Ausgabe 
22.2.1887
 
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Wie derPol. Corr. von hier ge⸗ meldet wird, greift die Befürchtung kriegerischer Verwickelungen im Koͤnigreiche Polen immer mehr um sich. Hierzu tragen nicht wenig ver schiedene Maßregeln der Behoͤrden bei, deren Zweck vorläufig noch nicht klargestellt ist. So entwickeln die letzteren gegenwärtig eine erhöhte Energie bei Handhabung der Vorschriften über Waffenpasse; desgleichen werden den Bewerb ungen um Waffenpaͤsse mannigfache Anstände entgegengestellt und auf das unbefugte Tragen von Waffen strengstens vigilirt. Die Bevölker ung unterstellt allen diesen Maßregeln die Ab sicht der Regierung, bei der Eventualität eines Krieges denjenigen Elementen, welche in diesem Falle vielleicht innere Unruhen zu provociren geneigt wären, die Mittel zur Ausführung der artiger Pläne zu benehmen.

Egypten. Kairo, 19. Febr. DieAgence

Havas meldet: Nach hier eingegangenen Be

richten begab sich der Negus von Abessynien nach Asmara, um sich mit Ras Alula zu vereinigen.

Amerika. Washingzton, 19. Febr. Der Congreß nahm die Bill, betreffend das Verbot der Vielweiberei unter den Mormonen, an. Der Socialdemokrat Most soll am 28. März freigelassen werden; er hat seine Geldstrafe von 500 Dollars bezahlt.

Australien. Melbourne. Von der Tonga Insel wird hierher gemeldet, daß im Zusammen hang mit dem jüngsten Angriff auf den Missionär Shirley Baker sechs Eingeborene zum Tode ver urtheilt wurden. Die wesleyanische Colonie richtete eine Bittschrift an den Konig zu Gunsten einer Begnadigung der Verurtheilten, aber er lehnte es ab, seine Entscheidung zu ändern.

Aus Stadt und Land.

J. Friedberg. Im Dezember vergangenen Jahres hat Gemeinderath Hirsch die hiesige Schlachthaus⸗ frage wieder im Gemeinderath angeregt und in seinem Antrage unter Anderem bemerkt: Es ist nicht nur die Errichtung eines Schlachthauses in unserer Stadt durch unsere städtischen Verhältnisse im Allgemeinen geboten, sondern auch in finanzieller und gesundheitlicher Hinsicht für unseren Platz von großer Bedeutung. Wenn es auch eitel Ueberhebung wäre, zu behaupten, daß unser Fried berg viel mehr denn eine Landstadt ist, so ist doch anderer seits ein schätzenswerther Aufschwung unserer Stadt in der neuesten Zeit nicht zu verkennen. Dank der gunstigen Lage der Stadt werden in nicht allzuferner Zeit eine oder zwei weitere Bahnen bier einmünden; wir erhalten ein neues Kreisamt und ein neues Postgebäude. Zwei große Vorzüge, die sonst nur eine bedeutende Stadt haben kann, vesitzen wir bereits: Wasserle tung und Gasanstalt. Beide sind Eigenthum der Stadt und gereichen, abge sehen von den durch unsere tüchtige Verwaltung, an deren Spitze unser energischer Bürgermeister, ermöglichten finanziellen Vortheilen der Bürgerschaft sowohl, wie allen gewerblichen Anlagen in jeder Hinsicht zu bohem Nutzen. Sollen wir nun des dritten Vorzuges entbehren? Wollen wir uns die Wohlthat eines öffentlichen Schlachthauses versogen, einer so nöthigen und vortheilhaften Einricht ung? Hirsch hat, namentlich als Mitglied der Finanz commisston, bei Prüfung der jährlichen Rechnungen mannigfachen Einblick in unsere sinanziellen Verbältnisse gehabt und er hat gefunden, daß leider die Einnahmen mit jedem Jahr in manchen Posten abnehmen, daß aber die Ausgaben in demselben Grade wachsen. Wir haben z. B. Verluste oder Mindereinnahmen erlitten bei der städtischen Wage, bei der Verpachtung von Grundstücken, bei Erlös der Grasnutzung, endlich bei der Schäfereil. Die erhöhten Ausgaben hingegen kommen einmal 1. durch die stets wachsenden Anforderungen für den Beitrag zur Kreiskasse, 2. durch die immer steigenden Bedürfnisse für die Armenpflege und Unterstützungen, 3. durch die be ständig sich mehrenden Unterhaltungskosten für Schule und Lehrer. Die Schulden unserer Stadt belaufen sich einschließlich des Gaswerks auf circa ½ Million, eine Summe, die für unsere Verhältnsse gerade nicht zu hoch ist. Da also unsere Lage demnach zwar nicht schlecht, aber auch nicht die beste ist, so müssen andere Einnahmequellen für den besagten Ausfall gefunden werden, und hierzu ist in erster Linie geeignet die Errichtung eines öffent lichen Schlachthauses. Daß es sich rentirt, steht außer Frage. Nach Hirsch's Vorschlag müßte mit seiner Er öffnung Octroi für von außen gebrachtes Hleisch einge führt werden, damit unsere einheimischen Metzger nicht benachthetligt werden. Ohnedies sind diese zum Theil

