1888.
Dienstag den 13. November.
M34.
Oberhessischer Anzeiger.
Wird hier und in Bad-Nauheim Montag, Mittwoch und Freitag Abend ausgegeben.
Kreisblatt für den Kreis Friedberg.
Erscheint dreimal wöchentlich und zwar Dienstag, Donnerstag und Samstag.
Annoncen: die einsaltige Petitzeile 15 Pf., lokale Anzeigen und behördliche aus dem Kreise 11 Pf., Reclamen 30 Pf.; ein Beleg kostet 9 Pf. Annoncen von auswärtigen Einsendern(soweit Letztere nicht Jahresconto bei uns haben), welchen der Betrag nicht beigefügt ist, werden stets per Post nachgenommen.
Betreffend; Bezirkseconferenz Butzbach.
50jähriges Dienstjubiläum.
Friedberg den 10. November 1888.
5000.. n. Die kirchliche Feier nimmt um 10½ Uhr ihren Anfang. bei Gastwirth Müller im„Löwen“) zu einer kurzen Besprechung mit dem Kreis-Schulinspector zusammenfinden.
Amtlicher Theil.
Steckbrief.
Friedberg am 11. November 1888.
Die Großherzogliche Kreis-Schulcommission Friedberg an die Lehrer des Conferenz- Bezirks Butzbach. Nächsten Mittwoch den 14. d. Mts., feiert Lehrer Rahn J. zu Kirch-Göns, mit Genehmigung der obersten Schulbehörde, sein Sie wollen sich indessen schon um 10 Uhr zu Kirch-Göns
Dr. Braden.
Der unten signalisirte Karl Werner aus Wenkheim, Baiern, welcher wegen unbefugten Colleetirens für die Abgebrannten in Hünfeld dahler inhaftkrt war, ist heute auf dem Transport im Vilbeler Wald dem Gendarm Gries entsprungen. Behörde, an welche derselbe abgellefert werden soll: Großherzogliches Amtsgericht Vilbel. a 3 Signalement: Alter 25 Jahre, Größe mw 68 em, Haare und Augenbrauen blond, Augen grau, Stirne hoch, Nase spitz, Mund gewöhnlich, Bart Vollbart, röthlich, Kinn rund, Gesichtsfarbe gesund, Gesichtsform länglich, Statur schlank. Besondere Zeichen: war an beiden Händen geschlossen. Kleidung: carrirtes Jacket, schwarz und weiß gestreifte Hosen, Stiefeletten, wollenes Hemd mit weißem Umlegkragen, Hut auf der Flucht verloren. ö ö a
Großherzogliches Kretsamt Friedberg. Dr. Braden.
Deutsches Reich.
Darmstadt. Der Oekonomierath Müller zu Darmstadt wurde zum Mitglied der Central— stelle für die Landesstatistik, der provis. Hilfs— gerichtsschreiber Rhode zu Gießen zum Hilfs— JZerichtsschreiber am Land-Gericht der Provinz Dberhessen, der Dirigent der höheren Bürger— scchule zu Groß⸗Gerau Holtzmann zum Lehrer nm dem Realgymnasium zu Gießen, der Hof— stallbeiknecht Döring aus Schlitz zum Hofwagen— toärter ernannt.
— 9. Nov. Prinz und Prinzessin Heinrich don Preußen sind heute Abend per Extrazug mach Kiel zurückgereist. Prinz Heinrich von
ans„e Battenberg ist gestern Abend aus England las N Hier eingetroffen und wurde am Bahnhof von ünsche, dem Prinzen Ludwig von Battenberg empfangen. berdan Berlin, 10. Nov. Der König von Sachsen
und Prinz Georg von Sachsen sind heute Vor— mittag aus Dresden hier eingetroffen, um den TFaiser zur Jagd nach Königswusterhausen zu egleiten. Nach Beendigung der Hofjagd, welche nden Oberförstereien bei Königswusterhausen kattfand, kehrten der König und der Prinz Heorg von Sachsen hierher zurück. Der König 4 65, von hier sich nach Schloß Sibyllen— rt zu begeben, wo auch die Königin von Sach— n aus Dresden eintreffen wird. In Sibyllen— rt gedenken die sächsischen Majestäten einige
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g en de Tage zu verbleiben. An der Hofjagd in Wuster—
lags d zusen nahm auch der Herzog von Sachsen—
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sloͤffe— Durch kaiserlichen Erlaß wird der Reichs
eee d big auf den 22. November einberufen.
11201— Sehr beachtet werden nach dem 1
Hanau. den hiesigen maßgebenden Kreisen die Fort— i eee, shritte, welche in jüngster Zeit die französisch— * ussische Intimität macht. Es wird dabei u. a.
Ernte, uf die läugere Conferenz des Großfürsten
Gladimir mit dem französischen Kriegsminister Jreyeinet hingewiesen. Russisch-franzoͤsische Ein— susse sind ferner auf allen Punkten in Thätig—⸗ it, wo man Deutschland schädigen zu können gaubt. Ein Berliner Brief der„Polit. Corr.“ lakt ferner die Aufmerksamkeit auf die immer wachsende Intimität zwischen Spanien und Frank⸗ nich seit Uebernahme des Portefeuilles des lußeren durch Marquis Vega de Armijo, welcher ach verschiedenen Anzeichen insbesondere in der U gigen die anderen Mittelmeermächte gerichteten art 1 Jooperation beider Staaten in der marokkanischen 1 zrage zu Tage trat.
Elberfeld, 8. Nov. Am Dienstag Abend und im Laufe des gestrigen Tages haben im zunzen Landgerichtsbezirke bei vielen Soclalisten eder Haussuchungen stattgefunden. Hier in
Elberfeld wurden an fünf verschiedenen Stellen Briefe ꝛc. beschlagnahmt.
