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mit anderen Leuten zu reden, die dlese Gewißheit ge— währen. Fürst Bismarck bemerkt bezüglich der Frage, warum der Ablauf des bisherigen Septennats nicht ab⸗ gewartet worden, man habe jetzt die Ueberzeugung ge— wonnen, daß die bisherige Bewachung der Grenzen einer Verbesserung bedürfe. Der Kanzler weist ferner auf die Gventualität hin, daß irgendwo, also besonders in Frankreich, der Krieg gewissermaßen als Sicherheitsventil gegen Zustaͤnde im Innern diene, als Mittel, die Re⸗ gierung im Innern zu befestigen. Auch darauf müßten wir uns einrichten; darauf also, daß eine Regierung in Frankreich zum Kriege schreitet, wenn sie sich sonst im Innnern nicht halten kann. Wir waren gar nicht darauf gefaßt, im Reichstage irgend welchen Widerstand bel dieser mäßigen Forderung zu finden; bätten wir dles vorber wissen können, so hätten wir besser vorher die Wähler gefragt: Wollt Ibr dem Deutschen Reich seinen bisherigen Besitz erhalten oder nicht? Jetzt muͤssen wir auf unserer Forderung bestehen.
Bra unschweig. Das Untersuchungsver— fahren gegen den welfischen Rechtsanwalt Dedekind ist durch Gerichts-Beschluß gänzlich eingestellt.
Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Wien. Die in den Grenzfestungen getroffenen Vorkehrungen sind zwar weit davon entfernt, den Krieg zu bedeuten, aber man verfolgt doch die russischen Rüstungen in Bessarabien, Podolien und Vol— hynien, sowie die Rüstungen Montenegros mit Aufmerksamkeit. Die letzteren rufen hier mehr Besorgniß hervor als die russischen Truppen— concentrirungen. Man argwöhnt, daß Mon tenegro thatsächlich etwas im Schilde führt, ob gegen Serbien oder gegen die Herzegowina, weiß man nicht. Auch in dem ersteren Falle würde Oesterreich entschieden gegen Mon— tenegrs vorgehen.
Pest. Eine Meldung des„P. Ll.“ besagt: Schuwalow, welcher dem Kaiser Wilhelm einen eigenhändigen Brief des Zaren übergab, hat die Aufgabe, für Rußland eine gewisse Actions— freiheit auszuwirken, falls eine bulgarische Occu pation nothwendig wäre. Der Zar sei ent schlossen, der bulgarischen Frage ein Ende zu machen. Bismarck solle in Action treten und Oesterreich veranlassen, Rußland unter der Ga— rantie baldiger Räumung Bulgariens gewähren zu lassen. Szapary hat nach der„Neuen Fr. Presse“ demmissionirt, bleibt jedoch provisorisch im Amte.
Belgien. Brüssel. Mehrere Blätter melden nach dem Fr. J übereinstimmend, daß die belgischen Militärbehörden angesichts der zweifelhaften europälschen Lage militärische Vor kehrungen treffen. Außer der Verstärkung der Antwerpener Festungsbatterien wird im belgischen Kriegsministerium eifrig an einem neuen Mobili— sirungsplan gearbeitet.
Frankreich. Paris. Die bulgarische De— putation hat nunmehr auch in Paris ihr Glück versucht, ohne aber von Flourens einen andern Rath als den der Aussöhnung mit Rußland zu erhalten Jedenfalls war die Deputation von vornherein auf diese Antwort gefaßt, und ihr Eischeinen war kaum mehr als ein Anstands— besuch. Trotzdem gestaltete sich derselbe zu einem hochpolitischen Acte, da der französsische Minister des Auswärtigen die Gelegenheit be— nützte, um die Solidarität der Interessen Frank— reichs mit denen Europas, d. h. des Friedens zu constatiren.
Italien. Rom.
Der Zustand des Car⸗ dinals Jacobini verschlimmert sich der„Germ.“
zufolge mehr und mehr. Eine Operation, welcher er sich unterzogen, war zwar glücklich gelungen, allein am zweiten Tage darauf hat sich Fieber eingestellt, und in den letzten Tagen haben sich sehr beunruhigende Gerüchte über ihn in Rom verbreitet.
Großbritannien. London. Der De— putirte Henry Holland(conservativ) ist zum Staats-⸗Secretär für die Colonien ernannt worden.
