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Sonnabend unter dem Verdachte, gegen die Re— sidenz der Königin, Schloß Osborne, ein Attentat beabsichtigt zu haben, eine Französin verhaftet, welche Stoffe besaß, die man für Sprengstoffe hielt. Die Verhaftete ist von Havre nach Eng— land gekommen und will eine Pariser Putz— macherin Namens Dupoint sein. Bei der Unter suchung stellten sich die Stoffe als gefahrlos heraus. Bulgarien. Tirnowa, 15. Aug. Nach dem Tedeum fand gestern die feierliche Eides— leistung des Prinzen von Coburg statt. Die Feier schloß mit einem Hoch des Prinzen auf die bulgarische Nation unter enthustastischen Kund— gebungen der Sobranje und der Bevölkerung. — 16. Aug. Fürst Ferdinand erließ gestern an die Sobranje eine Proclamation. Die „Nordd. Allg. Ztg.“ schreibt schon heute dazu folgendes:„Nach den aus Tirnowa hier ein⸗ gegangenen telegraphischen Nachrichten hat der Prinz Ferdinand von Coburg am 14. d. M. den Eid auf die Verfassung geleistet und dem— nächst eine Proclamation an das bulgarische Volk erlassen, in der er sich„von Gottes Gnaden“ nennt und zu seinem„freien Volke“ spricht und anzeigt, daß er„den Thron der hochberühmten bulgarischen Zaren“ bestiegen habe. Die Pro— clamation schließt mit den Worten:„Es lebe das freie und unabhängige Bulgarien!“ Der Mächte und des Sultans geschieht in jener Kundgebung keine Erwähnung, und der ganze Zusammenhang derselben erweckt den Anschein, als ob ihr die Bedeutung einer Unabhängigkeits— erklärung Bulgariens beigemessen werden solle. Es unterliegt keinem Zweifel, daß schon die Reise des Prinzen Ferdinand von Coburg nach Bulgarien und die Uebernahme der Regierung durch ihn eine Verletzung des Art. 3 des Ber— liner Vertrages involvirte, wonach die Wahl des Fürsten erst nach erfolgter Bestätigung des— selben seitens der Pforte und der Mächte perfect wird. Sollten obige telegraphische Nachrichten sich in ihrem ganzen Umfange bestätigen, so würde damit ein verstärkter Bruch des be— stehenden Vertragsrechts constatirt sein, den die deutsche Politik nicht gutheißen könnte. Die Thatsache, daß dies der dritte Sommer ist, in dem rechtswidrige Vorgänge in Bulgarien die Ruhe und die Friedensaussichten, deren Be— festigung allen Großmächten am Herzen liegt, in Frage stellen, kann dem bulgarischen Volke und seinen Führern die Sympathien der Mächte, welche für die Erhaltung des Friedens thätig sind, unmöglich erwerben.“ Die Redaction des „Fr. Journ.“ macht hiezu folgende Bemerkung: „Diese prompte Erläuterung der„Nordd. Allg. Ztg.“ zu den jüngsten Kundgebungen des Prinzen Ferdinand kann nicht verfehlen, großes Aufsehen zu erregen. Der hier vertretene Standpunkt entspricht indeß so sehr dem taktischen und vertragsgerechten Verhalten unseres leitenden Staatsmanns in Bezug auf alle bulgarischen Bewegungen, daß sich an dieses Hervortreten die Erwartung knüpfen läßt, das Abenteuer des Ebenthalers werde nun sehr rasch zu Ende sein. Was nach seinem Verschwinden zurück— bleiben muß, ist allerdings eine solche Auf— stachelung aller Leidenschaftlichkeit in Bulgarien, daß man schon heute fragen darf, in wessen Dienst das Abenteuer überhaupt unternommen wurde, da es, wie sich zeigt, lediglich diese Auf— stachelung zum Endzweck hatte. Wie erinnerlich, ist von Berlin aus wiederholt auf die Verbin— dung des Ebenthaler Prinzen mit den Orleans hingewiesen worden.“ Heute Vormittag wurde in Tirnowa ein Tedeum abgehalten, welchem Prinz Ferdinand und die Mitglieder der So— branje beiwohnten. Darauf wurde die Tagung der Sobranje geschlossen. Der Prinz sprach folgende Worte:„Ich danke Ihnen für Ihre patriotischen Bemühungen für die unversehrte Erhaltung der Kräfte des Landes. Indem ich die Zügel der Regierung in die Hand nehme, erkläre ich die Session der Nationalversammlung für geschlossen.“ Ein neues Ministerium hat der Prinz noch nicht gebildet, dürfte ein solches auch vor seiner Ankunft in Sofia nicht bilden.
