde ein Gesetz ver öffentlicht, wonach die zollfreie Einfuhr auslän⸗ discher Waaren in die Mündungen des Ob und des Jenissei für 1888 bis 1892 incl. gestattet wird. Die näheren Modalitäten werden von dem Finanzminister festgesetzt.

Amerika. Washington. Präsident Cleve⸗ land übersandte dem Congresse eine Botschaft, welche besagt, die bedauernswerthe Ablehnung des amerikanisch⸗kanadischen Fischerei-Vertrages nöthige ihn, von dem Congresse Vollmachten zu verlangen, um entschiedene Repressalien gegen Canada zu ergreifen.

Rio Janeiro, 23. August. Das Kaiserpaar ist gestern von Europa zurückgekehrt und wurde mit großem Jubel empfangen.

Afrika. Durban. DieTimes meldet von hier vom 24. ds. das Gerücht, daß Dini zulu und 2 seiner Befehlshaber mit einer großen Anzahl Vieh von den Boers gefangen genommen worden seien; Dinizulu und die beiden Befehls haber seien den britischen Behörden übergeben worden.

Aus Stadt und Land.

s. Friedberg. Von einigen Eltern ist der Wunsch geäußert worden, es möge in der hiesigen Realschule der Nachmittagsunterricht mit dem Vormittagsunterricht zu sammengelegt und auf den Vormittag übertragen werden, so daß die Nachmittagsstunden von 24 Uhr gänzlich in Wegfall kämen, und, wenn unbedingt nöthig, höchstens noch die mehr der körperlichen und geistigen Erholung dienenden Turn- und Singstunden nach 4 Uhr Nachmittags angesetzt würden. Zu diesem Behufe müßte eine geeignete Reduetion der bestehenden Lehrstunden eintreten und statt der bisher üblichen 4 Vormittagsstunden deren 5 von 8 1 oder von 12½½ Uhr(mit entsprechend verlängerten Pausen) gehalten werden. Technisch ist dieser Plan wohl aus⸗ führbar und sein hoher Nutzen durch die Praxis der Gießener Realschule und des Gießener und Darmstädter Gymnasiums erwiesen. Doch steht seiner Ausführung die hiesige Gewohnheit entgegen, das Mittagessen schon um 12 Uhr einzunehmen. Was spricht für die Aufgabe derselben? Die Antwort ist einfach. Fallen die Nach mittagsstunden weg, so gewinnen die Schüler eine richtige Arbeits- und richtige Erholungszeit. Nach dem Essen können sie(statt in die Schule) spazieren gehen, spielen und sich nach Herzenslust herumtummeln, und doch bleibt noch, wenn sie in freier Luft den Schulstaub gehörig ausgeathmet, genug Zeit zur Anfertigung der Schul arbeiten übrig. Sie werden zur rechten Zeit fertig und beeinträchtigen nicht die Ruhe und den Frieden des Familienlebens durch fortwährende Klagen über die Größe der Aufgaben und die Unmöglichkeit dieselben in der gegebenen Zeit zu bewältigen, Klagen, die schließlich jedes leistungsfähige Familienglied zum Schaden des Schülers und eigenem Aerger an der Vollendung der gefaßten Aufgabe theilzunehmen zwingen. Also der Ausfall des Nachmittagsunterrichts bedeutet den Ausfall vielen häus⸗ lichen Aergers, bedeutet eine wünschenswerthe Erhöhung der Arbeits⸗ und Erholungszeit und ermöglicht den Eltern, denen so erst wieder ein wirkliches Zusammensein mit ihren Kindern geschaffen wird, eine nachhaltigere Ein wirkung auf die Erziehung derselben, als derzeit möglich, z. B. einen gemeinsamen Spaziergang in Wald und Feld auch am Werktage, wobei das Herz aufgeht und der Mensch dem Menschen näher kommt. Tritt also der be⸗ rührte Vortheil der Zeitgewinnung schon im Sommer klar hervor, so vermehrt er sich noch im Winter. Denn bei dem Vorhandensein des Nachmittagsunterrichtes wird unserer Jugend die beste Zeit von 24 Uhr Nachmittags, die sie bei dem fortwährenden Aufenthalt in geheizten und meistens schlecht ventiltiten Räumen während dieser Jahreszeit, zum Genusse frischer Luft, zum Spielen und Schlittschuhlaufen ꝛc. unbedingt nöthig hat, durch die Schulstunden gänzlich geraubt. Denn, kommen die Kinder um 4 Uhr nach Hause, so ist es meist dunkel und die passende Zeit zum Aufenthalt im Freien vorüber; in Hast und Ueberstürzung werden dem scheidenden Tage noch einige Minuten abgestohlen, oder es beginnt das in moralischer Beziehung so gefährlsche Herumtreiben in der Dunkelheit. Zu all diesen Gründen, die für die Be⸗ seitigung der Nachmittagsstunden sprechen, kommt noch für die Friedberger Schule fast zwingend der Umstand in Betracht, daß von den 278 Realschülern täglich über 100 nach Hause fahren oder gehen. Wo bleibt für diese armen Jungen, die mit der Bahn meist erst um 51 oder gar 6½ñ Uhr die Stadt verlassen können, oder die stunden⸗ weilt zu Fuße laufen müssen, zumal im Winter die an⸗ gemessene Arbeitszeit? Ferner, was fangen sie in der