Leipzig. Der Praͤsident des Reichsgerichts, v. Simson, soll, wie die„Köln. Volksztg.“ von hier erfahren haben will, seine Entlassung ein— gereicht haben, welche der Kaiser angenommen habe. Wahrscheinlich werde der Oberreichsan— walt Tessendorff Reichsgerichtspräsident werden. Die Nachricht wird von der„Nationalzeitung“ mit dem Bemerken als durchaus unbegründet bezeichnet, daß keinerlei Veranlassung zu einem solchen Schritt vorliege.
Hamburg. Im Socialisten-Prozeß Lassen und Genossen wurden die 18 wegen Geheim bündelei Angeklagten zu Gefängniß Strafen von 14 Tagen bis 4 Monaten verurtheilt.
Karlsruhe. Die Meldung mehrerer Blätter, daß der Erbgroßherzog nach Mannheim über— siedele, wird amtlich dementirt.
Straßburg. Ueber auf den oberelsässischen Bahnhöfen zu Altkirch und Illfurt, zum Theil auch in Mülhausen anläßlich der Rekrutenein— lieferung vorgekommene Ausschreitungen ist so— fort eine eingehende Untersuchung eingeleitet wor— den. Auch die Verwaltung wird sich mit der Sache zu befassen haben; für sie wird es nament lich von Interesse sein, nach den tiefergehenden Ursachen der unerquicklichen Vorgange, welche durch Ausstoßen aufrührerischer Rufe, wie z. B. „Vive la France“ und„aà bas les Prussiens“, eine ganz besondere politische Bedeutung erlangt haben, zu forschen. Daß im Ober⸗Elsaß, nament lich in seinen südlichen Theilen, der Verdeutschungs— prozeß die langsamsten Fortschritte gemacht hat, ist bekannt und findet namentlich auch in den Ergebnissen der Heeresaushebung ihre Bestäti— gung. Die Ursache dieser Erscheinung wird neben der Nähe der franzoͤsischen Grenze, durch welche den franzoͤsischen Hetzereien Vorschub ge— leistet wird, hauptsächlich auf den Einfluß der Großindustrie zurückgeführt werden müssen, welche fast durchweg in französischem Sinne auf die von ihnen abhängigen ausgedehnten Bevölkerungs schichten einwirken. Jedenfalls sind daselbst noch schwierige, die Verdeutschung der Bevölkerung verlangsamende Hindernisse aus dem Wege zu räumen.
Klel. S. M. Kreuzer„Nautilus“ ist am 7. November ꝛc. in Teneriffa(Canarische Inseln) eingetroffen und beabsichtigt am 9. dess. Mts. die Heimreise fortzusetzen.
Ausland. Oesterreich⸗-Ungarn. Wien. Die Mel⸗ dung auswärtiger Blätter, die Kaiserin Elisabeth unternehme auf ärztliche Anordnung eine See—
reise nach Indien oder Amerika, wird offictös dementirt.
Schweiz. Bern. Nach einer offiziellen Auf— stellung der muthmaßlichen Bundes-Ausgaben während des nächsten Jahrzehnts werden außer den für militärische Sicherung des Gotthardt beschlossenen 2½ Million Francs weitere drei Million für die Landesbefestigung in Aussicht genommen.
Belgien. Brüssel. Wie verlautet, reist König Leopold demnächst nach Berlin zum Be— suche des deutschen Kaiserhofs.
Holland. Haag, 9. Novbr. Einer amt⸗ lichen Meldung zufolge erklärten die Aerzte den König für beinahe hergestellt. Derselbe nahm in den letzten Tagen mehr Nahrung zu sich und hat sich infolge dessen der Kräftezustand gehoben. Trotz des befriedigenden Allgemeinbefindens ist immer noch Sorge vorhanden wegen Heranbildung eines chronischen Leidens.
Frankreich. Paris, 8. Nov. Die Kammer trat in die Berathung des Marinebudgets ein. — 10. Nov. Die Kammer genehmigte das Budget des Justizministeriums. Bei der hierauf begonnenen Berathung des Budgets des Kriegs— ministeriums sprach Martimprey sich mißbilligend über die große Vermehrung der Ausgaben sowie über Herabsetzung der Dienstzeit aus. Freyeinet erwiederte auf die Klage Kellers, daß der Effec— tivbestand der Compagnien unzulänglich sei: Die Compagniestärke für 1889 sei auf nahezu 125 gebracht und werde 1890 diese Hohe erreichen. Nach Erwähnung der für Aufbesserung der Offiziersgehälter bewilligten Mittel bemerkte der Minister, noch andere Ausgaben seien dringend nothwendig; es würde eitle Hoffnung sein, daß das Kriegsbudget herabgesetzt werde, man müsse sich sogar auf eine außerordentliche Anstrengung gefaßt machen, um die Vertheidigung des Lan— des zu sichern. So lange sich die allgemeine Lage nicht ändere, könne man nicht hoffen, daß das Kriegsbudget unter 550 Million Franes herabgehe. Das Budget sei übrigens sehr spar— sam bemessen, man habe von einer Milliarde gesprochen, die genaue Ziffer sei aber erheblich geringer. Nach Abzug dessen, was bereits votirt und nur theilweise ausgegeben sei, komme man auf die ungefähre Ziffer von 550 Million Fres.
Großbritannien. London. Dem„Daily Telegraph“ zufolge hat der mit der Prüfung des Zustandes der Nattonalvertheidigung be— traute Cabinetsausschuß dahin entschieden, daß eine beträchtliche Verstärkung der Flottenmacht nöthig 5 Die Regierung werde infolge dessen demffächst dem Unterhause Vorschläge für den Bau von 8 Panzerschiffen erstzn Ranges, 20
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