Schreiben ausgesprochen hat, zurückweisen. Im Hinbllck. auf diese nahe bevorstehende Reviston der Kirchengesetze, welche— wie Grund ist anzunehmen— befriedigend ausfallen wird, wünscht der heiltge Vater, daß das Centrum die Vorlage des militärtschen Septennats in jeder ihm moglichen Weise begünstige. Es ist hinlänglich bekannt, daß die Regterung auf die Annahme dleses Ge setzes den groͤßten Werth legt. Wenn es nun infolge
dessen gelingen sollte, die Gefahr eines nahen Krleges
zu beseitigen, so wurde das Centrum sich sehr verdtent gemacht haben um das Vaterland, um die Humanität und um Europa. Im entgegengesetzten Falle würde man nicht verfehlen, ein feindsellges Verhalten des Centrums als unpatriotisch zu betrachten, und eine Auf löͤsung des Reichstags würde auch dem Centrum nscht unerhebliche Verlegenhetten und Unsicherhelten berelten. Durch Zustimmung des Centrums zu der Septennats— vorlage würde aber die Regierung den Katholiken wie auch dem heiligen Stuhl immer geneigter werden, und auf die Fortdauer der friedlichen und gegenseitig ver trauensvollen Beziehungen zu der Berliner Reglerung legt der heilige Stuhl keinen geringen Werth. Ste wollen daher die Führer des Centrums auf's Lebhafteste dafür interessiren, daß sie ihren ganzen Einfluß bei ihren Collegen anwenden und denselben versichern, daß sie durch Unterstützung des Septennats dem heiligen Vater eine große Freude bereiten und daß das fuͤr die Sache der Katholiken sehr vortheilhaft sein wird. Wenn diese letzteren auch infolge der neuen Milttärgesetze mmer— hin neuen Lasten und Beschwerlichkeiten entgegengehen, so werden sie anderseits entschädigt werden durch den vollständigen religiösen Frieden, welcher doch das hoͤchste aller Güter ist. Indem ich vorstehende Betrachtungen Ihrem Tacte und Ihrer Umsicht anvertraue, bin ich uͤberzeugt, daß Sie den in Betracht zu ziehenden Per— sonen und Verhältnissen gegenüber davon Gebrauch machen werden. gez. L. Kardinal Jacobini.
Ausland.
Frankreich. Paris, 8 Febr. Der Minister— rath beschloß bekanntlich in seiner heutigen Sitzung, sich dagegen zu erklären, daß die Be— rathung des für Armeezwecke verlangten Credits von 86 Million, welcher zum Extraordinarium des Budgets des Kriegsmisteriums gehört, ver— tagt werde. In der Deputirtenkammer kam die Angelegenheit heute ebenfalls zur Erledigung. Es erfolgte die Annahme der Art. 10 und 31 sowie des Art. 12, der dem Kriegsminister zur Vervollständigung des Militärmaterials eine Gesammtsumme von 105 Million von den außer ordentlichen Hilfsquellen vom Jahre 1887 be willigt und zwar erfolgte dieselbe ohne Berathung durch Zuruf.
— 10. Febr. Der Ministerrath beschloß, daß, im Falle nach der Beendigung der Bud— getberathung beantragt werde, der Berathung der Militärvorlage die Priorität einzuräumen, die Tagesordnung aufrechterhalten werden solle, nach welcher die Berathung der Getreidezölle die Priorität hat.
— 10. Febr. Die Hierherkunft des Adju— tanten des Zaren, General Martinow, hängt zusammen mit der Lösung der bulgarischen Frage.
— 9. Febr. Der Konkordatsausschuß der Deputirtenkammer sprach sich heute mit ln gegen 9 Stimmen für die grundsätzliche Trennung der Kirche vom Staate aus.
Lyon, 9. Febr. Gestern Abend platzten hinter dem Justizpalast zwei gegen das Gitter des benachbarten Polizeikommissariats geschleu— derte Bomben. Der Polizeikommissär und zwei Polizisten, welche nach der Explosion der ersten Bombe aus dem Hause eilten, wurden durch die zweite leicht verwundet. Cs wurden acht Verhaftungen vorgenommen.
