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nur im engsten Familienkreise und mit vorwiegend militärischem Charakter ohne Gepränge am Mon tag früh stattfinden solle. Mit Rücksicht auf die localen Verhältnisse kann die Betheiligung nur eine sehr beschränkte sein. Das Sterbezimmer ist ein hohes aber nicht sehr geräumiges Gemach. Die Waͤnde sind mit rothem Seidendamast überzogen und mit einzelnen Familienbildern geschmückt. In der Mitte dieses Zimmers ruhen die sterblichen Ueberreste des verewigten Kaisers Friedrich auf einem einfachen eisernen Feldbett. Die Leiche ist bis zum Halse mit einer weißen Atlasdecke bedeckt. Um den Hals des Kaisers schlingt sich der Orden pour le mérite. Die Hände sind über den Schooß ge faltet, die rechte Hand ist am Zeigefinger mit dem Trauring und einem Blrillantring geschmückt. Das Gesicht hat einen ungemein friedlichen Ausdruck, aber es trägt nicht mehr jene Züge vollendeter Mannesschönheit, welche die Welt an dem Kaiser schätzte, jene volksthümlichen Züge, aus denen mannhafte Energie und tief sinniges, herzliches Empfinden zu uns sprach. Säbel und Scheide, mit welchen der Kaiser im letzten Feldzuge seine Truppen von Sieg zu Siege führte, liegen gekreuzt über der Decke; dazwischen prangt ein Lorbeerkranz, den die Kaiserin bald nach dem Hintritt dem verewigten Gemahl auf das Sterbelager legte. Zu den Füßen der Leiche erblickt man eine ansehnliche Menge prachtvoller Blumen und Kränze. Einer der schönsten, der eine poetische Widmung trug, war aus Westphalen gespendet. Zwei Kron gardisten bilden zu Haͤupten der Leiche die Ehrenposten. General und Fluͤgeladjutanten sorgten für den ununterbrochenen Zugang des Publikums. Viele Damen knieten an der Leiche und alle Anwesenden verließen in tiefer Ergriffen heit das Sterbezimmer des Kaisers Friedrich. 17. Mai. Die Section der Leiche Kaiser Friedrichs hat im Sterbezimmer im Schloß Friedrichskron stattgefunden. An derselben nah men der Hausminister Graf Stolberg, General v. Winterfeld, ein Flügeladjutant, sowie folgende Aerzte Theil: Generalarzt v. Wegner, die Pro fessoren Bardeleben, v. Bergmann, Virchow, Waldeyer, Dr. Bramann, Dr. Langerhans, Mackenzie und Hovell. Die Section führte Prof. Virchow aus, während Professor Waldeyer die für die Untersuchung erforderlichen mikroskopischen Präparate aufertigte und Virchow's Assistent Dr. Langerhans das Protokoll führte. Eine vollständige Section wurde jedoch nicht gemacht, sondern nur die direkt erkrankten Organe: Hals, Kehlkopf, und Lungen eröffnet, während die anderen Organe vollkommen unversehrt blieben. Die Section ergab in der Hauptsache eine voll ständige Zerstörung des Kehlkopfes durch Krebs und puride Bronchitis d. i. Entzündung der feineren Luftröhrenäste in Folge des Eindringens fauliger Substanzen. Der ganze Kehlkopf war vollkommen vereitert und präsentirte sich als eine weiche, schlaffe Masse. Namentlich waren von dem Knorpelgerüst des Kehlkopfes kaum nennenswerthe Reste übrig geblieben. An Stelle des Kehlkopfes war eine fast zwei Fäuste große Höhle entstanden. Zum Schluß wurde über die ganze Handlung ein Protokoll abgefaßt, welches von sämmtlichen Aerzten unterzeichnet wurde und dem das eigentliche Sectionsprotokoll beigefügt wurde. Der Hausminister, Graf Stolberg, nahm das Actenstück sofort an sich, um dasselbe den Staatsacten einzuverleiben. Heute Mittag 12 Uhr sind Kaiser Wilhelm und Frau, die von Baden⸗Baden hierher geeilte Kaiserin Augusta, der Großherzog und die Großherzogin von Baden, sowie die übrigen bereits hier einge troffenen Fürstlichkeiten an die Bahre des hochseligen Kaiser Friedrich getreten. Nach dem Beisetzungs-Reglement läuten morgen früh bei Beginn der Feierlichkeiten die Glocken sämmtlicher Potsdamer Kirchen und Bornstedts in drei Pausen. Zum zweiten Male wird um 10½ Uhr, bis der Zug in die Friedenskirche eingetreten ist, geläutet, zum dritten Male eine halbe Stunde, nachdem die Kanonen-Salven ge

