der im Kreise Friedberg im Jahre 1887 eingetretenen Typhusfälle reichlich auf 220 schätzen. Von diesen find 19 gestorben, nahezu 200 genesen. Wer aber weiß, welche ungeheuren Opfer auch ein in Genesung ausgehender Typhus dem Kranken und seiner Umgebung auferlegt, der wird ohne Weiteres zugeben, daß der von der Bevölkerung aufgewendete Eifer für Verhütung und Vermeidung dieser schweren Krankheit noch außerordentlich welt hinter dem Wünschenswerthen und auch hinter dem jetzt Mög⸗ lichen zurückbleibt. Ansteckungen von Person zu Person sollten jetzt immer ver⸗ hütet werden, und sie würden es auch, wenn gleich in den ersten Tagen des ersten in einer Behausung auftretenden Falles den Anordnungen der Aerzte genau und voll⸗ ständig entsprochen wurde. Ansteckungen von Wärterpersonal in den Hospitälern sind jetzt äußerst selten, obwohl dasselbe durch Nähe und Pflegearbeit mit dem Kranken weit mehr gefährdet und geplagt ist als die Angehörigen von im Haus gepflegten Kranken. In Kirch Göns erkrankten nacheinander in einem und demselben Hause 4 Kranke, bis Anzeige erfolgte und Maßregeln getroffen und gesichert werden konnten.
Die übrigen ansteckenden Krankheiten zeigten sich nicht in einem Verhältnisse, welches zu einer besondern Bemerkung auffordern könnte. Blattern kamen gar nicht vor; Wochen bettfleber und Rose wurden Amal tödtlich.
Zum Vorkommen von Diphtheritis, welches oben wesentlich im Gesichts— punkte seiner Mitwirkung zur Sterblichkett des Jahres 1887 besprochen wurde, muß eine weitere Bemerkung gemacht werden. Mindestens im gleichen Verhältniß wle dte Diphtheritis Sterblichkeit hat auch das Erkrankungsverhältniß an Diphtherie die bezüglichen Zahlen der Vorjahre übertroffen. So sind beispielsweise innerhalb der letzten drei Monate von 1887 allein für die Gemeinden Harheim, Nieder-Erlenbach, Nleder⸗Wöllstadt und Holzhausen 201 Diphtherktis-Erkrankungsfälle verzeichnet; in einigen andern Gemeinden war es womöglich noch schlimmer, und es kann im Ganzen das Vorkommen von Diphtherie Erkrankungen im Kreise auf gegen 1000 Fälle ge— schätzt werden Die Aerzte sind weit davon entfernt sich ein Hehl daraus zu machen, daß ihre Kunst gegenüber den schweren Fällen von Diphtherie nur wenig vermag und daß daher um so größer die Verpflichtung besteht, weitere Ansteckungen und Uebertragungen zu verhüten. Geradezu musterhaft war in dieser Hinsicht die Haltung aller Aerzte des Kreises, aber erfolglos und mit Undank gelohnt waren meistens ihre Bemühungen. Die den Gemeinden angesonnene Herstellung von Räumen für Auf⸗ nahme von Kranken aus überfüllten oder schlechtbeschaffenen Wohnungen wurden in
mehreren(nicht allen) Fallen einfach abgewlesen. Ztemlich allgemein entstand elne einigermaßen richtige Schätzung und Uebung der zur Verhütung weiterer Ver⸗ breitung angeordneten Maßregeln erst dann, wenn eine Reihe von Todesfällen die Gleichgültigkelt in Schrecken verwandelt hatte. Wie bel ansteckenden Krankheiten überhaupt, so machte sich bel Diphtherle in besonderem Grade die verhängnißvolle Lücke in unsern Veranstaltungen zur Verhütung von Ansteckungen fühlbar, welche durch das Fehlen eines Desinfeetlons-Apparates mit strömendem Wasserdampfe be⸗ dingt ist. So lange dieser nicht für den Kreis beschafft sein wird, bleiben die ge⸗ fährlichsten Schlupfwinkel des Krankheitsgiftes(Betten, Möbel, Kleider) fast unbe⸗ rührt und die Gefahr einer früher oder später wieder eintretenden Wirkung des⸗ selben unbehoben. 5
Von den nichtansteckenden Krankheiten, zu denen wir entsprechend unserer Auf- fassung in früheren Jahresberichten auch die Schwindsucht rechnen wollen, kann im Allgemeinen gesagt werden, daß sie dem für unsern Kreis als Mittelverhältniß Er⸗ kannten im Ganzen entsprechen.
