Ausgabe 
20.3.1888
 
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Generalmasors. Neben dem Leichenwagen gingen die 12 Obersten, welche den Sarg auf denselben gesetzt hatten, außerdem die zur Be deckung des Sarges commandirten zwei Stabs offiziere und 12 Hauptleute resp. Rittmeister. Gleich hinter dem Leichenwagen folgte das von einem koͤniglichen Stallmeister geführte Leibpferd des verstorbenen Kaisers. Aller Augen richteten sich dann auf die mit kurzem Abstande folgenden Fürstlichkeiten, an deren Spitze Kaiser Friedrich schreiten sollte. Von Mund zu Mund aber hatte sich schon die Nachricht fortgepflanzt, daß der Kaiser den Gedanken an eine persön liche Theilnahme an dem Leichenbegängniß auf gegeben hatte, was bei der strengen Kaͤlte als selbstverständlich erscheinen mußte. Vergeblich suchte man unter den nachfolgenden Leidtragen den auch nach dem Reichskanzler Füͤrsten Bis marck; derselbe hatte ebenso wie der greise General⸗Feldmarschall Graf Moltke wegen der Erregungen der letzten Tage darauf verzichten müssen, seinem verstorbenen Kaiser das letzte Geleite zu geben. Der Kronprinz folgte allein als Erster dem Sarge. Der König von Sach sen, der König der Belgier und der König von Rumänien nahmen im Trauergefolge die nächste Stelle ein. Dann folgte unmittelbar Prinz Heinrich an der Spitze der Mitglieder der leid⸗ tragenden königlichen Familie. Hieran schlossen sich die zu der Trauerfeier erschienenen kaiser lichen und königlichen Herrschaften und die sonstigen höchsten Herrschaften, die Abgesandten fremder Fürsten ꝛc. ꝛc. e. Der Zug wurde ge schlossen durch 1 Bataillon zu 2 Compagnien (je eine des Garde-Jaͤger-Bataillons und des Garde⸗Schützen-Bataillons; Musik des Garde Jäger⸗ Bataillons), 1 Bataillon zu 3 Compag nien(je eine des Garde- Pionier-Bataillons, des Eisenbahn-Regiments und des Garde-Fuß Artillerie-Regiments; Musik des Garde-Fuß Artillerie- Regiments). Das füuͤrstliche Geleite bestieg nach Ankunft an der Sieges-Allee die vom Dome aus dorthin beorderten Wagen um sich zur Feierlichkeit nach Charlottenburg zu be geben. Die Reichs-Insignien wurden an der Sieges-Allee von den dazu commandirten acht Offizieren den Insignien-Trägern abgenommen, den Beamten des Krontresors übergeben und von diesen unter einer Bedeckung von Gardes du Corps nach dem königlichen Schlosse in Berlin zurückgebracht. Acht Lieutenants von den Leib⸗ Regimentern übernahmen die Zügel der Pferde des Leichenwagens, vier Hauptleute die Zipfel des Leichentuches. So bewegte sich nun der Leichenzug nach Charlottenburg, nur noch aus einer Schwadron der Garde du Corps, den Hofchargen und der gesammten kaiserlichen Suite bestehend, zwischen der unabsehbaren Menschenkette hindurch. In Charlottenburg hatten die Vereine doppeltes Spalier gebildet, die Menschenmassen hinter demselben waren ebenfalls ganz unbeschreiblich dicht. Vor dem Rathhause nahmen die Schüler und Schuͤlerin nen der oberen Klassen der Gemeinde- und Bürgerschulen ihren Stand; beim Nahen des Conductes hob ein Knabenchor den Gesang an: Wenn ich einmal soll scheiden, während dessen der Leichenwagen und die Leidtragenden des Königshauses vorüberzogen. Im Mausoleum, woselbst sich die Fürstlichkeiten inzwischen wieder versammelt, wurde der Sarg in der Vorhalle, von deren Decke ein mildes blaues Oberlicht

herabfällt, beigesetzt. Das Schlußgebet des Oberhofpredigers Kögel im Mausoleum war eingeleitet mit dem Spruch:Wohl dem

M nne, welcher Anfechtung erduldet; dann folgte das Vaterunser und die Einsegnung der Leiche. Schließlich ertheilte Dr. Kögel der ganzen Kalserfamilie den Segen; damit war die Feier beendet. Die fürstlichen Herrschaften entfernten sich und die Generale legten zum letzten Abschied die Hand auf den Sarg, wäh rend der Trauersalut der Geschütze fortdauerte. Während der Leichenconduct vorüberzog, staud Kaiser Friedrich am Fenster des großen nach dem Park zu gelegenen Saales des Char

slottenburger Schlosses.

