Eskadrons Cavallerie, 4 reitende Batterien und eine markirte Infanterie-Division gegen einen markirten Feind. Das Manover verlief glän⸗ zend und schloß nach 12 Uhr Mittags mit dem Vorbeimarsch aller 14 Cavallerieregimenter im Galopp, wobei der Großfürst Nikolaus das 5. Cürassierregiment vorbeiführte. Nach dem Parademarsch der Cavallerie und Artillerie, welche der Kaiser dem König von Sachsen vor— führte, versammelte Großfürst Nikolaus die Officiere seines Regiments zur Begrüßung. Wahrend die Fuͤrstlichkeiten sich zu Wagen nach Müncheberg begaben, ritt der Kaiser im schärf— sten Tempo dorthin, um die Gäste zu empfangen. Alsdann wurde das Frühstück eingenommen, bei welchem 130 Gedecke auflagen. Die Fürstlich— keiten begaben sich um 2 Uhr nach Berlin, wo heute Abend eine Serenade für den Kaiser von dem Musikcorps des 4. Garde-Regiments und von 300 Sängern veranstaltet wird.
— 14. Sept. Der Großfürst Nicolaus ist heute hier eingetroffen und wurde von den Prinzen Heinrich und Albrecht am Bahnhofe empfangen und nach der russischen Botschaft geleitet.
— Die Ernennung des neuen Staatssecretärs im Reichsschatzamt von Maltzahn ist seitens des Kaisers erfolgt. Maltzahn wird sein neues Amt am 1. October antreten. Der frühere Staats— Secretär Jacobi ist vom Kaiser in den erblichen Adelsstand erhoben worden.
— 15. Sept. Aus Paris erfährt das„Fr. J.“ von gut unterrichteter Seite, daß Ende dieser Woche die Gerichtsacten in Sachen Garnier's soweit abgeschlossen sein sollen, um der deut— schen Botschaft zur Kenntnißnahme überreicht zu werden. In hiesigen Kreisen bezweifelt man von vornherein nicht, daß das Ergebniß der Voruntersuchung in der Feststellung des geistig zerrütteten Zustandes des Attentäters gipfeln werde.
— Der„Nordd. Allg. Ztg.“ zufolge darf angenommen werden, daß der einstimmig ge— billigte Vorschlag des Jouristentags, Trinker zu entmündigen, zu erneuten Erwägungen führen wird, ob nicht Trunksüchtige und Verschwender im bürgerlichen Rechte gleichzustellen sein werden.
Friedrichsruh, 15. Sept. Graf Herbert Bismarck ist heute hier eingetroffen.
Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Wien, 15. Sept. Der„Pol. Corr.“ zufolge reist Kalnoky morgen nach Friedrichsruh zum mehrtägigen Besuch des Fürsten Bismarck.
Schweiz. Bern. Der Bundesrath hat Franz Troppmann aus Floß in Bayern, der mit den in Chicago hingerichteten Anarchisten in Correspondenz gestanden und durch Reden bewiesen hat, daß er zu den verbrecherischen Tendenzen der Anarchisten hält, aus dem Ge— biet der Schweiz ausgewiesen.
Belgien. Brüssel, 14. Sept. Der frühere Statthalter des Congostaates de Winton erhielt vom Congo die Nachricht, Major Barttelot sei von seinen Trägern ermordet worden; James Won sei nach den Stanleyfällen zurückgekehrt, um eine neue Expedition zur Unterstützung Stanley's zu organisiren; Tippu Tipp befinde sich in Nyangwe. Die Ermordung des Afrika— forschers Major Bartelot erfolgte durch Tippu— Tipp's Araber.
Frankreich. Paris, 13. Sept. Präsident Carnot besuchte in Havre die größeren indu— striellen Etablissements und empfing die Maires und Lehrer. Alsdann setzte er mit den Ministern die Reise nach Rouen fort.
— Die famose Madame Adam hat in der neuesten Nummer der„Nouvelle Revue“ einen vierten angeblichen Brief des Prinzen von Co⸗ burg an die Gräfin von Flandern in extenso veröffentlicht.
Rumänien. Bukarest. Der Senat und die Kammer sind zu einer außerordentlichen Sitzung am 20. d. M. einberufen und werden an demselben Tage aufgelöst werden. Die Wahl⸗
collegien für die Kammer werden am 12. Nov. für den Senat am 16. Nov. einberufen werden.
Asien. Simla, 14. Sept. Emir Abdur⸗ rhaman meldete, seine Truppen hätten die von Ishak Khan besetzte Festung Kamard-Khninjan erobert und viele Gefangene gemacht, darunter Ishak Kahn's Schwiegervater.
