Ehrendienstes, die Flügeladjutanten ze. anwesend. Im Falle Kaiser Wilhelm, dem dringenden Wunsche Kaiser Alexander's folgend, nicht am Bahnhofe erscheint, macht derselbe dem Kaiser Alexan⸗ der im Palais der russischen Botschaft sofort nach Ankunft einen Besuch. In der Botschaft begrüßen ferner die anwesenden nichtpreußischen Prinzessinnen das kaiserliche Paar. Unmittelbar nach dem Besuch des Kaisers Wilhelm dürfte das russische Kaiserpaar in dem hiesigen kaiser— lichen Palais einen Besuch machen und später die hier anwesenden prinzlichen und fürstlichen Herrschaften ebenfalls besuchen. Um 1 Uhr wird das Dejeuner in der Botschaft eingenommen, um 5 Uhr findet ein Diner im kaiserlichen Palais statt, wozu etwa 90— 100 Einladungen ergangen sind. An Stelle der Gala-Oper, welche auf Wunsch des Kaisers Alexander unterbleibt, tritt wahrscheinlich ein Familienthee beim Kaiser. Die Abreise sollte Abends 11 Uhr vom Potsdamer Bahnhof stattfinden, doch sind hierin noch Aende— rungen möglich. Kaiser Wilhelm sprach den Wunsch aus, auch die jüngeren Kinder der kaiser— lichen Familie zu sehen, so daß dieselben wahr— scheinlich ebenfalls nach Berlin kommen. Bis⸗ marck ist„auf Befehl“ des Kaisers hier, womit angedeutet wird, daß seine Anwesenheit ebenfalls nur eine„Höflichkeit“ ist und mit der Politik nichts zu thun hat. Nicht zu guter Stunde kommt der Zar nach Berlin. Er trifft das Kaiserhaus in seinem Haupt und in seinem Sohn und Thronfolger schwer heimgesucht und die ganze Reichshauptstadt in trüber und gedrückter Stimmung. Und vou ihm selbst muß man da, wo man es wissen kann, auch nichts Gutes er— warten; denn die russischen Papiere haben plötz— lich einen tiefen Sturz gethan(Baisse nennt man es auf der Bönse), weil die Reichsbank kein Geld mehr auf russische Papiere leiht. Das kann, sagt man, nur auf sehr hohen Wink geschen sein.
Kiel. S. M Kreuzer„Möwe“, Comman— dant Eorvetten Capitän Boeters, ist am 13. No vember c. in Sansibar eingetroffen.
Ausland.
Oesterreich Ungarn. Wien. Großes
Aufsehen in der hiesigen Arbeiterschaft erregt die in Haschendorf erfolgte Verhaftung des als Anar— chisten bekannten Drechsler-Gehilfen Benedikt Stark. Derselbe soll mit den in der Schweiz lebenden Anarchisten eine rege Verbindung unter halten haben, und hatte sich in Haschendorf unter den dortigen Arbeitern einen Anhang erworben. Auch seine Frau ist in Anarchistenkreisen als eifrige„Genossin“ bekannt. Stark wurde ge— fesselt dem Kreisgerichte in Wiener-Neustadt übergeben. 17. Nov. Zu Beginn der heutigen Plenarsitzung der österreichischen Delegation ge— dachte der Präsident derselben, Graf Revertera, der Erkrankung des Kronprinzen des mit Oester— reich eng verbündeten deutschen Reiches, und gab der innigen Theilnahme und den Wünschen der Delegation fuͤr die Wiedergenesung des hohen Kranken warmen Ausdruck.
