Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Bad-⸗Gastein, 7. Aug. Heute Mittag 12 Uhr machte der Kaiser Franz Joseph dem Kaiser Wilhelm seinen Abschiedsbesuch im Badeschlosse. Beide Mo— narchen blieben nahezu eine halbe Stunde allein. Dann gab der Kaiser Wilhelm seinem scheiden— den Freunde das Geleite bis zur Treppe. Hier umarmten und kuͤßten sich Beide, worauf der Kaiser Franz Joseph, begleitet von dem Statt— halter Graf Thun, dem Prinzen Reuß und dem gesammten deutschen Gefolge, die Treppe hinab⸗ stieg, auf welcher viele hervorragende Persön— lichkeiten sich zur Verabschiedung aufgestellt hatten Als Kaiser Franz Joseph darauf den vor dem Badeschlosse haltenden Reisewagen bestieg, erschien Kaiser Wilhelm auf dem Balkon und blickte dem scheidenden kaiserlichen Freunde nach, bis der Wagen dem Gesichtskreise entschwunden war.— 8. Aug. Kaiser Wilhelm nahm heute Morgen ein Bad, machte dann einen Spaziergang auf der Kaiserpromenade und besuchte die Großher— zogin von Weimar, welche um 9 Uhr hier ein— getroffen war, im Hötel Straubinger. Der Kaiser Wilhelm machte hierauf Abschiedsbesuche, fuhr dann Abends nach dem Kötschachthal und nahm den Thee bei der Gräfin Lehndorff. Zur Tafel waren der Badearzt Hertel und der Bürger— meister Straubinger geladen.— 9. Aug. Heute früh nahm der Kaiser ein Bad und machte so dann einen Spaziergang auf dem Kaiserwege. Die Abreise des Kaisers ist auf morgen Nach— mittag 3½ Uhr festgesetzt.
Belgien. Bruͤssel. Das„Journal de Bruxelles“ erklärt hochoffictös, zur Nachfolge in Lupemburg sei nur der Herzog Adolf von Nassau berechtigt. Man glaubt jedoch, er werde zu Gunsten seines Sohnes auf den Thron verzichten.
Spanien. Madrid. Durch Decret vom 26. v. M. sind die bisher auf Cuba und Puerto Rico entrichteten Ausfuhrzölle auf Honig, Rohr branntwein und Zucker vom 28. v. Mts. ab aufgehoben worden.
Italien. Rom, 7. Aug. Der König lehnte die Demission des Cabinets ab und ernannte den Minister des Junern, Crispi, auf Antrag des Ministerraths interimistisch zum Minister des Aeußern.
Serbien. Belgrad. Die„Bud. Corr.“ meldet: König Milan trifft am 17. August wie— der in Pest ein; an demselben Tage kommt auch Königin Natalie aus Belgrad hier an, um mit ihrem Gatten und Sohne sich nach Wien zu begeben. Königin Natalie wird sich von Wien mit dem Kronprinzen Alexander zu längerem Kurgebrauche nach Baden bei Wien begeben, während König Milan von Wien nach Gleichen— berg reist, um dort beiläufig bis Ende Sep— tember zu verbleiben und Heilung von der in Belgrad stets wiederkehrenden katarrhalischen Affection seiner Athmungsorgane zu suchen. Von Baden wird sich Königin Natalie mit dem Kron— prinzen Alexander über den Winter nach Italien, wahrscheinlich Florenz, begeben. Ein Professor der deutschen Sprache wird den Kronprinzen begleiten, um dessen Kenntniß der deutschen Sprache soweit auszubilden, daß der Kronprinz sodann in Deutschland eine Mittelschule besuchen könne. Die Königin wird den Kronprinzen nach Deutschland begleiten und während dessen mehr— jähriger Schulzeit— die er wahrscheinlich zum Theil in Dresden, zum Theil in Stuttgart ver— bringen wird— an der Seite ihres Sohnes verbleiben.
— Die Wahlen für die Skupschtina werden im ganzen Lande am 6. September stattfinden.
Bulgarien. Sofia, 8. Aug. Einer Havas— meldung zufolge haben sich die Minister auf Ver— anlassung der Regentschaft heute nach Rustschuck begeben.
— Dem Wiener Amtsblatt zufolge wurde dem Prinzen von Coburg der Austritt aus dem Verbande der Honved-Armee gestattet. Die Wiener Blätter bringen Einzelheiten über die Reise⸗Anstalten des Prinzen. Auf Schloß Eben— thal werde hastig gepackt und die Dienerschaft
augewiesen, sich für die Abreise nach Orsowa
bereit zu halten. Am Sonntag sollen die Reit— pferde des Prinzen bereits verladen worden sein. Natschewitsch ist heute von Wien nach Bul— garien abgereist.
Rußland. Petersburg. Das„Journal de St. Petersburg“ dementirt die Meldung des „Temps“, daß der Director der Militärschule in Petersburg Deutschland in einer Rede an— gegriffen habe und daß letzteres die Entfernung des Directors verlangt, aber keine Genugthuung erlangt hätte. Die ganze Angelegenheit habe sich überhaupt nicht ereignet.
