Ausgabe 
21.4.1887
 
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Es ist aber andrerseits nicht zu verkennen, daß, wo es sich wle bier in erster Linie um die Beseitigung einer bestehenden Ungerechtigkeit handelt, eine solche Beseitigung, wenn auch in mangelhafter Form, immer noch besser ist, als die Fortdauer des be⸗ stehenden Zustandes, und es ist überdies auch der praktische Gesichtspunkt nicht außeracht zu lassen, daß die bei den füheren Verhandlungen allseitig zu Tag ge⸗ tretene Mißstimmung gegen schärfere Kontrollmaßregeln die Annahme einer auf solchen beruhenden Vorlage als gänzlich aussichtslos erscheinen läßt.

Jedenfalls baben dlekenigen, welche schon die in dem Gesetzentwurf bestimmte

volschriften enthalte.

viren wird.

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Aus diesen Gründen empfiehlt die Mehrheit des Ausschusses: auf die Berathung des vorliegenden Gesetzentwurfes einzugehen, indem sie bei den einzelnen Artikeln desselben ihre Abänderungsvorschläge vorbringen und motl⸗

Deutsches Reich. 3

Friedberg. Bekanntlich wurden die Kriegs gerüchte während der Wahlen seitens der den Nationalliberalen feindlichen Parteien lediglich als Wahlmanöver hingestellt. Wie sehr diese Kriegsgerüchte jedoch begründet waren zeigt fol⸗ gende Notiz: Einen ungefähren Begriff davon, wie bedeutend die in den Rahmen dermili tärischen Vorsichtsmaßregeln fallenden Trans⸗ porte waren, welche in der ersten Hälfte des Monats März auf der Kaiser-Ferdinands Nord⸗ bahn nach Galizien befördert wurden, gibt die Nachricht, daß die Fracht-Einnahme der genannten Eisenbahn in diesem Zeitraume ein Mehr von 130,000 fl. gegen das Vorjahr aufwies, als dessen Veranlassung in den amtlichen Einnahme⸗ Nachweisen lediglich jene Transporte für Rech nung des Staates angegeben werden.

Darmstadt. Die erste Kammer wird vor aussichtlich am 26. d. Mts. zu zwei Plenar sitzungen zusammentreten.

19. April. Die Kammer setzt heute die Bera⸗ thungen über das Feldbereinigungsgesetz fort. Zunächst gibt der Abg. Haas mündlichen Bericht über den in der letzten Sitzung zurückverwiesenen Art. 5 des Gesetzes (Abstimmungsmodus). Der Artikel wird in der Fassung der Ausschußanträge angenommen; ebenso der Antrag des Abg. Schröder, wonach mit Rücksicht auf die Be⸗ stimmungen des in Rheinhessen geltenden französischen Rechtes, die Ehefrauen bezügl. ihres eigenen Grundver⸗ mögens durch ihre Ehemänner nicht vertreten werden können. Art. 7a wird mit einem Zusatzantrag der Abgg. Hechler und Möhn genehmigt, desgleichen Art. 8(wo nach das Ministertum als höchstinstanzliche Behörde be stimmt wird, wobet die seiner Entschließung vorbehaltenen Fälle präcisirt sind) nach den Ausschußanträgen. Art. 9 der Regierungsvorlage wird abgelehnt, dagegen die vom Ausschuß vorgeschlagene Fassung einstimmig angenommen. Danach wird die Landescommission zur obern Leitung bestimmt. Diese besteht 1) aus einem Vorsitzenden, 2) aus drei ständigen Mitgliedern, 3) aus drei nicht stän⸗ digen Mitgliedern. Der Vorsitzende und die drei stén digen Mitglieder werden von großh. Regierung ernannt; von den drei nicht ständigen Mitgliedern wählt der Pro vinzialausschuß einer jeden Provinz auf die Dauer von sechs Jahren je ein Mitglied und einen Stellvertreter. Der Landes Commission wird das erforderliche technische Calculator- und Bureaupersonal beigegeben. Laut Art. 9a werden die Functionen der Commission näher bestimmt. Die Regierung hatte ins besondere die Ernennung der Consolidirungsgeometer durch die Regierung, statt durch die Commission selbst, beanstandet. Art. 10, der die ersten Aufgaben der Commission nach der Berufung der selben betrifft, wird nach den Ausschußanträgen ange nommen, wodurch Art. 11 überflüssig wird. Art. 12 bis 23 werden ohne wesentliche Aenderung, Art. 24(Ent⸗ schädigungsfrage; nach Ablehnung der Anträge Metz Darmstadt, Ellenberger und Jost, welche das Jagdrecht und dessen Verpachtung geregelt wissen wollen, angenommen.