Pest, 16. Nov. In der heutigen Sitzung der ungarischen Delegation hielt der Präsident derselben, Tisza, folgende Ansprache:„Ich glaube dem Wunsche der Delegation zu be— geguen, indem ich der tiefgefühlten Theilnahme derselben über die besorgnißerregende Nachricht Ausdruck gebe, welche im„Deutschen Reichs— anzeiger“ leider in einer bereits jeden Zweifel ausschließenden Form über die ernste Gefähr— dung der Gesundheit des deutschen Kronprinzen vorliegt.“ Der Präsident drückte gleichzeitig die Hoffnung aus, die göttliche Vorsehung werde die traurigen Folgen des ernst auftretenden Uebels von der deutschen Kaiserfamilie und der deutschen Nation abwenden. Die Worte Tisza's fanden allgemeine Zustimmung.
Prag. Die Deutschen Prags haben aber— mals einen Sieg zu verzeichnen. Die Czechen versuchten das Handelsgremium, eine von Deut— schen gegründete Körperschaft in Prag, die be deutendes Vermögen besitzt und Inhaberin des
Handelsspitales ist, zu czechisiren. Diesmal ist der Versuch mißlungen, weil die Deutschen ein— müthige und kräftige Gegenwehr leisteten. Bei den Wahlen der Kaufmannschaft unterlagen die Czechen mit 75 gegen mehr als 400 Stimmen.
Dänemark. Kopenhagen, 17. Nov. Der Zar ist heute Nachmittag mit seiner Familie und der Prinzessin von Wales abgereist. Der König, der Kronprinz, die Minister und die Mitglieder des diplomatischen Corps waren bei der Abreise zugegen.
Holland. Haag, 16. Nov. Die Conven— tion betreffs des Handels und Ausschanks starker geistiger Getränke an Fischer in der Nordsee ist heute von Deutschland, England, Frankreich, Dänemark, Belgien und den Niederlanden unter— zeichnet worden.
Frankreich. Paris, 15. Nov. Bei dem gestrigen Verhöre vor dem Untersuchungs richter blieb Wilson bei der Behauptung, daß die frag— lichen Briefe 1884 geschrieben seien, während ein Sachverständiger erklärte, dieselben seien neuerdings geschrieben, und der Papierfabrikant bestätigte, das Papier, auf welchem die vorliegen— den Briefe geschrieben sind, sei erst 1885 her⸗ gestellt.— 17. November. Der Untersuch— ungsrichter vernahm gestern den Secretär Wil— son's, der nur ausweichende Antworten gab. Die Untersuchung soll nunmehr geschlossen und die Acten dem Staatsprocurator eingesandt werden. Dem„Journal des Debats“ zufolge dürfte der Procurator keine Entscheidung über dieselben treffen, vielmehr die erhaltenen Juformationen vor die Enquete-Commission bringen. Die Polizei verhaftete 3 Individuen, welche gestanden, Geld erhalten zu haben, um den Director des„XIX. Sidcle“ niederzuschlagen, welcher die Skandal— geschichten zuerst veröffentlichte.
Großbritannien. London, 17. Novbr. Die Delegirten des Londoner radicalen Clubs hielten gestern Abend eine Versammlung ab und beschlossen, bis zur legalen Entscheidung der Frage keinen weiteren Versuch zu machen, auf dem Tra— falgar-Square eine Versammlung abzuhalten, je— doch am naͤchsten Sonntag im Hydepark eine Kundgebung zu veranstalten, um gegen die Ein— sperrung O'Brien's zu protestiren.
Italien. Rom, 16. Nov Die Thron⸗ rede bei Eröffnung der Kammer besagt: Die Vermehrung der Ausgaben für militärische Zwecke und öffentliche Arbeiten veranlaßt die Einschrän— kung des Staatscredits bezüglich der neuen Eisen— bahnbauten. Wenn, wie der König vertraut, der Friede erhalten bleibt, werden außerordentliche Militärausgaben auf dem zukünftigen Budget nicht erscheinen. Alle Bestrebungen der Regie— rung seien auf die Erhaltung des unerläßlichen Friedens gerichtet und würden von den anderen Großstaaten getheilt.
