Ausgabe 
25.1.1887
 
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tigten Einführung von Monopolen richtet, er wiedert der Minister: Die Frage, ob die Mo nopolpläne heute aufgegeben seien, könne er mit ja beantworten, denn bei den verbündeten

Regierungen liege keinerlei Antrag vor; auf die Frage, ob die Sache definitiv aufgegeben sei, könne eine bestimmte Eutscheidung nicht erfolgen. Uebrigens bleibe er ein Freund der Monopole.

Ausland.

Oesterreich Ungarn. Wien. DieN Fr. Pr. versichert, daß die Verhandlungen zur Lösung der bulgarischen Frage fortdauern und zu günstigen Erwartungen berechtigen. Keines falls sei eine neue Verschärfung der Situation zu befürchten. In Sofia sei man zu Conces sionen an Rußland bereit. Die Diplomatie sei bemüht Rußland zu bestimmen, Bulgarien ge wisse Zusicherungen betreffs seines Candidaten zu machen.

Pest. Der Ministerpräsident Graf Taaffe fragte hier vertraulich an, ob die ungarische Regierung geneigt sei, auf der Grundlage eines Compromisses in der Zucker- und Spiritus steuer die Ausgleichsverhandlungen über den Petroleumzoll wieder aufzunehmen. Die hiesige Regierung hat bisher noch keine Antwort ertheilt.

Belgien. Brüssel, 22. Jan. Das Dekret betr. das Verbot der Pferdeausfuhr ist unmittel bar bevorstehend.

23. Jan. Straßenun ruhen Docksarbeiter.

Frankreich. Paris, 22. Jan. Im heu tigen Ministerrathe wurde beschlossen, auf das vom Finanzminister vorgelegte Budget zu ver zichten und den Budgetentwurf der Commission anzunehmen, wonach zur Bedeckung des Deficits sechsjährige Schatzbonds ausgegeben werden sollen. Die Budget- und Minister-Krise ist hierdurch gehoben.

22. Jan. Die LondonerMorning Post meint, wenn Frankreich wirklich friedliche Absichten habe, wie seine Leiter und seine Presse vorgeben, so könnte es Europa leicht den un verkennbaren Beweis hierfur geben. Friedliche Erklärungen allein hätten aber keinen praktischen Nutzen, wenn große Opfer gebracht würden, um ganze Armeecorps zu Versuchszwecken zu mobi lisiren, wenn jedes Arsenal, jede Fabrik Tag und Nacht an der Herstelluug von Repetirge wehren arbeite, wenn hölzerne Baracken an der deutschen Grenze gebaut, die Festungen mit Explosivgranaten versehen würden. Falls Frank reich aufrichtig den Frieden wünsche, sei es die erste Pflicht seiner Regierung, die Kriegsvorbe reitungen hinauszuschieben, welche nothwendig den Argwohn und das Mißtrauen jeder euro päischen Hauptstadt erwecken müßten. Das PariserJournal des Debats bezeichnet Boulanger als Gefahr für Staat und Republik. Ferry agitirt gegen Boulanger. In London eingetroffene Telegramme melden: Die Franzosen senden ansehnliche Artillerie-Verstärkungen nach der Ostgrenze; sechs Feldbatterien wurden per Eisen bahn von Rennes und Le Mans abgesandt

Großbritannien. London. Das Bureau Reuter meldet aus Rangun, die britische Armee in Birma solle im Monat März auf zehntausend Mann reducirt werden.

. 22. Jan. Stanley ist gestern nach Brindisi abgereist, um sich von dort nach San sibar zu begeben.