löst worden. Nach dem erstmaligen Läuten nehmen die Oberst- und Ober-Hofchargen in der Jaspis-Gallerie am Fußende des Sarges Aufstellung. Der Oberst-Kämmerer und die Staatsminister treten hinter die Tabourets, auf denen die Kron-Insignien liegen. Hinter der Krone steht Graf Stolberg, hinter dem Scepter Minister v. Maybach, dem Reichsapfel v. Lucius, dem Reichsschwert der Kriegs-Minster Bronsart von Schellendorff, dem Reichs-Siegel Minister von Friedberg, der Kette des schwarzen Adler Ordens v. Bötticher, dem Kurhut von Goßler, dem Kurschwert die Minister von Scholz und Graf Herbert Bismarck. Der Feld-Marschall Blumenthal mit dem Reichs-Panier steht am Kopfende des Sarges, die General-Adjutanten von Mischke und von Winterfeldt, rechts und links mit gezogenen Degen neben ihm. Auf der untersten Estradestufe stehen die Generale und Adjutanten. Die Einsegnung der Leiche erfolgt durch Oberhofprediger Dr. Kögel unter Assistenz der Geistlichkeit. Auf dem Wege vom Marstall bis zur Gartenterrasse wird der Leichenwagen von Offizieren und 40 Mann des Regiments Gardes du Corps escortirt, die 8 Pferde von Stallbediensteten geführt. Die Zipfel des Leichen Tuchs und die Cordons des Baldachin werden von 10 Lieutenants gehalten, der Baldachin wird von 12 Unteroffizieren getragen. Nach der Ein segnung der Leiche setzt sich die Leichenparade in Marsch. Unmittelbar hinter derselben folgt die Geistlichkeit, um die Leiche bei der Friedenskirche zu empfangen. Der Sarg wird durch 12 Com- mandeure der Leibregimenter unter Vortritt der Kammerherrn und der Minister mit den Kron insignien und des Feldmarschalls Grafen Blumen thal zum Leichenwagen getragen. Acht Stabs Offiziere fassen jetzt die Zügel der Pferde, vier Ritter des Schwarzen Adler-Ordens tragen die Zipfel des Leichentuches, 18 Generale den Bal dachin und die Cordons desselben. Die fürst lichen Herrschaften nehmen Platz im Leichenzuge, der unter Glockengeläute durch die große Allee von Sanssouci sich nach der Friedenskirche be wegt. Der Sarg wird vor dem Altar nieder gesetzt, Feldmarschall Graf Blumenthal mit den beiden Generaladjutanten stellen sich hinter dem Kopfende des Sarges auf. Die allerhöchsten Herrschaften sitzen dem Sarge gegenüber mit ihren Suiten hinter sich. Die Vertreter fremder Fürsten mit ihrem Gefolge nehmen im Schiff der Kirche hinter den allerhöchsten Herrschaften Platz. Die Beisetzung erfolgt nach den letzt willigen allerhöchsten Verfügungen durch Ober hofprediger Dr. Kögel. Waͤhrend der Geistliche den Segen spricht, werden drei Infanteriesalven und 101 Kanonenschüsse abgegeben.

16. Juni. DieVoss. Ztg. verzeichnet ein Gerücht, wonach der bisherige Minister des Innern, v. Puttkamer, möglicherweise den Posten als Minister des königlichen Hauses erhalten soll.

Durch kaiserliche Verordnung vom 16. Juni 1888 wird der Reichstag auf Montag den 25. Juni 1888 einberufen.

Die Doctoren Mackenzie und Hovell reisen am Mittwoch Abend im Gefolge des Prinzen von Wales ab.

Neu⸗Strelitz, 14. Juni. Der König von Schweden ist heute hier eingetroffen, um über Rostock nach Kopenhagen zum Besuche der dor tigen Ausstellung weiter zu reisen.

München, 13. Juni. Der Großherzog von Sachsen-Weimar ist heute zu mehrtägigem Aufenthalte hier eingetroffen.

Ausland.

Oesterreich-Ungarn. Wien. Nach Zeitungsberichten legt Andrassy sein Delegations Mandat aus Gesundheitsrücksichten nieder.

Belgien. Brüssel. DieIndependance Belge verzeichnet ein Gerücht, wonach Stanley verwundet und von seinen Leuten verlassen worden sei.

Frankreich. Paris, 14. Juni. Die Kammer nahm einstimmig und ohne Debatte den Gesetzent wurf betreffend Herabsetzung der Paßgebühren an.

Großbritannien. London, 14. Juni. Das Oberhaus nahm in erster Lesung die Re gierungsbill, betr. die Modificirung des Actien gesellschaftsgesetzes, an. Die Bill bezweckt die Verhütung der Gründung betrügerischer Gesell

schaften. Das Unterhaus nahm in zweiter Lesung die Weinzollbill an. 5 16. Juni. Die Königin und der Prinz

von Wales nebst Gemahlin und Prinz Albert Victor reisen heute Abend nach Berlin ab.