Bulgarien. Sofia. Wenn der geplante Prozeß gegen Karavelow wegen Betheiligung an der Eutthronung des Fürsten Alexander statt— finden sollte, so darf man annehmen, daß der— selbe zu wichtigen Enthüllungen führt. Es ver— lautet nämlich aus guter Quelle, die bulgarische Regierung habe durch Vermittelung einer be— freundeten Macht Documente mit Bezug auf den Sturz des Fürsten Alexander empfangen, durch welche Rußland ernst compromittirt wird. — Zaukow dürfte mit 4000 Rubel Ruhegehalt in Moskau Aufenthalt nehmen.
Rußland. Petersburg. Die nusiischen Grenzwachen werden demnächst eine Verstärkung um 2600 Mann erfahren. Von zuverlässiger Seite will die„K. Zig.“ erfahren haben, daß auf dem Bahnhofe in Kiew seit mehreren Tagen Feldgeschütze nach der Grenze(Rowno und Win— niza) verladen werden. Ebendorthin sind auch 24 beladene Munitionskarren und 10 bepackte Bagagewagen der zwölften Artillerie-Brigade befoͤrdert worden. Ein größerer Transport Ge— wehre in Kisten ist auf 106 Wagen zur Bahn gehracht worden. Der Güterverkehr auf der Kiewer Bahn stockt in Folge dieser Maßnahmen, so daß dieselbe Getreidefrachten im Augenblick gar nicht annimmt.
.„ bal Amerika. NewYork. Die hiesigen Anar⸗ 40 g chisten hatten ein Local gemiethet, um in den
bc.
selben eine Trauerfeier zum Andenken an dle 1 2 in Chicago hingerichteten Gesinnungsgenossen zu ,n, halten. Die Polizei besetzte indeß das Local 1 und verhinderte die Abhaltung der Feier. Johann 0,6% Most hielt in einer in einem anderem Stadt⸗ 10 9% 00 theile abgehaltenen Versammlung von 300 Per— t! L geldtü!
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Rache zu nehmen an den Richtern und Ge⸗ schworenen, die an dem Anarchistenprozesse theil⸗ nahmen, ferner an dem Gouverneur von Illinois
sonen eine Ansprache, worin er darauf drang, und den Henkern. N g
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Aus Stadt und Land.
2 Friedberg. Nach Beschluß des Vorstandes soll“ die diesjährige Generalversammlung des hlesigen evang.
Stadtkirchenbauverelns am Dienstag den 29. November Abends 8 Uhr in dem gütigst zur Verfügung gestellten Rathhaussaale stattfinden. Recht zahlreicher Besuch der Vereinsmitglieder ist dringend zu wünschen, da, außer
der Rechnungsablage und Berichterstattung, noch einzelne 6
interessante Mittheilungen zu machen und einige sehr
wichtige Punkte zu berathen sein werden.* D. Rodheim v. d. H. Am vergangenen Sonntag wurde unsere freiwillige Feuerwehr zu einer größeren Pfarran Uebung zusammengerufen und waren zu derselben Ab- Got. geordnete der Friedberger Feuerwehr in Folge einer utaltugs l! Einladung erschlenen. Nachdem eine Musterung der 1 Mannschaften und Geräthe vorgenommen und letztere Got mit Ausnahme einer Spritze in gutem Zustande befunden damlags 911 worden waren, begannen die Uebungen mit einem Fuß⸗ bnds 5 Ubr: exereltlum und einer Schulübung an den Geräthen. Die An. Advt exacte Ausführung der Commandos sowie die stramme Haltung der Mannschaft bezeugten eine vortreffliche Schulung. Das Corps rückte alsdann wieder in seine biastag von! Quartiere ab und wurde nach einiger Zeit zu einem nntag Morge Sturmangriff allarmirt. Nach 21½ Minuten trafen die der bl. Con
Mannschaften mit ihren Geräthen in der als Brandstelle angenommenen, am äußersten Ostende gelegenen Hof— ratthe ein und in abermals 2½ Minuten war das Dach erstiegen, die Spritze in Thätigkeit, und die Rettungs- arbeiten in vollem Gange. Die Rodheimer Feuerwehr hat dadurch gezeigt, daß sie ihrer Aufgabe vollständig gewachsen ist, wie sich ja auch ihre Tüchtigkeit schon praktisch bewährt hat. In der hlerauf von dem Com⸗ mandeur der Friedberger Feuerwehr an das Corps ge— richteten Ansprache lobte dieser die Leistungen, den Eifer und die Opferwilligkeit der Mannschaft und wunschte, daß immer mehr junge Leute sich dieser gemeinnützigen Sache anschließen möchten, damit die Leistungsfähigkelt des Corps noch verstärkt würde. Nach elnigen Stunden gemüthlichen Zusammenseins schieden die Friedberger Ab: geordneten mit dem Bewußtseln, in Rodheim mit gleich gesinnten Kameraden einen schönen Tag verlebt zu haben.
