Kreuzern und zahlreichen Torpedobooten unter— breiten.
— Der Anschluß Portugals an das Ab— kommen Deutschlands und Englands über maritime Maßnahmen wird nach der„Times“ binnen einer Woche erwartet. Sobald die Ver— staͤndigung der Maͤchte erreicht ist, soll, wie Londoner Meldungen besagen, demselben Blatte, zufolge, von Mozambique bis Suakim ein Cor— don von Kanonenbooten hergestellt werden und jede der betbeiligten Mächte befugt sein, ver— dachtige Schiffe, welche unter der Flagge eines der dem Abkommen beigetretenen Länder segeln, anzuhalten und zu durchsuchen.
Italien. Rom. Nach einer Meldung der „Agence Stefani“ aus Mozambique ging das italienische Schiff„Dogali“ nach Sansibar ab, zur Theilnahme an dem Blokadedienst gegen den Sklavenhandel. Der„Riforma“ zufolge geht ein zweites Schiff zu dem gleichen Zweck ab.
Spanien. Madrid, 8. Nov. Die„Gaceta“ veröffentlicht die Ernennung Rascous zum Bot—
schafter in Berlin. Feindliche Kundgebungen fanden heute gegen Canovas del Castillo in
Sevilla statt. Eine starke Menschenmenge be wegte sich unter Pfeifen und dem Rufe:„Nieder mit Cauovas, dem Verräther“ in den Straßen. Canovas verläßt morgen die Stadt.
Portugall. Lissabon. Der Kriegsminister Januario hat demissionirt. Die Ursache der Demission ist noch unbekannt.
Montenegro. Cetinje. Zwischen dem Fürsten Nicolaus von Montenegro und seinem Schwiegersohne Peter Karageorgiewitsch ist, nach dem Fr. J., ein ernster Conflict ausgebrochen, da der letztere Vorkehrungen traf, um seine Pläne auf Serbien zur Ausführung zu bringen. Peter hielt die Erregung in Serbien über die Eheschei— dungsaffaire zur Zeit, als Milan noch in Gleichen— berg weilte und so verbittert war, daß er ab— danken wollte, für günstig, vorbereitende Maß nahmen zu treffen, um im geeigneten Augenblicke schlagfertig zu sein. Berichte aus Ungarn be— stätigten seine Anwesenheit. In Pancsova war bereits die Proklamation an das serbische Volk gedruckt und konnte im geeigneten Augenblick nach Serbien geworfen werden. Nicolaus, dessen persönlicher Einfluß nicht hinreichte, um seinen Schwiegersohn von dem geplanten Unternehmen abzuhalten, soll auf telegraphischem Wege die Hilfe des Zaren in Anspruch genommen haben. Wie verlautet, hat der Zar aus Baku in einem Telegramm Peter Karageorgiewitsch in ernstem Tone von allen Wagnissen abgerathen und ihn aufgefordert, den Anordnungen des Fürsten Nicolaus Folge zu leisten. Daraufhin wurde die Proklamation verbrannt und Peter Kara— georgiewitsch erhielt Auftrag, sich demnächst nach Petersburg zu begeben.
Griechenland. Athen. Die amtliche Zei— tung veröffentlicht die Verlobung der Prinzessin Alexandra mit dem Großfürsten Paul.
Rußland. Petersburg. Es verlautet, auch der Thronfolger habe bei Borkt eine Verwun— Dung erlitten.
Egypten. Suakim. Einer Meldung des Bureau Reuter aus Wadai zufolge fand östlich von Darfur ein Zusammenstoß zwischen den Mahdisten und der Bevölkerung statt. Erstere griffen, 70000 Mann stark, unter Führung Gianuhs die Stadt an, wurden jedoch mit einem Verlust von 3000 Mann zurückgeschlagen. Bei einem erneuerten Angriff waren die Mah— disten siegreich und nahmen die Stadt ein. Der Sultan flüchtete in das Ghirigebirge.
Amerika. New Vork. Das Ergebniß der neuen Präsidentenwahl ist festgestellt: Harrison erhielt 233, Cleveland 168 Stimmen.