Rußland. Petersburg. Das Auslaͤnder— gesetz, welches die Ausweisung oder Naturalisi— rung der bei Handelsunternehmungen beschaͤftigten Ausländer verfügt hat, ist aufgehoben worden.
Aus Stadt und Land.
b. Frledberg. Die Ernte ist über Erwarten gut ausgefallen; nur hat uns die anhaltende Dürre großen Futtermangel gebracht in wird in Folge dessen viel Vleh von unserem Bauern billig verkauft. Daß aber, was unter diesen Umständen doch wohl natürlich wäre, Bäcker und Metzger mit den Preisen abschlagen wollten, davon ist noch nichts zu spüren. Wir lesen in anderen Blättern über denselben Gegenstand: Wiesbaden: Unsere Bäcker haben das menschliche Rühren empfunden, angesichts der gut ausgefallenen Ernte den Preis eines Laib Brodes (2 Kilo) um 3 Pf. zu ermäßigen. Für die Minder⸗ bemittelken ist dies elne kleine Erleichterung gegen die durch die anhaltend trockene Witterung gesteigerten Preise für Gemüse, Kartoffeln u. s. w.; Nassau: In Folge der großen Dürre ist der Futtermangel in hiesiger Gegend sehr groß und die Landleute sehen sich veranlaßt, ihr Rindvleh abzuschlachten oder um Spotkpreise zu ver⸗ kaufen. Das Rindfleisch wird daher zu 40 Pf. verkauft, Aus dem nahen Singhofen wird dasselbe für 35 Pf. feilgeboten. Die königl. Oberförsteret hat durch öffent— liche Bekanntmachung den Viehhaltern gestattet, sich in den Stadtwaldungen Futter zu holen; Coblenz: Mehrere Metzger kündigen an, daß sie die Fleischpreise herabsetzen, da in Folge Futtermangels die Vlehpreise herabgegangen seien; aus der Eifel wird berichtet, daß in einzelnen dortigen Gegenden die Landleute, welche in Folge Futtermangels Vieh, namentlich Schweine, ver⸗ kaufen wollen, nicht verkaufen können, da sie selbst zu niedrigen Preisen keine Abnehmer finden.
r. Bad⸗Nauheilm. Vom hlesigen Teiche sind sechs Schwanen entflogen und noch nicht zurückgekebrt oder zurückgebracht worden. Dem Pachter des Teiches ent⸗ steht dadurch ein empfindlicher Verlust und wäre dem— selben zu wünschen, daß die Thiere sich wieder einfänden.
Rimbach, 13. Aug. Ein Brand in dem benach- barten Mörlenbach hat etliche 20 Gebäulichkelten(Wohn— häuser, Scheuern, Stallungen) in Schutt und Asche ge— legt. Die seit Monaten anhaltende Dürre leistete der Ausbreitung des Feuers bedeutenden Vorschub.
Allerlei.
Zürich, 15. Aug. Der Fabrikant Sulzer, ein ge⸗ übter Bergsteiger, strauchelte am Sanetschpaß und stürzte in den Abgrund, wobei er den Tod fand. Der Unfall ereignete sich vor den Augen seines Begleiters, des Pro— fessors Ritter vom hiesigen Polytechnikum. Aus Mayen— feld(Graubünden) wird gemeldet, daß heute auf dem Falknis drei Personen durch Abstürzen den Tod gefunden haben. Alle diese Unfälle sind stets darauf zurückzu— führen, daß die betr. Personen die Touren ohne Fuhrer machten.