Gestern entstanden in Gent anläßlich des Streiks der

Italien Rom. Im nächsten Consistorium,

welches am 7. März stattfindet, werden die päpstlichen Nuntien in Wien, Madrid und Paris und Msgr. Masella zu Cardinälen ernannt wer den. Zwei andere Cardinalsernennungen sind außerdem wahrscheinlich. Der Papst nahm die Demission des Staatssecretärs Jacobini an, be ließ demselben aber als Zeichen seiner Zuneig ung und Hochschätzung die bisher innegehabten Wohnräume des Vatikans. Jacobini wird wahrscheinlich Präfekt des apostolischen Palastes werden. Gegenwärtig ist der Staatssecretärs posten durch einen Cardinal besetzt; nach dem

Consistorium dürfte die definitive Ernennung des Nuntius in Lissabon zum Staatssecretär erfolgen. Der Papst hat nach einer Privat depesche des Fr. J. die Zumuthung, Windthorst zu dessen 75. Geburtstag seinen apostolischen Segen zu ertheilen, abgelehnt.

Türkei. Constantinopel. Die Pforte be fürchtet auf Kreta fortgesetzt ernste Unruhen und hat deshalb Verstärkungen, bestehend aus 5 Batallionen Jufanterie und 4 Feldbatterien, die dem gegenwärtig in Macedonien stehenden Armeecorps entnommen sind, nach der Insel beordert. Die dortigen Militaͤrbehörden haben die Weisung erhalten, den Belagerungszustand zu proklamiren, falls die Unordnungen fort dauern sollten.

DiePol. Corr. meldet, in hiesigen unterrichteten Kreisen gelte die Bereitwilligkeit der bulgarischen Regentschaft zurückzutreten, als prinzipiell gesichert, vorausgesetzt, daß man in der Kandidatenfrage beruhigende Zusicherungen erhalte. Da Rußland sich für die Kandidatur des Fürsten von Mingrelien in keiner Weise officiell engagirt habe und die Pforte bereit zu sein scheine, ihr bekanntes, diese Kandidatur em pfehlendes Circular zurückzuziehen, so glaube man diese Schwierigkeit überwinden zu können, und scheine es, als seien die vertraulichen Unter handlungen der Mächte augenblicklich besonders hierauf gerichtet. Dem Bedenken Rußlands und der Türkei hinsichtlich der Sobranje wolle man in Sofia gleichfalls Rechnung tragen und einer aus allen Parteien zusammengesetzten Coalitionsregierung die Aufgabe zuweisen, durch Maßnahmen im Lande weitere Verhandlungen betreffs der Aufloͤsung der Sobranje und der Ausschreibung neuer Wähler vorzubereiten. Die türkischen Kreise hofften bestimmt, daß die bul garische Frage auf dieser Grundlage gelöst werde. Die hier verbreiteten Gerüchte, wonach man sich in Regierungskreisen in Sofia ernstlich mit einer Candidatur des Fürsten von Mon tenegro befaßte, sind unbegründet.

Serbien. Belgrad. Der offiziöseVidelo theilt mit, daß ein bulgarischer Hauptmann und ungarische Unterthanen serbischer Nationalität die Entfernung des Königs Milan planten. Auffallend sind in der Correspondenz die An griffe auf den Zaren und Rußland, sowie die Vorwürfe gegen die radicale und liberale Partei wegen der Mitbetheiligung an dem Hochverrath.

Rußland. Petersburg, 22. Jan. Die Alarmnachrichten über Frankreich begegnen nach dem Fr. J. in der russischen Presse einem ge wissen Mißtrauen. DenNowosti wird aus Paris telegraphirt, es seien das alles nur Wahlmanöver.

Aus Stadt and Land.

k. Friedberg, 21. Januar. Laut Meldung aus Melbourne ist ein neuer Komet von außerordentlicher Größe daselbst sichtbar geworden.

