Ausgabe 
19.6.1888
 
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Dienstag den 19. Zuni.

Oberhessischer Anzeiger.

Wird hier und in Bad⸗Nauheim Montag, Mittwoch und Freitag Abend ausgegeben.

Kreisblatt für den Kreis Friedberg.

Erscheint dreimal wöchentlich und zwar Dienstag, Donnerstag und Samstag.

auswärtigen Einsendern

Annoncen: die einspaltige 11 Pf., lokale Anzeigen und behördliche aus dem Kreise 11 Pf., Reclamen 30 Pf.; ein Beleg kostet 9 Pf. Annoncen non oweit Letztere nicht Jahresconto bei uns haben), welchen der Betrag nicht beigefügt ist, werden stets per Post nachgenommen.

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Friedberg den 16. Juni 1888.

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Amtlicher Theil.

Friedrich

wird nach Allerhoͤchster Anordnung Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs bestimmt:

Es soll täglich von 1112 Uhr Mittags waͤhrend 14 Tagen Trauergeläute stattfinden.

Oeffentliche Lustbarkeiten sind bis nach

erfolgter Beisetzung zu unterlassen.

Nachstehender Erlaß Großherzoglichen Staatsministeriums wird andurch zur Nachachtung bekannt gegeben.

Großherzogliches Kreisamt Friedberg. Dr. Braden.

0 Wegen des hoͤchst bedauerlichen Ablebens Seiner Majestaͤt des Deutschen Kaisers, Koͤnigs von Preußen

g Am Tage der Beisetzung(18. Juni) soll in allen Schulen des Landes eine Trauerfeierlichkeit stattfinden. b Bei den durch die kirchlichen Behörden anzuordnenden Gottesdiensten wollen die Beamten in Uniform erscheinen.

Darmstadt den 15. Juni 1888.

(Betreffend: Die Ausführung des Daunnfallversicherungsgesehes.

Großherzogliches Staatsministerium. Finger.

Friedberg den 16. Juni 1888.

Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.

Unter Bezugnahme auf unsere Bekanntmachung vom 22. Dezember 1887(Anzeiger Nr. 153) sowie auf unsere Ausschreiben vom

27. Maͤrz l. J. pos. He.(Anzeiger Nr. 40) und vom 25. April l. J.(Anzeiger Nr. 51) erinnern wir Sie daran, daß die gemäß F. 22 des rubricirten Gesetzes(Reichsgesetzblatt von 1887 Seite 287) bei Ihnen einzureichenden Nachweisungen von Regiebauarbeiten langstens binnen zwei Wochen nach Ablauf des Kalenderjahres, also spätestens bis zum 14 Juli, von Ihnen, sofern es sich um Arbeiten an Hochbauten handelt an den Vorstand der Hessen⸗Nassauischen Baugewerks-Berufsgenossenschaft in Frankfurt a. M., andernfalls au den Vorstand der Tiefbau Berufsgenossenschaft, Berlin W., Leipzigerstraße Nr. 125, mit der Bescheinigung einzusenden sind, daß Ihnen über die Ausführung weiterer

Bauarbeiten, für welche Nachweisungen vorzulegen wären, nichts bekannt geworden ist.

Betreffend: Schonzeit des Dachses.

Anläßlich der vielen Klagen, die uns aus den verschiedensten Theilen unseres Kreises feldern verursacht wird, zugegangen sind, sehen wir uns veranlaßt, auch in diesem Jahre für

des Dachses aufzuheben. Friedberg den 16. Juli 1888.

Friedberg den 16. Juli 1888.

Erledigung. Mein Ausschrelben gegen Johann Fischer von Bönstadt nehme ich als durch Gendarm

Bekanntmachung.

Dr. Braden.

über Schaden, welcher durch Daͤchse an Kartoffel die Monate August und September die Schonzeit

Großherzogliches Kreisamt Friedberg. Dr. Braden.

Steinbach in Friedberg erledigt zurück.

Der Großherzogliche Amtsanwalt. Hill.

1 Deutsches Reich. Berlin, 16. Juni. Kaiser Wilhelm II. bird vorläufig im Marmorpalais zu Potsdam residiren. Gestern Nachmittag war der Reichs kanzler zwei Stunden beim Kaiser und vollzog mit seinem neuen Herrscher die ersten Regie rungsakte. Mackenzie wurde in dieser Zeit eben falls zum Kaiser befohlen und hatte in Gegen wart des Fürsten Bismarck eine längere Unter redung mit demselben. Der Kaiser erließ folgen denErlaß an die Armee: Während die Armee soeben erst die äußeren Trauerzeichen für ihren auf alle Zeiten in den Herzen fortleben den Kaiser und König Wilhelm I., Meinen hoch verehrten Großvater, ablegte, erleidet sie durch den heute Vormittag 11 Uhr 15 Minuten er⸗ folgten Tod Meines theuren, innig geliebten Vaters, des Kaisers und Königs Friedrich III. Majestät, einen neuen schweren Schlag. Es sind wahrlich ernste Trauer-Tage, in denen Mich Gottes Fügung an die Spitze der Armee stellt, und es ist in der That ein tief bewegtes Herz, aus welchem ich das erste Wort an Meine Armee richte. Die Zuversicht aber, mit welcher Ich an die Stelle trete, in die Mich Gottes Wille beruft, ist unerschütterlich fest, denn ich weiß, welchen Sinn für Ehre und Pflicht Meine glor reichen Vorfahren in die Armee gepflanzt haben, und Ich weiß, in wie hohem Maße sich dieser Sinn immer und zu allen Zeiten bewährt hat. In der Armee ist die feste unverbrüchliche Zu gehörigkeit zum Kriegsherrn das Erbe, welches vom Vater auf den Sohn, von Generation zu Generation geht, und ebenso verweise Ich auf Meinen Euch Allen vor Augen stehenden Groß ogter, das Bild des glorreichen und ehrwürdigen

