— eh, Hoͤhe der Ausbildung und der Vollendung der —„ Organisation erhalten werden, welche deren e Ruhm begründet hat, und welche deren fernere
duftenden 1 Leistungsfähigkeit sichert. Ich bin entschlossen, Land im Reiche und in Preußen die Regierung in gewissenhafter Beobachtung der Bestimmungen von Reichs- und Landesverfassung zu führen. Dieselben sind von meinen Vorfahren auf dem Throne in weiser Erkenntniß der unabweis baren Bedürfnisse und zu löoͤsenden schwierigen Auf gaben des gesellschaftlichen und staatlichen Lebens begründet worden und müssen allseitig geachtet werden, um ihre Kraft und segensreiche Wirk samkeit bethätigen zu koͤnnen. Ich will, daß der seit Jahrhunderten in meinem Hause heilig gehaltene Grundsatz religiöser Duldung auch ferner meine Unterthanen, welcher Religionsge * meinschaft und welchem Bekenntnisse sie auch angehören, zum Schutze gereiche. Ein jeglicher unter ihnen steht meinem Herzen gleich nahe E haben doch alle gleichmaͤßig in den Tagen der Gefahr ihre volle Hingebung bewährt!
Einig mit den Anschauungen meines kaiserlichen
Herrn Vaters, werde ich warm alle Bestrebungen unterstützen, welche geeignet sind, das wirthschaft—
liche Gedeihen der verschiedenen Gesellschafts—
klassen zu heben, widerstreitende Juteressen der
selben zu versöͤhnen und unvermeidliche Miß—
stände nach Kräften zu mildern, ohne doch die
bad. Erwartung hervorzurufen, als ob es moglich sei, durch Eingreifen des Staats allen Uebeln der
ze Gesellschaft
ein Ende zu machen. Mit den
mie sozialen Fragen enge verbunden erachte ich die Orte der Erziehung der heranwachsenden Jugend zu
ie Auf gewandte Pflege. Muß einerseits eine hoͤhere
J vorgeladen Bildung immer weiteren Kreisen zuganglich ge
e en In macht werden, so ist doch zu vermeiden, daß durch Halbbildung ernstliche Gefahren geschaffen,
endes Kei daß Lebensansprüche geweckt werden, denen die
wirthschaftlichen Krafte der Nation nicht genügen önnen, oder daß durch einseitige Erstrebung vermehrten Wissens die erziehliche Aufgabe un— berücksichtigt bleibe. Nur ein auf der gesunden Grundlage von Gottesfurcht in einfacher Sitte aufwachsendes Geschlecht wird hinreichend Wider standskraft besitzen, die Gefahren zu überwinden, welche in einer Zeit rascher wirthschaftlicher Be— wegung durch die Beispiele hochgesteigerter Lebens— führung Einzelner für die Gesammtheit erwachsen. Es ist mein Wille, daß keine Gelegenheit ver— säumt werde, in dem öffentlichen Dieuste dahin einzuwirken, daß der Versuchung zu unverhält— nißmäßigem Aufwande entgegengetreten werde. Jedem Vorschlage finanzieller Reformen ist meine vorurtheilsfreie Erwägung im Voraus gesichert, wenn nicht die in Preußen altbewährte Spar— samkeit die Auflegung neuer Lasten umgehen und eine Erleichterung bisheriger Anforderungen herbeiführen läßt. Die größeren und kleineren Verbänden im Staate verliehene Selbstverwal— et dit tung halte ich für ersprießlich, dagegen stelle ich dutkter es zur Prüfung: ob nicht das diesen Verbänden a gewährte Recht der Steuerauflagen, welches von ihnen ohne hinreichende Rücksicht auf die gleich— zeitig von Reich und Staat ausgehende Bela— gung geübt wird, den Einzelnen unverhältniß 11 mäßig beschweren kann. In gleicher Weise wird Arthet zu erwägen sein, ob nicht in der Gliederung der N Behörden eine vereinfachende Aenderung zulässig erscheint, in welcher die Verminderung der Zahl ter Angestellten eine Erhöhung ihrer Bezüge
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* trmöglichen würde. Gelingt es, die Grundlagen — des staatlichen und gesellschaftlichen Lebens kräftig „ ee, ju erhalten, so wird es mir zu besonderer Ge
LA tugthuung gereichen, die Blüthe, welche deutsche
11 7 6 kunst und Wissenschaft in so reichem Maße zeigt, bet bent zu voller Entfaltung zu bringen. Zur Verwirk— mee chung dieser meiner Absicht rechne ich auf Ihre
11080 i so oft bewiesene Hingebung und auf die Unter— „ been sfuͤßzung Ihrer bewährten Etfahrung. Möge es ri 14 mir beschieden sein, dergestalt unter einmüthigem * 16.4 gusammenwirken der Reichs⸗Organe, der hin— * 840 gebenden Thätigkeit der Volks- Vertretung, wie e 24 55 Behörden, und durch vertrauensvolle Mitar— „Iii beit saͤmmtlicher Klassen der Bevölkerung Deutsch— 122 nd und Preußen zu neuen Ehren in fried—
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licher Entwickelung zu führen! Unbekümmert um den Glanz ruhmbringender Großthaten, werde ich zufrieden sein, wenn dereinst von meiner Re gierung gesagt werden kann, sie sei meinem Volke wohlthatig, meinem Lande nützlich und dem Reiche ein Segen gewesen!