Zurückgenommen wurde auf Nachsuchen die Ernennung der Fußgendarmen Herrmann zu Gernsheim zum Amtsgerichtsdiener in Herbstein, ernannt wurde der Fußgendarm Weyrich zu Lampertheim zum Amtsgerichtsdiener in Herbstein.

Mainz, 19. April. Heute Morgen wurde eine große Anzahl von Sozialdemokraten ver⸗ haftet. Die Verhafteten sind bis zur Verneh mung unter starker Bedeckung im Schwurge richtssaal untergebracht.

5 Berlin. Die Ausschüsse des Bundes raths sind in Berathung über die Branntweinsteuer Vorlage, welche alsganz geheim ihnen zuge gangen, eingetreten. Es ist die Ansicht ver⸗ breitet, daß parallel mit dieser Berathung wieder Verhaudlungen zwischen den Führern der na tionalen Parteien stattfinden werden, so daß die Vorlage womöglich aus der Berathung des Bun⸗ desraths in einer Gestalt hervorgeht, welcher die Annahme im Reichstag im Voraus gewiß ist. Unterrichtete Kreise nehmen an, daß schon im jetzigen Entwurf mindestens in einigen wich tigen Punkten auf die Wünsche aus der Mitte des Reichstages Rücksicht genommen ist. Frag⸗ lich scheint jedenfalls noch die Stellung der süd⸗ deutschen Regierungen, namentlich Baierns, wo ja die Verhältuisse wesentlich anders als insbe- sondere im Osten Preußens liegen.

19. April. Reichstag. Zur Berathung der Vor lage über die Verhängung des kleinen Belagerungszu standes über Stettin und Offenbach ergreift zuerst der Abgeordnete Sabor das Wort. Er hält die Maßregeln für nicht gerechtfertigt. Der Stettiner Tumult set die Folge des provokatorischen Auftretens der Polizei. Ueber Offenbach sei lediglich wegen Frankfurts der Belagerungs zustand verhängt worden. Der Reichstag erledigte als dann den Rechenschaftsbericht über die Verhängung des kleinen Belagerungszustandes über die Städte Stettin und Offenbach und lehnte den Antrag des Abgeordneten Singer wegen nochmaliger Vorlegung der in der vorigen Reichstagssession nicht berathenen Darlegungen über die auf Grund des Socialistengesetzes getroffenen Maßregeln gegen die Stimmen der Soelaldemokraten, der Deutsch Freisinnigen und einizer Centrums mitglieder ab. Staats sekretär v. Bötticher erkannte keine Verpflichtung zur noch maligen Vorlegung an und erklärte sich prinelpiell gegen den Antrag, welcher nur bezwecke, eine Gelegenheit zu soeialdemokratischer Propaganda zu geben.

Ausland.

Belgien. Brüssel.Etoile meldet, die Anwesenheit der Königin von Sachsen in Brüssel bezwecke ein Heirathsproject des belgischen Kron prinzen Balduin mit der Prinzessin Marie, Tochter des Prinzen Georg von Sachsen.

Spanien. Madrid, 17. April. In der Pro vinz Catalonien ist es jüngst zu erheblichen Streitig keiten zwischen katholischen, resp karlistischen Parteigängern und republikanischen Arbeitern ge kommen, welche seitens der Karlisten provocirt wurden. Zur Unterdrückung der Unruhen mußte Militär requirirt werden. Heute wurde eine mit Explosivstoff gefüllte Patrone mit brennen der Zuͤndschnur im Ministerium der öffentlichen Bauten aufgefunden. Ein Beamter schnitt die Zündschnur ab und verhinderte so eine Explosion.

Großbritannien. London, 18. April. Die irische Strafrechtsnovelle wurde ohne beson dere Abstimmung in zweiter Lesung angenommen,

Aus Stadt und Land.

