Ausgabe 
22.9.1887
 
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Betreffend: Fourage Ankäufe Seitens des Königlichen Provsantamts Bockenheim.

Es wird andurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die Haferankaäͤufe bt daß der Hafer so viel als moglich direct von den Producenten gekauft werden soll. Ueber die Qualitätsansprüche und die je nach den Handelt Conjuncturen zu gewährenden Preise ist das Amt stets bereit, spezielle Auskunft mündlich oder schriftlich zu ertheilen, wenn demselben Seitenz

Bekanntmachung.

des Producenten bemusterte Offerten vorgelegt werden.

Friedberg den 20. September 1887.

Ich ersuche um Auskunft über den dermaligen Aufenthalt des Johann Erd von Rothenbergen.

Steckbrief. Der Dienstknecht Christlan Dörr von Flensungen, früher in Melbach, Dorheim und Frledberg sich aufhaltend, ist auf Grund richterlichen Haftbefehn

wegen Sachbeschädigung und Hausfriedensbruchs festzunehmen und in das Haftlocal zu Friedberg abzullefern.

Friedberg den 20. September 1887.

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Großherzogliches Kreisamt Friedberg. Dr. Braden.

Der Großherzogliche Amts anwalt.% Kolb..

Deutsches Reich.

Darmstadt, 18. Sept. Der Großherzog und der Füͤrst Alexander sind gestern von Rom⸗ rod in Schloß Eisenbach bei Baron von Riedesel eingetroffen. Nach der Tafel wurde die Fahrt über Lauterbach nach Schlitz angetreten, welches festlich geschmückt war. Der Großherzog wurde von der Bevölkerung empfangen, es war eine Ehrenpforte errichtet, eine Ansprache hielt Ober pfarrer Diefenbach, Bürgermeister Zinser brachte ein Hoch aus. Dann begaben sich die Herr schaften in das Schloß zu Graf und Gräfin von Görtz.

19. Sept. Der Großherzog ist heute früh mit dem Füͤrsten Alexander, sowie dem Grafen und der Gräfin von Görtz nach Salz schlirf gefahren, jenseits desselben zu Pferde gestiegen und nach Großenlüder geritten, um dort dem Manöver der Großh. Division, welche von Generalmajor von Wißmann geleitet wurde, beizuwohnen. Nach Schluß der Kritik sind die Herrschaften nach Schlitz zurückgefahren.

Berlin, 20. Sept. Der Kaiser hat der ungünstigen Witterung wegen die Fahrt nach Gransee zur Theilnahme an den Manövern des Gardecorps aufgegeben. Dr. Mackenzie wird in Toblach beim Kronprinzen erwartet. Der Kronprinz machte am Samstag in Toblach einen achtstündigen Ausflug nach Platzwiesen, von wo er, auf's Höchste befriedigt, Abends zurück kehrte; nach der Rückkehr brachte ihm die Tob lacher Kurkapelle im Nationalcostüm ein Ständ chen. Gestern unternahm der Kronprinz einen Ausflug nach Hehlenstein und Schluderbach. Der Kronprinz fühlt sich sehr wohl und dürfte bis Anfang October in Toblach bleiben. Das Wetter ist prachtvoll.

Die große Aufmerksamkeit, welche von Seiten höherer und höchster Kreise dem Prinzen Wilhelm gewidmet wird, hat im Allgemeinen wohl mehr falsche Vermuthungen erzeugt, als richtige Erklärungen gefunden. Besonders tritt als Deutung der ungewöhnlichen Interessennahme für den Prinzen Wilhelm die Befürchtung her vor, das Befinden des Kronprinzen könne weniger zufriedenstellend sein, als die offiziellen Berichte bekannt werden ließen. Diese Annahme ist jedoch erfreulicher Weise unbegründet. Selbstverständ lich ist, daß der Kronprinz noch längere Zeit sich schonen, eines anhaltenden und lauten Sprechens enthalten, rauhe Witterungsverhält nisse möglichst meiden muß, und daraus allein

schon erklärt sich das öftere Hervortreten des

Prinzen Wilhelm, da er zur Lösung von Auf gaben berufen wird, die sonst dem Kronprinzen zufallen würden. Thatsache ist allerdings, daß Prinz Wilhelm in militärischen Kreisen hoch verehrt wird, aber angenommen werden darf nicht, daß seine Stellvertretung des Kronprinzen hierzu Veranlassung gebe. Die Verehrung gründet sich vorzugsweise auf die wunderbare Fähigkeit des Prinzen Wilhelm, mit Leichtigkeit die schwierigsten Aufgaben auf dem Gebiete militärischer Opera tionen zu lösen. Von eingeweihten und zuver lässigen Personen wird versichert, der Prinz entwickele Feldherru-Talente, welche an den Geist des großen Friedrich erinnerten und jeden Militär mit Bewunderung, jeden deutschen Mann mit Stolz und Beruhigung erfüllen müßten.