Türkei. Counstantinopel. Die Pforte nahm auf die Initiative des deutschen Bot— schafters, v. Radowitz hin, nach dem Fr. J. die Vermittelung zwischen Rußland und Bulgarien auf. Unter Zustimmung des bulgarischen Agenten in Constantinopel, Vulkowitsch, wurde Zankow von dem Großvezier nach Constautinopel be— rufen, um mit der Pforte über die Eventualität
der von ihr beabsichtigten Ernennung einer neuen provisorischen Regierung in Sofia zu ver— handeln. Der eventuelle Verzicht Rußlands auf die Installirung des Mingrelier's als Fürsten von Bulgarien ist wahrscheinlich. Bulgarien. Sofia, 9. Jan. Heute ist Zankow nach Constantinopel abgereist, gestern verlangte und erhielt er den nöthigen Reisepaß durch den Polizeipräfekten. Zankow hat in brieflichem Verkehr mit Nelidow gestanden. In Folge dessen erhielt er vorgestern Nachts ein
Telegramm direkt vom Großvezir, der ihn nach
Constantinopel einlud. Gestern fand eine ge— heime Berathung der Vertrauensmänner seiner Partei bei Zankow statt. Es handelt sich da— rum, die Bedingungen eines Ministeriums Zankow nach Rücktritt der gegenwärtigen Re— gerung festzustellen. Zankow hält jede Regent— schaft für verfassungswidrig.
Aus Stadt und Land.
C. T. Friedberg. Gemeinderathssitzung vom 10. Jan. Die Uebernahme des Defieits von M. 114. 85 von der vorjährigen Sedanfeler wird beschlossen. Nach einem älteren Gemeinderathsbeschluß soll in Zukunft die Tages— ordnung der Gemeinderathssitzung durch Aushängen der— selben in dem Veröffentlichungen dienenden Kasten am Rathhause und— wenn möglich— durch den Oberhes⸗ sischen Anzeiger bekannt gemacht werden. Ebenso soll die Mittheilung der in öffentlicher Sitzung gefaßten Beschlüsse durch den Oberhessischen Anzeiger geschehen. Die Sitz⸗ ungen sollen auch ferner in der Regel Montags von 5 bis 7 Uhr abgehalten werden. Der Voranschlag 87/88 des Augustiner Schulfonds, welcher sich in Einnahme und Ausgabe auf M. 8179. 75 stellt, wurde durch Unterschrei⸗ ben gutgeheißen. Dem Gesuche von Franz Meisinger in Bad Naubhelm um Herabsetzung des Zinsfußes von 5 auf 4½0% für ein aus dem Augustiner Schulfonds ge⸗ liehenes Kapital wurde zugestimmt. Bei Großherzoglichem Kreisamte soll der Antrag auf Aufhebung der städtlschen Schäferei ab 1. Januar 1888 gestellt werden.
a. Friedberg, 11. Jan. Als Beweis dafür, wie jehr der Wildstand auch auf einzelnen Jagdgebleten in unserer Gegend in den letzten Jahren abgenommen hat, mag die heutige Treibjagd in der Gemarkung Schwal— heim dienen. Früher eine der besten Jagden in der Um— gegend, lieferte dieselbe bei dem heutigen Treiben das enorme Resultat von— einem Hasen. Ob aus Zorn oder langer Weile lassen wir dahingestellt sein, schoß einer der Jäger, um wenigstens etwas zu schleßen, nach einer Maus, schoß ihr jedoch nur das Schwänzlein ab, welche Jagdtrophäe Abends bei dem„beliebten Dunkeln“ herumgezeigt worden sein soll.
k. Friedberg. Gegenwärtig kann man den Bernard— Hartwig'schen Kometen mit bloßem Auge bei günstiger Abend⸗Witterung wahrnehmen. Derselbe ist zwischen 5 und 7 Uhr Abends am Westhimmel im Sternbild des Adlers leicht sichtbar.
n. Münzenberg. Nächsten Sonntag Nachmittag wird Landwirthschaftslehrer Hannemann von Friedberg im Saale des„Gasthauses zur Burg Münzenberg“ dahier einen Vortrag über den Standpunkt der modernen rationellen Landwirthschaft halten.
Gießen, 10. Jan. Gestern Abend zwischen 6 und 7 Uhr wurde auf dem Oberhessischen Bahnhof in einem Geleise die Leiche des Wagenrevisors Hertwig aufzefun— den. Der Kopf des Unglücklichen war vom Rumpfe ge— trennt und lag außerhalb des Geleises, während der Körper in demselben lag. Wie das Unglück entstanden, ist bis jetzt noch nicht festgestellt. Der Verlebte, eln bereits bejahrter Mann, hinterläßt eine Frau und 4 Kinder.
Groß-Gerau. Die Zuckerfabrik zu Groß-Gerau, welche am 21. Sept. die Campagne begann, beendigte dieselbe am 5. Januar und verarbeitete während dieser Zeit 568,425 Ctr., wofür die Steuer 483,157 M. beträgt.
