Ausgabe 
10.3.1888
 
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Eine Privatdepesche des Fr. J, meldet: In dem Befinden des Kaisers ist, wie wir zu unserer groͤßten Freude mittheilen können, in letzter Stunde eine sichtliche Besserung eingetreten. Der Puls, welcher bisher auf 114 gestiegen war, ist auf 94 zurückgegangen. Der Kaiser wiederholte mehrfach den Wunsch, das Bett verlassen zu konnen. 9. Maͤrz. Heute früh ist der Kaiser, wie an der Spitze unseres Blattes gemeldet, verschieden.

p. Darmstadt. Zu Beginn der Sitzung der zweiten Kammer am 6. Marz theilte Mini⸗ sterialpraͤsident Weber mit daß die Plaͤne für 447 Kilometer Nebenbahnen fertiggestellt seien. Natürlich ist nicht beabsichtigt, diese Bahnen sämmt lich sofort zu bauen, denn die Baukosten wür den beinahe 20 Millionen und die jährlich vom Staat zu leistenden Zuschüsse 750,000 M. be⸗ tragen. Man setzte hierauf die am 3. l. M. abgebrochene Berathung über die Ausgaben im Steuerwesen fort und bewilligte den Gehalt für zwei neue Steuerassessorenstellen in Darm stadt und Mainz. Die Regierung will das Diensteinkommen der Steuercommissäre, welches sich aus einem festen Gehalt und aus Gebühren zusammensetzt, so weit es bei der Berechnung der Pension in Betracht kommt auf 4800 M., 4400 M. und 4000 M. festsetzen. Die Kam mer stimmte dem bei nach längerer Debatte. Die Gehalte der Beamten des Erbschaftssteuer amts erfuhren eine geringe Erhöhung. Bei den Ausgaben für Bauwesen kam zunächst wieder eine Gehaltsfrage zur Besprechung. Die Re gierung wünschte die Gebalte der Kreisbau meister auf 3000, 3600, 4200, 4800 M. fest⸗ zusetzen. Die Kammer hielt Gehalte von 3000, 3500, 4000, 4500 M. für ausreichend und be schloß demgemäß. Eine längere Debatte ent stand über die von der Regierung geplante Errichtung von zwei Wasserbauinspektionen. Schließlich genehmigte man eine definitive und eine provisorische Wasserbauinspektorstelle, da man mit dieser neuen Einrichtung erst noch Erfahrungen machen zu müssen glaubt. Endlich verwilligte man noch die Mittel zu einer Reihe von Erweiterungen und Bauten bei den Ober hessischen Eisenbahnen. Am 7. März führte man die Berathungen über die Ausgaben im Bauwesen zu Ende. Es wurden dabei zahl reiche dringliche Neubauten und größere Her stellungen auf den Domänen genehmigt. Für die Unterhaltung der Staatsstraßen wurde der erforderliche Aufwand von 770,000 M. bewilligt. Zur Verbesserung der Staatsstraßen namentlich in Rheinhessen durch eine stärkere Beschotterung verlangt die Regierung 100,000 M. Die Kammer bewilligte jedoch nur 60,000 M. Ferner wurde eine größere Anzahl von Straßen erweiterungen und Correktionen beschlossen. Dem Wunsche der vorigen Kammer entsprechend, sollen in Zukunft stärkere Obstbaum-Pflanzungen an den Straßen vorgenommen und hierfür die Summe von 15,000 M. verwendet werden Im Kapitel Territorial-, Fluß, und Dammbau wurden für die gewöhnliche Unterhaltung der Flußbauwerke und Dämme 141,780 M. ver⸗ willigt. Für größere Wasserbauten unterhalb Rheindürkheim, Correktion beim Rheindurchstich am Geyer und bei Oppenheim hatte die Regie rung 183,000 M. verlangt, der Betrag wurde jedoch abgelehnt. Bewilligt wurden für Uferar beiten unterhalb der Mainmündung 55,000 M., Arbeiten im Rheinarm an der Langenaue 10,000 M., für Negulirung des Rheins von Mainz bis Bingen 120,000 M. des Mains im Baubezirk Offenbach 93,000 M., für Zwecke der Strombau-Verwaltung die Beschaffung eines Dampfboots für 22,000 M. Im Ganzen wur⸗ den für Flußbauten 421,000 M., oder jährlich 140,330 M. bewilligt. Als Staatsbeitrag zu den garantirten Linien der Ludwigsbahn be willigte man 550,000 M. Als Matrikularbei trag zu den Ausgaben des Reichs werden jähr lich 4 Millionen vorgesehen. Zur Erhaltung der Burg Friedberg, insbesondere zu Ausbesse rungen am Dachwerk des Adolfsthurms, zu Herstellungsarbeiten an dem unteren Wehrgang

und zur Ausbildung desselben in seiner ur sprünglichen Form hat die Kammer für die Jahre 1888-1891 die Summe von 4230 M. bewilligt.

