daselbst, dessen Amts Bezirk sich auch auf das Großherzogthum erstreckt, ernannt worden. Berlin. Vielfach war in der Presse von einem Regentschaftsgesetz die Rede. Nunmehr veröffentlicht das„Reichs-Gesetzblatt“ den nach— stehenden Erlaß, betreffend die Betheiligung des Kronprinzen Wilhelm an den Regierungsge— schäften vom 21. März 1888: Es ist mein Wunsch, daß Ew. K. und K. Hoheit sich mit den Staatsgeschäften durch unmittelbare Betheilig— ung an denselben vertraut machen. Zu diesem Zwecke beauftrage Ich Ew. K. und K. Hoheit mit der Bearbeitung und Erledigung derjenigen, zu Meiner Entscheidung gelangenden Regierungs— geschäfte, welche Ich Ew. K. und K. Hoheit zu— weisen werde, und sind die dazu erforderlichen Unterschriften in Meiner Vertretung von Ew. K. und K. Hoheit zu vollziehen, ohne daß es für die einzelnen Fälle einer jedesmaligen. besonderen Ordre zur Ermächtigung bedarf. Charlottenburg, den 21. März 1888. Friedrich. Gegengezeichnet v. Bismarck. An des Kronprinzen K. und K. Hoheit. — 24. März. Nach einer Meldung des „Berl. Tagbl.“ ist in den lokalen Krankheits- Erscheinungen des Kehlkopfes des Kaisers am' jüngsten Donnerstag eine überaus günstige Wen“ dung eingetreten, die von den behandelnden Aerzten als die erste entschiedene Besserung seit mehreren Monaten bezeichnet wird. — Von verschiedenen Blättern, und zwar solchen, die sich eine Zeit lang auf Mackenzie berufen zu dürfen glaubten, wurde vor wenigen! Tagen die Nachricht verbreitet, daß der Katser sich nächstens einer größeren Operation werde unterziehen müssen. Der Londoner O-Bericht. erstatter des„Frankfurter Journal“ theilt diesem auf Grund besonderer Erkundigung mit, daß jene Nachricht überhaupt aus der Luft gegriffen sei und von vornherein jedes thatsächlichen Hin- terhaltes entbehre. — 23. März. Kronprinz Wilhelm wohnte heute der Besprechung der taktischen Arbeiten des Großen Generalstabes durch den General, Quartiermeister Grafen Waldersee bei; sämmt- liche Offiziere des Generalstabes waren zugegen. — 24. März. Das Herrenhaus nahm den Staatshaushalts-Etat en bloc nach den Be⸗ schlüssen der Abgeordnetenkammer an. — Den neuesten Nachrichten aus Apia zu⸗ folge herrscht in Samoa Ruhe. Die Feindselig- keit der Eingeborenen gegen den König Tama sese vermindert sich und die fremden Einwohner sind der neuen Regierung günstiger geneigt.
Ausland.
Schweiz. Bern. Der willigte gleichfalls einstimmig die politische Polizei.
Holland. Amsterdam. Die neue erste Kammer besteht aus 24 Liberalen, 10 Katholiken und 6 conservativen resp. orthodoxen Protestanten.
Frankreich. Paris, 22. März. In der Kammer brachte Gaillard(äußerste Linke) eine Interpellation über die allgemeine Politik der Regierung ein.
— Das Arbeitercomité von Paris hatein Mani— fest gegen Boulanger und die Boulangisten erlassen.
— 23. März. Der aus den Generalen Ferrier, Bressonnet, Gressot, Thiery und Fran— chessin bestehende, mit der Untersuchung gegen Boulanger betraute Rath trat heute zusammen, um sich zu constituiren und von den durch den Minister mitgetheilten Schriftstücken Einsicht zu nehmen. Boulanger kam Mittags 5½ Uhr ay, auf dem Bahnhofe von einigen Hunderten mit Zurufen empfangen, und begab sich sofort ins Louvrehotel.
— Nachrichten aus verschiedenen Gegenden Frankreichs melden das Auftreten zahlreicher bonapartistischer Agenten. Die drei Prätendenten Jerome, Victor Napoleon und der Graf von Paris machen sich Concurrenz.
