Ausgabe 
17.3.1887
 
Einzelbild herunterladen

Strafbestimmungen der Maigesetze nicht mehr unterliegen sollen; eine Einschränkung wurde nur hinsichtlich einzelner Ordenskategorien ge macht. Den mit Corporationsrechten versehenen Orden, welche wieder zugelassen, wird das mit Beschlag belegte Vermögen wieder ausgehändigt, ferner wurde der Antrag angenommen, der die

Zulassung weiblicher Orden, welche höhere Töchterschulen und Erziehungsanstalten unter

halten, fordert. Mit diesen Aenderungen wurde die Vorlage mit großer Mehrheit von der Com mission angenommen.

Hamburg, 14. März. Au Stelle des verstorbenen ersten Bürgermeisters Dr. Kirchen pauer hat der Senat heute den zweiten Bürger meister Dr. Versmann gewählt.

Ausland.

Großbritannien. London. Nach den neuesten Reisedispositionen wird die Königin Darmstadt nicht besuchen, sondern über Dijon und Paris nach England zurückreisen.

Die Regierung hegt die Absicht, durch eine Parlaments-Acte eine Stelle eines parla mentarischen Unter- Secretärs für Irland zu schaffen und soll die bezügliche Bill alsbald nach Genehmigung des irischen Landgesetzes dem Parlament vorgelegt werden.

15. Marz. Bei der Berathung des Kriegsetats im Unterhaus erklärte Lord Stan⸗ hope, er hoffe bald in der Lage zu sein, im Nothfalle ein vollständiges Armee-Corps in kürzester Frist einzuschiffen. Die Landesverthei digung habe sich gebessert, sei aber noch unge nügend. Die Wahl eines Repetirgewehrs werde hoffentlich vor Ablauf weniger Wochen erfolgen; das Heer müsse dann schleunigst damit bewaffnet werden.Wir müssen ein Gewehr haben, er klärt der Minister,welches das jeder fremden Armee übertrifft. Die Mannschaftszahl und die Bestimmungen über die Löhnung wurden angenommen.

Portugal. Lissabon. Der Gouverneur von Mozambique wurde angewiesen, sich nach Eintreffen der CorvetteBartholomeo Diaz, die sich gegenwärtig im Rothen Meere befindet, nach Sansibar zu begeben, um die officiellen Beziehungen zum Sultan wieder anzuknüpfen, demselben die Ankunft eines Commissärs für die Grenzfragen anzuzeigen, sowie den beschlag nahmten DampferKilwa zurückzugeben.

Es wird gemeldet, daß Maia, der Gou verneur der portugiesischen Besitzungen, auf der Insel Timor von den Eingeborenen ermordet wurde. Von Macao wurden Verstärkungen nach der Insel entsendet.

Bulgarien. Sofia. DieAgence Havas meldet: Wie verlautet, überreichte Zankow der Pforte eine Denkschrift, worin er erklärt, die Verhandlungen mit der Pforte nicht fortsetzen zu wollen; er halte die militärische Besetzung des Landes durch die Türkei für das einzige Mittel zur Herstellung der Ordnung in Bulgarien.

Rußland. Petersburg, 14. März. Der Kaiser und die Kaiserin sind mit dem Thron folger gestern nach Gatschina übergesiedelt.

15. März. DieTimes meldet aus Wien, in Petersburg sei eine Verschwörung der Großgrundbesitzer entdeckt worden, um den Kaiser zu zwingen eine Verfassung einzuführen. EineStandard-Meldung über ein beabsich tigtes Attentat gegen den Zaren bestätigt sich ebenfalls. Es handelt sich um einen, augen scheinlich nihilistischen Bestrebungen entsprunge nen, Versuch, am 6. Jahrestage der Ermordung des Kaisers Alexander II. dem Zaren das Schick sal seines Vaters zu bereiten. Nach den jetzt vorliegenden Petersburger Nachrichten ist es zweifellos, daß das Attentat gegen den Zaren vorbereitet gewesen, und zwar in der Straße, welche das Kaiserpaar auf dem Wege nach Gatschina passiren mußte; an Ort und Stelle wurden 6 Personen verhaftet, welche Spreng

Aus Stadt und Land.

