Ausgabe 
17.5.1888
 
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Albedyll's entgegen. Die vergangene Nacht iſt nicht ganz ſo gut geweſen wie die vorherge gangenen, doch hat der Kaiſer, wenn auch in Interwallen, Ruhe und Erquickung gefunden.

14. Mai. Der Kronprinz beehrte geſtern den Profeſſor von Bergmann mit einer Einla dung zur Tafel.

14. Mai. Das Abgeordnetenhaus nahm in zweiter Abſtimmung das Geſetz betreffend die Erleichterung der Volksſchullaſten faſt einſtim mig an, ebenſo das Geſetz über die Verbeſſerung des Laufes der Oder und der Spree. 15. Mai Die Vorlage, betreffend Verbeſſerung des Waſſer laufs der Oder und der Spree, mit dem den Rheins-Ems⸗Kanal betreffenden Antrage wurde in dritter Berathung unverändert angenommen.

Zur Charakteriſtik des Verfahrens, welches ſeitens der franzöſiſchen Behörden beobachtet wird, um deutſchen Geſchäfts-Reiſenden den Aufenthalt in Frankreich zu verwehren, veröffentlicht dieN. Allg. Ztg. ein bei einem Grenzpolizei-Commiſſär aufgenommenes Protokoll, wonach ein mit Geld und Paß verſehener Schriftſetzer, der in Rheims eine kranke Schweſter beſuchen wollte, auf deut ſches Gebiet zurückgewieſen wurde mit dem Be merken, ſich vor dem Betreten franzöſiſchen Ge biets erſt die Erlaubniß von dem Praͤfecten von Nancy zu erbitten.

Karlsruhe, 14. Mai. Nachdem der Großherzog in den letzten Tagen wieder Vor träge entgegennehmen konnte, iſt derſelbe heute zum erſtenmale ſeit ſeiner Erkrankung in den Park gefahren und unternahm einen kurzen Spaziergang. Die katarrhaliſche Affection iſt noch nicht ganz überwunden, aber in allmäligem Rückgang begriffen, ſo daß nur noch Schonung im Allgemeinbefinden nöthig iſt.

München, 15. Mai. Die Deutſchnationale Kunſtgewerbe-Ausſtellung iſt heute durch den Prinz⸗Negenten feierlich eröffnet worden.

Ausland.

Oeſterreich⸗Ungarn. Wien. Prinz Alexander von Heſſen, der als Ordensritter zur Enthüllung des Denkmals hierher kam, beſuchte den Kaiſer und verweilte 1 Stunde bei demſelben.

14. Mai. Der Kaiſer eröffnete die zur Feier ſeines vierzigjährigen Regierungs-Jubilä ums veranſtaltete Gewerbe-Ausſtellung.

15. Mai. Der König von Serbien iſt geſtern Abend hier eingetroffen und wurde am Bahnhofe von der Königin Natalie und dem Kronprinzen erwartet.

Peſt. Dem ungariſchen Regierungs-Blatt Nemzet wird aus Wien in Bezug auf die ruſſiſchen Agitationen auf der Balkanhalbinſel geſchrieben: Dieſer Zuſtand beginne unerträglich zu werden und es ſei nicht unmöglich, daß jene Mächte, welchen der Friede am Herzen liegt, früher als man glaube den Dingen ein Ende bereiten und dauernde Ruhe ſchaffen werden, auch ohne das Hinzuthun Rußlands.

Schweiz. Bern. Der Bundesrath ſchlug den Regierungen von Deutſchland, Frankreich, Oeſterreich Ungarn, Italien, Rußland, Belgien, Holland und Luxemburg eine am 12. September hier abzuhaltende Conferenz vor, um die Vertrags entwürfe über das internationale Eiſenbahnfracht recht in definitives Uebereinkommen umzugeſtalten.

Frankreich. Paris, 15. Mai. Boulanger iſt heute hier wieder eingetroffen. Bei der Fahrt nach dem Louvre-Hötel folgte eine größere Men ſchenmenge ſeinem Wagen. Die Hochrufe auf Boulanger wurden vielfach mit dem Rufe:Nieder mit Boulanger! beantwortet. Ein ernſterer Zwiſchenfall kam jedoch nicht vor.