Großbritannien. London, 9. Febr. Die Sozialisten veranstalteten, nachdem der von ihnen beabsichtigte Fackelzug verboten worden war, gestern Abend eine öffentliche Kundgebung auf Clerkenwell Green. Nach Schluß der Kund— gebung schlug ein nach Osten ziehender Volks— haufen unterwegs mehrere Schaufenster ein und plünderte mehrere Läden. Die Polizei stellte die Ordnung wieder her und nahm mehrere Verhaftungen vor. b
Italien. Rom, 9. Febr. Der König conferirte gestern mit den Präsidenten der De— putirtenkammer und des Senats bezüglich des Entlassungsgesuchs Robilants. In Deputirten— kreisen verlautet, die Kammer werde sich nach der Genehmigung des Budgets vertagen.
Türkei. Constantinopel, 9. Febr. Wie verlautet, hat die Pforte sich mit Zankoff und
Vulkovitsch über folgende vier Punkte eines Ver— söhnungsplans geeignet: Umbildung der Regent— schaft, Bildung eines Coalitionsmiuisteriums, welches entscheidet, ob neue Kammerwahlen statt— finden, oder die bestehende Sobranje bleibt, Anerkennung der in der neuen Regierung ver— tretenen drei Parteien und Aufstellung von drei Thronkandidaten, worunter der Fürst von Min— grelien, welche der Sobranje vorgeschlagen werden sollen.
— Meldung der„Ageuce Havas,“: Eng— land schlug Autonomie und Neutralisirung Egyp tens und die Freiheit des Suezkanal-Verkehrs vor; ferner das Recht Englands, im Falle von Ruhestörungen Egypten wieder zu besetzen und das Truppendurchzugsrecht Englands zu Lande und durch den Canal, schließlich die Besetzung der Mehrzahl der Offizierstellen in der egyp tischen Armee mit Engländern.
Aus Stadt und Land.
d. Frledberg. Das Jubiläum unseres Pre- digerseminars soll nach Bestimmung des Großher— zoglichen Oberconsistorilums am 9. und 10. August d. J gefeiert werden. Da sich der eigentliche Stiftungstag, der 21. Mal, als Samstag zwischen Himmelfahrt und Exaudi, durchaus nicht eignet, war der 10. Mat als Anfang des 101. Semesters vorgeschlagen. Viele Geist liche aber hatten Verlegung auf spätere Zeit gewünscht, damit die Confirmandenstunden nicht gestört würden. Gegen die sonst recht passende Pfingstwoche sprach die herkömmliche große Abendmahlsfeier und Confirmation dahter auf Trinktatis, welcher am Samstag die Beichte, am Mittwoch die Prüfung voranzugeben pflegt. Auch machten die Pfingstferten des Schullehrer Seminars Schwierigkeiten. Zudem wünschte man die Seminarfeser den belden theologlschen Versammlungen, welche in der Trinttattswoche zu Gießen durch das Jahresfest des Oberhessischen Vereines für innere Mission und durch die Gießener theologtsche Conferenz stattfinden, nicht nahe zu legen. Grade der 9. und 10. August aber scheinen geeignet, weil da die Universitätsferten begonnen haben, unsere Sommerferien schließen, also das ohnehin oft unterbrochene Sommersemester nicht allzusehr zer rissen wird, und endlich zur Vorbereitung auf die Ge sänge zu den beabsichtigten liturgischen Feierlichkeiten sich reichlich Zeit ergtbt. Da so alle moglichen Ruͤcksichten genommen wurden, wollen wir um so mehr auf eine gesegnete Feier in Frieden und unter zahlreicher Be thetligung hoffen.
k. Friedberg. Die Falb'sche Fluthberechnung ist eingetroffen, wenn wir auch hier in unserer Gegend nicht viel davon gemerkt haben, aber in Triest wüthet die Bora(Sturm); in Wlen ist starker Schneesturm, in Folge dessen sind vielfache Elsenbahn-Verwehungen vor— gekommen, und nach einer Newybrker Depesche vom 7. Februar wurde in den Staaten westlich vom Mississippi eine Erderschütterung wahrgenommen. Obwohl nur ge ringfügiger Natur, verspürte man sie doch über ein großes Gebiet, so besonders in Terre Haute und meilenweit in der Umrunde, ferner in St. Louis, Missouri, Loulsville und Springfield in Illinots, sowie in allen umliegenden Bezirken. Ein Schaden ist nicht gemeldet worden.
r. Bad Nauheim, 9. Febr. Nette Bürschchen müssen die Fortbildungsschüler von Schwalhelm sein. Nachdem einer derselben am 13. Januar d. J., lediglich wegen Mangels an Beweis vom Schöffengericht dahier frelgesprochen werden mußte, wurden andere drei heute wegen Unfugs und Beleidigung der Lehrer zu 5 resp 7 Tage Haft verurtheilt; gegen einen derselben soll noch eine weitere Anklage in der Luft schweben. Hohe Aner— kennung verdient, was der Amtsanwalt, unter Hinweis auf die schwierige Stellung der Lehrer, diesen oft allzu rohen Burschen gegenüber in seiner Replik sagte.
