1888.
Donnerstag den 23. August.
N 99.
Wird hier und in Bad⸗Nauheim Montag, Mittwoch und Freitag Abend ausgegeben.
Areisblatt für den Kreis Friedberg.
O berhessischer Anzeiger.
Erscheint dreimal wöchentlich und zwar Dienstag, Donnerstag und Samstag.
Annoncen: die einspaltige Petitzeile 15 Pf., lokale Anzeigen und behördliche aus dem Kreise 11 Pf., Reclamen 30 Pf.; ein Beleg kostet 9 Pf. Annoncen von 1 auswärtigen Einsendern(soweit Letztere nicht Jahresconto bei uns haben), welchen der Betrag nicht beigefügt ist, werden stets per Post nachgenommen. Obitirdl 5——— 2 Dosen Amtlicher Theil. 8 e dn Nei Betreffend: Feldbereinigung in der Gemarkung Rendel. B e k a n t m a 11 9 · iG 7 Nachdem der Antrag auf Feldbereinigung in der Gemarkung Rendel bei der Großherzoglichen Landescommission gestellt und für zulässig Gurken, erklärt worden ist, bringe ich hiermit zur öffentlichen Kenntniß, daß die Prüf
1 marxinirte
—
5. Seil.
848 des Her dern
meisterei Rendel zu Jedermanns Einsicht offen
Friedberg den 20. August 1888.
14 Tagen, von dem Tage des Erscheinens dieser Bekanntmachung an gerechnet Commission für Feldbereinigung geltend zu machen.
rt ung des Antrags ergeben hat, daß mehr wie ein Fünftheil der betheiligten Grundeigenthuͤmer, welche mehr wie die Halfte der in Betracht kommenden Fläche des rubrieirten Projektes erklart haben und solcher somit beschloss
mir zusammengestellten Prüfungsresultat liegt in der Zeit vom 24. bis 30. August incl. auf
besitzen, sich unterschriftlich für die Ausführung
en ist. Die schriftliche Erklärung der betheiligten Grundbesitzer nebst dem von
dem Amtszimmer der Großherzoglichen Bürger—
und sind Einwendungen gegen die Zulässigkeit oder Rechtsbeständigkeit des Ergebnisses binnen
„mittelst schriftlicher Beschwerde bei der Großherzoglichen Landes— Der Vollzugs⸗Commissär für Feldbereinigung:
Dr. Wallau.
Deutsches Reich. ich. Berlin. Nach der„Nat. Ztg.“ hat der Kaiser von Rußland sein Bild an Kaiser Wil—
helm übersandt mit einer eigenhändigen Wid— gesellen mung, in welcher er an die schönen Tage von e en Peterhof erinnert und den Kaiser bittet, das bang 14 5 Bild zum Andenken an diese Tage freundlichst
entgegenzunehmen. —. Aug. Crisp. bat sich direkt von Rom nach Friedrichs ruh begeben, woselbst auch Kalnoky auf von Wien erwartet wird. Auch der preußische a Gesandte beim Vatikan, v. Schlözer, dürfte sich nne vor Ablauf seines Urlaubs noch einmal nach n nabe Friedrichs ruh begeben.
ait Sascherti
Sie
ede stoffe,— 21. Aug. Der Kronprinz von Griechen⸗ 3 land ist heute aus Wiesbaden hier eingetroffen 3 und hat für die Dauer seines mehrwöchigen
tian Aufenthaltes in Berlin im Hötel Continental larft Wohnung genommen.
lug— General-Feldmarschall Graf Moltke war, — wie bereits mitgetheilt, nach Berlin gekommen, 3 um dem Kaiser seinen Dank für die ihm ge— 3 wordenen Auszeichnungen auszusprechen und die Uebernahme seiner neuen Stellung zu melden. Als der Kaiser von der Ankunft Moltke's erfuhr, wartete er die Meldung desselben nicht ab, son— dern überraschte ihn am vergangenen Freitag Nachmittag zwischen drei und vier Uhr in seiner Dienstwohnung und verblieb eine halbe Stunde bei ihm. Graf Moltke soll tief gerührt und er⸗ griffen gewesen sein ob dieser neuen Auszeich— nung durch seinen kaiserlichen Herrn, die einzig in ihrer Art dasteht, da es noch niemals dage— wesen ist, daß ein Monarch einer persönlichen Meldung in solcher Weise zuvorgekommen ist; er soll dem Kaiser die Bitte ausgesprochen haben, in, ihm Gelegenheit zur Bethätigung seiner Dank— gealtee bankeit zu geben.