Großbritannien. London, 15. Mai. Im Oberhaus erklärte Lord Wolſeley, er habe nicht die Regierung angegriffen, ſondern nur die Nachtheile einer Parteiregierung für das Heer und die Flotte betont. Die jetzige Regierung habe das Heer und die Flotte nicht vernach läſſigt, ſondern gefördert; er halte aber an der Anſicht feſt, daß, ſo lange die engliſche Flotte ſo ſchwach wie jetzt ſei, das Heer ſeinen Platz nicht behaupten könne, da überall in der Welt die Anſicht verbreitet ſei, daß der Zuſtand der

Vertheidigungsmittel Englands daheim und aus wärts unbefriedigend und die militäriſchen Streit kräfte nicht ſo organiſirt und ausgerüſtet ſeien, wie ſie es ſein ſollten. Er glaube nicht, daß der ganze Vorgang dazu angethan ſei, ihn als Militär zur Demiſſion zu zwingen.

Nach einer hieſigen Meldung derNat. Ztg. wird infolge ungünſtiger Nachrichten aus Afghaniſtan in der engliſchen Hauptſtadt die eventuelle Nothwendigkeit der Beſetzung Kabuls

vielfach ventilirt.

Spanien. Madrid, 13. Mai. Die Kö⸗ nigin iſt in Begleitung des Miniſterpräſidenten Sagaſta und des Kriegs-Miniſters heute früh nach Barcelona abgereiſt.

Italien. Rom, 13. Mai. Das Befinden des Kaiſers von Braſilien beſſert ſich fortdauernd; das Fieber hat faſt ganz aufgehört.

Rumänien. Bukareſt. DieRomania libera erfährt aus zuverläſſiger Quelle, daß das Parlament anfangs Juli aufgelöſt werden wird. Die allgemeinen Wahlen würden in der erſten Hälfte des September ſtattfinden.

Rußland. Petersburg. Wie verlautet, überſiedelt der kaiſerliche Hof in allernächſter Zeit nach der Krim.

Amerika. Rio de Janeiro, 14. Mai. Der Senat ertheilte dem Geſetze betr. die ſofortige und bedingungsloſe Aufhebung der Sklaverei eben falls ſeine Zuſtimmung.

Aus Stadt und Land.

Frledberg. Bei jetziger Brutzeit der Vögel ſei auf §. 368, 11 des R Str. G. B. hingewieſen, welcher lautet: Mit Geldſtrafe bis zu 60 M., oder mit Haft bis zu 14 Tagen wird beſtraft, wer unbefugt Eter oder Junge von Singvögeln oder jagdbarem Federwild ausnimmt. Nach dem neuen Vogelſchutzgeſetz ſind die Eltern für ihre Kinder haftbar.

B. Bad Nauheim, 15. Mai. Die zwangloſen Zuſammenkünfte der hier und in der Umgegend anſäſſigen und der zur Kur hler verweilenden alten Corps⸗ Studenten finden während der Dauer der Badeſaiſon jeden Samſtag Abend 8 Uhr im Hotel Kalſerhof dahter ſtatt. Auch Active ſind willkommen. Eine Elnladung er⸗ folgt nur auf dieſem Wege. Die Eröffnung findet Samſtag den 19. Mal ſtatt.

