Deutsches Reich. p Darmstadt. Die ganze letzte Diens— tagssitzung der 2. Kammer wurde von der am Samstag abgebrochenen Berathung über die neu zu errichtende obere landwirthschaftliche Be— hörde ausgefüllt. Es wiederholten sich die Klagen über die Thaͤtigkeit des Generalsekretärs Dr. Weidenbammer. Einig war man darüber, daß sich in Zukunft die landwirthschaftl. Vereine mehr wie bisher um die kleineren Landwirthe bekümmern müssen und daß ein Hauptmittel zur Heranziehung der letzteren die Herabsetzung des Mitgliederbeitrages sei. Allseitig wurde gewünscht, daß bei der großen Wichtigkeit der Landwirth— schaft für den Staat, der Vorsitzende, der an Stelle der landwirthschaftlichen Centralstelle zu errichtenden oberen landwirthschaftl. Behörde, sich ganz und ausschließlich dieser Beschäftigung widmen müsse und andere Aemter nicht über— nehmen dürfe. Die Sache wurde zur Aus— gleichung der noch bestehenden Meinungsver— schiedenheiten nochmals an den Ausschuß ver— wiesen, nachdem Staatsminister Finger erklärt hatte, das Darniederliegen der Landwirthschaft sei nicht allein in Personenfragen begründet, auch stehe die Landwirthschaft bei uns nicht schlechter wie anderwärts und es sei nicht be— absichtigt, Weidenhammer zum Mitglied der neuen Behörde zu machen. Auf eine An— frage erklärte Staatsminister Finger, daß eine Vorlage wegen Errichtung einer Landescredit— kasse in nicht ferner Zeit zu erwarten sei— Am Mittwoch fuhr man in der Beratbung der Ausgaben für Landwirthschaft fort. Für land— wirthschaftl. Unterricht wurden 21,000 M. be— willigt. Es soll hiermit auch versuchsweise eine landwirthschaftl. Mittelschule im Anschluß an eine bestehende Realschule errichtet werden. Jöckel empfahl Fu iedberg, andere Abgg. andere Orte, waͤhrend die Regierung erklärte, daß sie sich noch nicht schlüssig gemacht habe. Den landwirthschaftlichen Provinzialvereinen wurde ein Staatszuschuß von 10,000 M. gewahrt und ein Antrag Rabenau's um Erböhung dieses Zuschusses auf 30,000 M. an den Ausschuß verwiesen. Man bewilligte für Förderung der Rindviehzucht 15,000 M.(früher nur 3000 M.), der Pferdezucht 2500 M.(früher nur 1000 M), des Obstbaues 5000 M.(früber nur 2000 M.), Zur Förderung der Bienenzucht bewilligte man 500 M. und ersuchte die Regierung hierfür noch weitere 400 M. einzustellen. Zur Aus- führung der Gesetze über die Reblaus und den Coloradokäfer verlangt die Regierung 10 000 M. Man war der Ansicht, daß diese Summe zur Bekämpfung einer wirklichen Reblausgefahr doch unzureichend sei und in diesem Falle außer— ordentliche Credite verlangt werden müßten, zu den jetzt nothwendigen Arbeiten aber 6000 M. ausreichten. Die abgestrichenen 4000 M. setzte man der landwirthschaftl. Versuchsstation zu, für welche man demgemäß 10,000 M. bewilligte. Zur Feldbereinigung wurden 10,000 M. als Beitrag gewährt, zur Vorbereitung von Meliora— tionsprojekten die gleiche Summe. Im Fort⸗ gang der weiteren Berashung bewilligte man für das Landgestüt 115,000 M. Auch für Gewerbewesen wurden nicht unbedeutende Summen bewilligt, es wurde dabei der Antrag gestellt, man möge doch die Handwerkerschulen kleiner Landorte mit 10.000 M. unterstüͤtzen.
— Militärdienstnachrichten. Walter, Hauptm. vom 2. Gr. Inf Regt. Nr. 116, wurde zum 3. Hess. Inf. Regt Nr. 83 commandirt.