Berlin den 12. Marz 1888
Ihr wohlgeneigter Friedrich III.“
Deutsches Reich.
Darmstadt. Der ordentl. Professor an der Landes-Universität Dr. Wilbrand wurde unter Anerkennung seiner Dienste, auf Nachsuchen in den Ruhestand versetzt und demselben der Cha rakter als Geh. Medizinalrath verliehen.
Berlin, 12. Maͤrz. Der Sectionsbefund ergab, daß Kaiser Wilhelm in Folge eines großen, mit zahlreichen spitzen Kanten versehenen Blasen— steines verstorben ist; die haufigen blutigen Ent— leerungen und die schließlichen haufigen Ohn— machtsanfälle vor dem Tode, welche auf eine schwere Verletzung der Blase und damit ver— bundene große Schmerzen schließen lassen, hängen damit zusammen. Die übrigen Organe waren vollkommen gesund. Die Uebe führung der Leiche ging heute kurz nach Mitternacht, um 12 Uhr 40 Minuten, im stürmischen Schneegestöber vom Palais nach dem Dome vor sich. 32 Unter— offtziere trugen abwechselnd in Abtheilungen von 16 Mann den Sarg. 400 Soldaten von allen Regimentern der Berliner Garnison bildeten auf dem Wege mit brennenden Fackeln Spalier. Eine Compagnie Garde du Colps eröffnete den Zug, dann folgte die Leibcompagnie des ersten Garde Regiments zu Fuß in Parade Uniform mit auf— gepflanztem Seitengewehr mit der Fahne des ersten Bataillons und stummer Regimentsmusik. Hinter ihnen schritten die Hofdtenerschaft, die Leibjäger und die Beamten des katserlichen Hauses. Ueber den Sarg des Kaisers war eine einfache schwarze Decke gebreitet. Hinter dem Sarge schritten der Kronprinz Wilhelm, Prinz Heinrich, Prinz Leopold, der Erbprinz von Meiningen, Prinz Georg, Prinz Alexander, Prinz Albrecht und der Kronprinz von Schweden. Dann folgten Flügeladjutanten, Hofchargen und hierauf wieder ein Zug Garde du Corps. Den Schluß bildete eine lange Reihe Wagen. Als der Sarg im Dome niedergesetzt war, hielt Oberhofprediger Kögel eine kurze Ansprache. Kronprinz Wilhelm und Prinz Heinrich knieten darauf nieder und beteten; ersterer legte am Fußende des Sarges einen großen Lorbeerkranz nieder. Kronprinzessin Wilhelm wohnte gleichfalls der Trauerfeier im Dome bei. Die feierliche Beisetzung der Leiche des Kaisers soll Freitag in der Mittagsstunde vom Dom aus nach dem Mausoleum in Char lottenburg erfolgen. Der Sarg wird bis zur Siegesallee getragen, die Mitglieder des Konig— lichen Hauses und des Gefolges begleiten bis dorthin den Sarg zu Fuß, an der Siegesallee besteigen sie die Wagen und defiliren dann in Charlottenburg an dem Feuster vorüber, an dem der Kaiser Friedrich sich aufhalten wird.— Einer Mittheilung des„Berl. Tabl.“ zufolge soll Kaiser Wilhelm ein baares Vermoͤgen von 54 Million Mark hinterlassen haben.
— 12. Maͤrz. Die Schwester Kaiser Wil— helm's, die Großberzogin-Mutter Alexandrine von Mecklenburg Schwerin, welche vor wenigen Tagen das 85. Lebensjahr vollendet hat, ist ploͤtz lich schwer erkrankt. In Folge dieser Nachricht sind auch die Großherzogin Marie von Mecklen— burg und deren Tochter Elisabeth, welche am Mittwoch nach Berlin gekommen waren, nach Schwerin zurückgekehrt.