Aus Stadt und Land.
Mainz. Das Nachtmanöver vom Samstag Abend begann um 9 Uhr und war gegen 10 Uhr zu Ende. Dasselbe hatte große Mengen Zuschauer nach den Außen— straßen unserer Umgebung geführt, so, daß die Stadt noch in den späten Abendstunden außergewöhnlich belebt war. Der Angriff erfolgte auf das Fort„Hardenberg“. Der zu Militärzwecken bestimmte Luftballon ist zerplatzt; ein bayerlscher Offizier wurde erheblich beschädigt.
Mainz, 8. August. Heute Nachmittag um 3 Uhr entstand in dem sog, botanischen Garten in der Neustadt in einer Schreinerwerkstätte ein Brand, welcher so große Dimensionen annahm, daß in kaum einer halben Stunde berelts sieben Gebäude in Flammen standen. Dem ener— gischen Eingreifen der Feuerwehr gelang es erst gegen 5 Uhr, Herr des Feuers zu werden.
Allerlei.
Lorch, 8. Aug. In Lorchhausen entstand gestern Mittag Feuer. 7 Wohnhaͤuser wurden zerstört; der Bahnverkehr war zeitweise unterbrochen.
Berlin. Der Coloradokäfer wurde bisher nur an zwel Orten, in Dommitzsch(Kreis Torgau), wo eine Fläche von 3 Hektaren, und in Wochmoor(Kreis Meppen), wo eine Fläche von 20 Ar infieirt ist, entdeckt. Es sind wirksame Maßregeln gegen die Weiterverbreltung des: selben ergriffen.— Die Reblaus zeigt nur geringe Spuren in Preußen und zwar in der Nachbarschaft der alten Herde bei Linz und in einigen kleinen Hausgärten in Biebrich am Rhein.
Brüssel, 8. Aug. Seit vorgestern Abend wüthet im Hertogenwald, zwischen Herbesthal, Stavelot und Malmedy ein großer Waldbrand.
Straßburg. Die französtschen Behörden gestatteten der Firma Weisbach die Wiedereröffnung ihrer Puppen— fabrik in Embermenil.
Metz, 8. Aug. Gestern Abend fand die feierliche Einweihung des Denkmals statt, welches die Turn- und Kriegervereine den 1870 in Metz gestorbenen 283 deutschen Kriegern auf dem Militär- Friedhofe errichtet haben. Alle Militär- und Clvilbehörden wohnten der erhebenden Feier bei.
Venedig, 3. Aug. Neunhundert Bäcker striken. Die Stadt war heute ohne Brod und wurden erst gegen Mittag aus Padua, Plave, Dolo und anderen Orten die nöthigen Brodquantitäten gesendet. Die Bäcker ver langen eine Lohnerhöhung von 25 Centimes. Bisher wurde die Ruhe nicht gestört, nur in einer Bäckerei kam es zu geringen Ausschreitungen—
Malta. Das Auftreten der Cholera wird offiziell konstatirt; am 3. August fanden drei Cholerafälle statt, deren einer tödtliche Folge hatte.
New Vork, 7. Aug. Während des gestern stattge— fundenen Stapellaufes eines Dampfers in Milwaukee zertrümmerte eine Fluthwelle die Stützen eines mit Zu schauern gefüllten Schuppens. Neun Personen wurden getödtet und mehrere andere mehr oder minder verletzt.
Vom Meerschaum.