Allerlei.
Frankfurt. In dem Strohsack eines vor wenig Tagen verstorbenen alten Mannes, der von mildthätigen Menschen unterstützt wurde und fur sehr arm galt, fand man in eine Art Tasche eingenäht mehrere Obligationen, einige Banknoten und verschiedene Goldstücke. Der Fund repräsentirte einen Werth von rund 3350 Mark. Jeder Fuß der Bettstelle, die niemals von ihrer Stelle gerückt worden war, stand auf einem goldenen Hundertfranken stück. In der Wanduhr, einem alten Schwarzwälder Werk, fand man vier Rollen mit Thalern. In einem alten Brödchen, das so hart wie Stein war und in einem Wandschrank lag, fand man dadurch, daß man es auf die Erde warf, wobei ein künstlich angeklebtes Stück absprang, 5 Hundertmarkscheine vor. Die hohen Schaftenstiefel, die der Verstorbene trug, bargen, in ihrer Innenseite eingenäht, zusammen 39 Zehnmarkstücke Es läßt sich erwarten, daß die glücklichen Erben eine recht eingehende Untersuchung veranstalten, um etwalge westere Schätze aufzudecken.
Coblenz. Wie die„Cobl. Ztg.“ hört, wurde am vorlgen Samstag in den umliegenden Ortschaften mittelst Ausschellen bekannt gemacht, daß zu Festungs- und Erd— arbeiten in Malnz und Metz eine sehr große Anzahl Maurer und Handlanger— man spricht von 3000— bei hohem Lohn und freier Fahrt gesucht wird.
New⸗Vork, 6. Febr. Ein furchtbares Eisenbahn— unglück ereignete sich gestern Morgen auf der Vermont
Centralbahn. Als der VBoston und Montreal Expreßzug
auf der White River Station ankam, wurden an
1
en
Zug, welcher aus Gepäck, und Postwaggons, zwel Per⸗ sonen- und zwet Schlafwaggons bestand, ein Schlaf— und a
und ein Personenwaggon, beide von Springfield kommend, angehängt. Der Zug hatte viele Passaglere, die nach Montreal zum Etskarneval reisten. Auf der Weiterfahrt brach ungefähr 200 Nards von der Brücke über den White River eine Schtene. Die Folge war, daß die Locomottve und die Postwaggons sich vom übrigen Zug
loslösten. Diese gelangten ohne Schaden über die Brücke.
Die übrigen Waggons jedoch entgleisten, rollten auf dem Bahndamm bis zur Brücke wefter und stürzten dann seltwärts, das Brückengeländer mit sich fortreißend, 50 Fuß
tief in den elsbedeckten Fluß. Bei dem Fall uͤberschlugen
sie sich und fingen augenblicklich Feuer und verbrannten. Hülfe war bald zur Stelle, aber viele der unglücklichen Passagiere waren so in die Waggons eingekellt, vaß ste vor den Augen der Hülfebringenden ihren Tod in den Flammen fanden, indem man bel der furchtbaren Kälte, welche herrschte, kein Wasser rechtzeitig beschaffen konnte, um das Feuer zu löschen. Es sollen 60 Menschen umge⸗ kommen sein.
San Franeis eo, 10. Febr. rigen Concertes im Opernhause schleuderte sinnsger eine Bombe gegen Adelina Patti. platzte zu früh und verletzte den Irrsinnigen.
Handel und Verkehr.
Butz bach, 9. Febr. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfd. 8085 Pf., Käse per Pfd. 45—46 Pf., Eier! St. 8 Pf.