7 Friedberg. Einem kurzen Berichte über dle Wohlthätigkelts Aufführung des Gustav⸗ Adolf-Frauenverelns am 13. l. Mts. sel hier Raum gewährt. Dieselbe entfaltete ein resches ja wohl etwas zu reiches und dadurch längere Zeit bean spruchendes Programm und führte in bunker Ab⸗ wechslung von Instrumentalmusik, Gesang, lebenden Bildern, Deelamatkon und Theaterspiel eine Reihe an⸗ muthiger Bilder den Hörern und Zuschauern vor. Eine Einzelkritik würde in einem Falle, wo Dilettanten einem edlen Zwecke ihre Krafte widmen, gewiß nicht am Platze, ja übel angebracht sein. Vielmehr gebührt es, auch hier den sämmtlichen Mitwirkenden, auch der Sprecherin des schönenPrologs, und insbesondere den beiden Dirigenten Stadtrath Hleronkmus und Taubstummen⸗ lehrer Schneider, fur den Eifer und die viele Mühe, wodurch sie die Aufführung ermoglicht, das Publikum erfreut und einem so edlen Zwecke gedient haben, den wärmsten Dank auszusprechen. Der den Bemühungen entsprechende schöne Bruttoertrag beläuft sich ea. 400 M. An die Aufführung schloß sich ein geselliges Zusammen sein in den unteren Räumen des Hötels, wobel Prof. Dr Weiffenbach im Namen des Vereins einige Worte herzlichen Dankes an die Mitwirkenden richtete.

C. T. Friedberg. Gemeinderaths-Sitzung vom

14. März. Mit der Wahl von Heinr. Keßler als Nacht wächter und Gg. Kniß als Todtengräber findet der erste Punkt der Tagesordnung seine Erledigung. Eine an dle KreisschulCommission gerichtete Eingabe mehrerer Be wohner unserer Stadt wünscht Theilung der untersten Klasse der Volksschule, um Ueberfüllung der Klasse zu verhüten. Nach den demnächstigen Neu- Anmeldungen wird sich zuerst der Schulvorstand mit dieser Frage befassen; der Gemeinderath sieht für heute von einem desfallsigen Beschlusse ab. Zur Prämtitrung der besten Fortbildungsschüler sollen wie in den Vorjahren bis zu 2 M. aus den Strafgeldern angewiesen werden. Eine Rechnung von 162 M., in Verbindung stehend mit der Neu-Anschaffung eines Dampfkessels für das Maschinen⸗ haus der Wasserleltung, wurde zur Zahlung angewiesen Gegen Festsetzung eines Jahrespachts von 0 M. wurde dem Ersuchen Großh. Kreisbaumetsters Kranz um pacht weise Ueberlassung von städtischem Gelände entsprochen. Die Frage der Coneessionirung einer Schankwirthschaft, verbunden mit Metzgerei, beschäftigte in so weit den Gemeinderath, als er die Bedürfnißfrage bejahte. Schließ lich wurde der Ankauf eines Faselochsen auf dem bevor stehenden Butzbacher Markte beschlossen. Gießen, 14. März. Schwurgerscht Die erste Verhandlung der dies maligen Session bildete die Anklage gegen den 24 Jahre alten Maurer Conrad Sann von Burg Gemünden, wegen Versuchs der Tödtung. Die Geschworenen bejabten die ihnen vorgelegte Frage, unter Ablehnung mildernder Umstände, worauf der Gerichtshof den Angeklagten dem Antrage der Staatsbehörde gemäß in eine Zuchthausstrafe von 4 Jahren verurtheilte, ihm auch die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren aberkannte. 15. März. Des Verbrechens der Kindestödtung ist beute angeklagt die 42 Jahre alte Taglöhnerin Georg Schneider's Ehefrau von Butzbach. Die Geschworenen sprachen das Schuldig aus und ver urtheilte der Gerichtshof die Angeklagte zu einer Ge fängnißstrafe von 212 Jahren.

Bensheim. An dem hiesigen Gr. Schullehrer seminar wirkten in 1886/87 außer dem Direktor 7 or dentliche und 1 außerordentlicher Lehrer. Die Zöglinge betrugen am Anfange des Schuljahres 93, am Ende desselben 89. Darunter sind 45 Protestanten, 44 Katho liken; 21 gehören der Ober-, 30 der Mittel- und 35 der Unterklasse an. Von 31 neueingetretenen Zöglingen sind: a) Söhne von Lehrern 6, von Beamten 3, von Gewerbebetreibenden 12, von Landwirthen 10; b) aus Städten mit über 10,000 Einw. 1, unter 10,000 Einw. 6, aus Marktflecken und Dörfern 24; c) vorbereitet in Präparanden Anstalten 21(in Lindenfels 21), in Gym nasten 21, in Realschulen 7, von Lehrern 2; d) aus Starkenburg 26, aus Rheinhessen 4, aus Oberhessen 1; e) nach elnmaliger Aufnahmeprüfung 31; f) zur Zett der Aufnahme im 16. Lebensjahre 15, im 17. 11, im 18. 5; g) Protestanten 17, Katholiken 14.