Malnz. Als ein besonderes Friedenssymptom wird man wohl schwerlich ansehen können, daß auf Anordnung der Geniedirektlon nächster Tage die Thore, welche in einem Krlegsfalle dazu bestimmt sind, die beiderseitigen Zugänge zu der neuen Rheinbrücke abzuschließen, ange— schlagen werden.
Allerlei.
Göttingen, 11m. Jan. Das Stadttheater ist in verggangener Nacht gegen 12 Uhr, zwei Stunden nach Schluß der Vorstellung, vollständig niedergebrannt. Es ist kein Verlust an Menschenleben zu beklagen.
Augsburg. In Oettingen wurde in der Nacht zum 9. d. die Gärtnerswittwe Anna Huber, welche mit ihren zwei betagten Schwägern und einer alten Magd ein im Entengraben befindliches Haus bewohnte, ermordet. Noch am Vormittag des 9. d. wurde ein Individuum Namens Christian Ullmann gefänglich eingezogen und in ihm ein oft bestrafter Einbrecher erkannt. Der Mann leugnet, doch passen seine Stiefel vollkommen in die in der Gartenerde hinterlassenen Spuren.
Breslau, 10. Jan. Die„Breslauer Zeitung“ meldet aus Zabrze: Der gestern Abend 8 Uhr einge troffene Personenzug stieß mit einem Rangirzuge zu⸗ sammen, dessen Maschine, sowie drei Wagen entgleisten Der Locomotivführer und der Helzer des Rangirzuges sind schwer, jedoch nicht lebensgefährlich verletzt; dle Passagtere des Personenzuges blieben unverletzt.
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Madrid, 10. Jan. In dem Aleazar don Toled brach in vergangener Nacht elne Feuersbrunst aus,
Tunis, 7. Jan. Gestern Nachmittag gegen 4 Uhr wurden zu Mahadsa zwel leichte Erdstäße verspürt; in Diemal, einem Dorfe von 5000, Einwohnern, fand da⸗ gegen eine starke Erschütterung statt, infolge deren mehrere Häuser einstürzten und steben Menschen um's Leben kamen, sowie viele Personen verletzt wurden.
Madras. Nach dem amtlichen Pollzelbericht sind bei der kürzlichen Feuersbrunst auf dem Jahrmarkt 40⁵ Personen umgekommen. a
Sydney, 7. Jan. Von 6 fungen Leuten, die un; längst zum Tode verurtheilt worden waren, weil sie in elner Vorstadt Sydney's einem Mädchen Gewalt angethan batten, wurden heute 4 gehängt, die beiden anderen aber zurückgestellt.
Verloosungen.
Meininnger 4proe. Prämien⸗Pfandbrlefe von 1871. Gewinnziehung vom 1. Januar 1887.— Heimzahlung am 1. Febr. 1887. Serte 3953 Nr. 25 à M. 105000. S. 3686 Nr. 6 à M. 30000. S. 241 Nr. 6, S. 404 Nr. 20, S. 2513 Nr. 3, S. 3315 Nr. 4, 12 à M. 3000. S. 232 Nr. 14, S. 865 Nr. 13, S. 1676 Nr. 5 16 18, S. 2649 Nr. 8 17, S. 2769 Nr. 8, S. 2879 Nr. 19, S. 3953 Nr. 18 4 M. 1500. 171 Nr. 5 8 22 25, S. 241 Nr. 23, S. 398 Nr. 23, 617 Nr. 4 18, S. 701 Nr. 15, S. 865 Nr. 18, 1132 Nr. 22, S. 1310 Nr. 1116, S. 1572 Nr. 20, 1680 Nr. 21, S. 1756 Nr. 21, S. 1825 Nr. 18, 2278 Nr. 17, S. 2513 Nr. 17, S. 2533 Nr. 24, 2547 Nr. 14, S. 2769 Nr. 7, S. 2879 Nr. 6, 2936 Nr. 6, S. 3315 Nr. 20, S. 3443 Nr. 5, 3505 Nr. 16, S. 3579 Nr. 13, S. 3686 Nr. 14, 3708 Nr. 8 à 600 M. Auf alle übrigen in den am Dezember 1886 gezogenen Serien enthaltenen und hler nicht aufgeführten Nummern entfällt der geringste Gewinn von M. 303.
Hamburger 3pCt. 50 Thlr.⸗Loose von 1866. Ziebung vom 3. Januar 1887.— Heimzahlung am 1. März 1887. Serie 96 138 173 218 264 391 405 406 434 453 488 521 670 683 850 873 1038 120 128 137 184 264 311 397 517 926 2037 043 046 067 092 192 429 484 485 551 552 566 571 614 679 708 734 735 860 922 943 947 3019 023 087 181 217 258 261 271 355 367 545 565 684 692 718 785 809 853 862 901 jedes Loos 60 Thaler.