d. Frledberg, 23. Januar. Die auf heute an beraumte Versammlung der Vertrauensmänner der natlo nalltberalen Partei des Wahlkeeises Friedberg Büdingen nahm einen überaus glänzenden Verlauf. Der Saal des Hötel Trapp faßte nicht die aus allen Theilen des Wahlkreises Erschienenen, deren Zahl 600 überstieg. Rechtsanwalt Jöckel, der zum Vorsitzenten der Versamm lung erwählt wurde, theilte unter großem Jubel der Versammlung mit, daß Oberbürgermeister Dr. Miquel in Frankfurt a. M. die ihm angetragene Candidatur für unseren Wahlkreis angenommen habe. Nachdem Dr. Vogt (Butzbach) und Graf Oriola(Büdesheim) die Candldatur Miquel's in warmen patrlotischen Worten befürwortet hatten, erklärte die Versammlung sich einstümmig mit diesem Vorschlag einverstanden und wurde dieses Ergebniß dem Candidaten telegraphtsch mitgethellt. Nachdem Rechts anwalt Windecker in zündender Rede die gegenwärtige polltische Lage beleuchtet und die Vorwürfe der Gegner, die nationalliberale Partei sei Anhänger der Monopole, auf ihren lediglich agitatortschen Werth zurückgeführt hatte, schloß, nach Berathung verschiedener Organksatlons fragen, die von Begeisterung für die gute Sache getragene Versammlung mit donnerndem Hoch aufKalser und Reich.

Friedberg. Die Partel Windthorst und Richter weiß sich aus der Verlegenheit, in der sie sich dadurch befindet, daß ste die Militärvorlage, welche uns den Frteden bewahren und unser Vaterland sichern soll, ab gelehnt und dadurch den Kaiser und die Bundesregler ungen gezwungen hat, den Reichstag aufzulösen, nicht aaders zu helfen, als daß sie den letzteren und den Parteien, welche für die Milttärvorlage waren, Dinge

unterschlebt, die mit dieser gar nicht zusammenhängen. So sucht sie den Wählern einzureden, daß es auf das Tabaks und Branntweln-Monopol abgesehen set und die Nationalltberalen dabel mitzuwirken berelt seien. Solchen Verdächtigungen muß bel Zeiten entgegen getreten werden, damit die Wähler wissen, woran sie find. Wie grundlos jene Verdächtigung bezüglich der Natlonalliberalen ist, dafür möge dle Thatsache sprechen, daß Namens derselben am 21. d. Mts. bel der Berathung des Budgets im preußischen Abgeord⸗ netenhaus Professor Enneccerus Folgendes erklärte: Dabei muß ich mich auf's Energischste gegen die jetzt in der gegnerischen Presse auftauchenden Ideen des Tabak Monopols und des Branntwelin-Mono⸗ pols verwahren. Meine Partel und daß ohne dieselbe keine Majorität in dieser Beziehung möglich ist, werden Sie doch wohl glauben hat das Tabak s- Monopol und ebenso das Branntwelin⸗-Monopol elnstimmig abgelehnt. Das sind Thaten, die mehr als Worte sprechen und Ihr Wort wird nicht ge nügen, diese Thaten aus der Welt zu schaffen. Trotzdem aber wird diese Befürchtung des Tabaks- und des Branntwein Monopols gegen die natkonal-liberale Partei wieder in's Feld geführt. Die armen abgetriebenen Agitatlonsmethoden müssen doch wieder aus dem Stall heraus. Haben Sie denn kein anderes Agitatlonsmittel? Durch dieses Mittel werden Sie uns nicht einmal zur Entrüstung bringen, sondern nur unser Mitleid erregen.

Allerlei.

München. Noch niemals hat die hiesige Univer sität eine hoͤhere Zahl von Studenten gehabt als jetzt, Es befinden sich in diesem Semester hier 3176 Studenten. und zwar 855 Bayern und 1321 Nicht-Bayern. Von den Fakultäten ist die medizintsche die besuchteste, sie weist 112 Zuhörer, 506 Bayern und 615 Nicht Bayern, auf.

Leipzig. Mitten im Thüringer Bahnhof dahier wurde am Samstag Abend 11 Uhr ein vier Centner schwerer Bär erlegt. Das Thier war für den Leipziger Thierhändler Bode bestimmt und kam von Mainz in einem Gepäckwagen an. Telegraphisch war aber schon von Mainz aus gemeldet worden, daß der Bär sich aus seinem Bebälter freigemacht habe, im Gepäckwagen frei herumlaufe und sehr bösartig sei, sodaß er bei der An kunft in Leipzig unschädlich gemacht werden müsse. Bode war also mit der geladenen Büchse erschienen, um den theuren Petz der Noth zehorchend, nicht dem eignen Triebe vom Leben zum Tode zu bringen. Es wurde auf dem Güterwagen, in dessen Innern der ungeschlachte Fahrgast unterwegs eine Rolle Läuferteppiche zu seiner Unterhaltung zerzaust und zerfetzt hatte, eine kleine Spalte der Thür geöffnet und rohes Fleisch dahin gehalten. Als das von der Reise hungrige Thier schleunigst an der Spalte sichtbar wurde, drangen zwei wohlgezlelte Kugeln in seinen Kopf und dieser Bär brummt nie mehr!