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Kriegsherrn, wie es schöͤner und zum Herzen erwachte.

Die ganze kaiserliche Familie war

sprechender nicht gedacht werden kann, auf Meinen um diese Zeit am Krankenbett versammelt. Auch

theuren Vater, der sich schon als Kronprinz eine der Prediger war zugegen. Ehrenstelle in den Annalen der Armee erwarb, der Kaiser das

und auf eine lange Reihe ruhmvoller Vorfahren, deren Namen hell in der Geschichte leuchten und deren Herzen warm für die Armee schlugen. So gehören wir zusammen, Ich und die Armee, so sind wir für einander geboren und so wollen wir unaufloͤslich fest zusammenhalten, möge nach Gottes Willen Friede oder Sturm sein. Ihr werdet Mir jetzt den Eid der Treue und des Gehorsams schwöͤren und Ich ge lobe, stets dessen eingedenk zu sein, daß die Augen meiner Vorfahren aus jener Welt auf Mich hernieder sehen und daß Ich ihnen der maleinst Rechenschaft über den Ruhm und die Ehre der Armee abzulegen haben werde. Schloß Friedrichskron, 15. Juni 1888. Wilhelm. Ein ähnlicher Erlaß erfolgte an die Marine, unter besonderer Betonung des deutschen Charakters derselben, der innigen Uebereinstimmung des Kaisers mit dem Prinzen Heinrich und ebenfalls des Passusim Sturm wie im Sonnenschein. Die Vereidigung der Truppen findet am 17. Junt statt.

Berlin, 16. Juni. Ueber die letzten Stunden Kaiser Friedrichs ist noch zu berichten: Die letzte Nacht verltef verhälnißmaßig ruhig. Athmungs beschwerden, die den Kaiser gestern noch zeitweilig befielen, waren gewichen. Die Schwäche war bereits gegen Mitternacht derart, daß die Auf

Nach 9 Uhr empfing Abendmahl, von der Kaiserin gestützt. Dann entschlief der Kaiser wieder, um, nachdem er kurz vorher nochmals die Augen geöffnet hatte, ein Viertel nach 11 Uhr schmerz frei und sanft zu verscheiden. Als gegen 12 Uhr das koͤnigliche Schloß, sowie das Hauptpostamt in der Leipzigerstraße zuerst die Flagge auf Halb mast hißten und damit deutlich verkündeten, daß die traurige Katastrophe in Schloß Friedrichs kron eingetreten sei, vergroͤßerten sich die Menschen mengen in den Straßen zusehends, man hörte auf zu arbeiten, alle Geschaͤfte ruhten, Alles legte Trauer an. Anton v. Werner hat den sterbenden Kaiser heute Vormittag noch aufgenom men. Die Kaiserin hatte gestern Nachmittag den Reichskanzler beim Kaiser gemeldet. Als der Kanzler eintrat, streckte ihm der Kaiser beide Hände entgegen, ergriff die Hand des Kanzlers, drückte sie lange und fest, winkte dann die Kaise⸗ rin heran und legte deren Hand in die des Kanzlers, beide dann warm pressend. Es war zugleich der Abschied, den der koͤnigliche Dulder von seinem Kanzler nahm, dieser hat ihn nicht mehr lebend gesehen. Heute Abend wurde die Einbalsamirung der Leiche des Kaisers durch Wickersheimer vorgenommen. Die Aufbahrung hat noch am selben Abend stattgefunden. Die dazu nöthigen Vorbereitungen und Arrangements waren unter Anleitung A. von Werner's vom Prinzen

loͤsung von Viertelstunde zu Vlertelstunde er-[Heinrich und dessen Gemahlin Irene getroffen

wartet werden mußte. Gegen

wich das Bewußtsein gänzlich, tiefer Schlummer Friedrich und

Tagesaubruch worden. Laut letztwilliger Verfugung des Kaisers

auf Wunsch der Kaiserin Wittwe

beflel den Kaiser, aus dem er erst um 8 Uhr befahl Kaiser Wilhelm II., daß das Begraͤbniß