Darmstadt. Dem Geh. Oberschulr ath Becker wurde das Komthurkreuz 2. Klasse des Philipps-Ordens verliehen.

Berlin, 8. Marz. Wie derNat. Ztg aus San Remo gemeldet wird, ist der Kronprinz von Berlin aus aufgefordert worden, sich zur Heim reise bereit zu halten. Er hatte sich ohne Zögern bereit erklärt, sobald eine weitere ungünstige Mel dung vom Kaiser erfolgt, abzureisen. Dr. Mackenzie erachtet die Reise für den Zustand des Kron prinzen als nicht vortheilhaft, hat sie aber zuge geben. Ein Separatzug ist in Bereitschaft. Die Aerzte fahren selbstredend mit. Die Abreise soll heute Abend erfolgen und zwar nach Wiesbaden. Prinz Heinrich und der Großherzog von Hessen reisten bereits nach Berlin ab.

Das Reichsgesetzblatt veröffentlicht einen Erlaß vom 17. Nov. 1887, wonach Prinz Wil helm mit der Stellvertretung des Kaisers und Königs in Regierungsangelegenheiten beauf tragt wird.

7. März. Der Reichstag genehmigte in erster Lesung den Geseßentwurf über die Aus legung des Artikels 2 des Gesetzes, betreffend die Einführung des Strafgesetzbuchs in Elsaß Lothringen. Die zweite Lesung findet im Plenum statt. Die Vorlage über den Reingewinn aus den kriegsgeschichtlichen Werken des General stabs, ferner die Berner Convention zum Schutze der Literatur und Kunst werden in erster und zweiter Lesung angenommen. Der Nachtrags etat wurde der Budgetcommission überwiesen. Die Gesetzentwürfe über den Ausschluß der Oeffentlichkeit bei Gerichtsverhandlungen, über die Sonntagsfrage und über die Entschädigung unschuldig Verurtheilter werden in dritter Le sung nach unerheblicher Debatte genehmigt. 8. März. Der Reichstag genehmigte in dritter Lesung ohne Debatte den internationalen Ver trag zur Unterdrückung des Branntweinhandels unter den Nordseefischern auf hoher See, sowie die Verträge mit Ecuador, Guatemala und Honduras und erledigte in dritter Lesung die Rechnungsvorlagen. Sodann wurde die dritte Lesung des Etats fortgesetzt nud eine Reihe von Titeln nach unerbeblicher Debatte genehmigt.

7. März. Graf Herbert Bismarck ist am Sountag von Dublin nach London zurück gekehrt. Derselbe hatte heute eine Unterredung mit Salisbury und kehrt morgen nach Berlin zurück.

Ausland.

Oesterreich-Ungarn. Wien. Heute früh traten hier sieben österreichische Bischöfe unter Vorsitz Ganglbauers zur Berathung der Anträge Liechtenstein-Lienbacher zusammen. Es durfte von ihnen ein gemeinsamer Hirtenbrief für die con fessionelle Schule erlassen werden.

Belgien. Brüssel, 6. März. Der König und die Königin sind nach London abgereist, um der Feier der silbernen Hochzeit des Prinzen und der Prinzessin von Wales beizuwohnen.

Holland. Haag. Von 100 Sitzen der zweiten Kammer haben bis jetzt die Antiliberalen 43 erlangt. Bei 18 andern Sitzen stehen die Liberalen in der Stichwahl.

Frankreich. Paris, 7. März. Die Kammer nahm einstimmig den Entwurf betreffend die Er richtung von General-Armee-Juspektionen an. Alsdann begann die Kammer die Berathung des Cultusbudgets und genehmigte mit 333 gegen 194 Stimmen den ersten Artikel nach den Regie rungsvorlagen, worin dieselben Summen ver langt werden, wie im Vorjahre. Die Budget commission hatte keinen Credit für Culte bean tragt.

England. London. Das Reiseprogramm der Königin Victoria ist nunmehr folgender maßen festgestellt: Die Königin verläßt Windsor am 20. in Begleitung der Prinzessin Beatrice und des Prinzen Heinrich von Battenberg, schifft sich auf der königlichen NachtVictoria und Albert in Portsmouth ein, begibt sich von da

nach Cherbourg und mittelst Extrazugs nach Paris. Von da aus geht die Reise über Dijon und durch den Mont Cenis nach Turin, Genua, Spezzia, Pisa und Florenz.