Aus Stadt und Land.
r. Friedberg. Am 5. d. Mts, wurde die dies⸗ jährige Fortbildungsschule in Gegenwart des ersten Bet— geordneten und der daran betheiligten Lehrer eröffnet Dieselbe wird von etwa 90 Schülern besucht, die in drei Klassen im alten städtischen Schulhause unterrichtet werden. Nebenbei sei bemerkt, daß in einem Saale desselben Hauses auch der Abendunterricht der Fortbildungsschule des Gewerbevereins stattfindet, an welchem Unterricht
etwa 35 Schüler theilnehmen. Bevor die Schüler in ihre Klassen eingewiesen wurden, hielt Oberlehrer Dörr eine Ansprache an die jungen Leute die in der Mahnung gipfelte,„sie sollten sich als Erwachsene betragen, so dürf— ten sie auch Anspruch darauf machen, als solche behan— delt zu werden, und in weiterer Ausführung wies er nach, wie sich der Erwachsene vor dem Knaben durch ge— reifteren Verstand und erhöhtes Pflicht- und Ehrgefühl auszeichne, und wie sich dies in dem regen Interesse an dem dargebotenen Unterrichte, in regelmäßigem Schulbe— such, in Pünktlichkeit und einem wohlanständigen Be— tragen in und außer den Schulräumen zeigen müsse.“ Wirft man einen Blick auf den Verlauf der nun schon sett 12 Jahren bestehenden obligatorischen Fortbildungs— schule, so darf wohl die erfreuliche Thatsache ausge— sprochen werden, daß alle seit der Zeit an derselben beschäftigten Lehrer mit großer Gewissenhaftigkeit und Pflichttreue ihres schweren Berufes gewaltet, ebenso soll nicht verschwiegen werden, wie der Stadtvorstand mit liberalem Sinne für die nicht unerheblichen Kosten ein— gestanden und die Lokalschulbehörde wie die Großh. Kreis— schuleommission lebhaftes Interesse für das Gedeihen der— selben an den Tag gelegt haben, und zuletzt last not least set noch lobend erwähnt, wie auch die Polizei ihre Schuldigkeit gethan und dadurch Exeesse auf der Straße verhütet wurden Wenn trotzdem immer noch bei vielen Fortbildungsschülern über eine gewisse Gleichgültigkeit, mitunter sogar Widerwilligkeit, die sie dem Unterrichte entgegenbringen, zu klagen ist, so hängt dies neben man chem andern doch gewiß auch davon ab, daß viele Eltern und Lehrherrn nicht von dem Werth und Nutzen der Fortbildungsschule überzeugt sind und deßhalb die Schule nicht kräftig unterstüten. Denn nur so läßt sich die nicht wegzuleugnende Thatsache erklären, daß in der Fortbildungsschule so unverhältnißmäßig viel mehr straf; fällige Versäumnisse vorkommen als in der Volksschule. Und wie soll es befriedigende Erfolge geben, wenn die so kurz gemessene Unterrichtszeit von kaum 5 Monaten noch so vielfach unterbrochen wird! Soll es daher in dieser Richtung besser werden, so müssen Eltern und Lehrherren die Schule kräftiger unterstützen nnd sich das gewiß kleine Opfer auflegen, an den Unterrichtsabenden die Geschäfte und das Essen so einzurichten, daß die jungen Leute vorher ein wenig aufathmen und den Staub der Werkstätte abkehren können, um dann erfrischt, pünktlich und regelmäßig den Unterricht der Fortbil— dungsschule zu besuchen. 0
2 Friedberg. Die Lutherfeier am letzten Samstag— Abend war sehr zahlreich besucht und nahm einen glänzen den Verlauf. Nach einem schönen Choralgesang des Semi narchors und einer einleitenden herzlichen Begrüßungs— Ansprache des Vorsitzenden, Schulrath Schmidt, hielt Professor Dr. Gottschik von Gießen einen 5 astündigen gediegenen, interessanten und tief erwärmenden Vortrag über Luthers Glauben, als den eigentlichen Kern seiner reformatorischen Persönlichkett, dessen Wesen er zuerst, meist aus Luthers Worten selbst, aufwtes, während er dann die Höhenzüge und Glanzpunkte dieses Lutherglaubens in dem Leben des Reformators zur erbaulschen Anschauung brachte. Sowohl vor als nach dem Vortrage wurden zwei Verse von dem Lutherliede„Ein feste Burg“ von der ganzen Versammlung begeistert gesungen. Nach dem letzten Verse des genannten Liedes sprach Professor Werffenbach Namens des Vorstandes Allen, die, nächst Gott dem Herrn, zum Gelingen des Festes so viel bei getragen, den zahlreich Erschtenenen, dem Festredner, dem Seminarchor mit seinem bewährten Dirigenten, dem Casino⸗Vorstand, der seinen schönen Saal so bereitwillig zur Verfügung gestellt hatte, in bewegten Worten tlef— gefühlten Dank aus, und gab der Hoffnung Ausdruck, daß der 10. November von nun an ständiger evangellscher Festtag in Friedberg sein werde. Nach einem abermaligen erhebenden Chorgesang seitens der Seminaristen begann das um ½12 Uhr sein Ende erreichende gesellige Zu— sammensein, das durch den Gesang mehrerer Vaterlands⸗ lieder verschönert, und bei dem von Schulrath Schmidt auf das Vaterland, von Professor Weiffenbach auf den deutschen Kalser und den Landesherrn Toaste, die eine begeisterte Aufnahme fanden, ausgebracht wurden. Kurz vor Schluß rief der Vorsitzende noch dem scheidenden Festredner einen kurzen Dankesgruß zu. Möge die Feier in gesegnetem Andenken blelben!