? Ober- Wöllſtadt den 15. Mal. Geſtern wurde, wie bereits in dieſen Blättern mitgetheilt, unſer Dorf durch ein großes Brandunglück heimgeſucht. In der Frühe, wenige Minuten nach 8 Uhr, läuteten die Glocken Sturm: es ſollte das letzte Mal ſein, daß wir ihre ver⸗ trauten Töne vernahmen. In der früher Brozler'ſchen Hofralthe, welche ſchon 1850 niederbrannte, war Feuer ausgebrochen. Die geräumige Scheuer ging in räthſel⸗ haft kurzer Zeit in hellen Flammen auf, auch die an⸗ ſtoßenden Stallungen wurden ſehr ſchnell vom Feuer ergriffen. Da die brennende Scheuer auf nur 2 bis 3 Meter Entfernung an die Kirche herangebaut war und leider ein ungünſtige Windſtrömung herrſchte, wurden Rauch und glimmende Kohlenſtücke gegen die Kirche und den Kirchthurm getrieben und ſo verpflanzte ſich das Feuer auch auf letzteren über und mußte man gegen 9 Uhr alle Löſchverſuche aufgeben und ſich in den ſchmerz⸗ lichen Gedanken fügen, daß der ſchön und ſolid gebaute, 20 Meter über die Dachfirſt reichende Kirchthurm, ein ſogenannter Dachreiter, den Flammen als Raub müſſe überlaſſen werden. Ja, einige Zeit war zu befürchten, die ganze Kirche werde niederbrennen. Denn trotzdem die ganze hieſige Einwohnerſchaft zur Stelle war und alle Hände ſich rührten, trotzdem Manche faſt Ueber menſchliches letſteten, konnten wir allein uber das Feuer nicht Herr werden. Da kam noch im entſcheldenden Augenblicke Hülfe; die benachbarten Löſchmannſchaften eilten herbei und griffen thatkräftig ein. Alle thaten ihre volle Schuldigkeit; beſonders waren es aber die treffliche Feuerwehr von Nieder-Wöllſtadt, mit ihrem Bürgermelſter an der Spitze, und die gut geſchulte und wohlgeübte Feuerwehr von Friedberg, welche uns Hülfe brachten und ein noch größeres Brandunglück verhüteten. Auch Kreisrath Dr. Braden war unter den erſten auf der Brandſtätte erſchienen und trug durch ſein ruhiges und beſonnenes Vorgehen weſentlich dazu bei, daß größeres Unglück abgewendet wurde. Stadtrath G. Hierontmus, Bezirksbauaufſeher H. Zörb und Kreisamtsgehülfe Mahr von Friedberg, denen die Leitung der Löſcharbeiten über⸗ tragen wurde, waren mit ſeltener Umſicht und unermüd⸗ lichem Eifer thätig. Den Genannten nebſt den trefflichen Löſchmannſchaften von hier und auswärts haben wir es nach Gott am meiſten zu danken, daß das raſende Ele ment gebannt wurde und uns unſere ſchöne Kirche erhalten blieb. Der Kirchthurm iſt zwar dahin, Glocken und Thurmuhr ſind zerſchmolzen oder unbrauchbar, auch Dach ſtuhl und Decke der Kirche ſind ſchwer beſchädigt, aber wir haben doch unſer ehrwürdiges Gotteshaus noch und dürfen hoffen, daß in nicht allzulanger Zeit dieſes wieder hergeſtellt ſein wird, Glücklicherweiſe blieben, trotzdem mehr⸗ mals glühende Kohlen in naheliegenden Höfen zündeten und der widrige Wind andauerte, andere Gebäulichkelten verſchonk. Dem Himmel aber ſel Dank, der uns vor welterem Unglück behütete.

Allerlei.

pa. Frankfurt. Die große Roſen- Blumen- und Pflanzen Ausſtellung, veranſtaltet von der Frankfurter Garten Bau-Geſellſchaft, verbunden mit dem Kongreß deutſcher Roſen-Freunde, iſt laut Beſchluß des Ausſtel⸗ lungs⸗Comités wegen der ſelther anhaltend kühlen Witte⸗ rung auf acht Tage verlegt worden und zwar auf den 15. bis 19. Juni. Aus dem in den nächſten Tagen er⸗ ſcheinenden Nachtrag iſt alles Nähere, ſowle auch die in großer Anzahl geſtifteten Ehren-Preiſe erſichtlich. Der Nachtrag, ſowie das Hauptprogramm ſteht jedem Intereſ⸗ ſenten bereltwilligſt durch J. Ibach dahter zur Verfügung.