Cölleda. Die Geschichte von dem schrecklichen Erd— rutsch, welcher einen Erntewagen mit Mann und Roß verschlungen haben sollte, stellt sich als eine Erfindung heraus.
Konstantinopel, 15. Aug. Gestern Abend brann— ten in Skutari etwa 1200 zum größten Theil aus Holz erbaute Häuser nieder. Auch die griechische und armenische Kirche wurden ein Raub der Flammen, ein Verlust an Menschenleben ist nicht zu beklagen.
Paris, 13. Aug. Der„K. Ztg.“ zufolge ist in den in der Nähe von Arcachon gelegenen Fichtenwäldern vor drei Tagen eine Feuers brunst ausgebrochen, die heute noch fortdauert. 1500 Männer sind mit dem Löschen beschäftigt. Der Schaden ist unberechenbar. 2000 Hektar Wald sind bis jetzt vernichtet.
London. Aerztlichen Berichten zufolge sind in den Nordwestprovinzen Indiens im Juni und Jult 70000 Personen an der Cholera gestorben, also 1 pCt. der Einwohner.
Post und Telegraphie in Deutschland.
Aus dem statistischen Bericht der deutschen Reichspost- und Telegraphen-Verwaltung im Jahre 1885, welcher kuͤrzlich erschienen ist, geben wir eine Zusammenstellung der haupt— sächlichsten Zahlen, welche gestatten, uns ein Bild von der Leistung der Post und Telegraphie in Deutschland im Jahre 1885 zu machen. Bei dem rastlosen Weiterstreben auf diesem Verkehrs gebiete ist es selbstverständlich, daß dieser Jahresbericht auch wieder eine erheb— liche Steigerung der Postanstalten aufweist, und zwar haben sich die Letzteren um fast 2000 vermehrt, so daß sie die Zahl von 15,385 erreicht haben. Doch entfällt diese Vermehrung zu vier Fuͤnfteln auf eine Vermehrung der seit 1881 eingeführten Posthilfsstellen. Die Zahl der— selben hat nunmehr 6075 erreicht. Die übrige Vermehrung betrifft vorzugsweise die Zahl der Postagenturen(jetzt 5047). Das dem Staats— secretaͤr v. Stephan untergebene Beamtenheer ist im Jahre 1885 wiederum um nahezu 4000 Köpfe, von 77,980 auf 81,720 ange—
wachsen. Es sind mehr angestellt 1265 Beam und 2496 Unterbeamte.
Die Gesammtstückzahl der durch die Po beförderten Sendungen ist gegen das Vorfaht
Zahl der Briese hat um 5 pCt., die Zahl
der Postkarten um etwa 8 pCt. zugenommen 426 Million Zeitungsnummern wurden durch n de
die Post befördert, das ist etwa 11 Million
oder etwa 3 pCt. mehr als im Vorjahr. Der durch die Post vermittelte Geldverkeht
von 1716 auf 1811 Million gestiegen, darunteß 736 Million Briefe, 231 Million Postkarten, 220 Million Drucksachen, 18 Million Waaren⸗
proben, 56 Million Postauweisungen. 0 1 .
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belief sich 1885 auf 15,650 Midion Mar
gegen 15,543 Milliou Mark im Vorjahr. Det
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Postanweisungsverkehr vermittelte 3335 Million Indes ist in diesem Baarsendungs ver
Mark. kehr auch der durch Packete mit Werthangabe
vermittelte Verkehr im Werthe von 3585 Mill. Mark enthalten, während Werthsendungen im Werthe von 8271 Million Mark durch Briese mit Werthangabe vermittelt wurden. In Wirk lichkeit wird die letztere Vermittlung wohl be deutend größer sein, da zu Vermeidung der hohen Versicherungs gebühren vielfach niedrigere Beträge deklarirt werden, als in den Briefen
enthalten sind.