16. Juni. Das Unterhaus nahm in dritter Lesung die Bill, betr. den Spiritushandel in der Nordsee, an.

Spanien. Madrid. DieGazetta ver öffentlicht ein Dekret, welches den Chef der Ar tillerie ermächtigt, bei der Firma Fr. Krupp fünf Geschütze nebst Zubehör, zur Vertheidigung der befestigten Küste und Küstenplätze bestimmt, zu bestellen.

15. Juni. Das neue Cabinet ist gebildet: Sagasta Vorsitz, Martinez Justiz, Armijo Aus wärtiges, Capdepon Colonien, Arias Marine, Moret Inneres, Puigcerver Finanzen, Canalejas öffentliche Arbeiten, Oryan Krieg.

Italien. Rom, 15. Juni. Der Justiz⸗ minister brachte im Senate das neue Strafgesetz buch ein. Die Kammer nahm vor dem Eintreten in die Specialberathung des Marinebudgets eine Tagesordnung an, welche ihr Vertrauen in den Marineminister bekundet.

Bologna, 15. Juni. Der König und die Königin haben gestern Bologna wieder verlassen; der König begibt sich zunächst nach Turin, die Königin und der Kronprinz nach Rom.

Aus Stadt und Land.

m. Friedberg. Unser Mitbürger L. Buchs weiler beging am 15. Junk sein 50 jähriges Jubiläum als Vor⸗ beter der israelitischen Religtonsgemeinde. Dem Jubilar, der dieses Amt seit 55 Jahren an hiesiger Gemeinde bekleidet, wurde bei diesem Anlasse seitens der israelt tischen Gemeinde ein silberner Pokal mit entsprechender Widmung gestiftet und durch den Vorstand überreicht. Möge es dem Gefelerten vergönnt sein, noch recht lange in geistiger und körperlicher Frtsche seinem Berufe vorzustehen.

s. Butzbach. Der Verband mittelrheinischer Bil- dungs Vereine hält seine Generalversammlung am Sonntag den 24. Juni, Vormittags 11 Uhr, im GasthausZum goldenen Löwen dahier ab. Tagesordnung: 1. Jahres- bericht des Vorstandes über die Thätigkeit des Verbandes. 2. Bericht über die Jahresrechnung. 3. Neuwahl des Ausschusses. 4. Antrag des Vorstandes auf Abänderung der 88 1, 4 und 8 des Verbandsstatuts. 5. Berichte und Anträge aus den Vereinen. Die Mitglieder sind gebeten zahlreich zu erschelnen und sind Gäste willkommen.

Gießen. Dle Gesammtzahl der an den Vorlesungen theilnehmenden Studirenden beträgt für das laufende Sommer Semester 565, worunter sich 19 nicht immatri⸗ kulirte Hörer befinden. Von den sonach verbleibenden 546 immatrikulirten Studirenden widmen sich der Theo⸗ logie 104(darunter 96 Hessen), der Rechtswissenschaft 85 (76 Hessen), der Mediein 85(68), der Thlerheilkunde 28(6), der Zahnheilkunde(3), den Kameralwissenschaften 33(31), der Forstwissenschaft 45(42), der Mathematik 20(18), der classischen Philologie 47(45), der neueren Philo⸗ logie 19(18), der Philosophie und den Naturwissen⸗ schaften 23(20), der Geschichte 5(4), der Pharmgacle 18(6), der Chemie 30(20). Unter den Studirenden besizen 391 Gymnasialmaturität, 89 das Zeugniß der Reife einer Realschule erster Ordnung, 47 das Zeugniß der Reife für das betreffende Fach, 28 wurden nach dem Ermessen des Reetors immatrikulirt.

Eingesandt.

xy. Friedberg. Die Erneuerungswahl des ev. Kirchen vorstandes, sowie die Wahl der Vertreter zur Dekanatssynode steht nahe bevor und soll am nächsten Donnerstag, den 21. Juni, stattfinden. Für die gestorbenen (Wahl, Ruths) und austretenden(Bernbeck, Schuhmacher Schmidt, Süffert) 5 Mitglieder des Kirchenvorstandes erlauben wir uns im Sinne und Namen vieler ev. Ge⸗ meindeglieder: die Herren Bernbeck, Schmidt, Suͤffert, Müller Falck und Taubstummenlehrer Heyland zur Wahl bezw. Wiederwahl vorzuschlagen. Sollte wie mehrfach verlautet das verdiente Mitglied Schmidt wegen Alters eine Wiederwahl durchaus ablehnen, so empfehlen wir für dlesen Fall an seine Stelle Herrn Oberlehrer Bitsch. Für die Synode schlagen wir vor: die Herrn Huber, Steinhäußer, Schmidt(Schulrath) und Suͤffert.

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