beute eine Sitzung abgehalten, in welcher der Antrag Preußens auf Verhängung des kleinen Belagerungszustandes über Stettin zur An⸗ nahme gelangte.
Wie man der„9 Petersburg vom 10. l. M. berichtet, ware in den letzten Tagen ein ungemein freunschaftlich gehaltenes Schreiben des Zaren an Kaiser Wilhelm abgegangen.
— 15. Febr. Eine Kundgebung des rhei— nischen Adels für das Septennat und gegen die Verbrüderung des Centrums mit der Demo— kratie und dem Deutsch-Freisinn macht nach dem Fr. J. großes Aussehen. Die Schroffheit der Absage an Windthorst läßt erkennen, daß jede Verständigung mit dem Welfenhäuptling von vornherein als ausgeschlossen betrachtet werden soll. Die Kundgebung ist von 38 der angesehensten Adeligen der Rheinprovinz unter— zeichnet, welche bisher fest zum Centrum gehalten haben.
— Der neue Reichstag wird sich mit einer Reihe von handelspolitischen Gegenständen zu befassen haben, welche eine weittragende Bedeu— tung besitzen. Unter Anderem wird es sich um Erneuerung des Handels-Vertrages zwischen Deutschland und Osterreich-Ungarn handeln. Es sind, wie verlautet, Vorbereitungen zu einer Verständigung zwischen den Bundesregierungen über die bei den Verhandlungen einzunehmende Haltung bereits eingeleitet worden.
— Die Kriegsschiffe„Olga“,„Carola“ und „Hyaͤne“ haben an der Ostküste Afrikas bei Kistini am 12., bei Konumbe am 15., am Nord— ende der Mandabucht am 17. und bei Mokowo am 19. Januar die deutsche Flagge gehißt, wo mit gemäß dem deutsch- englischen Abkommen dieser Theil der Kuͤste in deutschen Besitz ge; nommen ist.
Kiel, 15. Febr.
Nationalzeitung“ aus
Heute fand auf der hie— sigen kaiserlichen Werft der Stapellauf des Kanonenbootes„Ersatz-Albatroß“ statt. Die Taufrede hielt Admiral Wickede, das Fahrzeug erhielt den Namen„Eber“.— S. M. Kanonen— boot„Wolf“, Kommandant Kapitän-Lieutenant Jaeschke, ist am 23. Februar cr. in Hongkong eingetroffen.
München. Die„Neuesten Nachrichten“ erfahren von zuverlässiger Seite, daß die Ver— öffentlichung der Noten Jakobint's auf direkten Befehl des Papstes geschehen sei. Beide Akten— stücke wurden jetzt sogar amtlich den sämmtlichen deutschen Bischöfen mitgetheilt, da es der aus— drückliche Wille des Papstes ist, daß kein deutscher Katholik über die Stellungnahme des heiligen Stuhls zu Gunsten der Reichs-Regierung im Zweifel bleibe. Sollte das Centrum in seiner Opposition verharren, so stehe ein neuer ent— scheidender Schritt des Papstes bevor, welcher mindestens das imperative Mandat zu Fall bringen wird.
Straßburg. Hier fanden Haussuchungen auf Requisition des Reichsanwaltes statt wegen Verbindungen, welche die französische Patrioten— Liga mit den Reichslanden hat.
Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Wien. Die De— legationen sind für den 1. März nach Budapest einberufen zur nachträglichen Genehmigung von bereits von der Kriegsverwaltung verausgabten 25 Million und Bewilligung weiterer noch nicht fixirter, immerhin gleichfalls auf 25 Million geschätzter Credite.
— Das Amtsblatt veröffentlicht die Ernenn—
ung des vormaligen Handelsministers Pino zum Landespräsidenten der Bukowina.
— 15. Febr. Abgeordnetenhaus. Die Re— gierung legte ein Gesetz, betreffend die Ermäch— tigung zur Beschaffung von Ausrüstungsgegen— ständen für die Landwehr und den Landsturm der Reichsrathsländer im Betrage von 12 Mill. Gulden vor.
Pest, 15. Febr.
Die
Abgeordnetenhaus.
Regierung brachte die Creditvorlage im Betrage
von 7½ Million Gulden ein.