tr. Friedberg. Vergangenen Samstag den 16. d. M. fand Abends 8 Uhr die zweite ordentliche General-Ver sammlung der hiesigen Ortskrankenkasse im Rathhaus saale statt. Zuerst wurde zur Abhörung der Rechnung des Geschäftsjahres 1886 geschritten, welcher wir Nach stehendes entnehmen: Im Januar des vorigen Jahres hatte unsere Kasse 325 männliche und 60 weibliche Mitglieder. Im Laufe des Jahres traten ein 508 männliche und 20 wetb liche Personen, ausschieden 483 männliche und 16 welb liche Personen, so daß wir im Dezember 1886 noch 350 männliche und 64 weibliche Mitglieder hatten; hiervon wohnten etwa 20 in Nieder- und Ober-Mörlen, sowie Bad⸗ Nauheim. Vereinnahmt wurden: an Beiträgen 3715 M. 46 Pf., an Rückständen 145 M. 51 Pf., an Eintrittsgeldern 73 M., an Zinsen 15 M. 76 Pf., an sonstigen Einnahmen 27 M. 35 Pf., zusammen 8977 M. 8 Pf.; der Kassenbestand am 31 Dezember war 308 M. 71 Pf., Effeeten(bestehend aus 2 Turnvereins-Actien à fl. 5.) waren vorhanden im Betrage von 17 M. 14 Pf., von dem Vorschuß und Credit-Verein hier entnahmen wir aus unserem Guthaben 1021 M. 30 Pf., Gut hatten wir Ende des Jahres daselbst 1180 M., was zusammen die Summe von 6504 M. 23 Pf. ausmacht. Veraus⸗ gabt wurden: für Krankengelder 1323 M. 59 Pf., für Sterbegelder 30 M., für Arzthonorare 817 M. 60 Pf., für Apothekerrechnung 641 M. 29 Pf., für Heilmittel 27 M. 80 Pf., für Zahlung an das Hospital 325 M. 60 Pf., für Gehalte 483 M. 31 Pf., für Drucksachen 9 M. 41 Pf., für sonstige Unkosten(Porti ꝛc.) 8 M. 1 Pf., für zurückbezahlte von dem Erheber zu viel be zahlte Gelder 4 M. 50 Pf., an den Vorschuß- und Credit⸗Verein wurden abgeführt 1510 M., zusammen 5211 M. 14 Pf., wonach am Ende dieses Jahres ein Guthaben von 1293 M. 9 Pf., zusammen 6504 M. 23 Pf. verblieb. Von dieser Summe sind nachstehende Forder ungen für das letzte Quartal 1886, die erst im Januar dieses Jahres bezahlt wurden, in Abzug zu bringen: Apothekerrechnung 106 M. 86 Pf., Arzthonorare 566 M. 70 Pf., diverse Gehalte 80 M., Hospitalvergütung 229 M. 20 Pf., Druckkosten 11 M. 79 Pf. Zusammen 991 M. 55 Pf., in Folge dessen der Reinüberschuß 298 M. 54 Pf. incl. der resttrenden Beträge von 3 M. 90 Pf. 302 M. 44 Pf. beträgt. Erkrankungen haben wir im Ganzen von 86 männl. 13 weibl. Mitgliedern zu ver zeichnen; Unfälle kamen 10 und zwar bei männl. Per⸗ sonen vor; hiervon wurden zusammen 33 Fälle im Hos pitale behandelt. Krankengelder wurden fur 1652 Tage bezahlt. Hiervon entfallen auf männl. Mitglieder 1338 Tage, auf welbl. 314. Die Betriebsunfälle nahmen die Entschädigung für 301 Tag in Anspruch. Nachdem

zur Vorstandswahl, die die Wiederwahl fast aller früheren Vorstandsmitglieder ergab.

W. Butzbach. Auf dem letzten Delegirtentagder hessischen Feuerwehren in Frankfurt a. M. wurde Butzbach dazu erwählt, in diesem Jahre dashesstsche Feuerwehrfest abzuhalten. Die freiwillige Feuer⸗ wehr nahm die Wahl als Ehrensache an und bestimmte das Fest für den 18. und 19. Juni. Vor 12 Jahren, am 18. und 19. Juli 1875 feierten die hessischen Feuer⸗ wehren in unseren Mauern ebenfalls ihr Fest und sind die schönen Stunden, welche die damals in großer Zahl eingerückten Wehren bei uns verlebt haben, gewiß noch manchem im Gedächtniß. In der seither vergangenen Zeit ist man von Seiten der Feuerwehr bestrebt gewesen, sich immer zu vervollkommnen und das zu erreichen, was eine Feuerwehr sein soll; man hat aber auch gelernt, derartige Feste praktischer und angenehmer zu gestalten. und so wird man diesesmal alles aufbieten, um die Tage des 18. und 19. Juni recht lange unseren Gästen. in angenehmer Erinnerung zu erhalten. Die Feuerwehr⸗ feste bieten zwar keine rauschenden Vergnügungen, das,

liegt nicht im Zwecke dieser Feste, vereinigt sich nicht

mit dem Ernst der Männer, die freiwillig die Hand

dazu bieten, oft mit Gefahr ihres Lebens dem Nächslen in großer Noth zur Wehr beizuspringen, nein diese Feste sollen mehr ein Austausch der Meinungen großer Massen 1

gleichgesinnter Männer sein, die über ihren Beruf sich aussprechen, Neues sehen und lernen wollen und dadurch frischen Eifer und Ausdauer für die Zukunft erhalten, Butzbach freut sich, die hessischen Feuerwehren weder begrüßen zu können und rüstet sich schon jetzt die Fest tage zu Ehren der Gäste zu recht schönen und würdigen zu machen.