Die Lungenschwindsucht forderte 189 Opfer(Mittel der letzten 5 Jah re 200); die meisten(25, 24, 23) erlagen in den Monaten März, Juni und Mai; be⸗ sondere Betheiligung einzelner Orte tritt diesmal nicht hervor.
Die akuten entzündlichen Erkrankungen der Athmungsorgane, welche zeitweise besonders als Lungenentzündung und als Lungenkatarrhe einen hohen Kranken⸗ stand bedingten, brachten 135 Todesfälle(5jähriges Mittel= 138).
Durch Schlaganfall starben 56 Personen(5jähriges Mittel 8 39). Be⸗ sonderen Anlaß für diese verhältnißmäßig große Häufigkeit ist nicht ersichtlich. Die größte Zahl(10) brachte der Jult. Sehr gering war die Zahl der durch akute Entzündungen des Magens und Darmes, besonders bel kleinen Kindern, bedingten Todesfälle(17 gegen 28 des 5jährigen Mittels).
An anderen bisher noch nicht besonders erwähnten und statistisch nicht geson— dert verzeichneten Krankheitsformen starben 482 Personen.
Durch Verunglückung(14), Selbstmord(13), Mord(2) und tödt⸗ liche Verletzung(1) starben zusammen 30 Personen.
Die Zahl der in ihrer letzten Krankheit nicht ärztlich behandelten Personen betrug 184. Großherzogliches Kreis-Gesundheitsamt Friedbertz.
Dr. Lorenz. 0
Deutsches Reich. Darmstadt.
Botschaft, Mittags 12 Uhr Fürst Bismarck zur Der Amtmann Nebel zu Königin Victoria befohlen.
England. London. Nachrichten aus Palma Mittwoch Nachmit-(canarische Inseln) zufolge griffen die Einge⸗
Friedberg wurde zum Amtmann in Gießen, die Revisionsgehilfen Kornmann von Ober-Ofleiden und Zörkel von Eichelsdorf wurden zu Ober— Rechnungsprobatoren 2. Klasse ernannt. Berlin, 23. April. Ein Bulletin von gestern Abend 9 Uhr meldet: Der Kaiser hatte heute einen ziemlich guten Tag. Das Fieber war während des Tages geringer als in den früheren Tagen, jedoch ist Abends wieder eine Steigerung eingetreten. Das Bulletin von heute Morgen lautet: Der Kaiser hatte eine durch Husten unterbrochene, aber sonst leidliche Nacht. Das Fieber ist niedrig. Letzteres zeigt die Nei— gung zu sinken; allem Anschein nach ist ein ge— wisser Stillstand in der Erkrankung des Kaisers eingetreten, der auf Tage hinaus die Besorgniß vor einer plötzlichen Wendung zum Schlimmsten mehr zurückgedrängt hat. Der Kaiser empfing Nachmittags um vier Uhr den Reichskanzler. Mackenzie hat der„Kreuzzeitung“ bezüglich der bekannten Vorgänge bei der Einsetzung der Ca— nüle am 12. d. Mts. eine Mittheilung zuge— sandt, welche das genannte Blatt jedoch nicht als überzeugend erklärt. Das Bulletin von heute Abend 9 Uhr besagt: Der Zustand des Kaisers hat sich heute im Laufe des Tages nicht geändert. Der Kaiser war kurze Zeit außer Bett.