Ausgabe 
8.11.1887
 
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Die Herauszahlungen an die Bundesstgaten be laufen sich auf etwa 266 Million, wovon 180 Million auf die Branntweinsteuer, 20 Million auf die Stempelabgaben für Werthpapiere ꝛc., der Rest auf Zölle, Tabaksteuer und Aversen kommen.

Die jüngste Reise des Grafen Herbert Bismarck nach Friedrichsruhe wird mit dem be vorstehenden Besuch des Zaren in Berlin in Verbindung gebracht. Der Staatssecretär hatte vor seiner Abreise eine einstündige Unterredung mit dem russischen Botschafter Graf Schuwalow.

Der Finanzminister hat die Provinzial Steuerdirectoren angewiesen, die unteren Organe der Steuerverwaltung dahin zu instruiren, daß sie bei Handhabung des Branntweinsteuergesetzes und Vollzug der Ausführungsbestimmungen nicht engherzig verfahren, sondern das thunlichste Ent gegenkommen zeigen.

Fulda, 4. Nov. Die Bischofswahl ist heute vollzogen worden. Zum Nachfolger Kopp's wurde Stadtpfarrer Weiland von Wiesbaden gewählt.

Aachen. In der letzten Woche des Monats September ist, wie bereits mitgetheilt, ein an geblicher Complice Lieske's, des Mörders des Frankfurter Polizeiraths Rumpf, hier verhaftet worden. Die Fr. Ztg. erfährt hierüber aus anscheinend zuverlässiger Quelle Folgendes, ohne jedoch für die Richtigkeit der Einzelheiten ein stehen zu können. Der Verhaftete war seit kurzer Zeit in einer benachbarten belgischen Stadt als Aushilfskellner in Dienst und beabsichtigte seine noch in Deutschland weilende Frau nebst Kin dern zu sich zu nehmen. Im Rausche soll er sich seinem Prinzipal offenbart haben, worauf letzterer die preußische Polizei in Aachen benach richtigte und mit derselben Verabredungen traf Der Kellner ließ sich verleiten, mit seinem Herrn eine Reise nach Aachen anzutreten,um die dortigen Manöver zu besichtigen. Bereits in Herbesthal, der preußischen Grenzstation, stiegen Polizisten in Civil zu den Beiden in den Zug und dann erfolgte die Verhaftung des angeb lichen Genossen Lieske's.

Freiburg, 5. Nov. Vorgestern wurde hier durch den Staatsanwalt, den Untersuchungsrichter und einige Criminalschutzleute bei drei Social demokraten Haussuchung gehalten. Das Ergeb niß scheint ein für die Betreffenden gravirendes gewesen zu sein, denn die Soclaldemokraten wur den in Haft genommen. Ein weiterer Gesin nungsgenosse der Verhafteten wurde gestern ein gezogen. Es handelt sich um die Verbreitung socialistischer Schriften, die dem Vernehmen nach den nunmehr unter Anklage Gestellten durch einen Bahnbediensteten aus der Schweiz ver mittelt wurden.

Ausland. Oesterreich-Ungarn. Wien. In hie sigen diplomatischen Kreisen wird behauptet, daß in Fürst Bismarcks Auffassung der bulgarischen Frage ein Umschwung zu Gunsten der bestehen den Regierung eingetreten sei. Der Kanzler soll die Befestigung der Dynastie Koburg begünstigen und entschieden jede gewaltsame Störung der dahinzielenden Bestrebungen mißbilligen.

5. Nov. In einer vertraulichen Sitzung des ungarischen Delegations-Ausschusses wurde nach dem Fr. J. heute die äußere Lage erörtert. Auch Kalnoky war zugegen. Der Beucchterstatter Falck erklärte, die Lage sei klarer als jemals, Fragen daher eigentlich überflüssig. Falck gab im Namen der Mehrheit eine Vertrauenser klärung für Kalnoky's Politik. Auch Apponyi und Andrassy schlossen sich der Vertrauenser klärung au. Die wichtigste Bemerkung Kal noky's geschah auf Anfrage Andrassy's ob nicht eine Lösung der bulgarischen Angelegenheit durch einen gemeinsamen Schritt oder durch einen Mehr heitsbeschluß der Mächte möglich sei. Kalnoky antwortete, obwohl die Bestimmung des Ber liner Vertrages nicht völlig klar erscheine, sei doch dafür zu halten, daß nicht ein Mehrheits beschluß, sondern die Zustimmung aller Mächte erforderlich sei. Uebrigens fehle die Vorbe

dingung, daß die Pforte selber den Fürsten an erkenne, auch sei nicht die bulgarische Frage das wichtigste, sondern die allgemeine Spannung der Lage. Der Gesammteindruckder Auseinandersetzung war jedoch nach allgemeinem Urtheil friedlich.

Prag. Auf die beschlagnahmte ezechische Hetz schrift wurden auch in Petersburg größere Be stellungen gemacht, die natürlich wegen der Be schlagnahme nicht ausgefuhrt werden konnten; als der Staatsanwalt einschritt, waren indeß schon 1000 Stück vergriffen.