England. London. Das Oberhaus nahm die Bill betreffend Convertirung der Staats—
Ständerath be— den Credit für
schuld in allen Lesungen an.
— Nach einem Telegramm des„Reuter'schen Büreaus“ aus Calcutta vom 22. März, griffen die englischen Truppen ein Pallisadenwerk der Thibetaner im Sikkim-Gebiete an und nahmen dasselbe. Die Thibetaner leisteten keinen Wider— stand und flüchteten.
Italien. Rom. Das Armeeblatt„Eser— cito“ bringt folgende, angeblich auf absolut zu— verlässiger Quelle beruhende, Aufsehen erregende „Enthüllung“: Vor mehreren Wochen plante Frankreich einen plötzlichen Handstreich auf den Kriegshafen von Spezzia. Die Flotte mit einem Landungscorps unter Admiral Kranz harrten nur des letzten Befehls. Der Kriegsplan lag völlig im Marineministerium vor; die Kriegser— klärung selbst sollte nur wenige Stunden vor der Ankunft der franzoͤsischen Flotte vor Spezzia erfolgen, welches trotz seiner großen Fortifika— tionen damals schutzlos gewesen wäre. Im kriti— schen Momente erhielt aber die italienische Regierung hiervon Nachricht, deren Folge die sofortige fieberhafte Armirung von Spezzia und Genua sowie das sofortige Erscheinen der
englischen Mittelmeerflotte in den genannten
Häfen war. Auf die kritische Lage deutete auch Admiral Hewetts Frage bei seiner Ankunft in Genua hin, ob die Kriegserklärung bereits er— gangen sei. Das„Esercito“ fügt hinzu, wenn es dennoch diese Enthüllung mit einer gewissen Reserve gebe, so geschehe dies einzig aus übertriebener Vorsicht.
Bulgarien. Sosta, 23. März. Die Mutter des Prinzen Ferdinand, Prinzessin Clementine, ist heute Morgen abgereist. Prinz Ferdinand und die Minister begleiten dieselbe bis zur Grenze.
Rumänien. Bukarest, 23. März. In der Kammer beantwortete Bratianu die Interpellaton über die äußere Politik und protestirte gegen die Idee der Gründung eines rumänisch bulgari— schen Kaiserthums. Er erklärte:„Wir arbeiten aun der Entwicklung der Armee, denn wenn wir den Frieden wollen, müssen wir auch unsere Rechte sichern können, müssen beweisen, daß das Gefühl der nationalen Erhaltung alle unsere Kräfte absorbirt.“
Aus Stadt und Land. h. Frledberg. Am vorigen Dienstag sprach im
Volksbildungs-Verein Medielnalrath Dr. Lorenz„über
Vernichtung von Krankheitskeimen“ und gab, im Anschluß an den letzten Vortrag von Dr. Pfannmüller(„über Bacterien“) in kurzen allgemeinen Zügen ein Bild der Lehre und Praxis der Desinfeetionswissenschaft. Stets betonte er die Mitwirkung der Laten, und mehrere Punkte,
welche bei ansteckenden Krankhetten von hervorragender
Wichtigkeit sind, will Referent hier kurz erwähnen. Im Krankenzimmer dürfen sich nur die nöthigsten Personen und Gegenstände befinden; es muß reine, frische Luft herrschen; alle Abgänge der Kranken— bei Diphteri— tikern, namentlich die Nasen- und Mundseerete, welche mit bereitliegenden reinen Läppchen sogleich abgewischt werden muͤssen— sind in geeignete Gefäse, die halb oder viertels mit Desinfeetionsflüssigkeit(zweiprocentige Carbolsäure) gefüllt sind, zu bringen und zwar sofort nach ihrer Entstehung. Dem Kranken darf nicht nur, sondern muß recht oft(soweit es sich mit dem Ruhe bedürfniß verträgt) reine Wäsche angezogen und das Bett frisch überdeckt werden, weil jede Entfernung des Hemdes oder Betttuches Entfernung von Millionen von weiteren Keimen ist. Diese schmutzige Wäsche muß eben— falls so rasch als möglich in ein Gefäß mit Desinfee tlonsflüssigkeit gebracht und nicht etwa ohne Weiteres mit anderer