— 24. April. Bulletin von Vormittags 9 Uhr: Der Kaiser hatte eine recht gute Nacht. Das Fieber war heute Morgen ganz gering. Das Allgemeinbefinden ist etwas besser. Die Königin Victoria von England mit der Prinzessin Beatrice und dem Prinzen Heinrich von Battenberg sind heute früh in Charlottenburg eingetroffen. Die Herrschaften wurden im Bahnhof von der Kaiserin Victoria, dem Kronprinzen und der Kronprin— zessin, dem Prinzen Heinrich, dem Erbprinzen— paar von Meiningen und den drei Prinzessinnen— töchtern noch im Salonwagen herzlichst begrüßt, und fuhren darauf in offenem vierspännigen Wagen, — an der Seite der Königin Victoria die Kaiserin, auf dem Rücksitz der Kronprinz Wilhelm und die Prinzessin Beatrice,— nach Schloß Charlotten— burg. Auf dem ganzen Wege bewegte sich eine dichtgedraͤngte Menschenmenge, welche die Herr— schaften mit lebhaften Hochrufen begrüßte. Der Kaiser ist später aufgestanden, um die Königin von England zu empfangen. Er zog sich nach einer herzlichen Begrüßung jedoch bald zurück. Die Königin trifft mit der Kaiserin Victoria wahrscheinlich zwischen 3 und 4 Uhr heute Nach— mittag zum Besuche der Kaiserin-Wittwe Augusta in Berlin ein. Sie wird bei der Kaiserin-Mutter den Thee nehmen und sich von dort nach dem Palais begeben, welches die Majestäten als kron— prinzliche Herrschaften bewohnten. Morgen elf und ein halb Uhr Vormittags ist die englische
tag besucht die Königin die britische Botschaft und wohnt später dem Gottesdienst in der eng—
borenen die englische Factorei auf Cabo Luby an der afrikanischen Küste an und tödteten einige
lischen Kapelle bei. Beamte. Unter den Getödteten befindet sich auch — 23. April. Heute Mittag fand eine der Director der Factorei, More. Staatsministerialsitzung beim Fuͤrsten Reichs⸗ Rumänien. Bukarest. Die rumänische Re⸗ kanzler statt. Man nimmt an, daß in derselben gierung hat die Ausführung der meisten Befestig⸗ eine Berathung über die Erweiterung der Stell- ungsneubauten, welche den ursprünglichen Be— vertretungsbefugnisse des Kronprinzen stattge- schlüssen nach bereits in diesem Jahre erfolgen
funden hat, welche der Kaiser mit Rücksicht auf, seinen jetzigen leidenden Zustand angeordnet hat. Nach der Sitzung fuhr sofort der Reichskanzler nach Charlottenburg, wo er vom Kaiser zu längerem Vortrage empfangen wurde.
— 23 April. Das Abgeordnetenhaus nahm nach längerer Berathung eine zum Volksschul- lastengesetz von Lubrecht und Brüel beantragte Resolution an, wonach den Lehrern nach zehn-, resp. zwanzig- und dreißigjähriger Dienst-Zeit, durch angemessene Alters-Zulagen ein gewisses Minimalgehalt zu garantireu ist.
— Dem Grafen Herbert Bismarck ist nach
sollte, auf das nächste Jahr vertagt.
Serbien. Belgrad, 23. April. Die Skup⸗ schtina nahm die Vorlage der Regierung betr. der Militärorganisation an. Dagegen stimmten die liberale Opposition und ca. 20 Radicale.— Die„Budapester Correspondenz“ signalisirt eine in Belgrad bevorstehende Minister- und Partei⸗ Krisis. Vuic habe die Erhöhung der Verzeh— rungssteuer in Aussicht genommen, welche einer Verletzung des Handelsvertrags mit Oesterreich gleichkommen soll.