Der Kaiser war in Generalsuniform mit dem Band des Schwarzen Adler-Ordens. Er verblieb an dem Fenster bis nach den Geschützsalven, welche die Einseg nung des Sarges im Mausoleum begleiteten, die Blicke nach dem Mausoleam gerichtet. Die Kaiserin Victoria nebst Familie und sämmtliche fremde Fürstlichkeiten wohnten der Feier im Mausoleum bei, welche um 4 Uhr beendet war. Der Reichskanzler hatte, trotz des Abrathens der Aerzte, die Absicht, sich an der Lei chenfeier zu betheiligen, erst ein eigenhändiges Schreiben der Kaiserin Augusta bewog ihn, fernzubleiben. Die Kaiserin betonte in ihrem Schreiben, daß sie gewissermaßen ein Vermächt niß des hochseligen Kaisers erfülle, wenn sie den Kanzler bitte, von der Betheiligung abzustehen; sie habe die Ueberzeugung, daß sie ganz im Sinne des Kaisers Wilhelm mit dieser Bitte handle.

15. März. DiePost meldet: Kaiser Friedrich hatte keine besonders gute Nacht, er fand erst Nachts zwei Uhr erquickenden Schlaf bis drei, worauf er gegen Morgen wieder ein schlief. Gegen halb 10 Uhr stand er auf. Dem Aufenthalt in der Orangerie mußte der Kaiser entsagen, da deren Temperatur 12 Grad nicht erreichte. Als Ursache der weniger guten Nacht wird übermäßige Anstreugung durch die Empfänge des gestrigen Tages angenommen. Der gestrige Besuch der Kaiserin-Wittwe, welcher der Kaiser die Treppe hinunter entgegenging, war besonders angreifend. 17. März. Der Reichsanzeiger veröffentlicht folgendes Bulletin aus Charlottenburg vom heutigen Tage:Der Kaiser ist ungeachtet der Aufregung der letzten Tage, welche Schonung nothwendig machte, fieberfrei und ohne besondere Beschwerden. Die Absonderung ist noch ziemlich reichlich, daher besteht noch Hustenreiz.

Der frühere Generalstabschef des jetzigen Kaisers, der commandirende General des vierten Armeecorps, Graf von Blumenthal, ist zum Generalfeldmarschall ernannt worden. Kaiser Friedrich hat ihm seinen eigenen Mar schallstab übersandt, mit der Bitte, der neue Feldmarschall möge diesen Stab so lange be nutzen, bis ein eigener für ihn fertiggestellt sei. Graf von Blumenthal ist der älteste comman dirende General, am 22 März 1873 wurde er zu dieser Würde befördert.

Ausland.

Oesterreich-Ungarn. Wien. DerN. Fr. Pr. zufolge hat der Kriegsminister, Graf Bylandt⸗Rheydt, auf dringendes Anrathen der Aerzte seine Entlassung erbeten und erhalten. Zum Nachfolger ist der commandirende General von Wien, General-Feldzeugmeister Freiherr v. Bauer ernannt. Derselbe findet eine sehr sympathische Aufnahme in allen Schichten. Die österreichische Regierung wird einem Pester Telegramm derVoss. Ztg. zufolge voraus sichtlich gezwungen sein, da sie die fortgesetzten russischen Rüstungen nicht ignoriren könne, von den Delegationen außerordentliche Credite, wenn gleich in mäßiger Höhe, zu beanspruchen.

Frankreich. Paris, 16. März. Der Senat nahm mit 160 gegen 121 Stimmen den ersten Artikel des Antrags, welcher Provocationen oder Eingriffe wider die Freiheit der Arbeit zu verhindern bezweckt, an. Die Minister Sarrien und Fallières hatten den Artikel bekämpft.

15. März. Die Kammer lehnte mit 320 gegen 200 Stimmen den Artikel über die Vor⸗ lage der Budgetcommission, wonach die Alkohol⸗ steuer auf 200 Fr. zu erhöhen sei, ab. Die Vorlage der Commission ist damit völlig umge stoßen. Ministerpräsident Tirard brachte ver schiedene neue Vorschläge in Betreff des Budgets ein und beantragte schleunigste Beschlußfassung, um Bewilligung neuer provisorischer Zwölftel zu vermeiden. An den Eingängen des Kammer palastes standen einzelne Gruppen, welche die heraustretenden Deputirten mit Hochrufen auf Boulanger empfingen.