gegen das Projekt, freillch werden sie sich mit der Zeit doch mit ihm aussöhnen und seine Existenz als Wohl that anerkennen. Was die Geldfrage anbelangt, so kann dieselbe hier kaum mitsprechen. Einmal ist bei dem eben herrschenden billigen Zinsfuß Geld zu 4% willig zu haben und würden sich die Anlagekosten auf höchstens

30,000 M. belaufen. Die Stadtkasse aber würde eine reine Einnahme von mehreren Tausend Mark jährlich haben. Bezüglich des Platzes wird sich reden lassen; dieser Punkt eilt ja nicht. Aus dem Vorstehenden wird

sich wohl Jeder überzeugen können, daß Vieles in finanzieller Hinsicht Alles für die Errichtung eines Schlachthauses spricht. Hirsch hat, um der Sache näher zu treten, den Antrag gestellt, ein Gutachten von der Verwaltungs-, Polizel, Medlelnal- und Veterinärbehörde einzuholen. Hoffen wir, daß die Angelegenheit Ecfolg hat.

n. Friedberg.(Schluß des Artikels in Nr. 21.) Seinen zweiten Vortrag leitete Dr. Heid damit eln, daß er in wenigen Sätzen den Standpunkt bezeichnete, den man jetzt vor 100 Jahren in der Erkenntniß der elek⸗ trischen Kraft eingenommen, der im Wesentlichen mit dem zusammenfällt, was im ersten Vortrag zur Anschau ung gebracht worden war. Hierauf deutete derselbe anknuͤpfend an die Beobachtungen Galvant's an Frosch schenkeln in wenigen Strichen an, wie man durch die Untersuchungen Volta's ein neues Verfahren kennen lernte, Elektrieltät herzustellen und wie sich die auf diesem Wege gewonnene Elektrieltät in einigen wesent⸗ lichen Punkten von der bis dahin beobachteten Relbungs Elektrieltät unterscheide, weshalb sie auch einen beson deren Namen Strom-Elektrieität erhalten habe. Nun wurde an Versuchen nachgewiesen: Die von Volta zuerst hergestellte Berührungs-Elektrieität stellt einen oder besser gesagt zwei nach entgegengesetzter Richtung fließende Funkenströme dar; der elektrische Strom macht dünne Drähte glühend, kann daher zum Sprengen von Minen und zur Lichtquelle verwendet werden; durch Eintauchen eines Metalls in eine gesäuerte Flüssigkett entsteht schon ein elektrischer Strom; der elektrische Strom macht Elsen magnetisch; Schmiedeetsen bleibt nur so lange magnetisch, als es vom Strom umkreist wird, Elektromagnet; mittels der Elektromagnete kann der Strom mechanische Beweg ungen hervorrufen, die dann im Telegraphen, dem Wagner'schen Hammer, der elektrischen Schelle und in Rotationsmaschinen technisch verwendet werden können; der elektrische Strom ruft in einem geschlossenen, in seiner Nähe befindlichen Draht einen neuen Strom, den Inductlonsstrom, hervor, welcher sich namentlich auf die Nerven wirksam erweist, weshalb er vorzugsweise zu medleinischen Zwecken verwendet wird. Mit Hilfe dieses Stromes kann auch das Leuchten Geißler'scher Röhren gezeigt werden. Sodann betonte Redner die Wechsel wirkung zwischen Elektrieität und Magnetismus. So wie der elektrische Strom Eisen magnetisch macht, so ist auch jeder Magnet im Stande, in einem in seiner Nähe befindlichen Draht einen elektrischen Strom hervorzu rufen, es ist dies der magnet elektrische Strom. Nachdem nun ein solcher magnet elektrischer Strom, wie er ja auch im Bell'schen Telephon