Handel und Verkehr.

Friedberg, 22. Jan. Buttermarkt. Butter kostet⸗ per Pfd. M. 0.70 0.85, Eier 1 St. 8 Pf., 2 St. 17 Pf.

Gießen. Auf dem am 18. und 19. d. Mts dahler abgehaltenen Viehmarkte waren aufgetrieben: 1028 Stück Rindvieh und 18 Stück Schweine. Dle Preise bei Groß vieh hielten sich mit denen am letzten Markte so ziemlich gleich, Kälber bedeutend billiger. Nächster Markt Dienstag den 8. und Mittwoch den 9. Februar d. J.

Gießen, 22. Jan. Auf dem heutigen Markt kostete Zutter per Pfd. M. 0.75 0.80, Eler per St. 78 Pf., Käse per St. 58 Pf., Tauben per Paar M. 0.80.00, Hühner per St. M. 0.90 1.30, Hahnen per St. M. 1.30 bis 2.00, Enten per Stück M. 1.40 1.70, Gänse per Pfd. 5065 Pf., Ochsenfleisch per Pfd. 6264 Pf., Ruh und Rindfleisch 5156 Pf., Schweinefleisch 56 bis 60 Pf., Hammelfleisch 5066 Pf., Kalbfleisch 50 Pf., tartoffeln per 100 Kilo M. 4.004.50., Zwiebeln per Ctr. M. 5.00.

Frankfurt, 22. Jan. Wochenmarkt. Heu kostete 100 Kilo M. 56, Stroh M. 4.805.80. Butter 50 Kilo M. 70 75, im Detail 90 Pf. bis M. 1.20, Eier das Hundert M. 6 10, das Stück 8140 Pf. Zwiebeln der Ctr. M. 56, das Gescheid 20 Pf., Kar toffeln 100 Kilo M. 55.50, Weißkraut der Centner M. 4 4.50, das Stück 10 15 Pf., Rothkraut 15 bis 30 Pf., Blumeukohl 30 60 Pf., Rosenkohl 40 60 Pf., Romainsalat 15 20 Pf., Kopfsalat 15 Pf., franz. Bohnen 60 Pf., Spargel per Pfd. M. 3, Suppenspargel das Päckchen 5070 Pf., Mäusekartoffeln das Gescheid 25 Pf. 1 Hahn 70 Pf. bis M. 1.80, 1 Huhn M. 1 bis 2.50, Welsche M. 12, Gans das Pfd. 5070 Pf., Poularde M. 2.50 3.50, Taube 4060 5 M. 3.505, Haas M. 3.50. e

Repertoir⸗Entwurf

der bereinigten Stadt-Theater in Frankfurt. A Opernhaus. Dienstag den 25.: Zum erstenmale wiederholt: Die Perlen

fischer. Große Preise. 5 8 Mittwoch den 26.: Vorstellung bel ermäßigten Preisen: 0 i von Portiel. Außer Abona. 8 Donnerstag den 27.: Zu Mozart's Geburtgtag: Flgaro'

Hochzelt. Mittel-Preise. eee Freitag den 28.1: Geschlossen.

Samstag den 29. Czar u. Zimmermann. Kleine Preise. i 5 e 31 2 Uhr: Sneewittchen. Ermäßigte Preise. Abends 7 Uhr: Die iti

Mittel Preise. 7 0 le Favoritin. Schauspielhaus. Dienstag den 25.: Marta Stuart. Große Preise.

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