Frankreich. Paris. Waͤhrend die Ge— sandtschaft der Hovas hier verweilt, um mit der franzoͤsischen Regierung freundschaftliche
Versicherungen auszutauschen, trifft aus Mada— gaskar selbst die Nachricht ein, daß die Räum— ung Tamataves seitens der Franzosen am Abend des 25. Januar in aller Ordnung vollzogen
worden ist. Am folgenden Morgen wurde die Hova- Flagge aufgehißt und ein Salut von den französischen Kanonen abgefeuert. Die Hova-Bank cassirt die Zölle ein. Französische Kriegsschiffe befinden sich zur Zeit nicht mehr vor Tamatave—
Spanien. Madrid, 14. Febr. Die Kammer genehmigte mit 175 gegen 70 Stimmen das Gesetz, betreffend die Verpachtung der Tabaks regie.— Nach den Meldungen franzssischer Blätter scheint eine Aussöhnung zwischen den spanischen Republikanern und der Regierung bevorzustehen.
Egypten. Kairo. Dem Vernehmen nach handelt es sich bei den Vorschlägen Wolff's nicht um die Aufhebung, sondern lediglich um die Umgestaltung der Kapitulation, indem die Befugnisse der gemischten Gerichtshöfe erweitert und eine Körperschaft gebildet wird, unter deren Mitwirkung neue Gesetze vereinbart werden könnten, welche für die gemischten Gerichtshöfe verbindlich wären, ohne die Zustimmung aller betheiligten Staaten zu bedürfen. Der Vor— schlag, wonach es in Kriegszeiten gestattet sein soll, Egypten mit Truppen zu durchziehen, be— gegnet lebhaftem Widerstande, besonders in französischen Kreisen.
Aus Stadt und Land.
C. T. Friedberg, 14. Febr. Gemeinderathssitzung. Die Verpachtung der Stadt- und Burgjagd an Or. August Trapp zu 730 M. Jahrespacht(Mehrerlôs gegen früher 155 M.) auf 6 Jahre wurde genehmigt. Der Fußweg, der bis vor mehreren Jahren den Zugang zu dem in zwischen entfernten hölzernen Steg über die Usa unter halb des Viaduets bildete und z Zeit noch neben einem dem Armenfonds gehörenden Grundstück läuft, soll als solcher aufhören. Wegen Tauschs dieses Geländes gegen dasjenige, welches z. Zeit als Weg nach dem eisernen Steg am Viaduet dient und von dem Armenfonds an die Stadt verpachtet worden, soll mit diesem verhandelt werden. Ungenautgk iten, welche bei einer früheren Par zellenvermessung vorgekommen sind, sollen nach nochmaliger Vermessung der in Frage kommenden Grundstücke an dem Wildkautsgraben auf dem Wege einer Reclamation bei den betr. Besitzern berichtigt werden. Wegen Anerkennung der Unterhaltungspflicht der überlassenen Stadtmauer soll mit einigen Garteneigenthümern ein Vertrag gessalossen werden. Vorschläge über die Zusammensetzung des Wahl— Vorstands aus Anlaß der Reichstagswahl am 21. Febr. werden nicht gemacht und überließ das Colleg die An gelegenheit seinem Vorsitzenden. Wegen der Berichter— stattung über die Bahnprojcete Homburg— Friedberg und Hungen— Friedberg wird auf eine Darlegung in nächster Nummer des Anz., verwiesen. Die Beschlußfassung über ein VBauprojeet von Ad. Heß wurde ausgesetzt. Anwe sung verschsedener Rechnungen und eine nicht öffentliche Ver— handlung bildeten den Schluß der Sitzung
n. Friedberg. Seminarlehrer Dr. Heid führte im Volksbildungsverein in 2 Vorträgen(ine Reihe von Ver suchen aus dem Gebiete der Elektrieität vor, die den Zweck haben sollten, die Zuhörer oder vielmehr die Zu schauer mit den Wirkungen der elektrischen Kraft bekannt zu machen. Am ersten Abende behandelte der Vortragende die Funken ⸗Elektrieität, die— wenn auch bis jetzt nur wenig zu technischen Zwecken verwendbar doch am besten geeignet ist, das Verständniß für elsktrische Vor gänge anzubahnen Zunächst wurden mittels einer Holtz— schen Influenzmaschine kleinere und größere Funken von 115 em Schlagweite hervorgerufen(bei ganz trockner Luft beträgt die Schlagweite 20— 30 em) und darauf hingewiesen, daß hierbei sich alle die Vorgänge beobachten lassen, wie sie bei einem Gewitter vorkommen— Blitz, Donner, Verbrennen leicht entzündbarer Gegenstände, Durchlöchern und Zerreißen von Papier, Holz ꝛe.