Ruhla, das groͤßte Dorf des Thüringer Waldes, erfreut sich bekanntlich wegen seiner Pfeifenkopf-Industrie eines Rufes, der weit über die Grenzen Deutschlands hinausgeht. Ein Mitarbeiter der„Hamb. Nachrichten“ er— zählt huͤbsche Einzelheiten über diese eigenartige Industrie des Thüringer Marktfleckens, und knüpft daran einige Angaben über den ersten Gebrauch der Meerschaumköpfe in Europa, die auch für unsere Leser— wenigstens für die— jenigen, welche dem nervenanregenden„Laster“ des Rauchens ergeben sind— von Interesse sein dürften. Die Zeit, seit wann Pfeifen— köpfe aus Meerschaum, sogenannte türkische Pfeifenköpfe, in Europa bekannt wurden, ist heute noch streitig; während einige 1753 als das Jahr der Erfindung nennen, verlegen andere dasselbe auf 1724 zurück; alle aber bringen den Grafen Andrassy mit der Er— findung in Verbindung. Auf einer Reise in die Türkei hatte derselbe ein Stück Meerschaum als eine Seltenheit zum Geschenk erhalten; es lebte nun damals in Pest ein Schuster Kovacs, welcher durch seine Geschicklichkeit in der Holz— schuitzerei vom Grafen geschätzt wurde. Andrassy
zeigte dem Kovacs den Stein und beaufteg ihn, irgend etwas Hübsches daraus zu schnit
Da der Stein sehr porös war, schien er Kop 1
zu einem Pfeifenkopf geeignet und er verfers daraus zwei Pfeifen, eine für den Grasen, andere für sich selbst. Während des Schnitz fiel der eine Kopf auf eine Wachstafel
erhielt dadurch einige Flecken. nun zum erstenmale daraus rauchte, bemerh er, daß jene Stelle eine schöne hellbraune Fah erhielt. Er überzog nun den ganzen Kc mit Wachs, wodurch derselbe, nachdem er i längere Zeit geraucht hatte, eine gleichmäßh schöne Färbung erhielt. hoch erfreut über seinen schönen Pfeifen und manche seiner Freunde, welche ähnl
Pfeifenköpfe zu haben wünschten, ließen ff 1 75
schweres Geld solche Steine aus der Tür
kommen und von Kovacs Pfeifenköpfe daraß
schneiden. Die Kenntniß des Meerschaug und seiner Bearbeitung mag schon bald un pest nach Wien gelangt sein, aber dessen un geachtet muß das Jahr 1753 jedenfalls 3 richtig sein, denn in Deutschland sind sche früher Meerschaumpfeifen geraucht und in Lemg) Nürnberg und Ruhla geschnitten worden. Eben dunkel ist auch die Einführung der Meerschaun Industrie in Ruhla und die Ansichten gehn noch weiter auseinander. Sicher ist ind daß 1739 Simon Schenk aus Zillbach Fabrikation von Pfeifenkopfbeschlägen in Rull einführte. Mögen nun die Pfeifenköpfe au fangs aus Thon oder irgend einem Stein de standen haben, so ist doch wahrscheinlich, dai schon wenige Jahre darauf auch die Meerschaum pfeifen hier Eingang gefunden haben. Vun viel größerer Bedeutung für Ruhla ist abn die Erfindung des unechten Meerschaums g worden. Die Abfälle des echten Meerschaume beim Zurichten und Schneiden der Pfeifenkoͤpff werden mit einem hölzernen Stampfer in Wassen gestoßen und auf einer Mühle zwischen zun Steinen gemahlen, in Fässern geschlemmt un die dünne, fast flüssige Masse drückt man hierauf durch leinene Tücher oder durch Pferd haarsiebe, damit sie ganz gleichartig wird. Son dann wird die Masse in einem Kessel mit einem Zusatz von kieselsaurer Thouerde zu einem Bu
gekocht und in viereckige, auf leinene Tuüchan gestellte Holzkasten geschüttet, die oben ute
unten offen sind. Nachdem die Masse durch Abkühlen und Abtropfen sich in dem Kasten gesetzt hat, erfolgt das Nachfüllen von Masss bis die Kasten wieder ganz gefüllt sind. Nach dem die Masse wieder ziemlich fest geworden ist, werden die Holzkasten aufgehoben, die Massis dann in Stücke getheilt, wie sie für die Hen, stellung von Pfeifen oder Cigarrenspitzen ei forderlich sind, in das Trockenzimmer gebrachh, und einer Hitze von 60 bis 70 Gr. R. aus. gesetzt. Sind die Stücke soweit getrockneh, daß sie wie Seife geschnitten werden konnen, gibt der Arbeiter mittels der Hand ihnen un gefähr die Form, welche sie erhalten sollel! und jetzt erst beginnt die Arbeit des Schnitzers, Die weitere Bearbeitung des künstlichen Meer schaums ist von hier ab der Bearbeitung des echten Meerschaums völlig gleich. Mit den Abfall des künstlichen Meerschaums verfährt man ebenso wie mit dem des natürlichen und erhält so künstlichen Meerschaum zweiten und dritten Grades(Masse), bis dann die Masse endlich so schlecht wird, daß sie nicht meh zusammenhält. Der künstliche Meerschaum erstel Grades(weißmassige) kommt bei sorgfältigel Behandlung dem echten so nahe, daß selbsl Fabrikanten die daraus angefertigten Pfeifen nicht von echten Meerschaumpfeifen unterscheiden können. Zur Zeit exportirt Ruhla jährlich für 6 Million Mark Pfeifenwaaren.
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Handel und Verkehr. f Friedberg, 9. Aug. Fruchtpr. Waizen M. 1 Korn M. 13.00., Gerste M. 13.— 14., Hafer M. 11 5 12.00. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo= 200 Zoll 0 Friedberg, 10. August. Buttermarkt. Butter koste per Pfd. M. 1.15— 1.20. Eier 1 St. 6 Pf.
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Graf Andrassy w.
4006—4 Nee Ae, Sesank Agluchen N uso fett und 3 844 A übiebr a Aiunlliche Art kel i im Detail 1 dankfurt, 8 An 87 Ochsen er, 352 Kälder — 10 Jumobi. Fualtag den 12 ägem Rathbar n in Folge ein Mitittenden verste Dam Leztbieten
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