Beilage.
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Deutsches Reich.
Darmstadt. Der Finanz- Aspfrant Schömer aus Seeheim wurde zum Kalkulator II. Klasse bei Großher— zoglichem Kataster Amte ernannt. 5 ö
Berlin, Die„Natlonal⸗Zettung veröffentlicht ein Telegramm aus Wien, wonach es sich bestätigt, daß dle Gemahlin des Prinzen Waldemar von Dänemark, die Tochter des Herzogs von Chartres, dem Zaren auf Schloß Fredensborg die gefälschten Aetenstücke überreicht hat.
— Graf Herbert Bismark ist zum Wirklichen Ge— heimen Rath mit dem Titel Epeellenz ernannt.
— 24. Dez. Aus San Remo wird der„Fr. Ztg.“ gemeldet: Die vorige Woche im Halse des Kronprinzen aufgetretene Neuwucherung ist in steter Rückbildung be— griffen. Das Befinden ist vorzüglich. f i
27. Dez. Das„Journal des Debats“ bringt eine hiestge Depesche, nach welcher der deutsche Botschafter v. Schweinitz zwei Unterredungen mit Giers gehabt hätte. Beide hätten ein befriedigendes Ergebniß gehabt. Giers habe sich nach der zweiten Unterredung nach Gatschina begeben, um mit dem Zaren zu arbeiten.
Kiel. S. M. Schiffsjungen⸗Schulschiff„Ariadne“, Commandant Capitän zur See Barandon, ist am 22. De zember er. auf der Insel Barbados eingetroffen.
Freiburg i. Br., 26. Dez. Hauptmann v. Ehren⸗ berg hat sich, von Paris kommend heute freiwillig bei der hiesigen Staatsanwaltschaft gestellt, die ihn der Mili⸗ tärbehörde zur Aburtheilung überlieferte.
Ausland.
Oestereich⸗Ungarn. Wien. Aufsehen macht eine anscheinend inspirirte Mittheilung der„N. Fr. Pr.“, welche erklärt, es scheine ziemlich sicher zu sein, daß un— serer Regierung von Petersburg beruhigende Aufklärun gen gegeben worden seien und zwar freiwillig, ohne offi— eiellen Charakter, da es auch unmöglich war, offieiell in Petersburg anzufragen. Die russischen Truppenverschie— bungen selen nur die Consequenz der nach dem Türken krieg begonnenen Reorganisation der russischen Armee. Dieselben hätten durchaus keinen provoelrenden Charakter, sondern lediglich den Zweck, vom Baltischen bis zum Schwarzen Meer einen militärtschen Grenzeordon zu ztehen.
— Die„Nordd. Allg. Ztg.“ erwähnt eine Nachricht der„Bohemia“, wonach Erzherzog Karl Ludwig Ange— sichts der politischen Lage die beabsichtigte Orientreise aufgegeben habe.
— Der Commandant der zweiten Infanteriedivision, Feldmarschall⸗Lieutenant Prinz Josef Windischgrätz, ein Bruder des Commandanten des 1. Armeecorps in Krakau, ist nach Berlin entsandt worden.
— Das„Fremdenblatt“ erklärt die Meldung der „Times“ von dem beabsichtigten Rücktritt Kalnoky's auf Grund authentischer Informationen für vollständig un— begründet. Die Gerüchte von der Entsendung eines kaiserlichen Prinzen oder eines besonderen Funktionärs nach Petersburg seien völlig aus der Luft gegriffen; in den maßgebenden Kreisen habe man nie an eine solche Mission gedacht.
— 24. Deebr. Augsburger und Muͤnchener Blätter berichten, daß die Arbeiter in den dortigen Fabriken, welche österreichische Reservisten sind, Ordres erhielten, sich unverzüglich bei ihren Truppentheilen zu stellen. Viele mußten sofort abreisen, um ihre Garnison noch rechtzeitig zu erreichen. Der Befehl lautet, der Eintritt bei dem betr. Truppentheil habe binnen 4 Tagen zu erfolgen. Die Wiener Regierung inhibirte diesbezüg— liche Zeitungs depeschen.
Frankreich. Paris. Ferydeselauds, Rath am Rech— nungshofe, wurde zumPrästdenten der Patrtotenliga gewählt.