Die Zahl der Packete ohne Werthangabe
betrug 82 Million gegen 78 Million im Vor— jahr und das Gewicht dieser Packete ohne
Werthangabe betrug 342 Million Kilogramm
gegen 321 Million Kilogramm im Vorjahr, Von den innerhalb des deutschen Reichspost— gebietes beförderten Packeten waren 79 pCt. im Gewicht nicht über 5 Kilogramm und 96 pCt. im Gewicht nicht uber 10 Kilogramm.
Im Telegraphenbetriebe ist die Länge der Linien von 68,387 auf 71,618 Kilom. ge⸗ wachsen, das ist eine Vermehrung um 4,72 pCt. Die Vermehrung der Drähte beträgt dagegen nur 3,49 pCt. Die Zahl der Telegraphen— anstalten, 11,756 gegen 10,865 im Vorjahre, hat sich um 8,2 pCt. vermehrt. Die Zahl der Telegraphenanstalten mit Fernsprechbetrieb hat sich von 2582 im Jahre 1884 auf 3170 vermehrt. Die Zahl der aufgegebenen Tele— gramme beträgt 17,484,417 gegen 17,223,501
im Vorjahre. Durchschnittlich enthielt das Telegramm nur 11,65 Worte gegen 11,74 im Vorjahre.
Die Gesammt-Einnahme der Post- und
Telegraphen-Verwaltung hat 172,242,249 M. betragen gegen 166,207,128 M. im Vorjahre. Der Ueberschuß betrug dagegen nur 26,041,217 gegen 26,643,290 M. im Vorjahre. Von dem Ueberschuß geben noch ab die einmaligen Aus— gaben für Postbauten mit 4,538,831 M.
Handel und Verkehr.
Postsendungen ins Mannöver. Bei dem Herannahen der militärischen Herbstübungen durften dit Angehörigen von Militärpersonen darauf aufmerksam zu machen sein, wie alljährlich in vielen Fällen die Bestel⸗ lung der Mannöverpostsendungen erschwert und verzögert wird. Zum Nutzen der Absender wie der Empfänger
wird darauf aufmerksam gemacht, daß zur genauen Auf.
schrift gehört: Familtenname(möglichst auch Vorname), Dienstgrad und Truppentheil(Regiment, Bataillon und Compagnie, oder Regiment und Eskadron, oder Regt ment, Abtheilung und Batterie) und der gewöhnliche Garnisonsort mit dem Zusatze:„oder nachsenden.“ Di Angabe eines Marschquartiers empfiehlt sich in der Regel nicht. Zweckmäßig ist es, den Absender auf der Ruͤck— seite anzugeben.
Friedberg, 16. Aug. Fruchtpr. Waizen M. 16 bis 16.25., Korn M. 13.00., Gerste M. 14.00., Hafer M. 12— 12.50. Alle Preise verstehen sich auf 100 Klle 200 Zollpfd.
Friedberg, 17. August. Buttermarkt. Butter kostett per Pfd. M. 1.05— 1.25. Eier 1 St. 6 Pf.
Homburg, 16. August. Marktpreise. Kartoffeln pet Malter M. 10.—12., per Gescheid 15 18 Pf, Eier pet Stück 6 und 7 Pf., Butter per Pfd. 1. Qual. M. 1.30, 2. Qual. M. 1.20.
Grünberg, 13. August. Fruchtpr. Weizen M. 16.80, Korn M. 13.00, Gerste M. 12.00, Hafer M. 12.40, Samen M. 22.20.
Gießen, 16. August. Auf dem heutigen Markt kostel Butter per Pfund 0.95— 1.00, Eier 2 Stück 11 Pf. Käse per Stück 4—8 Pf., Tauben per Paar 50-60 Pf., Hühner per Stück M. 0.80 0.90, Hahnen per Slut M. 0.50— 1.10, Enten per Stück M. 1.20—1 50, Ochsen⸗
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