Ausgabe 
22.11.1887
 
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welcher überhaupt gleich manchen seiner Collegen mache, was ihm gut dünke und die vielbesprochene Disciplinlosigkeit der hoͤchsten russischen Amts- kreise praktisch illustrire.

Pest, 18 Nov. Gegen den Prinzen Ferdinand von Coburg ist ein Scandalprozeß im Anzuge. Der hiesige Agent Philipp Waldapfel reichte thatsächlich eine Klage gegen den Prinzen und den Grafen Eugen Zichy ein. Waldapfel er klärt, er sei im ordentlichen Auftrage mit Lebens gefahr acht Monate lang in geheimer Sendung im Interesse des Füsten thatig gewesen. Er habe hierfür blos 450 Napoleond'ors erhalten, was kaum seine Eigenkosten decke. Waldapfel fordert als Honorar für seine erfolgreichen Dienste 10,000 Gulden und verspricht dem Ge richtshofe alle erforderlichen schriftlichen Belege beibringen zu wollen.

Belgien. Brüssel. Hier sind Meldungen eingegangen, Stauley's am Aruwimi zurück gelassene Nachhut von 75 Mann sei von Arabern

angegriffen und werde hart bedrängt. Vom Congo ist Hilfe requirirt worden. Frankreich. Paris, 17. Nov. In der

Kammer wurde der Antrag auf gerichtliche Unter suchung der gegen Wilson angestellten Anklage eingebracht. Die Rechte nahm daraufhin ihren Antrag bezüglich einer Interpellation zurück. Die Deputirten wählten sofort eine Commission zur Verfolgung Wilsons. Bei der Wahl dieser Commission wurden ausschließlich Mitglieder ge wählt, welche für die Annahme des Antrags sind. 7 Das Entlassungsgesuch des

17. Nov. Justizministers Mazeau ist angenommen worden. Die Leitung des Justizministeriums hat einst weilen der Minister des Innern Fallieres über nommen. Der neue Polizeipräfect Bourgeois hat bereits Besitz von der Polizeipräfectur ge nommen. Er war Staatsrath im außerordent lichen Dienste und Director der Departements und Gemeinde- Angelegenheiten im Ministerium des Innern.

19. Nov. DasJournal des Debats meldet: Grevy erklärte, er habe die uner schütterliche Absicht, auf seinem Posten zu ver bleiben, um kein Präjudiz einer jerderzeit wider ruflichen Präsidentschaft zu schaffen. Der Minister⸗ präsident Rouvier erklärte in der Kammer, seine Demission zu nehmen, nachdem die Kammer die Vertagung der Beantwortung der Interpellation Clemenceau's bis 24. November, also über den Convertirungstermin hinaus verworfen hatte. Die Sitzung wurde hierauf unter großem Skandal geschlossen.

Spanien. Madrid. Aus Tanger wird dem Reuter'schen Bureau die Meldung, daß die Spanier von der Insel Perejil an der maurischen Küste Besitz ergriffen, iosoweit be stätigt, daß einige Personen sich anmaßten, die Insel zu besetzen und als spanisches Eigenthum zu proclamiren. Diese Personen besaßen indeß dazu keine Ermächtigung von der Madrider Regierung, und der spanische Gesandte in Marokko hat den maurischen Behörden erlaubt, das, was auf der Insel errichtet worden sein dürfte, zu zerstören und die Eindringlinge zu vertreiben.

Italien. Rom. DieAgence Havas meldet, das Italien offiziell seinen Beitritt zur Suezcanal⸗Convention erklärt habe.

Serbien. Belgrad. Die Königin Natalie soll auf Wunsch des Königs Milan, welcher die ganze königliche Familie in Belgrad versammelt sehen will, anfangs des nächsten Jahres aus Italien heimkehren. Das Project eines längeren Aufenthaltes der Königin und des Kronprinzen in Deutschland wurde aufgegeben.

Rumänien. Bukarest, 17. Nov. Der Kriegsminister hat seine Demission eingereicht. Ministerpräsident Bratianu übernimmt interi mistisch das Kriegsministerium.

Bulgarien. Sofia, 17. Nov. In der heutigen Sitzung der Sobranje stellte die Re gierungspartei an den Ministerpräsidenten die Anfrage, wie die Regierung gegen die früheren Minister, die Hochverräther vom 9. August,

vorzugehen gedenke. Stambuloff wird die An frage in dieser Woche beantworten.