— Dann wurden folgende Sätze am Experiment nachgewiesen: Es gibt Leiter und Nichtletiter der Elektrieität; es gibt 2 Arten Elektrieität, positive und negative; gleschnamige Elektrieltäten stoßen sich gegenseitig ab, ungleichnamige ziehen sich an und binden sich; durch eine Vereinigung beider in der Luft entsteht der elektrische Funke; geht der elektrische Funke durch den menschlichen Körper, so entsteht ein Zucken; aus Spitzen strömt die Elektrieität aus; Rauch wird durch die aus Spitzen ausströmende Elektriettät verdichtet— bereits sind Versuche gemacht, um in Bergwerken und sonstsgen Orten, wo Rauch lästig wird, auf diesem Wege denselben zu entfernen.— Hierauf wurde noch gezeigt, daß die beiden Seiten der Maschlne im Dunkeln ein verschiedenes Ansehen haben, da die beiden Elektriettäten verschieden leuchten; die aus Spitzen ausströmende Elektriettät ist als Lichtbüschel im Dunkeln bemerkbar, an Kugeln als Glimmlicht. Das Leuchten der Geißler'schen Röhren gelang nicht mehr, da die beiden
Maschlnen keine Elektrieltät mehr gaben, ein Vorkommniß, dessen Eintreten Jeder, dem die Schwierigkeiten mit Funken Elektrieltät zu expertmenttren bekannt waren, schon viel früher erwarten mußte. Es war geradezu ein kühnes Wagnis hon Seiten des Vortragenden, bet so feuchter Witterung und so überfülltem Saale Versuche mlt Funken⸗Elekrl⸗ eltät vorzunehmen. Wenn ihm sein Vorhaben dennoch gelungen, so lag dies einerseits in der Guͤte der von ihm benützten Apparate, andererseits aber auch daran, daß von Seiten des Vortragenden alle nur möglichen Vorkehrungen getroffen waren, um das Gelingen der Versuche zu sichern. Schließlich wies Redner noch an der Hand der Geschschte darauf hin, wie mit der fort⸗ schrettenden Erkenntniß der Wirksamkelt elektrischer Kräfte auch die Herstellung vervollkommneter Apparate zur Er⸗ zeugung von Elektreeltät gleichen Schritt hlelt und wie man jetzt in den beiden von ihm benützten Maschinen, der Holtz'schen Influenzmaschine und der Töpler'schen selbsterregenden Maschine ausgezeichnete Instrumente zur Herstellung von Funken-Elektrlettät besitze.(Forts. folgt.) th. Friedberg. Von Seiten der Frelsinnigen muß neuerdings die angebliche Steuerfreihest der Standes- herren herhalfen, um gegen dle nattonalliberale Partet ein Agitationsmittel abzugeben. Wir könnnen schlechter— dings nicht einsehen, was die Sache der Standesherren mit der Reichstagswahl zu schaffen hat, da solche in die Zuständigkeit der einzelnen Landtage, nicht in die des Reichstags gehört. Diese angebliche„Steuerfreihelt“ ist aber welter nichts als eine Wahllüge der allergewöhn— lichsten Sorte. Da bei uns schon längst gesetzlich olle und jede Steuerfreiheit der Standesherren und Grafen abgeschafft ist. Jeder kann sich beim Steuereommissarlat erkundigen, daß der Standesherr und Graf für seinen Grundbesitz Grundsteuer, für sein Einkommen Einkommen⸗ steuer, für sein Gewerbe Gewerbesteuer, für seine Kapftal— rente Kapitalrentensseuer und Communalsteuer bezahlt. In einem Lande des allgemesnen Stimmrechts, bel welchen die Stimme des reichsten Besitzers nicht mehr als die des geringsten Staatsbürgers zäblt, sollten solche nur
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der Verhetzung und Schürung des Classenhasses dienende Agttattionsmittel endlich verbannt bleiben. 1
k. Friedberg. Am Donnerstag den 24. Februar sistorlalrath r. Sell, dessen Vortrag über„Ernst Moritz Arndt“ noch in dankbarer Erinnerung steht, über„Ludwig Uhland“ sprechen. Bekanntlich fällt der 100 jährige Ge⸗ burtstag dieses Dichters in's Johr 1887. Wir durfen darum in Anbetracht des Redners wie des Themas gewiß hoffen, daß der Vortrag eine große Anziehungskraft aus⸗— üben wird.
wird auf Einladung des„Evang. Vereins“ dae
Handel und Verkehr.