Allerlei.

st. Frankfurt. Das kurze Gastspiel Adolf Sonnen thals am hiesigen Theater beginnt mit einer Danstellung des Hamlet und zwar im Opernhause. Platzanmeldungen werden schon von heute ab entgegengenommen. In dem von Hans Hopfen zum 90. Geburtstage des Kaisers gedichteten Festspiel sind beschäftigt: Frau Lange, sowie Drach und Hermann. Dasselbe bietet Gelegenheit zur Entfaltung großer seenischer Effeete. Dem Festspiel soll sich eine Aufführung desFidelio anschließen.

Weilmünster. Der Korbmacher Anton H. von hler, welcher am 21. Deebr. v. Js. auf der Chaussee zwischen hier und Laubuseschbach 13 junge Obstbäume muthwilligerweise abgebrochen hatte, wurde von der Strafkammer zu Limburg wegen Sachbeschädigung zu 5 Monaten Gefängniß verurtheilt.

Werne, 13. März. Am Freitag hat sich auf Zeche Heinrich Gustav in Folge schlagender Wetter ein größeres Grubenunglück ereignet. Von 30 angefahrenen Bergleuten wurden am Tage der Katastrophe 10 erheb lich verletzt aufgefunden und in das Wittener Kranken haus gebracht. Ueber das Schicksal der übrigen 20 fehlen noch weitere Nachrichten.

Züge treffen verspatet ein; elne gänzliche Verkehrsstockung st jedoch nur vereinzelt vorgekommen Auch von Dune mark wird sehr heftiger Schneefall mit Sturm gemeldet, so daß der Verkehr überall unterbrochen war.

New Pork, 4. Mäcz. Auf der Boston Providenee⸗ Elsenbahn stürzte ein Personenzug, 6 Mellen von Boston entfernt, von einer Brücke herunter, wobei 20 Personen todt blieben,

An unsere Freunde.

Kurzer Berlcht des VereinsMathilden⸗ Stiftung zur Rettung verwahrloster Künder im Kreise Friedberg.

Im Jahre 1886 haben wir 25 Kinder in Erziehung genommen, 4 helmathlose, 1 aus Assenheim, 2 aus Bad ⸗Nauhelm, aus Bruchenbrücken, aus Buß bach, 2 aus Dorheim, 4 aus Heldenbergen, 1 aus Melbach, 2 aus Nieder-Mörlen, aus Nieder-Rosbach, 1 aus Nieder Weisel, 2 aus Ober-Wöllstadt, 1 aus Petterweil, Haus Rodheim und 1 aus Schwalheim. Nach Er reichung unseres Zieles wurden aus der Aufsicht des Vereins 13 Pfleglinge entlassen, 1 Sattler, 1 Gärtner, Schneider, 1 Schuhmacher, 1 Handarbelter, 8 Dienst mädchen, und außerdem 2 fast erblindete Mädchen, die jetzt zu ihrer weiteren Aus bildung in Blinden Anstalten untergebracht sind. Ferner wurden zwei der Waisen Anstalt überwiesen und 5 confirmirte und 2 unconfirmirte Kinder ihren Angehörlgen zurückgegeben, weil diese sie nicht mehr in unserer Pflege lassen wollten. Am Anfang

Pflegeeltern, und 23, welche in Anstalten erzogen werden

2 Schneider, 3 Schreiner, 1 Buchbinder, 2 Schmlede,

Dienstmädchen angelettet werden. Mit dem sittlichen 9 Verhalten und den Fortschritten unserer Pfleglinge

konnten wir im Ganzen zufrieden sein. Mehrere haben uns besondere Freude gemacht. Auch unsere älteren Pfleglinge haben Gott sei Dank im letzten Jahre Be wahrung gefunden und sich keinerlei Vergehen zu Schulden kommen lassen. Besonders hat es uns zur Aufmunterung gereicht, daß die Militärbehörden den im Heere dienenden Pfleglingen unserer Anstalt durchweg ein gutes, bezw. ein sehr gutes Zeugniß haben geben können und daß einer derselben sogar eine ehrenvolle Auszeichnung er⸗ halten hat. Ferner haben 2 Mädchen, welche ununter brochen bei ein und derselben Herrschaft 5 Jahre treu und fleißig gedient haben, als Zeichen unserer Aner⸗ kennung ein kleines Geschenk erhalten. Von dem Manne eines Pfleglings, welcher am Ende der 7er Jahre aus der Stiftung entlassen wurde und im Innern Amerikas sich, wie es scheint, gut verheirathet hat, erhielt der Unterzeichnete ganz unerwartet in dem letzten Sommer ein längeres Schreiben, in welchem derselbe für die Liebe dankt, die die Stiftung seiner Frau in ihrer Kindheit erwiesen habe.