Rußland. Dorpat. An der Universität ist die Einführung russischer Vorträge anstatt der deut⸗ schen für die Zoologie und Anatomie schon für das laufende Studienjahr angeordnet. Die orthodoxe Geistlichkeit in den Ostsee-Provinzen ist der bisherigen Gepflogenheit, im schriftlichen Ver kehr mit den protestantischen Geistlichen dem russischen Text die deutsche Uebersetzung beizu fügen, entbunden worden.

Amerika. New⸗Nork, 18. Nov. Most, der gestern wegen einer am Samstag gehaltenen aufrührerischen Rede verhaftet wurde, wurde heute dem Polizeirichter vorgeführt. Most er klaärte sich für nicht schuldig und wurde gegen Cautionsstellung freigelassen. Die Schlußver handlung gegen Most soll am 22. d. stattfinden.

Aus Stadt und Land.

Friedberg. Aus Cleveland(Nordamerika) wurde uns die erste Nummer der dort gegründetenHesstschen Blätter übersandt, deren Aufgabe es sein soll, das Band zwischen den Landsleuten der neuen und alten Heimath fester zu knüpfen, beziehungsweise die Interessen der Hessen jenseits des Oceans zu vertreten.

d. Friedberg. Wie wir aus sicherer Quelle er⸗ fahren, beabsichtigt der hiesige Volksbildungsverein auch in diesem Winter eine Reihe von öffentlichen Vorträgen zu veranstalten und soll demnächst der Anfang gemacht werden.

2 Friedberg. Es stehen den Bewohnern Friedbergs in nächster Zeit einige hohe geistige Genüsse in Aus sicht. Zunächst hat der in weiten Kreisen als Kunstkenner und Künstler rühmlich bekannte namhafte Gothiker Geheime Hofrath Professor Dr. Georg Schäfer von Darmstadt auf ergangene Aufforderung hin sich in liebenswürdigster Weise bereit erklärt, zum Besten des hiesigen Stadtkirchen bau⸗Vereins am 1. Dezember l. J. hier einen Vortrag

uberdie Haupt-Werke der Gothik am Rhein mit einem Seitenblick auf die Stadtkirche zu Friedberg zu halten. Wir

zwelfeln nicht, daß die Bewohner Friedbergs diesem ge rude für sie doppelt interessanten Vortrage des Redners das regste Interesse entgegenbringen und ein recht zahl⸗ reiches Erscheinen dabet als eine Ehrensache ansehen wer ven, zumal der Erlös des mäßigen Eintrittsgeldes für einen so guten Zweck bestimmt ist. Außer Professor Schäfer von Darmstadt beabsichtigt zu unserer Freude auch unser hoch verehrter Mitbürger Professor Dr. Schmid, dessen vor mehreren Jahren im hiesigen Volksbildungs Verein gehaltene Vorträge über Göthe noch in unserer besten Erinnerung stehen, uns abermals eine reife Frucht seiner Literaturstudten mitzutheilen, indem er einen auf fünf Abende vertheilten zusammenhängenden Cyelus von Vorträgen überDie Grethchen Tragödie aus dem Faust zu halten gedenkt. Der Erlös dieser letzteren Vorträge ist für verschledene wohlthätige Zwecke(Herberge zur Heimath, Arbeiter Colonie, Stadtkirchenbau Verein) be⸗ stimmt. Näheres über Ort und Zeit der Vorträge, Höhe des Eintrittsgeldes u. dgl. wird in Bälde mitgetheilt werden.

m. Friedberg. Der um 6 Uhr 2 Min, früh hier fällige Berliner Schnellzug ist erst um 10 Uhr eingetroffen. Die Verspätung wurde durch eine nunmehr beseitigte Be⸗ triebsstörung vor dem Bahnhof Marburg veranlaßt, in dem ein heute Nacht 3 Uhr von Cassel kommender Güͤter zug sich kurz vor Marburg trennte und die abgelösten Wagen mit aller Wucht auf die vorangegangenen stießen, in Folge dessen 2 Güterwagen entgleisten und 5 bis 6 andere Güterwagen starke Beschädigungen erlitten. Von dem Zugspersonal wurde Niemand verletzt.

Allerlei.