Friedberg, 15. Febr. Fruchtyr. Waizen M. 17.75 —18§., Korn M. 14.00, Gerste M. 14— 14.50, Hafer M. 11.50—12. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo, 200 Zollpfd. 1
Friedberg, 16. Febr. Buttermarkt. Butter kostete per Pfd. M. 0.70 0 80. Eier 1 Stuͤck 6 Pf.
Gießen, 15. Febr. Auf dem beutigen Markt kostete Butter per Pfd. De. 0.85— 0.00, Eler per Stück 6—7 Pf., Käse per St. 4—8 Pf., Tauben per Paar M. 0.80— 1.10, Hühner per St. M. 0.85— 1.20, Hahnen per St. M. 0.70 bis 1.50, Enten per Stück M. 1.40— 2.00, Ochsen⸗ fleisch per Pfd. 62—64 Pf., Kuh- und Rind fleisch 54 bis 56 Pf., Schweinefleisch 56 60 Pf., Hammelfleisch 50- 66 Pf., Kalbfleisch 44—50 Pf., Nartoffeln per 100 Kilo N. 4.50, Zwiebeln per Ctr. M. 6.00— 7.00.
Frankfurt, 14. Febr.] Fruchtber. Hiesiges Weizen; mehl Nr. 0 M. 31.50- 32.00, Nr. 1 M. 27.00— 28.00,
1
;bverseelg 1 9 Uhr 0
N
Hr
nisset
Die brstelg lter
Nr. 2 M. 25.00— 26.00, Nr. 3 M. 23.00— 24.00, Rr. 4 M. 17.00-17.50, Nr. 5 M. 15.00 16.00, Milchbrod⸗ und Brodmehl im Verband M. 50.00-53.00, nord- deutsches und westfällsches Weizenmehl Nr. 00 M. 24.00 bis 25.00, Roggenmehl(hies.) Nr. 0 23.00-24.00, Nr.(/ M. 22.00— 23.00, Nr. 1 M. 18.50 19.50, Nr. 2 M. 16.00- 16.50, Weszen ab unserer Umgegend M. 18.00, frei Bahnhof hier M. fremder nach Qual. M. 17.50— 20.50, Roggen hiesiger M. 14.00, russischer je nach Quat. M. 13.75— 14.00, Gerste, Brauerwaare M. 15.00— 17.50, do. zu Mahl- 19 zwecken M. 11.50, Hafer, mittel M. 12.00- 12.50, prima M. 12.50— 13.00, Raps M. 23— 24.00, Mais M. 12.50, Erbsen M. 14.00— 21.00, Spelzkern M. 18.00— 1825,
Linsen M. 20.00 38.00, Wicken M. 13.00, Roggen⸗
klete M. 4.50, Weizenkleie M. 3.80, Malzkelme M. 3.80— 4. Moostorfstreu M. 1.30, Spelzenspreu M. 1.30, Sesam kuchen M. 5.25, Rapskuchen M. 5.75 6.00, Chilisalpeter per Februar M. 10.00, Rübsl im Detail M. 52.00, Heu per Ctr. M. 2.75— 3.25, Stroh M. 2.75— 3.00, Relsmehl, 22— 24% Fett- und Protéin Gehalt, M. 4.50 bis 4.75.(Sämmtliche Artikel bei Abnahme von 200 Ctr. an). 15
IJsraelitischer Gottesdienst in Friedberg. Sabbathfeier vom 19. Februar. P. Scalim. Beginn: Freitag Abends 4 Uhr 50 Min. Samstag Morgens 8 Uhr 15 Min. Samstag Nachmittags 3 Uhr 30 Min. Sabbathausgang 6 Uhr 10 Min. 4 Wochengottes dienst von Sonntag den 20. Februar an Morgens 6 Uhr 45 Min., Nachmittags 4 Uhr 30 Min. Donnerstag den 24. und Freitag den 25. Febr. 1887:— Neumond Adar. 5
606 Ein herrlicher Schlaftrunk(Punsch), welcher vorzügl“ mundet u. bekömmt, bestebt aus/ Widtfeldt'schem Magen.
behagen u. 2 3 koch. Wassers. Niederl. u. A, b. W. Bernbeck.
18.25— 18.50,
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