Berlin, 28. Febr. Nach einem Bericht des„Berl Tagbl“ aus San Remo dauerte der Besuch der Aerzte in der Villa Zirio heute Morgen ungewöhnlich lange. Der Correspon— dent des„Börsen-Couriers“ meldet, daß der Auswurf des Kronprinzen behufs miskroskopischer Untersuchung gestern an die Professoren Reck— linghausen und Waldmeyer abgesandt sei.— „Aus der besten Quelle“ erfährt der Londoner Correspondent des„Fr. I's.“ von dort einge— troffenen Meldungen aus San Remo, die in Kreisen,„die über jede Beunruhigung durch
durch Sensationsberichte unzweifelhaft erhaben sind“, die tiefste Niedergeschlagenheit erzeugen mußten. Nach Mittheilungen, die keineswegs etwa einseitig von einem oder dem andern Arzte herrühren, und die auch in Berliner Hofkreisen aufs Ernsteste gewürdigt werden, ist leider mit der erschütternden Annahme zu rechnen, daß das Leben des hohen Leidenden nur noch nach Wochen bemessen werden kann. Der ganze Kehlkopf ist bereits in weit vorgeschrittenem Maße von der tückischen Krankheit zerfetzt, und weiter unten im Schlunde hat sich eine neue Wucherung gezeigt, die ebenfalls die Gefahr der Katastrophe näher bringen muß. Aus nahlie— genden Gründen haben wir, fügt die Red. des „Fr. J's.“ hinzu, längere Zeit die Mittheilung unseres besonders gut unterrichteten Gewährs— mannes unterdrückt, doch glauben wir nunmehr dem Publikum die volle Wahrheit schuldig zu sein, nachdem auch anderweite Informationen uns die außerordentlich traurige Wahrschlichkeit gebracht haben, daß das Leiden unseres theuren Kronprinzen längere Zeit nicht mehr dauern wird.— 1. März.„Nach den heute vorliegen— den Meldungen aus San Remo war der Kron— prinz, der in der voraufgegangenen Nacht erst von 2 Uhr an geschlafen hatte, wie gewöhnlich gestern vor 10 Uhr aufgestanden, er war Vor— mittags am offenen Fenster, fühlte sich aber nicht wohl und klagte über Muͤdigkeit. Seit zwei Tagen waren leichte Verdauungsstörungen eingetreten, von denen man gestern hoffte, daß sie bereits überwunden seien. Wie bekannt, hatte der Kaiser die Absicht geäußert, er wolle nach San Remo reisen, um seinen leidenden Sohn zu sehen. Der Kaiser hat aber in Ruͤck—
Gefährdung seiner Gesundheit darauf verzichtet, jedech, wie die„Börsen-Zeitung“ erfährt, seine diesbezüglichen Wünsche nur bis zum Eintritt des warmen Wetters verschoben. Professor Waldeyer ist nach San Remo abgereist. Professor v. Bergmann verbleibt auf Befehl des Kaisers in San Remo bis zur Ankunft des Prinzen Wilhelm, der heute früh 17½ Uhr von Karls— ruhe dorthin abgereist ist. Prof. v. Bergmann, — so wird dem„Fr. J“ verbürgt mitgetheilt— hält jetzt mehr denn je an seiner Diagnose vom Mai 1887 fest, derzufolge bekanntlich schon da— mals als einziges Mittel der Erhaltung des Lebens unseres Kronprinzen ein größerer opera— tiver Eingriff hätte stattfinden müssen, während ein solcher jetzt— in noch größerem Umfange vorgenommen— nur noch geringe Hoffnung in Aussicht stelle, ja mit ziemlicher Gewißheit „zu spät“ erfolgen würde. Der„Magd. Ztg.“ entnehmen wir folgende Meldung aus San Remo: Eine Veröffentlichung des Kußmaul'schen Gut— achtens ist nicht beabsichtigt. Die in einigen Blättern mitgetheilten privaten Aeußeruntzen des Straßburger Professors enthalten nichts Ueberraschendes, sondern bestätigen den ganzen Ernst der Lage, an dem hier wie daheim Nie— mand mehr zweifeln wird. Von einer Berufung Ziemßen's ist nicht die Rede.
— 1. März. Der Bundes rath stimmte heute dem vom Reichstag angenommenen Gesetzent— wurf wegen Verlängerung des Sozialistengesetzes zu und beschloß im Sinne der Ausschußberichte über den Freundschafts-, Handels-, Schifffahrts— und Consular-Vertrag mit Honduras und über den Freundschaftsvertrag mit Ecuador.
— 29. Febr. Reichstag. Abg Munckel be— gründet den Antrag auf Abänderung des Ge— richtsverfassungs-Gesetzes(Zuständigkeit der Schwurgerichte für politische Prozesse). Die Ab— geordneten v. Rheinhaben, Kullemann und Hart— mann sprachen gegen den Antrag, v. Greve und Träger dafür. Abg. Munckel zieht seinen An— trag, ebenso den Antrag auf Abänderung der Strafprozeßordnung(Berufung) zurück. Im Anschluß hieran zieht Abg. Reichensperger seinen dahin zielenden Antrag zurück—
Karlsruhe, 29. Febr. Heute fand die feierliche Beisetzung der Leiche des Prinzen Ludwig Wilhelm statt.
Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Wien. Der roͤ⸗
wische Correspondent der„Neuen Freien Presse““
meldet: England, Oesterreich und Italien haben die russischen Vorschläge fast gleichlautend dahin beantwortet, daß sie, obwohl die Regierung der Koburgers ungesetzlich sei, die Pforte zu keiner Entscheidung drängen würden, welche eines praktischen Ergebnisses entbehren müsse. Es wäre gefährlich, Bulgarien einer Regierung zu berauben, welche thatsaͤchlich die Ordnung im Lande schütze, während die russischen Vorschlaͤge die Bildung einer festen Regierung nicht ge— währleisteten, wohl aber die Gefahr mit sich brächten, daß die gegenwärtige Ordnung in eine allgemeine Verwirrung ausarten könne.
Pest, 1. März. Das Abgeordnetenhaus nahm in namentlicher Abstimmung mit 185 gegen 86 Stimmen den rumänischen Grenz— regulirungsvertrag an.
Frankreich. Paris, 28. Febr. Die Kammer genehmigte das Budget des Ministeriums des Innern unter Ablehnung verschiedener Amende— ments, darunter dasjenige des Bischofs Freppel, welches die Wiederanstellung von Gefängniß— Geistlichen verlangt.
Spanien. Madrid. Gerüchte über den Rücktritt des Ministerpräsidenten Sagasta er⸗ halten und verstärken sich. Man spricht von einem Interimistikum unter Campos oder Martos und einem conservativen Ministerium unter Canovas.
Italien. Rom, 29. Febr. Der„Tribuna“ zufolge wäre an die Admiralität der Befehl er— theilt, Schiffe zur Heimführung von zwei Dritteln der Truppen aus Massauah bereit zu halten.
sicht auf die das Staatsinteresse berührende Man erwartet einen unmittelbaren Angriff der Abessynier in Sahati.
— 29. Febr. Nach einer Meldung aus Massauah unternahm General Baldissera gestern mit zwei Bataillonen Bersaglieri und einer Ab— theilung Irregulärer eine Recognoscirunz bis Ailet, fand aber kein Anzeichen eines Durchzuges der Abessynier.
Türkei. Constantinopel. Neuestens zeigt man sich nach dem Fr. J. auf der Pforte ge⸗ neigter, dem Verlangen Rußlands bezüglich der Illegalitätserklärung gegen den Prinzen Ferdi— nand nachzugeben. Ueber diese Erklärung wird die Pforte nnter keinen Umständen hinausgehen. Von Conferenzplänen ist hier nichts bekannt.
Rußland. Petersburg. Obgleich keine be— sonderen beuuruhigenden Ursachen vorliegen, scheint die russische Polizei am 13. März, dem Jahrestage der Ermordung des Kaisers Alexan— der, neue terroristische Kundgebungen zu be—
fürchten. Es werden außerordentliche Vorsichts— maßregeln getroffen. Hunderte von Geheim— polizisten überwachen bereits nicht nur den
Newski-Prospect, sondern alle in denselben aus— mündenden Querstraßen. Der Polizei sind große Geldmittel überwiesen worden.
— Man erwartet hier die demnächstige Ankunft einer koreanischen Gesandtschaft und hofft auf engere Verträge mit Korea, die für den Fall eines Krieges mit China von großem Nutzen sein könnten.
Aus Stadt und Land.
r. Friedberg. Der Bereltwilligkeit hiesiger Dilettanten wird es zu danken seln, daß die demnächstsge Aufführung des„Samson“ mit Orchester, verstärkt durch auswär⸗ tige Mufiker, stattfinden wird. 2 Proben von Occhester mit Chor sind bereits gehalten worden; der Eifer, das großartige Werk so gut als möglich durchzuführen, ist auf allen Selten in erfreulicher Welse zu Tage getreten. Hoffen wir, daß sich auch in dem Concert am 18. März Alles zum guten Gelingen vereinigen wird.
Allerlei.
Neustadt a. d. H., 27. Februar. In dem nahe⸗ gelegenen Hambach ist zu Anfang der vergangenen Woche der Rentner Graf, ein wohlhabender Sonderling, er— mordet und ausgeraubt worden. Erst am Samstag drang man, durch den Umstand aufmerksam gemacht, daß Graf Werthsendungen, dle auf der Post für ihn angekommen waren, nicht abgeholt hatte, ins Haus ein und fand auf dem Söller die Leiche, die aus zahlreichen Wunden blutete, mit zertrümmerter Hlrnschale. berelts als verdächtig in Haft genommen worden.
Würzburg, 28. Febr. Heute Morgen wurde dem Director Fuchs(Brauhaus Würzburg] durch die Trans mission der Kopf vollständig abgertssen.
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