Frankfurt. Am 19. November endigten vor dem hiesigen Schwurgerichtshof die dreitägigen Verhandlungen gegen die Direktoren der Homburger Gewerbebank, die Kaufleute Friedrich Trenkner von Homburg, Philipp Schmehler von Honburg und Peter Bange von Trotta wegen betrügertschen Bankerotts, Untreue, Unterschlagung. Der Assisenhof erkannte gegen Trenkner auf eine Zucht hausstrafe von 5 Jahren und auf Aberkennung der Ehren rechte auf 10 Jahre, eine Geldstrafe von 600 M., event. für 15 M. je ein Tag mehr, gegen Schmehler auf eine Zuchthausstrafe von 5 Jahren und Verlust der Ehren recht auf 10 Jahre und eine Geldstrafe von 600 M., event. für 15 M. je 1 Tag. Beiden Angeklagten wer den 3 Monate Untersuchungshaft in Abzug gebracht. Bange erhtelt eine Zuchthausstrafe von 2 Jahren, zahlt 400 M. Geldstrafe und verfällt in Ehrverlust auf 10 Jahre.

Friedrichshafen, 19. Nov. Heute Nacht ist ein großer Brand ausgebrochen. Sseben Häuser sind nieder gebrannt und 14 Familien wurden dadurch obdachlos.

Mannheim, 17. Nov. Die Leiche des seit 16. v. Mts. vermißten hiesigen Prlivatmanns Mater Würzburger wurde heute im Neckar geländet. Da die Leiche alle Werthgegenstände bei sich trug und auch keine Verletzungen an derselben wahrzunehmen sind, ist ein Verbrechen wohl als ausgeschlossen zu betrachten.

Zug. Die Lage der Stadt ist neuerdings wieder eine sehr beunruhigende. In der Nähe des Regierungs- gebäudes hat man erhebliche Senkungen wahrgenommen, so daß die Archive aus demselben geräumt und an einen sicheren Ort gebracht werden mußten. Die Benutzung

der ausgebesserten Wohnungen ist von den Behörden neuer

N dings untersagt worden. Auch die an vielen Orten vor⸗

genommenen Bohrversuche haben, demSchwäb. Merkur

zufolge, durchaus kein beruhigendes Ergebniß gehabt.

Fast überall ist man in geringer Tiefe auf Schlamm und Morast gestoßen, selten auf festes Gestein, so daß weltere Senkungen und Rutschungen früher oder später zu be⸗ fürchten sind.

Dover, 20. Novbr. Vergangene Nacht um 11 Uhr fand ein Zusammenstoß zwischen dem DampferScholten von Rotterdam und einem unbekannten Dampfer statt, in Folge dessen der DampferScholten gesunken ist. 200 Personen sollen, wie verlautet, umgekommen sein. Genauere Feststellungen liegen noch nicht vor. 50 Per⸗ sonen wurden durch den DampferEdro gerettet und hier gelandet.

Newyork, 18. Rov. Nachrichten aus Memphls zufolge verbrannten dort 1320 Ballen Baumwolle, wo⸗ von ein großer Theil für die Ausfuhr bestimmt war. Der Verlust wird auf 750,000 Dollars geschätzt.

Verloosungen.

Ansbach-Gunzenhausen 7 fl.⸗Loose vom Jahre 1856. Ziehung am 15. November 1887. Ge⸗ zogene Serien: Nr. 2888 4094 352 1376 2765 856 1174 893 672 1288 2800 2595 4015 1487 1407 3962 1297 2265 3647 2277 8900 3148 1146 4592 2167 3085 1914 562 3286 204 521 1545 3926 1895 4246 2538 3779 2143 3 55 3761 4035 589 2427 3235 3029 4944 4573 3327 4896 4828 3663 1948 617 182 564 2093 2867 1442 1301 2926 2928 3662 2060 3486. Die Prämien-Ziehung findet am 15. Dezember statt.

Schwedifche 10 Thaler⸗Loose vom Jahre

1860. Ziehung am 1. November 1887. Außer den bereits mitgetheilten Hauptpreisen wurden noch folgende Gewinne gezogen: Nr. 77783 500 Thaler. Nr. 39285

72244 je 150 Thaler. Nr. 37003 74898 75108 1070900

230038 je 60 Thlr. Nr. 57211 115746 134518 167005 194634 201010 204895 je 35 Thlr. 48769 89812 94 190 130053 139354 172412 172594 175908 180267 184451 201547 206209 214751 225383 je 25 Thaler.