wirksam ist, in seiner Ein wirkung auf einen Multiplikator gezeigt worden war, lenkte Redner die Aufmerksamkeit der Zuhörer auf mehrere 2 größere und 2 kleinere im Saale aufgestellte Dynamomaschinen und zeigte, wie in diesen Maschinen die Wechselwirkung zwischen Magnetismus und Elektri cttät benützt ist, um durch Rotattonen eines Ringes in kurzer Zeit sehr starke elektrische Ströme hervorrufen zu können, die es ermöglichen, die bereits vorgeführten Wirkungen bedeutend stärker zu zeigen. Ein Eisendraht von 30 om wurde roth, stellenweise sogar weißglühend, bis er schließlich verbrannte. Um dieses Verbrennen zu verhindern, schließt man gewöhnlich dünne Platin drähte die Drähte in luftleer gemachte Glaskugeln Glühlichtlampen ein. Nun wurde eine solche Glüh lichtlampe gleichzeitig mit den Gaslampen zum Leuchten gebracht, wobei sich zeigte, daß das elektrtsche Licht eine größere Stärke und ein schönes Weiß besitzt, während Gaslicht mehr dem Gelb sich nähert. Nachdem hierauf der Saal dunkel gemacht worden war, wurde zuerst eine Anzahl Geißler'scher Röhren, dann ein durch glühende Kohle erzteugtes Bogenlicht, hierauf 5 und zuletzt 10 Glühlichtlampen zugleich vorgeführt, wobet sich Tages helle im Saale verbreitete. Hierauf wurde der Saal wieder mit seiner gewöhnlichen Beleuchtung versehen und nun lenkte der Vortragende nochmals die Aufmerksam keit auf die soeben gebrauchten Dynamomaschinen und zeigte, daß bei denselben eine Wechselwirkung zwischen elektrischem Strom und mechanischer Bewegung bestehe. Wird eine solche Maschine in Bewegung geseßzt, d. h. wird der Ring in Rotation gebracht, so entsteht der elektrische Strom; leitet man aber einen elektrtschen Strom in eine solche Maschine, so setzt sich die Maschine in Bewegung, d. h. der Ring fängt an zu rotiren. Durch 2 solcher Maschinen ist es daher möglich, den elektrischen Strom zur Arbeit zu verwenden und zwar kann die 2. Maschine an einem Orte stehen, der von der Kraftquelle weit entfernt ist Kraftübertragung. Es wurde hierauf eine Nähmaschine durch Elektrieität auf diese Weise in Gang gesetzt. Der Werth dtieser Kraftübertragung liegt vorzugsweise darin, daß es auf diese Welse möglich wird, die im bewegten Wasser und der bewegten Luft vorhandene Kraft in Elektrieität um zusetzen und sie dann an einem entfernten Orte arbeiten zu lassen. Da aber Wasser und namentlich Wind nicht nach unserem Belieben arbeiten, so kann es leicht ein treten, daß die Kraft zur rechten Zeit fehlt, während sie oft zu einer unpassenden Zeit vielleicht im Ueberfluß vorhanden ist. Man hat sich deshalb nach Mitteln und Wegen umgesehen, es möglich zu machen, diese Natur kräfte so aufzuspeichern, daß man sie nach Belieben, früher oder später, zum Arbeiten verwenden könne. Auch hierbei splelt die Elektriettät die Hauptrolle. Man setzt die Wind- oder Wasserkraft durch eine Dynamomaschine in einen elektrischen Strom um. Diesen Strom leltet man an 2 Bleiplatten die eine ist metallisch rein, die andere ist mit Mennige überzogen wobet eine schemtsche Zersetzung vor sich geht, ähnlich wie dies bei galvanischer Vergoldung geschleht. Hebt man den so geladenen Apparat