Frankfurt, 9. Febr. Wochenmarkt. Heu kostete 100 Kilo M. 5.60— 7., Stroh M. 5.20— 6. Butter M. 70.— 75., im Detail M. 0.80— 1.20, Eier das Hundert M. 6.— 10., das Stück 7— 10 Pf. Branntwein der Liter 36—65 Pf. Kartoffeln das Malter M. 5.— 5.50, das Gescheid 6—8 Pf., Mäusekartoffeln das Ge⸗ scheid 25 Pf.— Geflügel: 1 Hahn M. 0.70— 1.80, Huhn M. 1.— 2.50, Welsche M. 12., Gans 50-70 Pf., Ente M. 2.— 3.50, Taube 40—60 Pf., Poularde M. 2.50 — 3.50, Capaun M. 3.50—5.— Gemüse: Blumenkohl 30-60 Pf. Romainsalat 15—20 Pf., Kopfsalat 12— 16 Pf., Endiviensalat 20 Pf., Feldsalat 20—40 Pf., Carotten 12— 15 Pf., franz. Bohnen 60 Pf., Wirsing 10—15 Pf., franz. Sellerie 35— 40 Pf., Weißkraut 12—20 Pf., Rotbkraut 15—25 Pf., Teltower Rüben per Pfd. 18—25 Pf., Zwlebeln das Gescheid 12— 15 Pf., Meerrettig 12— 20 Pf., Spargel per Pfd. M. 3.50, Suppenspargel 50 Pf.
Frankfurt, 9. Febr. Fruchtber. Hiesiges Weizen⸗ mehl Nr. 0 M. 31.50 32.50, Nr. 1 M. 27—28, Nr. 2 M. 25— 26, Nr. 3 M. 28— 24, Nr. 4 M. 17— 17.50, Nr. 5 M. 15— 16, Milchbrod- und VBrodmebl im Verband M. 50.00— 53.00, norddeutsche und westfälische Weszen— mehle Nr. 00 M. 24.00 25.00, Roggenmehl(hiesiges) Nr. 0 M. 2324, Nr. 0/1 M. 22—23, Nr.
Während des gest— ein Irr⸗
Die Bombe
M. 18.50— 19.50, Nr. 2 M. 16- 16.50, Heu M. 2.75
bis 3.25, Stroh M. 2.75—3.00 per Ctr., Roggenkleie M. 450 und Weizenkleie M. 3 80, Malzkeime M. 4, Moostorfstreu prima M. 1.30, Spelzenspreu M. 1.30, Sesam kuchen M. 5.25, Rapskuchen M. 5.75— 6, Mohn⸗
205
1
kuchen M. 3.50— 3.75. Chllisalpeter per Februar M. 10%
(umsotzlos wegen hoher Forderungen). Relsmehl mit garantirt 22—240% Fett- und Protéin-Gehalt M. 4.80 bis 4.75. Sämmtliche Artikel bei Abnahme von 200 Clkr. an. Rüböl im Detail M. 52.
Geld- Cours. Frankfurt am 9. Februar 1887. Geber. M. Pf. 16.12 16. 09
Nebhmer. M. Pf. 16. 08 16. 05 20. 29 16. 64 9. 55
20 Frankenstücke do. in ½. 3 Englische Sovereigngs... 20. 34 Russische Imperkales. 0 Dussteenßn „ al maro, Dollars in Golils ü
Kirchliche Anzeigen für Friedberg. Evangelische Gemeinde. Sexagesimä.
Pfarramtswoche Herr Pfarrer Meyer. Gottesdienst in der Stadtkirche. Nachmittags 1½ Uhr: Herr Candidat Partenheimer. Gottesdienst in der Burgkirche.
Vormittags 9½ DUhr: Herr Kirchenrath Baur. Abends 5 Uhr: Herr Missionär Thumm. Sonntag Estomiht Abendmahl in der Burgkirche—
satholische Gemeinde. Samstag Nachmittag von 4 Uhr an Beicht.
Sonntag Morgen 6 Uhr: Beicht; ¼7 Uhr: Austhetlung der heil. Communion.
10 Uhr: Hochamt mit Predigt. 2 Uhr: Chrtstenlehre und Andacht.
Burken, Rammgarne für Herren- und Knabenkleider, garantirt reine Wolle, nadel⸗ fertig ca 140 em breit à M. 2 35 per Meter,
versenden in einzelnen Metern, sowte ganzen Stücken vortofretl ns Haus Oettinger& Co, Frankfurt a. M., Buxkin⸗ Fabrik- Depot.— Direkter Versandt an Private. Muster-Collektionen berettwilligst franeo. 524
1 4
uflehen nichtig! allein d
1
6
f Noa!