1— General von Pape soll, wie verlautet, zum General-Feldmarschall ernannt werden und tine Armee-Juspection erhalten.
— Folgende sensationelle Meldung geht der „Köln. Volksztg.“ aus Berlin zu:„Zur Kenn— zeichnung unserer Beziehungen zu Frankreich mag uin tie mir gewordene Mittheilung dienen, daß
4. bat temnächst eine Verordnung zu erwarten sei, wo— ee e lach alle bei deutschen Gerichten schwebenden n e Prozesse französischer Unterthanen sistirt werden pollen, bis Frankreich bezüglich der Schaden⸗ rrsatklage der deutschen Studenten gegen die Stadt Belfort zu den gewünschten Schritten sich
entschlossen hat!“ Es braucht wohl kaum be— merkt zu werden, daß dieser Meldung gegenöber die stärksten Zweifel am Platze sind, obgleich die Maßregel selbst vollständig am Platze ware. 0 Kiel. Das Programm für die demnächstigen Zlottenmanöver ist nunmehr endgiltig festgestellt. Nach den Uebungen in der Danziger Bucht kehrt
29. und 30. August finden die Hauptfestungs— Kriegs Uebungen vor Kiel statt. Der Augriff wird von dem Panzergeschwader unter Admiral Knorr gemacht, die Vertheidigung wird von dem Admiral von Blanc geleitet, dem das Schul— Geschwader unter Admiral von Kall beigegeben ist. Am 31. August und 1. September finden weitere Manöver vor Kiel statt, worauf die Flotte von dem commandirenden Admiral Grafen von Monts inspicirt wird. Am Sedantag ist Ruhetag. Am 3. September findet der Zusam— mentritt der Mansverflotte statt und begibt sich dieselbe alsdann nach der Nordsee. Am 12. Sep⸗ tember findet die Auflösung der Manöverflotte vor Kiel statt.
München. Der Prinz⸗Regent hat das Programm für seinen Besuch der Pfalz festge— stellt. Er trifft danach am 16. September in der Pfalz ein und residirt auf der Ludwigshöhe bei Edenkoben, von wo aus einzelne Städte be— sucht werden. Der Aufenthalt in der Pfalz dauert 11 Tage.
Ausland.
Oesterreich⸗Ungarn. Wien, 19. August. Schönerer, der morgen seine Strafe antritt, ist heute Abend mit der Franz-Josephsbahn hier angekommen. Vor dem Bahnhofe befand sich eine tausendköpfige Menge, zumeist Neugierige. Der Bahnhof war für Jedermann abgesperrt, ebenso hielt den Platz vor dem Gebäude ein starkes Aufgebot von Wachmannschaften besetzt. Im Hotel erwarteten Schönerer Freunde und An— hanger. Vor dem Hötel war Polizei stationirt; die umliegenden Straßen wurden von starken Patrouillen begangen; das Militär war consig— nirt. Als die Menge vor dem Hötel den von Gensdarmen eskortirten Wagen in Sicht bekam, wurden viele Hochrufe laut. Die Wache nahm viele Verhaftungen vor.
Holland. Haag, 20. August. Der König, welcher sich in dem Schloß Loo befindet, ist seit einigen Tagen von katarrhalischen Leiden befallen und in Folge dessen das Bett zu hüten genöͤthigt.
Frankreich. Paris, 20. August. Die bis jetzt bekannten Resultate der gestrigen Wahlen lauten folgendermaßen: Lille(Norddepartement): Boulanger 130,152, Köchlin 126,567; Amiens (Departement Somme): Boulanger 76,094, Bernot 41,371 Stimmen; La Rochelle(Depar— tement Charente inferieure): Boulanger 32,614, Lair 23,731 Stimmen. Im Arbeiterviertel waren dle Boulevards am späten Abend mit einer großen Menschenmenge angefüllt, welche die Polizei aus— einander trieb. In Amiens mußte das Militär mit aufgepflanztem Bajonnet gegen die Menge einschreiten. In Lille fanden Schlägereien zwischen den Boulangisten und den Antiboulangisten statt;
— Dem Vernehmen nach sollen gegen die⸗ jenigen Ausländer, welche an den jüngsten Kund— gebungen der Streikenden theilgenommnun haben, Ausweisungsbefehle erlassen werden.