Von Bellova wird;

Zeit von 4 Uhr an? Hat nicht ihr Herumtreiben auf den Straßen und am Bahnhof schon zu den schwersten Klagen Veranlassung gegeben? Große sittliche Bedenken erheben sich besonders im Winter, wo die Dunkelheit die Ausschreitung verbirgt, gegen das Weiterbestehen dieses Zustandes, der dazu noch die auswärtigen Schüler in die Wirthshäuser treibt. Das unter diesen Umständen begreifliche Nachlassen des Fleißes, sowie die vorkommen den Ausschreitungen der auswärtigen Schüler üben natür⸗ lich auf die hiesigen einen unvermeidlichen Einfluß. Wle würden aber die auswärtigen Eltern sich freuen, wenn durch das Geschenk des ausfallenden Nachmittagsunter⸗ richtes ihre Kinder der Familie sozusagen wieder geschenkt würden, von den pekunlären Vortheilen ganz abgesehen! Vorstehende Erwägungen glaubten wir unseren Mitbürgern nicht vorenthalten zu dürfen. Mögen sie dieselben, wie es hier immer üblich war, unpartelisch prüfen und wenn sie zustimmen, auch handeln!

Darmstadt, 22. Aug. Im vollendeten achzigsten Lebensjahr verschled gestern der großh. Oberpostmeilster i. P. Pfaltz. Die liebenswürdigen Charakter-Eigen⸗ schaften des Verblichenen waren in den weitesten Kreisen anerkannt und werden seine zahlreichen Freunde und Ver ehrer ihm ein treues Andenken bewahren. Lange Jahre war Pfaltz Großmeister der hessischen Freimaurerlogen und hat als solcher unendlich segens reich gewirkt.

Allerlei.

Luzern, 26. August. Auf der Pllatusbahn ist der Dampfwagen gestern zum ersten Male bis zum Kopf des Esel gefahren.

Paris, 22. Aug. Im Losre-Departement fanden gestern Abend große Wolkenbrüche statt; die dadurch her⸗ beigeführten Ueberschwemmungen richteten große Ver⸗ heerungen an. In Giors stürzten mehrere Hauser ein; die Lokomotive eines durch den Tunnel von Giors fahrenden Zuges wurde durch einen Erdrutsch verschüttet und die Bedienung konnte nur mit Mühe gerettet werden. Der Bahnverkehr zwischen Lyon und St. Etienne ist gesperrt.