Madrid. Hler iſt die Cholera ausgebrochen. Selt Freitag voriger Woche ſollen über 100 Fälle eonſtatirt ſein.

Lemberg, 14. Mal. Die Stadt Zydaezow iſt von einer großen Feuers brunſt heimgeſucht worden; auch die Kirche iſt niedergebrannt.

Moskau, 15. Mai. Am Sonntag fand auf der

Strecke der Moskau-Kurskbahn bei dem Bahnhof Galit⸗

ſyno ein großer Eiſenbahnunfall ſtatt, wobei 29 Waggons

des nach Moskau gehenden Zuges ſich loslöſten und gegen

einen Güter-Zug ſtießen. 11 Reiſende wurden getödtet, 27 verwundet, darunter 18 ſchwer.

Das Vereinzelen der Zuckerrübe. Von Verwalter J. Sekerka(Pullitz).

Welch großen Einfluß das rechtzeitige Vereinzelen der Rübe auf die Ernte auszuüben vermag, wird von mancher Seite noch gar nicht geahnt. Durch die von uns ausgeführten Verſuche, deren Ergebniſſe wir im Folgen⸗ den mittheilen, findet der Grundſatz:Lieber früher als zu ſpät vereinzelen ſeine volle Bekräftigung. Sämmtllche Verſuche fanden auf durchaus gleichem Boden, mit gleicher Düngung und gleichem Samen und nebeneinander ſtatt. Auch erhielten die Pflanzen zufällig gleich nach dem jedes⸗ maligen Vereinzelen die nöthigen Regenmengen. Der Anbau geſchah am 22. April 1887, die Fechsung erfolgte am 15. September. Auf allen Probeparzellen war die Rübe vollzählig aufgegangen und zur Zeit der Ernte dem Augenſcheine nach keln nennenswerther Unterſchied wahrnehmbar. Vereinzelt wurden die Pflanzen der ver⸗ ſchledenen Verſuchsflächen in einem Zeitabſtande von acht zu acht Tagen. Der genauen Durchführung wegen be ſorgte dieſe Arbeit dieſelbe Perſon im Tagelohn, und ſind in jedem Buͤſchel jedesmal nur die größten Pflanzen belaſſen worden.

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Die Verſuchsfläche I., wo die Rübe zuerſt vereinzelt wurde und zwar ehe noch das erſte Paar Blätter zum Vorſchein kam, zeigt gegenüber der Fläche VI.(über⸗ ſtändig) einen Mehrertrag von 98 Motr. für 1 Hektar und auch im Verhältniß zu den anderen Parzellen den hoͤchſten Ertrag. Trotzdem können wir aber das Ver einzelen der Rübenpflanzen in dieſem Stadium der Ent⸗ wicklung keineswegs anrathen. Denn abgeſehen davon, daß die Arbeit nur von den verläßlichſten Arbeitern aus⸗ geführt werden könnte, iſt dieſelbe auch wegen der vielen Krankheiten der Rübe während dieſes Stadiums und wegen der Verheerung durch allerhand Ungeziefer ſchwer durchführbar. Die Probe J. kann ſomit nicht zur Ver⸗ gleichung herangezogen werden. Dagegen dienen uns die Proben II. und III. um ſo ſicherer als Maßſtab; denn ſobald die Rübe zwei gut entwickelte Blätter beſitzt und ſonſt geſund iſt, kann das Verelnzelen ohne jedes Bedenken vorgenommen werden. Dieſe zwei Proben er⸗ gaben gegenüber der Probe VI. einen Unterſchied von 87,8 Metr. bezw. 79 Motr. das Hektar, gewiß hohe Ziffern, die bei der Ernte ſtark in die Wagſchale fallen. Die Tabelle ſpricht übrigens für ſich ſelbſt. Es erhellt daraus deutlich, daß das Vereinzelen der Rüben nicht nur eine der wichtigſten Arbeiten iſt, ſondern daß es auch

vor Allem darauf ankommt, dieſe Arbeit möglichſt zeitig