Oesterr. Credit 100 fl.⸗Loose von 1858. Serien- und Gewinnzlehung vom 3. Januar 1887.— Heimzahlung am 1. März 1887. Serien: 433 1127 172 403 698 924 2151 206 331 466 532 580 3029 126 304 522 3788 4101 126. Gewinne: S. 1403 Nr. 27 à fl. 150000. S. 1403 Nr. 53 à fl. 30000. S. 1403 Nr. 61 à fl. 15000. S. 3029 Nr. 76, S. 4126 Nr. 73 à fl. 5000. S. 1924 Nr. 3, S. 3126 Nr. 29 ä fl. 2000. S. 3522 Nr. 48, S. 2466 Nr. 97 à fl. 1500. S. 1127 Nr. 12, S. 3788 Nr. 5159, S. 2331 Nr. 37 à fl. 1000. S. 433 Nr. 12 26, S. 1127 Nr. 57 67 90, S. 1172 Nr. 68, S. 1698 Nr. 56 61, S. 1924 Nr. 16 28, S. 2151 Nr. 19 56, S. 2580 Nr. 4 35 39 85, S. 3029 Nr. 42 89, S. 3304 Nr. 9 35 70, S. 3522 Nr. 98, S. 4101 Nr. 19 44 49, S. 4126 Nr. 28, S. 2206 Nr. 77, S. 2331 Nr. 56 64 66 96, S. 2466 Nr. 17 29 49 63, S. 2532 Nr. 67 à fl. 400. Auf alle übrigen in obigen Serien enthaltenen und hier nicht aufgeführten Nummern entfällt der geringste Gewinn von je fl. 200.
Handel und Verkehr.
Friedberg, 11. Jan. Fruchtpr. Watzen M. 17.50, Korn M. 14.00 000, Gerste M. 14.50— 15., Hafer M. 11.50—12. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo — 200 Zollpfd.
Friedberg, 12. Jan. Buttermarkt. Butter kostete per Pfd. M. 0.70—0.75, Eier 1 Stück 8 Pf.
Grünberg, 8. Januar. Fruchtpr. Weizen M. 17.00, Korn M. 13.30, Hafer M. 11.40, Erbsen M. 14.00.
Gießen, 11. Jan. Auf dem heutigen Markt kostete Butter per Pfd. M. 0.75 0.80, Eier per St. 7-8 Pf., Käse per St. 5—8 Pf., Tauben per Paar M. 0.70 0.90, Hühner per St. M. 0.80— 1.00, Hahnen per St. M. 70 bis 1.20, Enten per Stück M. 1.40 2.00, Gänse per Pfd. 50—65 Pf., Ochsenfleisch per Pfd. 62— 64 Pf., Kuh⸗ und Rindfleisch 54—56 Pf., Schweinefleisch 56 bis 60 Pf., Hammelfleisch 5066 Pf., Kalbfleisch 50 Pf., Kartoffeln per 100 Kilo M. 4.00—4.50., Zwiebeln per Ctr. M. 5.00,
Homburg, 11. Januar. Marktpreise. Kartoffeln per Malter M. 4.50—5.00, per Geschelid 9-10 Pf. Fier per Stück 7 und 8 Pf., Butter per Pfd. 1. Qual. M. 1.00, 2. Qual. M 0.90.
Frankfurt, 10. Jan. Fruchtber. Hiesiges Welzen⸗ mehl Nr. 0 M. 31.50 32.00, Nr. 1 M. 27.00- 28.00, Nr. 2 M. 25.00— 26.00, Nr. 3 M. 23.00— 24.00, Nr. 4 M. 17.00— 17.50, Nr. 5 M. 15.00 16.00, Milchbrod⸗ und Brodmehl im Verband M. 49.50— 52.50, nord⸗ deutsches und westfälisches Weizenmehl Nr. 00 M. 28.25 bis 24.25, Roggenmehl(hies.) Nr. 0 23.00 24.00, Nr. 0/ M. 22.00-23.00, Nr. 1 M. 18.50 19.50, Nr. 2 M. 16.00 16,50, Weizen ab unserer Umgegend M. 17.40 17.80, frei Bahnhof hier M. 17.75— 18.00, fremder nach Qual. M. 17.50— 20.50, Roggen hlesiger M. 14.00, russischer je nach Qual. M. 13.75— 14.00, Gerste, Brauerwaare M. 15.00— 18.00, do. zu Mahl- zwecken M. 11.50, Hafer, mittel M. 11.75- 12.00, prima M. 12.50-13.00, Raps M. 23.50— 24.00, Mais M. 12.00 bis 12.25, Heu per Ctr. M. 2.50— 8.00, Stroh M. 2 50 bis 2.75, Erbsen M. 14.00— 21.00, Linsen M. 20.00 bis 38.00, Wicken M. 13.00, Roggenkleie M. 4.50,
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