Aus Stadt und Land.
b. Friedberg. Die Taubstummen-Anstalten hier und in Bensheim weisen für das Schuljahr Ostern 1887/88 außerordentlich hohe Zahlen auf. Hier wurden von 9 Lehrern 60 Zöglinge unterrichtet, von welchen 11 im Laufe des Schuljahres ausschieden. In Bensheim kamen auf 11 Lehrer 66 Schüler, von welchen gleichfalls 11 ausschleden.
l. Friedberg. Es ist wiederholt über die Krupp⸗ schen Riesenkanonen berichtet worden, deren alleiniger Abnehmer bisher Italien ist. Jede dieser 35 Kaliber langen Kanonen von 40 em Seelendurchmesser hat ein Gewicht von 121 t oder 2420 Ctr. An diesen Ungeheuern will sich die italtenische Marine noch nicht genügen lassen; sie hat zur Bewaffnung des auf der stallenischen Staatswerft in Spezzia im Bau begriffenen Panzer⸗ schiffes„Sardegna“ bei Krupp 4 Stück 40 Kaliber (46 m) lange Kanonen von 40 em Seelendurchmesser in Bestellung gegeben, von denen jede 139 t oder 2780 Ctr. wiegt. Sse werden ihre 21 Ctr. schweren Granaten mit einer Geschützladung von 485 kg, das sind beinahe 10 Ctr., verschießen. Eines dieser Ungethüme kam ver⸗ gangene Woche auf 20 Achsen hier durch und ging via Hanau- Anschaffenburg nach Italten weiter.
Allerlei.
st. Frankfurt. Die im Repertoir des Opernhauses für Mittwoch den 19. angesetzte dritte Vorstellung von Wagner's„Nibelungen“-Tetralogte, der neu einstudirte „Stegfried“, wird dadurch ein besonderes Interesse haben, daß der erste und bedeutenste Darsteller dieser Partie, Kammersänger Heinrich Vogl aus München, dieselbe bler als Gast singen wird. Vogl hat von der Münchener Intendarz nur einen kurzen Urlaub erhalten, um in Frankfurt an zwei Abenden singen zu können. Seine zweite Gastvorstellung findet Freitag den 21. in„Lohen— grin“ statt.
Würzburg, 12. Sept. Der Privatier Schimmel in Bergesheim wurde nach dem„Fr. J.“ heute Nacht das Opfer eines Raubmörders.
Friedrichshafen, 13. Sept. In Fussach, wo in Folge eines Wolkenbruchs eine Ueberschwemmung ein⸗ getreten ist, sind 14 Personen ertrunken. Auch bel Bregenz fanden starke Verheerungen statt; der Bodensee ist be— deutend gestiegen.
Zürich, 12. Sept. Hiefige Blätter melden, daß der Rhein die Tardisbrüͤcke bei Landquart weggeschwemmt und den Damm bei dem Dorfe Mäder durchbrochen habe.
Verona, 12. Sept. Durch fortdauernden Regen sind noch weitere Straßen der Stadt überschwemmt. Die Umgebung steht gänzlich unter Wasser, doch litten die Dämme bisher keinen Schaden. Auf sehr beun— ruhigende Nachrichten aus Trient trafen die Behörden die umfassendsten Vorsichtsmaßregeln. Auch in Tyrol dauern die Regen fort.
Konstantinopel, 12. Sept. Gestern Abend kolli⸗ dirten vor Bufukdere die kleinen Dampfer der deutschen und der englischen Botschaft. An Bord befanden fich Mitglieder der beiderseitigen Botschaften, auf dem deut— schen Fahrzeuge auch der deutsche Botschafter v. Radowitz nebst Gemahlin, welche sich anläßlich des Alexander Festes zur russischen Botschaft begeben wollten. Der deutsche Dampfer sank schließlich, die darauf befindlich gewesenen Personen blieben jedoch sämmtlich unversehrt und wohn— ten auch dem Empfange in der russischen Botschaft bei.
Rom, 11. Sept. Der Como-See überschwemmte die Stadt Lekko; die Kaufleute entfernen thre Waaren aus den Magazinen.
Athen. Das Erdbeben in Aiglon verursachte einen Schaden von einer Million. 20 Menschen sollen verletzt sein.
Berloosung.