s. Friedberg. Den Mitgliedern des Taunuselubs diene zur Nachricht daß„Der Tourist“ als offizielles Organ des Verbandes deutscher Touristen-Vereine von der am 19. August in Frankfurt a. M. tagenden Ver— sammlung als solches anerkannt worden ist. Dasselbe erscheint monatlich zweimal und kann von jetzt ab im Lesezimmer des Volksbildungs vereins gelesen werden.
Gießen. Die hiesige theologische Fakultät ernannte den Reichskanzler Fürsten Bismarck zum Ehrendoktor.
Allerlei.
Weimar. Unsere Regierung ist bereits durch ver— schtedene Maßnahmen der Bewegung zu Gunsten der Reinigung der deutschen Sprache von fremden Eindring lingen zu Hilfe gekommen. Dieselben haben sich sämmt— lich gut bewährt. Ganz besonders willkommen erscheint aber die jetzt von ihr unternommene Reinigung der Sprache im öfientlichen Dienste von den überflüssigen Fremdwörtern, d. h. von solchen, für die eine volksthüm⸗ liche Wiedergabe durch einen deutschen Ausdruck ohne Zwang möglich ist. In einem bet H. Böhlau erschie— nenen Schriftchen„Verdeutschung von Fremdwörtern für den öffentlichen Dienst im Großherzogthum Sachsen“ sind 600 Fremdwörter, wie sie im„Kanzleistil“ angewendet werden, in gutes Deutsch übertragen, stcherlich zur Freude
der Bevölkerung, die es willkommen heißen muß, wenn
in den behördlichen Briefen und Verfügungen allgemelg verständliches Deutsch geschrleben wird. Die Behörden sind angewiesen, sich dieser deutschen Ausdrücke zu be⸗ dienen.
Ludwigshafen, 10. Nov. Raubmörder Mohr ist heute Nacht aus dem Gefängniß zu Germersheim ausgebrochen, wurde aber einige Stunden später berelttz wieder eingellefert.
Halle a. S., 10. Nov. In Liebenwerda sind gestern bei einer großen Feuers brunst im ehemaligen Schlosse fünf Personen, der Kreisphystkus Meyer, dessen Ehefrau und Tochter und zwei Dienstmädchen in den Flammen umgekommen.
Havre, 9. Nov. In der Nacht von Dienstag zu Mittwoch fand einige Meilen von Lizard ein Zusammen⸗ stoß zwischen dem deutschen Dreimaster„Theodor Rüger“ und dem englischen Dampfer„Nantes“ statt. Der ersten sank eine halbe Stunde nach dem Zusammenstoß. Di Bemannung flüchtete in zwei Booten. Der„Nantes“ wurde zwischen der Maschine und dem niedergeworfenen Schornstein eingestoßen; sein Schicksal ist noch unbekannt,
London, 9. Nov. Heute Morgen wurde abermals ein Lustmord in Whitechapel verübt.
Petersburg. Auf der russischen Bahn Bnest⸗ Litowski u stieß bei Kowel ein Personenzug mit einem Güterzuge zusammen. 1 Locomotive, 4 Personenwagen und 15 Güterwagen wurden zertrümmert, viele Personen sind schwer verletzt.
New Pork, 10. Nov. burg fand eine Explosion statt, bet der 160 Gruben; arbeiter verschüttet wurden. Man fürchtet, daß alle ver⸗ loren sind.
New-Nork, 11. Nov. Gestern brach in Rochester in einer Manometer-Fabrik Feuer aus; die in der Fabist Beschäftigten versuchten sich zu retten, indem sie durch die Fenster sprangen, 12 Personen wurden jedoch durch den Einsturz der Fabrik getödtet und 20 verwundet. Man glaubt, daß 21 weitere Personen, die noch fehlen, unter den Trümmern begraben sind.
Friedberg, 10. Nov. Buttermarkt. Butter kostete per Pfd. M. 0.70—0.80. Eier 1 St. 8 Pf.