Groß⸗Gerau, 14. Nov. Der des Mordes an dem
0 uhr: Hochn A ubi: Cbristen
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083 bei
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in Mainz geländeten Müller Flscher verdächtigte Müller— 1 meister— Schröpfer ist sein Name— ist in der Nacht 0— von Samstag auf Sonntag auf seiner Mühle bei Gins⸗ 18 heim von einem Gendarm aus Bischofsheim verhaftet, ee bei
und nach Darmstadt abgeliefert worden.
Offenbach. Ein Consortium hiesiger Industrieller beabsichtigt, die elektrische Beleuchtung in hlesiger Stadt einzuführen und bemüht sich gegenwärtig, hierfür die Coneession zu erwirken. 1
Allerlei. Limburg. Die auch von uns gebrachte Nachricht, daß der Gendarm Schäfer von hier von Wilderern er schossen worden sei, beruht vollständig auf Unwahrhelt.“ Stuttgart, 17. Nov. Ein großer Brand legte gestern dle städtische Lagerhalle vollständig in Asche. Großs Quantitäten Hopfen und Hafer sind verbrannt. 90 Straßburg, 17. Nov. Bischof Raeß ist heute im Alter von 93 Jahren gestorben. 80 Wien, 15. Nov. Hler eingetroffenen Nachrichten“ zufolge fand in Klagenfurt am Montag Abend ein vier Secunden anhaltendes Erdbeben in der Richtung von Ost nach West statt. Zur selben Zett wurde auch in Bleiburg eine heftige Erderschütterung mit Donnergetöse und in Saldenhofen zwei heftige Erdstoͤße verspürt. Auch in Graz fand ein Erdbeben statt und in ganz Kärnthen wurde am Montag Abend ein starkes Rollen verspürt.“ In Wolfsberg ereignete sich in der Nacht ein schwächerer Erdßoß. London, 16. Nov. Nach einer bel Lloyds einge gangenen Depesche ist der englische Dampfer„Wah- Ne ung“ auf dem Kantonflusse verbrannt. Man befürchtet, daß dabet vierhundert Personen ertrunken sind. Newyork, 15. Nov Gestern Abend brannten die
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in der Vanderbilt'schen Avenue gelegenen Ställe der a puch Brooklyn-Straßen-Eisenbahn ab. 150 Pferde kamen in öde 6 den Flammen um. Der Verlust wird auf Lstr. 200,000 ö geschätzt. e Kairo, 17. Nov. Baker Pascha ist heute in Telel⸗ f a Nuöß
kebir am Fieber gestorben.
Handel und Verkehr.
Butzbach, 12. Novbr. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfund M. 0.95—0.00. Käse per Pfd. 45—46 Pf., Eier 1 Stück 8 Pf. a
Frankfurt, 16. Nov. Butter das Pfund M. 1 bis 1.30., Eler das Stück 68 Pf.— Ganze Erbsen per 1 Pfd. 12— 16 Pf., geschälte Erbsen 14—18 Pf., Linsen 18 bis 28 Pf., weiße Bohnen 18—20 Pf. Fleischpreise. Ochsen⸗