Kronprinz Rudolf von Oesterreich wird hier für den 17. März zu einem zehntägigen Besuche des englischen Hofes erwartet.

Spanien. Madrid. Der Kriegsminister sagte gelegentlich einer Diskussion über mili tärische Reformen: Spanien müsse ausschließlich bedacht sein, im Falle eines europäischen Con flictes Neutralität zu bewahren.

Italien. Rom, 7. März. Crispi theilte der Kammer mit, daß das Votum der Kammer mit dem Wunsche nach Genesung des deutschen Kronprinzen das Echo der tiefsten Sympathie in ganz Deutschland gefunden habe. Dieser Sympathie gäben zwei Telegramme Bismarck's au ihn Ausdruck Crispi verlas hierauf die Telegramme, welche von der Kammer mit leb⸗ haftem Beifall entgegengenommen wurden.

Rumänien. Bukarest. Die Minister⸗ combination Ghika-Carp ist infolge von Diffe renzen über Finanzfragen gescheitert. Fürst Ghika hat nunmehr mit Bratianu und den ge mäßigt Liberalen ein Cabinet zu bilden.

Aus Stadt und Land.

Frtedherg. Die hiesige Realschule war im ver⸗ flossenen Jahre von 285 Schülern besucht, und zwar von 159 Einbeimischen, 117 Auswärtigen und 9 Aus⸗ ländern. Der Confession nach vertheilten sich dieserben in 214 Evangelische, 23 Katholische und 48 Israelltische. Eröffnet wurde das Schuljahr mit 274 Schülern, ein getreten sind 11, abgegangen 12, so daß der Bestand am Schlusse des Schuljahres 273 Schuler beträgt.

C. Stammheim. Der sogenannte Bsenburger Freihof wurde von seinem seitherigen Eigenthümer an Oeconom Maithes von Oberau für den Prets von 35,000 Maik verkauft, ebenso wurde der sogenannte Elwische Freihof an die Oeconomen K. Becht und Karl für den Preis von 41,550 Mark verkauft.

Allerlei.

Regensburg. In Cham herrscht große Aufregung Vor 13 Jahren verschwand dortselbst der Bäckereibesitzer Sterr. Man glaubte, er sei nach Amerika ausgewandert. Nunmehr verlautet, eine Frau habe auf dem Sterbebette bekannt, daß Sterr ermordet worden seti, und den Mörder angegeben. Die Ueberreste Sterr's sollen in einem Brunnen gefunden worden sein.

Bergen.(Norwegen.) Der angebliche Brand der Stadt Bergen reduelrt sich auf ein sehr bedeutendes Feuer zweier großeren Lager.

Aufruf.

Eine am letzten Samstag den 2. März abgehaltene Vorbesprechung hlesiger evangelischer Männer hat nach einem einleitenden Vortrag und nach eingehender Berathung einstimmig den Beschluß gefaßt, daß auch in Friedberg(mit etwalgem Anschluß der Umgegend) ein Zweigverein desEvangelischen Bundes zur Wahrung der deutsch⸗protestantischen In teressen gegründet werden soll. Es haben auch be reits 35 Männer aus den verschledensten Berufsklassen ihren Zutritt zu einem solchen Verein sofort erklärt. Zum Behuf der definitiven Constitufrung des deabsichtigten Zweigvereins soll nun am nächsten Samstag den 10. März, Abends 8 Uhr, im großen Saale des Windecker'schen Felsenkellers eine hoffentlich recht zahlreich besuchte Versammlung stattfinden, in der nach einem orlentirenden Vortrag eine eingehende Diseussion aller einschlägigen Fragen stattfinden soll. Alle evangelischen Männer der Stadt und Umgegend, welche ein warmes Herz für das Hell und die Ehre ihrer evangelischen Kirche und fur das Wohl ihres deutschen Vaterlandes haben, sind herzlich zu dieser Versammlung eingeladen.

Friedberg im März 1888.

Im Auftrag: Schmidt, Dr. W. Weifenbach, Schulrath Professor.

Kirchliche Anzeigen für Friedberg. Ebangelische Gemeinde. Lätare. Pfarramtswoche Herr Pfarrer Meyer. Gottesdienst in der Stadtkirche. Nachmittags Uhr: Herr Candidat Walter.

Gottesdienst in der Burgkirche. Vormittags 92 Uhr: Herr Geh. Kirchenrath Diegel Abends 5½½ Uhr: Herr Missionär Thum m.

Mittwoch den 14. März. Burgkirche. Abends 8 Uhr: Herr Candidat Waltz,

3 Katholische Gemeinde. Samstag von 4 Uhr an Beicht. Am Sonntag: Großes Gebet. Die Betstunden beginnen

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