— 12. Marz. Ueber den Empfang des Staatsministeriums durch Kaiser Friedrich in Leipzig lesen wir: Als um 6 Uhr 38 Minuten der kaiserliche Sonderzug anlaugte, stieg zuerst der Reichskanzler in den Salonwagen des Kat serpaares. Es machte einen ergreifenden Ein druck, als der Kaiser dem Reichskanzler schnell entgegenschritt und ihn wiederholt umarmte und küßte. Der Kaiser stand in voller Gestalt auf— recht, was man durch die aufgezogenen Jalou—
sien beobachten konnte. Die Kalserin stand während der Unterredung mit dem Reichskanzler neben ihrem Gemahl und begrüßte den Reichs— kanzler ebenfalls. Auch den Minister v. Putt— kamer und die übrigen Staatsminister, sowie den Staatssecretär Herbert v. Bismarck begrüßte der Kaiser auf das huldvollste, indem er jedem ein⸗ zelnen herzlich und kräftig die Hand drückte; das gleiche that die Raiserin. Gegen sieben Uhr setzte der kalserliche Zug sich unter den stürmi— schen Hochrufen der sehr zahlreich versammelten Menge in Bewegung. Der Reichskanzler ver— blieb auf Wunsch der Majestaten im Salon⸗ wagen des Kaisers und begleitete denselben nach Charlottenburg, während die Minister in ihrem Ertrazuge nach Berlin heimkehrten. Der kaiser— liche Extrazug ist im Westbahnhofe bei Char⸗ lottenburg erst um 11 Uhr Nachts eingetroffen. Der Kaiser und die Kaiserin begaben sich ohne Aufenthalt ins Schloß. Infolge eines Schnee— sturmes hatte der Zug etwas Verspaͤtung. Heute Vormittag 11 Uhr statteten, wie das„Berliner Tageblatt“ erfährt, Kaiser Friedrich und Kaiserin Victoria der Kaiserin Augusta einen längeren Be— such ab und begaben sich von dort nach dem Dome, um am Sarge des verstorbenen Kaisers zu beten. — Die„Nordd. Allg. Ztg.“ schreibt: Von zuverlässiger Seite geht uns die Mittheilung zu, daß der Reichskanzler sich in Folge der Auf— regung der letzten Tage in einem sehr auge— griffenen Zustande befindet. Der Verlust seines langjährigen Herrn hat den Kanzler nicht nur seelisch ergriffen, es hat sich leider auch wieder das alte Nervenleiden eingestellt. Mit Rücksicht darauf hat Professor Schweninger es für ange— zeigt erachtet, den Kanzler gestern auf seiner Fahrt nach Leipzig zu begleiten. Ruhe und thunlichste Beschränkung der Geschaͤfte sind nach Ausicht des Professors dringend geboten.
Ausland.
Frankreich. Paris, 11. März. Die De⸗ putirtenkammer hat gestern das Ausgaben-Budget zu Ende gebracht und durch ein letztes Gesammt⸗ votum mit 407 gegen 33 Stimmen angenommen.
Rumänien. Bukarest. Fürst Ghika lehnte die Cabinetsbildung ab. Der König betraute Bratiauu damit.
Bulgarien. Sofia. Die bulgarische Re⸗ gierung hat beschlossen, die Note der Pforte be⸗ treffs der Illegatitätserklärung des Prinzen Ferdinand— gar nicht zu beantworten. Dieser, mit Rücksicht auf den Souzerän Bulgariens, den Sultan, wenig höfliche Beschluß deutet an, daß man sich in Sofia auf diplomatische Erör⸗ terungen uber die Stellung des Prinzen Fer— dinand nicht einzulassen gedenkt, und die ge— schaffenen Thatsachen als undiscutirbar betrachtet. Ohne Zweifel rechnen Stambulow und Genossen darauf, daß die Pforte selbst die erfolgte Noti— fication nur als eine Formalität betrachtet und nicht gewillt ist, aus derselben irgendwelche Consequenzen zu ziehen.
Rußland. Petersburg. Im Auslande um⸗ laufende Gerüchte über eine angebliche nihilistische Bewegung in Südrußland werden aus bester Quelle als gänzlich erfunden bezeichnet.
Afrika. Suez, 11. Marz. Einer Mel⸗ dung des Correspondenten der„Indep. Belge“ zufolge haben die Sudanesen Suakim in Brand gesteckt und den Befehlshaber der dor⸗ tigen englischen Besatzung getoͤdtet. Die Nach⸗ richt bedarf jedoch noch der Bestätigung.
Aus Stadt und Land.
Friedberg. Von vielen Orten lesen wir, daß die Bevoͤlkerungen aus eigenem Antriebe beschlossen haben, am Freitog, als dem Beisetzungstage der Leiche des Katsers, die Laden zu schließen wie an Fetertagen und sich aller lauten Lustbarkeiten zu enthalten. Wir wollten die Sache hiermit angeregt haben uud sind überzeugt, daß wir damit dem Wunsche und der Ansicht Vieler Ausdruck verleihen. Wie wir hören, schickt die Stadt einen Kranz zur Betsetzungsfeterlichkett nach Berlin. Frledberg. Von allen Seiten kommen Berichte über Hochwasser bel allen größeren und kleineren Fluͤssen. Von eigentlicher Gefahr verlautet jedoch Gott set Dank nichts. Auch unsere Usa hat es gnädig gemocht. Nur
an ganz flachem Ufer war sie ausgetreten, ist aber schon wieder zurückgegangen und bringt schon klaxeres Wasser.