Italien. Rom. Die Bemühungen des Vaticans, mit England regelmäßige diplomatische Beziehungen an— zuknüpfen, sind gescheitert.
— 27. Dez. Der Papst empfing anläßlich seines Jubiläums gestern die Mitglieder des diplomattschen Corps, welche Glückwünsche und Geschenke darbrachten.
— Folgende diplomatische Veränderungen wurden verfügt: Die Gesandten von Lissabon und München wer— den zur Disposition gestellt. Octiani(Bern) wird nach Athen, Curtopassi(Athen) nach Bukarest, Tornillt(Bu⸗ karest) nach Madrid, Maffei(Madrid) nach Kopenhagen versetzt. Der Direetor der Consular-Angelegenheiten, Peiroleri, wird zum Gesandten in Bern und der Direetor der poll ischen Angelegenheiten, Malvano, wird zum außer⸗ ordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister ernannt.
Spanien. Madrid. Die Amtszeitung veröffentlicht den Erlaß, durch welchen die spanische Gesandtschaft in Berlin zum Range einer Botschaft erhoben wird
Serbien. Belgrad, 24. Dez. Der Minister des Innern, Milofkowitsch, kündigte heute der Skupschtina an, eine serbisch⸗türkische Commission werde am 27. d. zusammentreten, um die Grenzortschaften gegen Ueberfälle zu schützen; vorderhand werde die serbische Grenzbevölker— ung bewaffnet. Die Skupschtina verwies den Antrag, den früheren Ministerpräsidenten Garaschanin in den An— klagezustand zu versetzen, an die Justizeommission.
Rumänen. Bukarest. Die Kammer bewilligte elnstimmig zeha Million für den Ankauf von 100,000 Repetirgewehren und Munktion.
Bulgarien. Sofia. Von hier wird gemeldet, Prinz Ferdinand sel fest entschlossen, einer eventuellen Aufforberung, Bulgarien zu verlassen, nicht zu folgen,
Oactheiher Aagalzer
solange er im Einklange mit der Armee und der Bevöl— kerung sei.
— Von hler wird gemeldet, der bulgarlsche Kriegs— minister beabsichtige einen außerordentlichen Credit von 30 Milltonen zu verlangen.
Rußland. Petersburg. Die„Börsenzeitung“ glaubt versichern zu sollen, daß das Kriegs ministertum keinen besonderen Credit verlangt habe. Sämmtliche Ausgaben desselben, darunter die Verpflegung der Truppen, hätten in den letzten Wochen die Voranschläge nicht uͤberschritten.
— 29. Der. Der deutsche Botschafter v. Schweinltz batte nach seiner Ankunft hlerselbst eine lange Unterre— dung mit Giers.
— In den südrussischen Häfen, namentlich Odessa und Sebastopol, wird laut der„Poltt. Corr.“ eine rege Thätigkeit der russischen Kriegsverwaltung entwickelt. Sämmtllche Schiffe der freiwilligen Flotte sind für all— mälige Beförderung von 500,000 Mann meist jüngster Jahrgänge nach Batum gechartert. Diese Truppen sind theils für den Kaukasus, theils für Armenien bestimmt.
— 24. Dee. Der„Nord“ schließt aus den in Wien gefaßten Beschlüssen, daß kein Grund zur Beunruhigung über angebliche Rüstungen Rußlands vorhanden sei. Das Blatt betont die friedlichen Absichten Rußlands, hält die Befürchtungen in Betreff eines Conflietes für ausge— schlossen und hofft, daß ein größeres Sicherheitsgefuͤhl Platz greifen werde.
Aus Stodt und Land.
f. Frledberg. Wethnachten waren es 40 Jahre, daß L. Ferber auf dem Seyd'schen Bureau arbeitet und ehrte aus diesem Anlaß die Familie Seyd den Jubllar durch sinnige Geschenke.
t Okarben, 26. Dee. Der Gesang-Vereln„Ein— tracht“ überreichte am Christabend dem Lehrer Rückert in Kloppenheim, welcher seit dem Ableben des Lehrers Wörner bis zur Wiederbesetzung der hiesigen Schulstelle den Verein dirtgirte, als Anerkennung einen sehr schönen Lüstre.