Aceumulator genannt einige Zeit auf, verbindet

dann die Enden der beiden Platten durch Drähte mlt einander, so strömt Elektrieität durch den Draht, während an den Platten nach und nach die früher bewirkte Zer⸗ setzung wieder aufgehoben wird, so daß dadurch der urspruͤngliche Strom gewissermaßen wieder frei wird. Redner zeigte einen solchen Apparat, der im Stande war, eine elektrische Schelle in Bewegung zu setzen. Wenn nun auch die Construetson dieser Accumulatoren noch sehr der Vervollkommnung bedarf, bevor sie zur technsschen Verwendung kommen können, so unterliegt es nach dem Schlußworte des Redners doch keinem Zweifel, daß man sowle das 19. Jahrhundert das Jahrhundert des Dampfes genannt wird mit Recht das 20. Jahr⸗ hundert das Jahrhundert der Elektrieitaͤt nennen wird. Zum Schlusse wollen wir nicht versäumen, was auch schon während des Vortrags ruͤhmend hervorgehoben

wurde, Interessenten darauf aufmerksam zu machen, daß

alle während der beiden Abende gebrauchten Apparate und Maschinen von Mechanikus Fuendeling dahler be⸗

zogen, und fast alle auch in seiner mechanischen Werk⸗ stätte hergestellt wurden. Wie immer bei den durch den Verein veranstalteten Vorträgen war der Saal über⸗ füllt und lohnte reicher Belfall den klar durchdachten Vortrag des beliebten Redners.

b. Heldenbergen. Letzten Donnerstag verstarb dahier in dem hohen Alter von 93 Jahren die Wittwe des ehemaligen Kurfürstl. Actuars Degen in Windecken,

eine auch in weiteren Kreisen bekannte ehrwürdige Frau. ö

Darmstadt. Bezuͤglich der Bestrebungen, zwlschen

bier und Sachsenhausen ein Netz von Dampfstraßen⸗

bahnen hergestellt zu sehen, erfährt man jetzt, daß die Erlaubnsß zur Vornahme von Vorarbeiten an ver⸗ schledene als Unternehmer aufgetretene Persönlichkeiten zugleich ertheilt worden ist. Nachdem schon vor einiger Zeit die Bank für Handel und Industrie die fragliche Erlaubniß für die Strecke Eppertshausen, Urberach, Langen erlangt hatte, ist ihr dieselbe jetzt auch für die Linte Arheilgen, Egelsbach, Langen, Sprendlingen, Neu⸗ Isenburg, Sachsenhausen ertheilt worden. Andererseits bat indessen auch der Bau-Unternehmer Commerzlenrath Arnoldi zu Mainz die Erlaubniß für die Linie Darm⸗ stadt, Arheilgen, Egelsbach, Langen, Sprendlingen, Neu⸗ Isenburg nach Sachsenhausen und die Firma Hostmann

und Comp. zu Hannover die Erlaubniß für die Line Sachsenhausen, Neu-Isenburg und Sprendlingen nach

Langen erhalten.

Biblis, 17. Febr. Ein grauenhaftes Ereigniß ist aus dem nahen Bobstadt zu berichten. Ein ungefähr 38jähriger Familienvater von 7 Kindern legte sich gestern Abend zu Bett, um heute Morgen von seinen Angehörigen todt verbrannt in noch gluͤbendem Bette gefunden zu werden. Eine noch geladene Flinte fand sich auf dem Boden. Die linke Brustseite des Mannes ist bis auf die Rippen verkohlt, die glühende Bettlohe griff un begreiflicher Weise nicht weiter um fich. Ueber der An⸗ gelegenheit schwebt noch ein geheimnißvolles Dunkel.

Jsraelitischer Gottesdienst in Friedberg. Donnerstag den 24. und Freitag den 25. Februar 1887 Neumond Adar.

Beginn:

Mittwoch Abends 4 Uhr 30 Min. Donnerstag Morgens 6 Uhr 45 Min. Donnerstag Nachmittags 4 Uhr 30 Win. Freitag Morgens 6 Ubr 45 Min.

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Nochmals wollen wir an dieser Stelle auf Wallenda's Wolfsbude auf der Freiheit aufmerksam machen. Gestern war der Besuch ein außerordentlich starker und fast nur feines Publikum. Die Wölfe sind lauter vortreffliche Exemplare der verschiedenen Abarten Isegrimms, welche uns hier vorgeführt werden und man muß wirklich er staunen, wie gehorsam die wilden Bestlen allen Winken der jungen Dame, welche sie gebändigt hat, Folge leisten. Neben den Wölfen beherbergt die Bude auch noch ein paar schöne Exemplare von Bären 708

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