— Als bevorstehend wird eine Ministerkrisis und eine Parteikrisis gemeldet. Die Skupschtina
einer Mittheilung der„Börsen-Zeitung“ gestern bewilligte das Gemeindegesetz in einer Fassung,
vom Kaiser der Charakter als Staats-Minister rungspartei übertrat dadurch die Verpflichtungen,
verliehen worden.
welche die königlichen Rechte streift. Die Regie—
Baden-Baden, 23. April. Die Kaiserin welche sie dem Könige gegenüber einging. Ferner
von Oesterreich ist gestern zur Begrüßung der
plant der Finanzminister eine Erhöhung der
Königin Victoria von England nach Muͤnchen Verzehrungssteuer in einer Form, welche den abgereist; die Erzherzogin Valerie weilt noch hier. Handelsvertrag mit Oesterreich-Ungarn verletzt.
Ausland.
Schweiz. Bern, 23. April. Gestern haben hier und in Zürich größere Demonstrationen seiteus der Arbeiter gegen die jüngst vom Bun— desrathe beschlossenen Ausweisungen stattgefunden, die als Verletzung des Asylrechts erklärt wurden.
Frankreich. Paris, 23. April. Auf dem Boulevard Saint Michel kam es gestern Abend anläßlich der von Seiten der Studenten aber— mals veranstalteten antiboulangistischen Kundge— bungen zu einem erusteren Zusammenstoß zwischen den Studenten und den Boulangisten. Es wur— den zwanzig Verhaftungen vorgenommmen.
— Die Generalversammlung der Delegirten der Patriotenliga hat gestern mit 21 gegen 18 Stimmen beschlossen, die von dem Direktions⸗ Comité mit einer Stimme Majorität beliebte Wiedereinsetzung Deroulsde's als Ehrenpräsident der Gesellschaft für ungiltig zu erklären. Darauf hat die Minortität der Delegirten ihren Austritt
Man glaubt, der König werde abermals die Fortschrittler zur Cabinetsbildung berufen.
Bulgarien. Sofia, 23. April. Prinz Ferdinand begibt sich am Donnerstag in Be— gleitung von Stambuloff und Natschewitsch nach Tirnova, wo er während des Osterfestes zu verbleiben gedenkt. Die Abwesenheit des Co— burgers von Sofia wird etwa vierzehn Tage dauern.
Amerika. Washington, 24. April. In der Repräsentantenkammer brachte der Republikaner Marrow einen Antrag ein, die Unionsregierung solle die Samoaner unterstützen und eine unab— hängige, aus Eingeborenen bestehende Regierung einsetzen. Der Antrag fordert den Präsidenten Cleveland auf, seine guten Dienste zur Geltung zu bringen und die gegenwärtigen Schwierig— keiten in Samoa zu beseitigen.
Aus Stadt und Land. ? Friedberg. Am letzten Sonntag, den 22. April, Nachmittags 3 Uhr fand dahier im„Hotel Trapp“ eine
aus der Gesellschaft erklart und sich dann sofort mit Derouldde an der Spitze als neue Patrio— tenliga constituirt. l
— 24. April. Die antiboulangistischen Stu— denten beschlossen, von den gegenwärtigen öffent— lichen Manifestationen abzustehen, jedoch energisch Stellung zu nehmen, falls die Provokationen er— neuert werden.
Versammlung des„Evangelischen Bundes“, an der auch verschtedene Damen theilnahmen, statt. Nach einer ein⸗ leitenden Ansprache des Schulraths Schmidt, worin er u. A. warme Worte unserem vielgellebten leldenden Kaiser Friedrich widmete, zu dessen Ehre sich die Anwesenden erhoben, und nach Vorlesung der Mitglieder-Liste— da⸗ mals 91, jetzt bereits 111— u. A. Geschäftlichem hielt Prof. Dr. Welffenbach den angekündigten Vortrag über Ulrich von Hutten. In der Einleitung seines 1½ stün⸗ digen Vortrags wies Redner eine niedrige Verunglimpf⸗
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