Büdingen. Gegen die Verhaftung des früheren hessischen Landtags-Abgeordneten Schaum war Beschwerde erhoben worden. Die Strafkammer zu Gießen hat am 17. Deebr. die Beschwerde verworfen. Es ist eine um— fangreiche Untersuchung eingeleitet zur Auffindung der Urheber von zwet Briefen, welche der ehemalige Ge— hülfe Schaum's der Zeuge Stemmler, bei der Verhand— lung am 9. Deebr. dem Gerichtspräsidenten elnhändigte. Schaum würde sich eventuell im März vor dem Schwur— gericht zu verantworten haben.
Lauterbach, 23. Dez. Durch mehrere Zeitungen ging die Notiz, daß in der Nacht vom Sonntag auf Montag in der Nähe des Bades Salzschlirf ein schwerer Stein auf die Schienen gewälzt worden set, um den Zug zum Entgleisen zu bringen. Zur Aufklärung diene folgendes: Bei der sogenannken Wartenbach, einem Fel— sen zwischen Salzschlirf und Angers bach, rannte der Frühzug Fulda-Gießen wieder einen ca. 20 Centner schweren Steinblock, wodurch die Maschine defeet wurde. Es mußte eine Hilfsmaschine kommen, wodurch es eine kleine Verspätung, aber keinen weiteren Unfall gab. Der Felsblock war aber nicht von ruchloser Hand auf die Schienen gewälzt worden, sondern hatte sich an der An— höhe abgelöst und war auf die Schienen gerollt.
Allerlei.
e. Bockenheim. Eine recht interessante Arbeit ist gegenwärtig in den Schaufenstern der Kunsthandlung von Prestel ausgestellt, nämlich ein in lateinischer Sprache abge⸗ faßtes Dedteationsschreiben, in welchem die Firma Gebrüder Stesmayer zu Bockenheim dem Papste 140 Sorten Laub- und Nadelhölzer darbtetet, welche demnächst nach Rom ver— sandt und zur Erinnerung an den Tag des fünfzig⸗ jährigen Priesterthums des Papstes in den vatikanischen Gärten verpflanzt werden sollen. Die Arbeit ist entworfen von Lehrer D. Böhm zu Bockenheim. Die Hauptzierde bildet eine sehr große Initiale L, eine Copie aus dem prachtvollen und weit berühmten Evangelienbuche vom 13. Jahrhundert in der Bibliothek zu Fulda. Bei der farbenreichen Bordüre dlente die Farbenzusammenstellung in einem andern mittelalterlichen Werke derselben Bibliothek als Muster. Das am Kopfe des Katalogs nach einer photographischen Aufnahme angefertigte Bild, ein wahres Prachtstück der Kleinmalerei von Frl. B. Becker zu Frankfurt a. M., bletet die Ansicht des großen gärtnerischen Etablissements„Elisabethenhain“ zu Vilbel, dem die Baum— stämmchen enthoben sind. Eine das Bild umrahmende Blumenmaleret nebst Schriftband sind gleichfalls von Böhm. Die zur Aufnahme der Dedtikatlon angefertigte Mappe ist von Frl. Ph. Paulus in Soden im Taunus ausgeführt.
Trier, 21. Deebr. Heute schoß der 18jährige Tischler
Eingesandt.