Petersburg, 23. Aug. Einer Meldung aus Oren⸗ burg zufolge sind in dieser Stadt über 1000 Häuser ab⸗ gebrannt, die größtentheils von Handwerkern und Ar⸗ beitern bewohnt waren. Infolge des furchtbaren Brand⸗ unglücks finden sich gegen 10,000 Personen obdachlos.

Der sogenannte Starrkrampf im Wasser.

In jeder Badesaison hört man von Fällen, in welchen geübte Schwimmer, ohne durch vor⸗ hergegangene große Kraftanstrengung ermüdet zu sein, angesichts des belebten Ufers nach an⸗ scheinend spielendem Plätschern im Wasser laut⸗ los untersinken.Ein Starrkrampf scheint die Kräfte des Unglücklichen plötzlich gelähmt zu haben, so heißt es dann in den Berichten. Ein amerikanischer Arzt, Dr. Roche, hat die Erschei⸗ nung des plötzlichen Ertrinkens schwimmkundiger Personen seit längerer Zeit zum Gegenstande eifriger Studien gemacht und sich durch Unter⸗ suchungen an zahlreichen Ertrunkenen die Ueber⸗ zeugung verschafft, daß nicht Krampf die Ursache der plötzlichen Erlahmung aller Kräfte des Schwim⸗ mers gewesen. Schließlich gelangte Dr. Roche zum Abschluß seiner Untersuchung durch einen Zufall, der ihm um ein Haar selbst das Leben gekostet hätte. Beim Baden in einer kleinen Meeres-Bucht überkam ihn nämlich selbst das Gefühl plötzlicher Erschlaffung, er verlor die Sprache und sank unter Wasser. Nur der glück⸗ liche Umstand, daß er dem Lande nahe war, rettete ihn. Die Erklärung, welche der Doktor über diese eigenthümliche Erscheinung gibt, der die Wissenschaft bis lang vergebens nachgespürt, ist diese: der Schaum oder vielmehr der Wasser⸗ staub der kleinen Welle, welche sich beim Schwim men an der Lippe des Badenden bricht, wird durch die Nasenlöcher eingeathmet und, mit dem Athemzug durch den Schlund gelangend, von der Luftröhre eingesogen. Er dringt hinter der Epi⸗ glottis(Zäpfchen) ein und vermeidet solcherge⸗ stalt den feinfühlenden Wärter, welchen Mutter Natur dort zum Schutz der Luftröhe gegen durch den Mund eindringende schädliche Einflüsse statio nirt hat und die Folge ist eine augenblick liche Stockung sämmtlicher Respirationsorgane, ähnlich der Erscheinung, wenn ein Stückchen Brot oder irgend ein anderer fester Körperin die verkehrte Kehle geräth, wie die Landleute sagen. Solcher Zufall, selbst unter den günstigsten Umständen, ist sehr bedenklich, doppelt gefährlich aber, wenn eine Person sich ganz allein im Wasser befindet. Geräth das Wasser bei dem Beginn eines Athemzuges in die Luftröhre, wenn die Lungen ganz luftleer sind, so wird der Körper sogar augenblicklich untersinken; ereignet sich dies da⸗ gegen während des Athemholens, so wird der

Kampf um etwas verlängert und tritt es am Schluß der Respiration ein, so mag der Körper sich immerhin eine Weile über der Oberflache! halten, doch bleibt auch in diesem Fall das Unter⸗

sinken unvermeidlich. Bemerkt man daher, daß ein Schwimmender oder Badender ungewöhnliche

Bewegungen mit den Armen macht, so sollte

man keinen Augenblick zögern, ihm zu Hilfe zu eilen, selbst wenn er keinen Ruf um Hilfe ausstößt.

Was eine tüchtige Hausfrau werth ist.