Italien. Rom, 20. Aug. In Savona stellten 1500 Arbeiter der Metallfabrik wegen Herabsetzung des Lohnes die Arbeit ein. Eine Deputation der Arbeiter begab sich zum Unter— präfecten. Die Ordnung blieb ungestoͤrt.
Aus Stadt und Land.
D. Friedberg. In würdiger und erhebender Weise beging der Veteranen- und Militär-Verein am 18. und 19. August sein Stiftungs-Fest und die Gedenkfeier der Schlacht bei Gravelotte. Samstag Abend versammelten sich die Mitglieder und Freunde des Vereins in der „Reichskrone“ und war diese Vorfeier zu Ehren der Kameraden veranstaltet, welche an dem Kriege gegen Frankreich theilgenommen haben. Prästdent Bindewald gedachte mit begelsterten Worten der großen Ereignlsse und Errungenschaften der Jahre 1870/71 an denen auch unsere hessischen Soldaten so ehrenvollen Antheil genom- men haben und schloß mit einem Hoch auf den Führer der Hessischen Division in jenem Kampfe, unseren Groß⸗ herzog Ludwig IV. Ein zweiter Toast galt den„Siegern von Gravelotte“. In schöner Weise wechselten Musik— stücke mit den herrlichen Lieder-Vorträgen des Gesang⸗ vereins Liederkranz, welcher in anerkennenswerther Weise seine Mitwirkung an dlesem patriotischen Feste zugesagt hatte und welchem an dieser Stelle nochmals herzlich Dank gesagt sein soll. Die Sonntag Vormittagsfeier war eine tiefernste und galt dem Andenken derer, welche den Heldentod für's Vaterland gestorben sind. Mit um⸗ florter Fahne marschirte der Verein nach dem Friedhof um an den mit Blumen und Laubgewinden geschmückten Gräbern der hier ruhenden Krieger, Aller zu gedenken, welche ihr Leben für des Vaterlandes Ehre und Größe lassen mußten. Hierauf nahm der Verein theil an dem Gottesdienst in der Stadtkirche, dessen Weihe durch einen eingelegten Chor-Gesang der Zöoͤglinge unseres Lehrer— Seminars noch erhöht wurde, und bei welchem Professor Dr. Köstlin die Predigt hielt. Die ernsten Worte des Geistlichen, welcher selbst als Feldprediger den Feldzug mitgemacht hatte, haben gewiß auf die versammelte Ge— meinde einen nachhaltigen Eindruck gemacht und nicht umsonst ist die Mahnung an die andächtig lauschende Versammlung erklungen:„Sei getreu bis in den Tod“, Unter Vorantritt der Kapelle des Großherzoglichen Leib— Dragoner Regiments Nr. 24 bewegte sich am Nachmittag der Fest-Zug durch die mit Fahnen reich geschmückten Straßen unserer Stadt nach dem Steinhäußer'schen Garten, woselbst Musikvorträge und Ansprachen wechselten. Prä— sident Bindewald begrüßte die zahlreich erschlenenen Fest theilnehmer, gedachte des tragischen Geschickes, das Deutsch— land in der kurzen Zeit von hundert Tagen zwet Kaiser verlieren ließ, gab einen Rückblick auf das verflossene Vereinsjahr und schloß mit einem Hoch auf den obersten Kriegsherrn, den Kasser Wilhelm II. Sodann gedachte Gerichts-Schrelber Weber mit begeisterten Worken des „Volkes in Waffen“, unserer tapferen deutschen Armee, cand. theol. Vogel feierte in meisterhafter Rede das deutsche Volk und Vaterland. Der allen Rednern ge— spendete reiche Belfall zeigte, daß die Anwesenden das richtige Verständniß für die schönen patrlotischen Worte hatten. Die tüchtigen Leistungen der Musik Kapelle und der vorzügliche„Stoff“ des Festwirthes trugen ihrerseits wesentlich zu einer gehobenen Stimmung bei und es reihte sich die diesjährige Gedenkfeier würdig an die vorausgegangenen an.
das Panzer⸗Geschwader nach Kiel zurück. Am
1
es wurden viele Verhaftungen vorgenommen.
Gießen. Professor Harnack's Berufung nach Berlin ist vom Kaiser genehmigt worden.
—