17. März. Die Kammer genehmigte

nahezu sämmtliche Artikel des Einnahmebudgets

entsprechend der Budgetvorlage des früheren, Kabinets. Rouvier behielt sich die Reform der(a 45 Steuern auf Getränke vor, welche den Gegen⸗ 550 stand einer besonderen Vorlage bilden soll. 010. Der Antrag Tirard's auf vorläufige Beibehal- e tung einer Zuschlagstaxe von zehn Francs auf g Zucker wurde angenommen. Schließlich wurde das ganze Einnahmebudget mit 369 gegen 60 den, Stimmen genehmigt. bel eg General Warnet ist an Stelle Boulan bh ger's zum Commandanten des 13. Armeecorps ö Zug. ernannt worden. Die Regierung beabsichtigt. vaten Boulanger vor ein Disciplinargericht zu stellen Je 1 und ihn wegen politischer Umtriebe endgiltig 1126 aus dem Heeresverbande auszuschließen. 1 Großbritannien. London, 16. März. Hl Das Unterhaus nahm die beiden ersten Posten 8 des Marinebudgets, betreffend Zahl und Sold 11 der Mannschaft an. Das Unterhaus nahm 1 einstimmig in zweiter Lesung die Conversions⸗ 220 E bill an. 5 Bulgarien. Sofia. DiePol. Corr. 28 meldet: Die bulgarische Geistlichkeit beginnt 18 gegen den Prinzen von Coburg zu agitiren. 1 1 2 Der Erzpriester des Grenzortes Trin forderte die 79 Bevölkerung auf, den für illegitim erklärten 0 Fürsten zu vertreiben. Die Bevölkerung ver⸗ 115 hinderte die beabsichtigte Verhaftung des Erz. priesters, welcher nach Serbien flüchtete. 1131 Rußland. Petersburg. Aus Odessa wird 1 dem Reut. Bur. gemeldet: In Südrußland ent 0 faltet die Polizei große Thätigkeit. Gestern. dem wurden hier mehrere Haussuchungen vorge sollen im nommen, und es verlautet, daß eine geheime 1 segen, Druckerei entdeckt wurde und mehrere Ver- P haftungen vorgenommen seien. 3 Aus Stadt und Land. 4 Gießen, 15. März. Die heutige Schwurgerichts⸗ 11 verhandlung betraf die Anklage wegen Mordversuchs gegen 67 Hrch. Jost aus Herchenhain. Er wurde wegen Versuchs des Todtschlags zu 2 Jahren 7 Monaten Zuchthaus verurtheilt und ihm auf die Dauer von 5 Jahren dle 7 bürgerlichen Ehrenrechte aberkannt. Allerlei. 13 st. Frankfurt. Die am Donnerstag den 22. März Die im Opernhause anberaumte Trauerfeter wird eröffnet mit Holz der Ouverture zuCoriolan. Dieser folgt eine große ö lebende Gruppe, darstellend die Trauer der Völker Deutsch⸗ ö 1196 lands, an welcher sich das gesammte Personal der beiden 5 städtischen Theater bethelligt. Es folgt der Trauermarsch Ver ausWatzner's Götterdämmerung. Zum Schluß wird die OperJoseph in Egypten aufgeführt. Am Mittwoch Donn den 21. gelangt Mozart'sTitus zur Aufführung und E pol dabie zwar ausnahmsweise bei ermäßigten Preisen. Es sel i lich meint hier noch besonders bemerkt, daß im Laufe dieser. Oben Woche unsere Theater drei Novitäten auf das Reper⸗ ö 0 toir bringen. Im Opernhause kommt Samstag den 24.. 1150 die OperBelisar heraus, im Schauspielhause wird re Mittwoch den 21. zum ersten Male Heinrich Heine's Mol Rateliff und Ludwig Fulda's EinakterFrühling im Winter und Samstag den 24.Die berühmte Frau Diensste von Kadelburg und Schönthan gegeben. caufongend Danzig, 14. März. Durch Schneeverwehungen sind inges die Hauptbahnstrecke Deutsch Eylau Osterode, ferner die N00 Nebenbahnen Schneidemühl-Deutsch⸗Eylau, Neustettin⸗ Von Stolp⸗Stolpmünde, sowie Rügenwalde Elsenau, Exln⸗ bellur Jablonowo-Solbau, Thorn-Kornatowo, Graudenz-Marken⸗ Fried

burg, Garnsee Lessen, Praust Carthaus, Berent-Hohenstein,

Güldenbogen Mohrungen, Allenstein-Kobbelbude bezw. Braunsberg und Allenstein-Johannisburg bis auf Weiteres gesperrt.

Pest, 16. März. Die Hochwasser in Ungarn(Maros und Theiß) steigen rapld. Die Eisenbahnbrücke der Arad⸗ Czanaderbahn ist beschädigt. Der Eisstoß hat sich in Bewegung gesetzt. Aus den oberen Gegenden wird Sinken des Wassers gemeldet. In Temes var und Freidorff ist der Verkehr eingestellt. Die linkssestigen Dämme der

Bega wurden an zwei Stellen gewaltsam durchschnitten. Aus Lem. berg wird gemeldet: In Westgalizien sind über vierzig Landgemeinden durch Ueberschwemmung helmgesucht und

ber Vorräthe, theilweise auch um den gesammten

Von den Thätern wurden zwanzig verhaftet.

um Viehbestand gebracht. Die Gemeinde Bogyißlon im Pester

Comitat ist völlig überschmemmt; durch Stauung des Eises ist die Gemeinde Szathmar ebenfalls unter Wasser

gesetzt.

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