Pappenheimer 7fl.⸗Loose vom Jahre 1864. Gewinn⸗Ziehung vom 1. September 1888. Heimzahlung am 1. Dezember 1888. Gewinne: S. 3284 Nr. 9 3 7000 fl. Ser. 354 Nr. 2, Ser. 4566 Nr. 4 à 450 fl. S. 67 Nr. 17, S. 4065 Nr. 7, S. 4076 Nr. 4 à 100 fl. Ser. 363 Nr. 6, Ser. 3455 Nr. 1, Ser. 3754 Nr. 11, S. 4871 Nr. 16, S. 4996 Nr. 4, S. 5319 Nr. 13, S. 5573 Nr. 9 3 40 fl. S. 62 Nr. 10, S. 363 Nr. 16, S. 947 Nr. 16, S. 1215 Nr. 13, S. 2038 Nr. 5, S. 2666 Nr. 18, S. 3970 Nr. 6, S. 4096 Nr. 18, S. 4488 Nr. 18, 5550 Nr. 19, S. 6296 Nr. 12, S. 6834 Nr. 9 3 fl. S. 588 Nr. 17, S. 732 Nr. 11, S. 807 Nr. 1, 1040 Nr. 15, S. 1493 Nr. 5, S. 3103 Nr. 14, 3326 Nr. 4 10, S. 3491 Nr. 19, S. 4096 Nr. 16, 4399 Nr. 13, S. 4530 Nr. 8, S. 5369 Nr. 16, 5924 Nr. 15, S. 6265 Nr. 7, S. 6391 Nr. 20, 6405 Nr. 16, S. 6423 Nr. 12, S. 6689 Nr. 17, 6834 Nr. 6 à 15 fl. Auf alle übrigen in vorstehen⸗ den Serien enthaltenen und hier nicht aufgefuͤhrten Num— mern entfällt der geringste Gewinn von je 8 fl
Handel und Verkehr. Friedberg, 15. Sept. Buttermarkt. Butter kostete per Pfd. M. 1.00— 1.20. Eier 1 St. 6 Pf. Gießen, 15. Sept. Auf dem heutigen Markt kostete Butter per Pfd. M. 1.05— 1.12, Eier 1 St. 6 Pf., 2 St.
8908
ggg
11 Pf., Käse per St. 4—8 Pf., Tauben per Paar M. 0.50— 0.60, Hühner per Stück M. 0.85— 1.20, Hahnen per Stück M. 0.50— 0.75, Enten per Stück M. 1.30—1.50., Ochsen⸗Fleisch per Pfund 60—68 Pf., Kuh⸗ und Rind⸗ Fleisch 45—54 Pf., Schweinefleisch 50—60 Pf., Hammel⸗ Fleisch 5464 Pf., Kolbfleisch 4046 Pf., Kartoffeln per 100 Kilo M. 4.50— 6.00, Zwiebeln per Centner M. 5.00—6.00., Weißkraut per Stück 6-18 Pf.
Frankfurt, 14. Sept. Engros Markt. Heu pro 100 Kilo M. 7.60— 10, Stroh pro 100 Kilo M. 6 bis 6.80, Butter pro 50 Kilo M. 100 bis 105, Eier das Hundert M. 4.50—5, Erbsen 100 Kilo M. 18 bis 21.50, do. geschälte M. 2030, Linsen M. 28 bis 45, weiße Bohnen M. 23— 25.50, Mohrrüben 50 Kilo M. 6 bis 8, Preißelbeeren per Pfd. 18 Pf., Kartoffeln M. 4.50 bis 6.50, Blumenkohl 100 Stück M. 25— 50, Kopfsalat M. 3—5, Erbsen per Ctr. M. 15— 20, grüne Bohnen per Pfd. 4—5 Pf., Nusse 100 Stück 50—80 Pf., Pfirsiche per Pfd. 70 Pf., Zwetschen per Pfd. 11—15 Pf., Mira; bellen 20 25 Pf., Aepfel per Pfd. 6 22 Pf., Birnen per Pfd. 5— 15 Pf., Melonen per Stück M. 0.603, Trauben per Pfd. 50 Pf., Einmachgurken 100 Stück M. 1— 1.20, Reineclauden per Pfd. 12— 16 Pf.
Frankfurt, 14. Sept. Hauptkälbermarkt. Zuge⸗ führt waren 425 Stück, wovon 1. Qual. mit 65— 70 Pf. pro Pfund Schlachtgewicht bezahlt wurde, 2. Qual. 50-54 Pf.