Gießen, 10. Nov. Auf dem heutigen Markt kostete Butter per Pfd. M. 0.80— 0.90, Eier 2 St. 1315 Pf. Käse per St. 4—8 Pf., Tauben per Paar M. 0.f40 bis 0.60, Hühner per Stück M. 0.90— 1.00, Hahnen per Stück M. 0.90— 1.10, Enten per Stück M. 1.30 1.70, Ochsen-Fleisch per Pfund 60—68 Pf., Kuh- und Rind⸗ Fleisch 45—54 Pf., Schweinefleisch 50—60 Pf., Hammel; Fleisch 5464 Pf., Kalbfleisch 4550 Pf., Kartoffeln per 100 Kilo M. 5.00— 6.00, Zwiebeln per Centner M. 5.50—7.00., Weißkraut per Stück 4—9 Pf., Gänse per Pfund 44— 54 Pf.
Frankfurt, 10. Nov. Wochenmarkt. Erbsen ganz per Pfd. 12— 18 Pf., do. geschälte 14— 18 f., Linsen 1828 Pf., weiße Bohnen 16— 18 Pf., hiesige Kartoffeln per Gescheid 10— 12 Pf., krause Endivien 5— 10 Pf., Butter per Pfd. M. 0.90— 0.00, Eier das Stück 6 bis 7 Pf., Radieschen 2 Pf. das Päckchen, Blumenkohl 40 bis 80 Pf., Kopfsalat per Stück 6—8 Pf., Sellerteköpfe 5—20 Pf., franz. Sellerie 40—50 Pf., Romalnsalat 15—25 Pf., Wirsing per St. 10— 12 Pf., Zwiebeln per Pfd. 7-9 Pf., Kohlraben per Stück 46 Pf., Carotten das Päckchen 10— 15 Pf., Welßkraut per Stück 10-20 Pf., Rotherüben per Portion 20—30 Pf., Aepfel per Pfund 15 20 Pf., Birnen per Pfd. 5— 10 Pf., Zwetschen 8 bis 10 Pf., Nuͤsse 100 St. 5060 Pf., Mauskartoffeln per Gescheid 20—25 Pf., Perlzwiebeln per Liter 50 Pf., kleine Essiggurken 100 St. 60— 70 Pf., Spinat 30—50 Pf., Rosenkohl 40—50 Pf., franz. Kopfsalat das Stück 14 bis 16 Pf., Schwarzwurzel 30—60 Pf., weiße Rüben das Stück 2 Pf., Teltower Rübchen 25 Pf., neue franz, Bohnen per Pfund 60—70 Pf., Gänse das Pfund 70 Pf., Feldhuhn M. 1.50—2., Hasen M. 3.— 3.70.
Frankfurt, 9. Novbr. Engros-Markt. Heu pro 100 Kilo M. 7.60— 10.00, Stroh pro 100 Kilo M. 6.60 bis 8.60, Butter pro 50 Kilo M. 73 bis 83, Eier das Hundert M. 6.00—7, Erbsen 100 Kilo M. 18 bis
weiße Bohnen M. 23— 25.50, Mohrruͤben 50 Kilo M. 4 bis 5., Blumenkohl 100 Stück M. 2030, Kopfsalat M. 3— 5, Sellerteköpfe 100 Stück M. 810, franzö⸗ sischer Kopfsalat 100 Stück M. 10, neue französische Bohnen per Pfund 50 Pf., Pfirsiche per Pfd. 70 Pf, Nüsse per Centner M. 12., italtenische Kastanten 15 Pf., Quitten 15— 20 Pf. Auf dem Kartoffelmarkt waren angefahren 45 Wagen und kostete das Malter M. 55.50
Repertoir⸗Entwurf der vereinigten Stadt⸗Theater in Frankfurt. Opernhaus. Dienstag den 13.: Gioconda. Gewöhnliche Preise. Mittwoch den 14.: Nachmittags 3½ Uhr: Die Reise
In den Minen bei Pitts.
Handel und Verkehr.
23.00, do. geschälte M. 20— 30, Linsen M. 34 bis 52,
um die Erde in achtzig Tagen. Außer Abonn. Kleine Preise. 1 Donnerstag den 15.: Die Favoritin. Gewöhnl. Preise. Freitag den 16.: Geschlossen. 5 Samstag den 17.: Othello. Große Preise. 1 Sonntag den 18. Nachmittags 3½ Uhr: Die Reise um die Erde. Außer Abonn. Kleine Preise. Abends 7 Uhr: Mignon. Gewöhnliche Preise. 15 Schauspielhaus. Dlenstag den 13.: Cornellus Voß. Große Preise, g Mittwoch den 14.: Abends 7 Uhr: Sappho. Gr. Prelse⸗ Donnerstag den 15. Geschlossen. 1
Freitag den 16.: Zum ersten Male wiederholt: Der Zaunkönig. Große Preise.. ö
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