Jedem wahren Freunde unseres Volkes muß unsere Vereinsarbeit am Herzen liegen, denn jedes in der Ver wahrlosung heranwachsende Kind vermehrt die unheim liche Macht, welche Gesetz und Ordnung zu zerstören drobt und jedes aus der Verwahrlosung gerettete und wohlerzogene Kind ist ein Gewinn für die Wohlfahrt unseres Volkes. Darum leben wir der guten Zu versicht, daß wir auch in den gegenwärtigen unruhigen Zeitverhältnissen bei unserer Friedensarbest von unseren Freunden unterstützt werden und hoffen, daß die Pflege⸗ eltern sich unserer armen Kinder, die in ihrer Jugend oft so wenig wahre Elternliebe erfahren haben und mit⸗ unter aus den verkommensten Familienverhältnissen her⸗ ausgenommen werden mußten, auch weiterhin mit rechter Christenliebe annehmen werden.

Friedberg den 15. März 1887.

Für den Vorstand der Mathilden⸗Stiftung. Meyer, Decan.

Handel und Verkehr.

Friedberg, 15. März. Fruchtpr. Watzen M. 17.75, Rorn M. 14.00, Gerste M. 14.00, Hafer M. 11.5012. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo= 200 Zollpfd.

Friedberg, 16. März. Buttermarkt. Butter kostete

Butzbach, 12. März. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfd. 80 85Pf. Käse per Pfd. 45 46 Pf. Eier 1 St. 5 Pf.

Gießen, 15. März. Auf dem heutigen Markt kostete Butter per Pfd. M. 0.82 0.85, Eier per Stück 45 Pf., Käse per St. 4 10 Pf., Tauben per Paar M. 0.70 1.00, Hühner per St. M. 0.85 1.00, Hahnen per St. M. 0.70 bis 1.30, Enten per Stück M. 1.40 1.80, Ochsen⸗ flelsch per Pfd. 62-64 Pf., Kuh⸗ und Rindfleisch 54 bis 56 Pf., Schweinefleisch 5660 Pf., Hammelfleisch 50 66 Pf., Kalbfleisch 4046 Pf., Kartoffeln per 100 Kilo M. 4.50 4.80, Zwiebeln per Ctr. M. 7.00.

Frankfurt, 15. März. Fruchtber. Hiesiges Weizen⸗ mehl Nr. 0 M. 31.50 32.00, Nr. 1 M. 27.50 28.50, Nr. 2 M. 25.00 26.00, Nr. 3 M. 23.00-24.00, Nr. 4 M. 17.00 18.50, Nr. 5 M. 15.00- 16.00, Milchbrod⸗ und Brodmehl im Verband M. 50.00 53.00, nord⸗ deutsches und westfälisches Weizenmehl Nr. 00 M. 24.00 bis 25.00, Roggenmehl(hies.) Nr. 0 22.50 23.50, Nr. 0/1 M. 20.5022.50, Nr. 1 M. 17.75 18.75, Nr. 2 M. 15.50 16.00, Weizen ab unserer Umgegend M. 18.00, frei Bahnhof hier M. 18.25 18.50, fremder nach Qual. M. 17.50 20.50, Roggen hlesiget M. 14.00, russischer je nach Qual. M. 13.75 14.00,

stoffe bei sich hatten.

Bern, 14. März. Seit gestern herrscht fast in der ganzen Schweiz anhaltender und heftiger Schneefall. Die

Gerste, Brauerwaare M. 15.00 17.50, do. zu Mahl zwecken M. 11.50, Hafer, prima M. 12.50 18.00,

dieses Jahres hatte der Verein 79 Kinder, welche von und außerdem 18 Lehrlinge, 1 Gerber, 5 Schuhmacher,

1 Metzger, 2 Bäcker und 1 Schlosser, eln Mädchen, welches zur Nähterin ausgebildet wird und 3, die als

Juven!

N.

mache

per Pfd. M. 0.75 0.85. Eier 1 St. 5 Pf., 2 St. 9 Pf.