Frankfurt, 15. Sept. Wochenmarkt. Erbsen, ganze per Pfd. 12— 16 Pf., do. geschälte 14— 18 Pf., Linsen 18-28 Pf., weiße Bohnen 20— 22 Pf., hiesige Kartoffeln per Gescheld 10—12 Pf., krause Endivien 5—10 Pf., Butter per Pfd. M. 1.15— 1.30, Eier das Stück 5-6 Pf., Radteschen 2 Pf. das Päckchen, Salatböhnchen 50 bis 60 Pf., Blumenkohl 20—60 Pf., Kopfsalat per Stück 3—5 Pf., neue Erbsen per Pfund 15— 20 Pf., grüne Bohnen per Pfd. 12—15 Pf., Romainsalat 10— 15 Pf., Wirsing per St. 10— 12 Pf., Zwiebeln per Pfd. 7—9 Pf., Gurken 3 bis 4 Pf., Kohlraben per Stück 4 bis 6 Pf., Carotten das Päckchen 10 bis 12 Pf., Weißkraut per Stück 10 bis 15 Pfennig, Rotherüben per Portion 15 bis 20 Pf., Aepfel per Pfd. 20 Pf., Birnen per Pfund 5-10 Pf., Zwetschen 20—25 Pf., Nüsse 100 Stück 50—80 Pf., Mauskartoffeln per Gescheid 25 Pf., Melonen das Stück M. 1—3, Perlzwiebeln per Liter 50 Pf., kleine Essiggurken 100 Stück 60— 70 Pf., Feldhuhn das Stück M. 1.50, Einmachgurken 100 Stück M. 0.70- 1.20.
Literarisches.
S.„Deutschland ist mein Vaterland“ ist der Titel der jüngst in Frankfurt a. M. erschienenen Samm- lung von Gedichten von Georg Lang. Darin zeigt sich wieder deutlich des Dichters Eigenthümlichkeit, die ihn ergreifenden Ereignisse, mögen sie das Leben der Völker oder das seines eignen Heims betreffen, in einer Weise zum Ausdruck zu bringen, das für das kindliche Gemüth ebenso verständlich und packend, wie für Gereiftere tief und erbaulich erscheint. In wie vielen Familien haben darum schon„Lang's Hausschwalben“ und„Sonnenblicke aus dem Lenz des Lebens“ die Herzen von Alt und Jung sich erobert! In der uns vorliegenden Sammlung„Deutsch— land ist mein Vaterland“ sind mit großen Zügen die wichtigsten Tage des Krieges 1870/71 gezeichnet, und Episoden ergretfendster Art sind meisterhaft in den Ge— dichten verherrlicht. Wir wollen nur erwähnen„Im Pfarrhaus zu Fröschweiler“ und„Im Nachtquartier von Mars la Tour“. Mit ganz besonderer Freude begrüßen wir in dieser Sammlung das tiefernste Gedicht„Zur Mutter“(zur Erinnerung an den 16. März 1888 ge⸗ dichtet). Wir glauben die Gedichte Georg Lang's mit allem Nachdruck empfehlen zu sollen, und sind gewiß, daß auch die Vaterstadt des Dichters, Friedberg, ihrem Sohne gerne Eingang gewähren wird in den Kreis der Familien.
Erzherzog Karls Liebe und Der Kampf um den Niederwald. Roman von C. Byr. Eleg. geb. M. 10.—. brosch. M. 8.—. In der Gegenwart hat der durch Freytag, Scheffel, Ebers, Jordan ꝛc. mitbegründete halbwissenschaftliche Roman, dessen Technik der Verfasser im zweiten Bande seiner bahnbrechenden„Deutschen Poetik“ eingehend klarzulegen wußte, auch jene ernsten Männer für den Roman gewonnen, welche sich früher ablehnend dagegen verhielten. Infolge davon hat der Verfasser die künstlerischen Anforderungen an den vor⸗ liegenden Roman noch gesteigert. Er erstrebte in volks⸗ thümlicher Weise die zielbewußte Hervorkehrung einer großen leitenden Idee; ja er suchte— zum Theil durch Symbolisirung dieser Idee— seinem Romane die volle sittliche Signatur der Zeit aufzudrücken. Aus dem Chaos der Ziele geheimer, wie offener Gegner seines Helden, aus der Energie und Beharrlichkeit des fremden Willens, aus der Erkenntniß des Kampfpreises und aus der Raffinirtheit der Maßnahmen, endlich aber aus der philosophischen Abwägung des Geistes aller Verhältnisse wuchsen jene Romanfiguren hervor, welche des Verfassers längeres Verweilen in Rom, namentlich aber im Rhein⸗ gau schuf, wo noch die Spuren der Träger seiner Idee anzutreffen sind. Der Roman entrollt ein— jahrelangen ernsten Studien und Betrachtungen entreiftes— lebens⸗ volles System der Phlilosophie; er legt die Aufgaben der positlven Freidenker bloß, wie er u. a. auch die An⸗ regung der Errichtung eines Weltfriedensareopags der spannenden Handlung verwebt.
Daheim. Nr. 50 enthält: Kein Glück. Forts.— Ein Sanitätszug im siebenjährigen Kriege. Von W. Bonnell. — Der Haselwurm. Schluß.— Moderne Kriegshunde.