Wäsche zusammen bis zur„großen Wäsche“ auf— bewahrt werden. Das souveräne Vertilgungsmittel aller Bacterien ist das Feuer, doch ist es, wie sich aus nahe— liegenden Gründen ergibt, nur beschränkt anwendbar, z B. für Wischlappen, alte Kleider, Bettstroh, alte Stroh— säcke ze. Die meisten Gegenstände des Krankenzimmers (Möbel, Geräthe, Kleider, Betten, Wäsche) müssen auf andere Art desinfielrt werden. Bel manchen geschleht dies durch die chemischen Mittel, besonders Carbol und Sublimat, die in geeigneter Weise angewendet werden. Viele andere, wie Federdecken und Kissen, Bett- und Fußteppiche, Kleidungsstücke vertragen derartige Behand— lung, ohne an Werth und fernerer Brauchbarkeit be— trächtlich zu verlieren, nicht. Da diese Gegenstände zugleich aber auch die schwersterreschbaren Schlupfwinkel für die eingenisteten Baeterten bilden, so entzogen sie sich bis vor Kurzem der vollständigen Desinfeetton. Das Reichsgesundheitsamt hat aber vor etlichen Jahren das Problem gelöst: Heiße Wasserdämpfe, wenn sie durch irgend welche Stoffe hindurchströmend geleitet werden derart, daß sie nichts von ihrer Temperatur verlieren, vernichten in kürzester Zeit alle in diesen Stoffen ent—
haltenen Krankheltskeime, ohne die durchströmten Stoffe 1 zu beschädigen. Man hat besondere Dampfdesinfeetlons⸗
apparate konstruirt, welche auch fahrbar hergestellt werden Blunt! können. Ihnen gehort nach des Redners Meinung die Grüsboct Zukunft und er hofft, daß Stadt und Kreis Friedberg unte bald auch einen solchen besitzen werden. In Anbetracht gelt der ungemeinen Wichtigkeit des Gegenstandes soll, wie mit wir hören, der Vortrag, welchen reicher Beifall lohnte, horstelle vom Volksbildungsverein gedruckt werden. 0 füll
m. Friedberg. Vom 1. bis 20. März d. J. wur⸗ ghorsanf den im Durchschnitt täglich 97, im e Liter das Suppe verabreicht. Vom 27. Dezember 1887, bis zum 66— Schluß der Anstalt 20. März 1888 wurden im Ganzen fe 7846½ Liter Suppe ausgegeben. Am Schluß haben die ö Berit Armen in besonders herzlicher Weise ihre Dankbarkeit g iu bag für die empfangenen Wohlthaten zu erkennen gegeben. 500 9
D. Friedberg, 22. März. Der Gemeinderath der bug e Stadt Wtes baden hat beschlossen, die 4% Stadtanleihe ö 4 vom J. Juli 1879 im Betrage von M. 4,650,000.— Bale 10 mit dem 1. Jult 1888 durch eine Abstempelung in eine fiat. 34½/% Anleihe umzuwandeln. Diejenkgen Beiitzer welche
— Oeff Nachdem
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1
in die Convertirung willigen, erhalten eine Prämie von 1½0% und erfolgt die Abstempelung vom 23. März bis bis 23. April d. J. Alle diejenigen Obligattonen, welche bis zur genannten Frist nicht zur Abstempelung auf 3½0 eingereicht werden, sind zur Rückzahlung auf den 1. Juli d. J. 0 gekündigt und hört eine weitere Verzinsung von da ab ö auf. Die Besorgung fraglicher Transgetlon übernimmt, slgene wie wir vernehmen, der hiesige Vorschuß- und Credit-⸗ i vorget Verein e. G. spesenfrei. 1 kel bon
m. Relchelshetm, 22. März. Am vergangenen Diens. nen, tag Abend verunglückte in der Gemarkung Blofeld ein
t n J 5 e„Septen schon bejahrter Händler aus Heuchelheim Namens Weitz, 4
genannt„der Amtmann.“ Derselbe gerieth in der Dunkel— 1 ate Ein heit von der Landstraße auf die überschwemmten Wiesen%. Crgät und fand in dem gar nicht tiefen Wasser seinen Tod, N N
5 1 0 nihet vorzu
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Das Amtsgericht zu Nidda nahm heute an Ort und Stelle den Thatbestand auf.