Motto:„Fordere Niemand mein
Schicksal zu hören.“
Herr Redaetör! Ste wisse, wann Jemand eine Reise thut, so kann er was verzehle. So will ich? Ihne ach emol ebbes verzehle, was mir passire thet. Ich mach als Rasender so sm Herbst und Frühjahr so mei Turche von Hane nach der unnere Wettera. Da fahr ich Ihne neu⸗ lich ach emol nach der zweinamige Station Erbstadt— Kalchen und wollt von da e wenig in die Umgegend sprltze. Also ich geh gleich bet der Station über die Brück, um den Feldweg einzuschlage, der enüber nach Kalchen führt. Awer, lieber Herr, wos für'n Weg, na, so woas harre Se doch noch nit erlebt. Denke Se sich, wie ich da im guten Glaube weiter marschtr', gerath' ich Ihne in e wahres Labtrinth von Schlamm und Koth, daß ich mant, fast stecke bleibe ze muͤsse, oder bis an die Knlee in dem gräß⸗ liche Morast zu versinke. E paar Mal bin ich ausge⸗ glitscht und dacht so in meinem Sinn: Wann de da drln liegst, hält Dich nach der Hand kan Mensch mehr für'n Rasende. Ich sag' Ihne, ich hab' mich abgezappelt, daß mer's ganz brühhas über de Buckel geloffe is, und daß ich nur so nach Odem schnappe thät. Ich dankte meim Schöpfer, wie ich Alles glücklich überstanne hat ohne Schade am Leibe zu nemme. Als ich endlich mich durch⸗ gearbeitet hatt' und nun im Ort ankam, stärkt ich mich fur mein' Strapatze in der Post mit em Glas Astheimer, und es that ach werklich Noth, denn ich fühlte mich ganz kaput. Dort sagt' ich dann zu em Gast, dem ich mein Leid klagte: soll dann hier gar lan Abhülf geschaffe wern könne? Der aber erwledert mir ganz gelosse:„Ach dos sein mer gewöhnt, der Wetteraer Dreck is halt gar zu dick und zäh; daß hier emal e Aennering geschaffe werd, dös wern mer schwerlich erlebe. Da schüttelt ich doch mit dem Kopp und sagte:„Dös wolle mer doch nit hoffe; denn lieber Freund so en Weg wünscht mer selbst seim Feind nit.“ Könnt dann da nel vielleicht Ihne Ihr Kretstag e bisst helfe? So jetzt wisse Se's. Nix für ungut, Herr Redaetör!—
Hanau, 1. Dezember 1887. B. Repertoir⸗Entwurf der bereinigten Stadt⸗Theater in Frankfurt. Opernhaus.
Donnerstag den 29.: Nachmittags 3½ Uhr: Maz und Moritz. Hierauf: Kalif Storch. Ermäßigte Preise. Abends 7 Uhr: Carmen. Gewöhnltche Preise.
Freitag den 30. Nachmittags 3½ Uhr: Max und Moritz. Hterauf: Kalif Storch. Ermäßigte Preise. Abends: Geschlossen.
Samstag den 31.: Nachmittags 3½ Uhr: Max und Moritz. Hlerauf: Kalif Storch. Ermäßigte Preise. Abends 7 Uhr: Der Maskenball. Gewöhnliche Preise.
Sonntag den 1. Januar: Nachmittags 3½ Uhr: Max und Moritz. Hierauf: Kalif Storch. Ermäßigte Pr. Abends 7 Uhr: Linda von Chamounie. Hierauf: Coppeltia. Gewöhnliche Preise.
Schauspielhaus.
Donnerstag den 29.: Geschlossen.
Freitag den 30.: Der Dukatenprinz mit der Einlage: Mizekado. Anfang 7 Uhr. Große Preise.
Samstag den 31.: Zum ersten Male: Alt- Frankfurt. Lokal⸗Lustspiel in 3 Akten von Adolf Stoltze. An⸗ fang 7 Uhr. Große Preise.
Sonntag den 1. Jan.: Zum ersten Male: Ein Meteor. Lustspiel in 4 Aufzügen von Ludwig Fulda. Große Preise. Anfang 7 Uhr.
Es sei hier noch besonders darauf aufmerksam ge⸗ macht, daß während der Zeit der Nachmittags⸗Vorstel⸗ lungen im Opernhause die Abend⸗Aufführungen in beiden Theatern um 7 Uhr ihren Anfang nehmen.
Israelitischer Gottesdienst in Friedberg. Sabbathfeter vom 31. Dezember 1887.
Freitag Abends 3 Uhr 55 Min.
Samstag Morgens 8 Uhr 30 Min.
Samstag Nachmittags 3 Uhr 15 Min. Sabbathausgang 4 Uhr 50 Min. Wochengottesdienst von Sonntag den 1. Januar 1888 an Morgens 7 Uhr, Nachmittags 3/44 Uhr.
Beginn:
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Peter Dahm seinen Vater mit einem Revolver todt. Der Mörder ist verhaftet.
Basel, 19. Dee. In der thurgautschen Ortschaft Sulgen brach gestern ein furchtbarer Schneesturm aus, begleitet von heftigem Blitz und Donner. Der Blitz schlug in den 54 Meter hohen Kirchthurm, dessen mit Schindeln bedeckter Helm sofort in Brand gerteth. In kurzer Zeit war der Thurm abgebrannt. Die Kirche konnte im Uebrigen gerettet werden.
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