Gibt es ein herrlicheres Gefühl für den

Hausvater, als wenn er nach Feierabend unter

dem Birnbaum vor seinem Hause sitzt, um die

müden Glieder auszuruhen und die heiße Stirn abzukühlen in der erfrischenden Abendluft? Heut hat's gegolten, sagt er zu sich selben,

vom frühen Morgen bis zum späten Abend. Wie manches Fuder Heu ist heute hereingekommen und was für Heu! Das riecht und duftet stun-( denweit und wenn wir noch einige Tage solches

Wetter haben, ist's geschehen und gesorgt für den langen Winter. Es ist viel Mannesarbeit dabei, viele Sorge

und Zorn, bis sich einer so viel verdient hat,

daß er ruhig in die Zukunft schauen kann. Es

ist ein herbes Ding um's verdienen und den,

Kampf um's Leben, wo Jeder sein Theil haben will und die Seinen müssen's oft hören, wenn

er vergrämt und übermüdet nach Hause kommt

und es ihm ist, als ob er die Last nicht mehr

abschütteln könnte von seinen Schultern.

Da habt's ihr Weiber doch viel besser, sagt er zu seiner Hausfrau, welche ihm den Krug mit frischem Bier reicht ihr sorgt nicht wo's herkommt und kocht und bratet den ganzen Tag, als ob man blos zum Essen und Trinken da wäre und wascht und büͤrstet und fegt das ganze Haus, als ob die Seife nichts kostete und kleidet die Kinder stets in frische Kleider, als ob sie's nicht in der nächsten Viertelstunde wieder ver⸗ schmutzten und flickt und schafft an, als ob das Geld zum Dachladen hereinfliege und ich weiß nicht, woher ich eine Mark nehme, um die Schulden zu bezahlen.

Du denkst nicht daran, Hausvater, daß du da in deinem Zorne deinem Weibe die größte Lobrede gehalten hast, die du dir hättest aus⸗ denken können. Erfrischt es dich nicht bei der Arbeit, wenn du müde und hungrig bist und du weißt, daß deiner zu Hause ein guter, frischer Trunk wartet und gute, schmackhaft zubereitete Speisen und greifen deine Dienstboten nicht auch viel lustiger an, wenn sie wissen, daß für ihren Leib gut und ausreichend gesorgt ist?

Daß dein Weib auch Reinlichkeit hält bei ihren Kindern, kann ich ihr auch kaum verdenken,

denn ist es nicht dein Stolz, daß sie so gesund

sind und gerathen? Was meinst du, wenn sie

im Schmutze und in der Unreinlichkeit verkommen müßten, denn nichts trägt mehr zur Verderbniß

von Leib und Seele bei und gerade so ist es mit

dem Schmutz auf den Böden und an den Fenstern,

denn wo der Schmutz auf den Geräthen liegen bleibt, da bleibt er auch gern im Herzen und den Gedanken liegen und du, so wenig wie ich,

hast je durch eine schmutzige Scheibe ein fröhliches

Gesicht schauen sehen.

Daß dein Weib vollends keine Lumpen auf;

kommen läßt, daͤucht mich gerade das Schönste an ihr, denn ich weiß nicht, ob lumpige Men schen lumpige Kleider machen oder lumpige Kleider lumpige Menschen, eins aber ist gewiß, daß sie stets bei einander sind.

Das ware schon recht, sagst du, wenn's wir

nur so machen könnten, aber für unsere Geld

beutel sind solche Haushaltungen zu kostbar, wo

man's immer so blank haben will.

Diesmal hast du aber gerade fehlgeschossen. 1 Meinst du etwa, zu einer gut zubereiteten Speise

brauche man mehr Schmalz und Mehl und Eier,

als zu einer schlechten und unverdaulichen, und

die Mägen der Deinen seien von jener nicht bälder gesättigt? Meinst du vielleicht, die paar Pfund Seife, welche dein Weib mehr braucht, als ihre Nachbarin, seien theurersals die Doktor

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Wir Christ Githeilu gesucht bäude z Eschbach dungen unerslre