München. Der Branntwein-Ausschuß hat die Vorlage mit 17 gegen 5 Stimmen ange⸗ nommen.

Metz, 20. Sept. DieLothringer Zeitung meldet: Der sechzehnjährige Sohn Schnebele's,

welcher am 14. September an einem Baume auf der Landstraße bei Cheminot ein aufrühre risches Plakat mit den französischen National- farben anheftete, wurde, als er gestern über die Grenze kam, verhaftet und heute in das Bezirks

gefängniß nach Metz gebracht.

Ausland.

Dänemark. Kopenhagen. Für die nächste parlamentarische Session werden Vorlagen be treffend Errichtung eines Freihafens und Besei tigung sämmtlicher Hafenabgaben in Kopenhagen in Aussicht gestellt.

Holland. Haag, 19. Sept. Der König eröffnete heute die Session der Kammern mit einer Thronrede, worin er der Bevölkerung für die ihm anläßlich seines Regierungsjubiläums bewiesene treue Anhänglichkeit dankt. Die Be ziehungen zu allen auswärtigen Maͤchten, erklärt die Thronrede, seien befriedigend. Die Vorlage, betreffend die Revision der Verfassung, werde den Kammern in zweiter Lesung vorgelegt werden; es sei zu hoffen, daß die Vorlage die gesetzliche Sanction erhalten werde. Bezüglich des Unter richts, sowie für die Landwirthschaft und die Schifffahrt würden Vorlagen eingebracht werden. Der Stand der Finanzen sei befriedigend; eine Erhöhung der schwebenden Schuld sei nicht er forderlich. Außerordentliche Steuern seien nicht nothwendig. Schließlich spricht der König seine Befriedigung über den Stand der Armee und der Marine in den Niederlanden und in den Kolonien aus.

Frankreich. Paris. Der äalteste Sohn des einstigenBürgerkönigs Louis Philipp, der Graf von Paris, hat ein Manifest an die Fran zosen erlassen, das viel Staub aufwirbelt. Der Graf stellt sich als freiheitlich gesinnter Mann hin, der die Volksrechte achten und streng par lamentarisch regieren würde. Er will Frankreich die ihm gebührende Stellung in Europa auf friedlichem Wege zurückgewinnen, die Armeelasten verringern ꝛc. ꝛc. Viel Erfolg verspricht er sich wohl selbst nicht davon.

Die Regierung wird wohl gezwungen sein, als Antwort auf das Manifest des Grafen von Paris mit neuen Maßregeln gegen die Prinzen Orleans und gegen deren Anhänger vorzugehen. Die republikanischen Organe kuͤn digen bereits an, daß eine Anzahl von Depu tirten entschlossen sind, sogleich nach dem Zu sammentritt der Kammer den Antrag einzu bringen, eine Resolution zu votiren, wodurch die Regierung aufgefordert wird, den Artikel 2 des Gesetzes vom 23. Juni 1886 zur Ausführung zu bringen. Der Artikel 1 dieses Gesetzes be stimmte die Verbannung vom französischen Ge biete des Grafen von Paris und seines ältesten Sohnes, des Herzogs von Orleans, sodann des Prinzen Jerome Napolean und seines ältesten Sohnes, des Prinzen Victor. Der Artikel 2 des Gesetzes, dessen Ausführung jetzt verlangt wird, lautet wie folgt:Die Regierung ist er maͤchtigt, den anderen Mitgliedern dieser Familien den Aufenthalt auf dem französischen Gebiete zu untersagen. Dieses Verbot wird durch ein Decret des Präsidenten der Republik erlassen.

General Boulanger hielt gelegentlich der Truppenübungen eine Ansprache an die Offiziere und empfahl dabei die Entwickelung der Offensiv Taktik; die Stunde der Abrüstung habe noch nicht geschlagen, es sei Thorheit, das zu glauben und ein Verbrechen, das zu sagen; es würde heißen, Frieden um jeden Preis sei das einzige

Ziel Frankreichs. Die Feinde wüßten, daß den nicht so sei; es gelte also weiter zu arbeiten für Frankreich.