Finnländer 10 Thaler⸗Loose von 1868. Ziehung vom 1. November 1887. Heimzahlung am 1. Februar 1888. S. 1805 Nr. 16 à 10,000 Thaler. S. 5211 Nr. 15 à 1500 Thaler. S. 1426 Nr. 13, S., 28 ee S. 4015 Nr. 16, S. 4646 Nr. 12 18, S. 5852 Nr. 6, S. 8529 Nr. 11, S. 8713 Nr. 8 19, S. 9686 Nr. 4, S. 9728 Nr. 17, S. 10408 Nr. 16, S. 11283 Nr. 19, S. 11556 Nr. 14 à 200 Thlr. S. 863 Nr. 14, S. 883 Nr. 2, S. 2159 Nr. 18 19, S. 2866 Nr. 19, S. 3932 Nr. 17, S. 4646 Nr. 11, S. 5131 Nr. 18, S. 5382 Nr. 14, S. 7655 Nr. 20, S. 7867 Nr. 17, S. 11474 Nr. 4, S. 11556 Nr. 1, S. 11597 Nr. 1 8 150 Thlr. S. 235 Nr. 3 20, S. 1178 Nr. 9, S. 1675 Ne S. 2398 Nr. 19, S. 3419 Nr. 3, S. 3464 Nr. 14, S. 4503 Nr. 17, S. 4633 Nr. 3, S. 4952 Nr. 4, S. 5140 Nr. 15, S. 5529 Nr. 17, S. 6382 Nr. S. 6661 Nr. 10, S. 7960 Nr. 6, S. 8260 Nr. 3, S. 11556 Nr. 4, S. 11597 Nr. 12 à 100 Thlr. Auf alle übrigen in den am 1. August 1887 gezogenen Serien enthaltenen und hier nicht aufgeführten Nummern entfällt der geringste Gewinn von je 12 Thaler.

Handel und Verkehr.

Friedberg, 16. Nov. Buttermarkt. Butter kostete per Pfd. M. 0.90 1.00. Eier 1 St. 8, 2 St. 17 Pf.

Gießen, 19. Nov. Auf dem heutigen Markt kostete Butter per Pfd. M. 1.00 1.05., Eier per St. 7 Pf., Käse per St. 47 Pf., Tauben per Paar 4500 Pf., Hühner per St. M. 0.800.90, Hahnen per St. M. 0.50 bis 0.70, Enten per St. M. 1.40 1.70, Gänse per Pfd. 38 50 Pf., Ochsenfleisch per Pfd. 58 60 Pf., Kuh⸗ und Rindfleisch 4550 Pf., Schweinefleisch 54 bis 60 Pf., Hammelfleisch 4060 Pf., Kalbfleisch 4050 Pf., Kartoffeln per 100 Kilo M. 4.00 0.00, Weißkraut Stück 8-10 Pf., Zwiebeln per Ctr. M. 6.90- 7.00.

Frankfurt, 18. Nov. Heu- und Strohmarkt. Heu kostete 100 Kilo M. 6.40 7.50, Stroh M. 5. 6.80. Vietuallenmarkt. Butter 50 Kilo M. 90.95., Eler das Hundert M. 5.508. Kartoffeln pro 100 Kilo M. 3.60 bis 4., Mäusekartoffeln 50 Kilo M. 10., Weißkraut 50 Klo M. 3. 5., ganze Erbsen 100 Kilo M. 18. 22., ge⸗ schälte Erbsen M. 20.30., Linsen M. 28.45., weiße Bohnen M. 18.24., grüne Erbsen M. 15.18., Mohr⸗ rüben M. 6.8., Blumenkohl das Hundert M. 30.50., Kastanien der Ctr. M. 12. 14., Maronen M. 16. 20. Nüsse 100 Stück 60 Pf., Trauben per Ctr. M. 20. 40, Citronen 100 Stück M. 8.10., Orangen 100 Stück M. 10. 12. Der Gänsemarkt war sehr gut befahren, ca. 600 Stück waren am Markt. Das Pfund schöner Waare wurde mit 65 70 Pf. bezahlt.

Repertoir⸗Entwurf der vereinigten Stadt⸗Theater in Frankfurt. Opernhaus. Dienstag den 22.: Troubadour. Gewöhnliche Preise. Mittwoch den 23.: Geschlossen. Donnerstag den 24.: Der Prophet. Gewöhnl. Preise. Freitag den 25.: Geschlossen. Samstag den 26.: Norma. Gewöhnliche Preise. Sonntag den 27.: Der Wildschütz. Gewöhnliche Preise. Schauspielhaus.. Dienstag den 22.: Zum ersten Male: Der Dukatenprinz, Operette in 3 Akten von Bernhard Triebel, Text von Wilhelm Jacoby. Als Einlage: Der Mizikado, oder Ein Tag in Pitltu, burleske Opern⸗Parodie in 1 Akt von Otto Ewald. Musik von Dr. Beier. Gr. Pr.

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