Allerlei.
Bonn, 23. März. Heute Morgen 6 Uhr gerseth die hiesige Menoritenkirche in Brand. Nachdem der Dach— stuhl mit dem Dachreiter vollständig eingestürzt war, ge— lang es gegen 10 Uhr, den Brand zu bemeistern.
Wismar, 22. März. In Folge eines Bruches des Roggenfeld'schen Dammes bei Dömitz ergoß sich heute
welche zu Fuß von Landskrona gekommen waren. Es 1
b N 0 8 lag also die Möglichkett vor, zu Fuß über den Sund von 8 Dänemarck nach Schweden zu gelangen. N New-Vork. Während des jüngsten Schneesturmes N in Nordamerika sind in der Chesapeake Bay über 30, in
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1*
Morgen das Hochwasser über die Ortschaften der Umge- Mitt gend. Auch in der Stadt ist heute Vormittag das Wassen a wieder gesttegen. Das Elend der betroffenen Bevölke- a ech, rung ist groß. 4 Jaht 3
Pest, 22. März. Der Kaiser spendete für die Ueber 0 schwemmten in Ungarn zehntausend Gulden. Der Ver— 1. kehr auf der Strecke Csaba Pest ist in Folge des Damm n bruches unterbrochen. Die Hochfluth zerstörte den Elsen- 123 bahndamm der Arad Pester Linle in einer Länge von 23 zwei Kilometer, dadurch blieb Csaha vor einer Katastrophghe ö bewahrt. Die Nachrichten über die Wassersnoth in Un- garn lauten fortgesetzt fürchterlich. Ganze Ortschaften N 1 find von den Fluthen fortgeschwemmt, der Schaden ist. De de ungebeuer. Auch aus verschiedenen deutschen Bezirken, t Uhren namentlich von Elbe und Oder, kommen drohendere Fin Fasel Nachrichten. binn
Kopenhagen, 17. März. Fischer aus dem benach⸗ 3* barten Dorfe Faarbäk gingen gestern über das Eis zu 1 0 1 5 Fuß nach dem 1 Meilen von der dänischen Küste ein- Ui, be gefrorenen Dampfer Axelhuus behufs etwaiger Hilfe— 1 5 Arkedt leistung und trafen dort schwedische Hilfsmannschaften, 1 1 g
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Jür die! der Delaware-Bay 28 und in Delaware Breakwater über 0 du 60 Schiffe untergegangen. Iegl
Repertoir⸗Entwurf
der vereinigten Stadt- Theater in Frankfurt. Opernhaus.
Dienstag den 27.: Ouverture zu„Corkolan.
Apotheose. Fa (lebendes Bild.) Trauermarsch aus„Götterdämme- rung.“ Joseph in Aegypten. Gewöhnliche Preise. Mittwoch den 28: Vorstellung bei ermäßigten Prelsen. 1 Die Jungfrau von Orleans. Außer Abonnement. Donnerstag den 29.: Beltsar. Hierauf: Ballet-Diver⸗ tissement. Gewöhnliche Preise.(. Freitag den 30.; geschlossen.
Samstag den 3J.: Gloconda. Gioeonda: gartner a. G. Gewöhnliche Preise. Sonntag den 1. April: Robert der Teufel. Montag den 2.; Afrikanerin.
Fräul. Baum: N
Gew. Pr. Gewöhnliche Preise.
Schauspielhaus. 5 Dienstag den 27.: Die berühmte Frau. Gr. Preise, Mittwoch den 28. geschlossen. ö Donnerstag den 29.: Vorstellung im Abonnement B, (für einen ausgefallenen Mittwoch.) Ein toller Ein- 8 fall. Vorher: Mamas Augen. Große Preise. 2 Freitag den 30. geschlossen.— 1 Samstag den 31.: Rateliff. Hierauf: Frühling im Winter. Zum Schluß: Der zerbrochene Krug. G. P. Sonntag den 1. April: Nachmittags 3 Uhr Drei Paar Schuhe. Kleine Preise. Abends 7 Uhr. Die be⸗ rühmte Frau. Große Preise. Montag den 2.: Nachmittags 312 Uhr. Alt Frankfurt.
Kleine Preise. Abends 7 Uhr. Andrea. Gr. Pr.