Wie aus Marokko gemeldet wird, i der dortige französische Militärgesandte, Majo 10 Schmitt, von einer arabischen Räuberbande en en mordet worden. ö

Türkei. Konstantinopel, 17. Sept. Untet den verschiedenen vom Ministerrathe gefaßten Beschlüssen in Bezug auf die bulgarische Frag wurde auch ein Beschluß gefaßt, wonach di Pforte an England, Oestereich-Ungarn und Italien ein Rundschreiben absenden sollte. Nach dem der Sultan jedoch diesen Ministerrathsbe schluß ablehnte, versichert man, daß der Mi nisterrath einen neuerlichen Beschluß faßte, der er auch dem Sultan unterbreitete, wonach a sämmtliche Mächte ein Rundschreiben zu er! lassen wäre.

Bulgarien. Sofia. Der deutsch- bul⸗ garische Zwischenfall, welcher aus der Belei digung des deutschen Vize-Consuls Löper in Rustschuk entstand, ist, wie aus Berlin tele graphisch gemeldet wird, durch das entgegen kommende Eingreifen des Sultans erledigt worden, Die deutsche Regierung hat sich durch die von Bulgarien gewährte Genugthuung, die Absetzung des Präfekten Mantow von Rustschuk und die Unterdrückung des inkriminirten Blattes befrie digt erklärt. Consul Aichberger traf zur Füͤh rung des deutschen Consulats hier ein. Der griechische Consul wurde hier vom Fürsten in Audienz empfangen. Karawelow's Organ stellt sein Erscheinen ein.

Rußland. Petersburg, 20. Sept. Der* türkische Botschafter Schakir-Pascha begab sich J 1 zu einem vierzehntägigen Aufenthalt nach den Krim. Nekljudow, welcher als Vicegouverneur 1 von Nischnei-Nowgorod beim Ehrenbankett für Derouldde eine überaus deutschfeindliche Rede dug den gehalten, ist zum Wirklichen Staatsrath beför e, n dert worden.

Publik Aus Stadt und Lond. 45 f. Friedberg. Das laut Beschluß der Generalver- Noßt

sammlung des Taunuselubs Wetterau an den Gemeinde⸗

rath in Ockstadt erlassene Schreiben lautet wörtlich:Am

13. Februar 1884 richteten wir ein Schreiben an Groß

herzogliche Bürgermeisterei, in welchem wir um die Er⸗

laubniß baten, auf dem Steinkopf einen Aussichtsthurm 9 errichten zu dürfen. Zu unserem größten Bedauern wur⸗komt den wir leider durch geehrte Zuschrift vom 25. Februar

desselben Jahres abschläglich beschieden. In der ange⸗

nehmen Hoffnung, daß der wohllöbliche Gemelnderath

jetzt unser Projekt günstiger beurtheilen werde, nehmen

wir Abstand, eingehender auf die Gründe einzugehen,

welche damals für den ablehnenden Beschluß des wohl;

loͤblichen Gemeinderathes bestimmend waren. Wir er⸗

neuern hiermit die ergebene Bitte bezüglich der Ge nehmigung des Thurmbaues auf dem Steinkopfe und

gestatten uns hierbei ergebenst zu bemerken, daß fast in

allen Wäldern und Gebirgen Deutschlands an schön ge

legenen Punkten Aussichtsthürme errichtet wurden und

noch errichtet werden, die der Umgebung zur Zierde und

sowohl den Bewohnern als auch den Tourlsten durch den

Besuch derselben zum Genuß gereichen. Erfahrungsgemäß

haben bisher die Forstbehörden und Waldelgenthümer 00. überall bereitwilligst ihre Unterstützung geliehen, wenn es N el sich darum handelte, einen hohen Berg mit einem Thurm 0 80 Gen, zu krönen, die Wege dahin zu ebnen und mit Ruhebänken la xz zu versehen. Nirgends hat man hierin einen Eingriff in

ö, deger die Rechte der Egenthümer, oder eine Schädigung des n, Waldes oder der Jagd erblickt. Im Gegentheil wird es i verde gern gesehen und gutgeheißen, wenn Vereine, die sich king die Erhaltung und Pflege des Waldes und die Er⸗ 0 die

schließung von Naturschönheiten zur Aufgabe gestellt haben, aus freien Stücken die Forstbehörden in der Verhuͤtung von Waldfreveln unterstützen, was nicht am Wenigsten dadurch erreicht wird, daß man dem Strome der Wald besucher durch Wegeanlagen eine Richtung gibt, dem ver

mehrten Zuzuge durch die Erbauung eines Aussichts⸗ thurmes eln gewisses Ziel setzt und dadurch das planlose