Mainz, 18. April. In einem Tunnel der Hessischen Ludwigsbahn erfolgte gestern ein Achsenbruch bei einem Güterzug. Der dabei entstandene Schaden ist nur gering,

Allerlei.

München, 18. April. Justizminister Fäustle it gestern während des Nachtessens vom Schlag getroffen worden und war sofort todt.

Madrid, 18. April. Gegen Bazaine wurde heute von einem Franzosen, welcher, wie er sagte, das Vater land an dem Marschall rächen wollte, ein Attentatsversuch gemacht. Bazaine erhielt einen Dolchstoß am Kopf, doch scheint die Verwundung keine schwere zu sein.

Verloosungen.

Hessische Ludwigs-Eisenbahn-Gesellschaft,

4proc. Priorttäts⸗Obligationen von 1874. Ziehung vom 1. April. Heimzahlung am 1. Juni 1887. Nr. 240 335 764 856 985 1139 1154 1377 1603 1605 1606 1801 1817 1952 2086 2105 2288 2414 2556 2988 3212 3278 3321 3389 3841 3854 3951 4066 4153 4256 4337 4396 4413 4581 4596 4692 4693 4747 4851 4957 4969 5161 6274 6572 6643 6840 6845 6869 6944 7251 7471 7504 7578 8146 8425 8531 8552 8553 8554 8633 8724 8922 8923 9182 9209 9268 9342 9543 9560 10089 10148 10500 10558 10571 10682 10886 11199 11228 11250 11387 11469 11473 11588 11662 11677 11881 11839 12151 12290 12318 12320 12335 12337 12364 12378 12419 12430 12436 12535 12679 13075 13137 13191 13438 13471 13571 13575 13609 13610 13644 13902 13990 14059 14146 14295 14371 14420 14480 14580 14599 14672 14764 14779 14789 14883 14915 15185 15193 15293 15459 15479 15704 15784 15915 15917 15930 15953 15955 16207 16277 16322 16399 16487 16816 16817 16970 17093 17131 17467 17708 17756 18005 18020 18025 18101 18494 18643 18644 18850 18876 18969 à 600 M.

Freiburger 10 Frs.⸗Loose von 1879. Ge⸗ winn⸗Zilehung vom 15. März 1887. Heimzahlung am 15. Juli 1887. S. 56 Nr. 4, S. 1427 Nr. 9, S. 2144 Nr. 10, S. 3770 Nr. 2, S. 3772 Nr. 2, S. 7503 Nr. 13, S. 8100 Nr. 23, S. 9488 Nr. 9 10 114 2000 Frs. S. 731 Nr. 12 21, S. 755 Nr. l, S. 1450 Nr. 24, S. 1692 Nr. 10 12, S. 2833 Nr. 17, S. 3772 Nr. 17, S. 7503 Nr. 4 à 1000 Frs. Auf alle übrigen in den am 15. Februar 1887 gezogenen Serien: Nr. 56 731 755 1427 450 669 692 2074 144 546 833 3511 770 772 4459 603 5022 7503 851 8100 327 9174 488 538 806 10246 enthaltenen und hler nicht aufgeführten Nummern entfällt der geringste Ge⸗ winn von 13 Frs.

Oesterreschische fl. 250 von 1854. Gewinn; Ziehung vom 1. April 1887. Heimzahlung am 30. Juni 1887. S. 3123 Nr. 17 fl. 100,000. S. 778 Nr. 28 fl. 10,000. Auf alle übrigen in den am 3. Januar 1887 gezogenen Serien enthaltenen und hier nicht aufgeführten Nummern entfällt der geringste Ge⸗ winn von fl. 300.

Handel und Verkehr.

Friedberg, 19. April. Fruchtpr. Walzen M. 17.75 bis 18.00, Korn M. 13.50 14.00, Gerste M. 14.00 14.50, Hafer M. 11.00 11.50. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo= 200 Zollpfd.

Friedberg, 20. April. Buktermarkt. Butter kostete

dem Rechner Decharge ertheilt worden war, schritt man per Pfd. M. 0.95 1.00. Eier 1 St. 5 Pf.

9 A Deklarattonspflicht des Privaten und des Verkäufers, beziehungsweise Versenders ö 91 als einen lästigen Eingriff in die Verkehrsfretheit betrachten, kein Recht, Vorwirse 1 gegen die Vorlage daraus herzuleiten, daß dleselbe keine weitergehenden Kontroll ö

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