Holland. Haag. Auch Holland lehnte die Theilnahme an der Pariser Weltausstellung ab.

5. Nov. Die Erste Kammer nahm in der zweiten Lesung die Aenderung der Verfas sung vollständig an. Die neuen Kammern wer den im Frühjahr 1888 auf der Grundlage des neuen Wahlrechts gewählt werden.

Belgien. Brüssel, 4. Nov. In Produits sous Fleuu nahmen sämmtliche Grubenarbeiter die Arbeit wieder auf. In Quaregnon und Paturages feiern noch 420 Arbeiter.

Nach längerer Ruhe machen sich die bel gischen Anarchisten wieder bemerkbar. Mit Todten köpfen geschmückte Anschläge fordern zur Theil nahme an einem großen Meeting auf, in dem gegen die Hinrichtung der Anarchisten in Chi gago protestirt werden soll. An den sattsam bekannten Brandreden wird es dabei nicht fehlen. Irgend welche Beachtung sinden aber die Er güsse der Anarchisten auch in Brüssel in keiner Weise.

Frankreich. Paris, 4. Nov. Das fran zösische Ministerium hat gestern in der Frage der Rentenconversion einen Sieg errungen. Das Princip der Conversion wurde mit 239 gegen 223 Stimmen angenommen, worauf das ganze Gesetz mit 276 Stimmen gegen 161 zur An nahme gelangte.

Großbritannien. London, 4. Nov. Auf Trafalgar-Square fand heute wiederum eine Versammlung der Beschäftigungslosen statt. Als socialistische Führer aufrührische Reden an die Menge begonnen hatten, schritt die Polizei ein, verhaftete zwei Redner, Namens Webb und All mann, und trieb die Menge auseinander; die rothen Fahnen wurden weggenommen. Auf dem Polizeibureau wurde Allmann freigelassen, Webb jedoch in Haft behalten.

5. Nov. Nach einem Telegramm aus Durban erschien Undabuko gestern vor dem Gouverneur von Natal in Ekowe, bestritt den Schutz der Boers gegen die Engländer angerufen zu haben, und entschuldigte sich wegen einer früheren Weigerung zu erscheinen. Dinizulu ist bisher nicht erschienen

Dublin. Die Regierung wird gegen die Theilnehmer an der letzten verbotenen nächtlichen Versammlung in Woodromd, in der die Pro klamation des Vicekönigs verbrannt wurde, ge richtlich vorgehen. Unter den Theilnehmern be finden sich auch die Parlamentsmitglieder Row lands, Gill Sheehy und der Seecretär des Dubliner Lordmayors, Denehy.

Spanien. Madrid, 4. Nov. Im Prozeß gegen den des Attentats auf den Marschall Bazaine angeklagten Hillairand erklärten die Aerzte, derselbe habe zwar mit Bewußtsein ge handelt, aber unter dem Eindruck zeitweiliger Geistesstörung.

Italien. Neapel, 2. Nov. Trotz ziemlich stürmischen Wetters gingen heute die Transport damferPolcevra,Sumatra,Gottardo und Archimede mit 115 Offizieren, 2991 Mann, 478 Mauleseln und Pferden nach Massauah ab.

Rom. Aus London wird gemeldet, daß der dortige italienische Botschafter Graf Corti bald nach seiner Rückkehr von seinem Urlaub plötzlich aus unbekannten Gründen abberufen worden ist, man vermuthet, infolge einer persönlichen Ver stimmung zwischen ihm und Crispi.

Bulgarien. Sofia. Der bulgarische Exarch in Constantinopel wies den Metropoliten Clement telegraphisch an, dem Befehle der bul garischen Regierung, nach Tirnowa zu gehen, zu trotzen, in Sofia zu verbleiben und sein Amt

1 als Stell⸗Vertreter des Exarchen auch ferner

auszuüben. N Rußland. Petersburg. Vor einigen Tagen ist man hier in einem Hause am Jekaterinenhofer Prospekte, in der Nähe des Katherinen-Canals, welches einem Apotheker Namens Schuppe ge⸗ hört, neuen nihilistischen Anschlaͤgen auf die Spur gekommen. Es wurden Dynamitbomben und andere compromittirende Materialien mit Beschlag belegt und Verhaftungen vorgenommen.

Amerika. New ⸗Pork, 5. Novbr. Nach⸗ richten aus Chicago zufolge wird das Gefängniß, worin die zum Tode verurtheilten Anarchisten sich befinden, stark bewacht. Zwei Compagnien Polizeisoldaten, bewaffnet mit Bajonnetgewehren und Revolvern, sind im Innern des Gefängnisses, eine andere Compagnie außerhalb aufgestellt und weitere Abtheilungen in Bereitschaft gehalten. Die Anarchisten Tielden, Schwab und Spieß wandten sich an den Gouverneur mit der Bitte, das Ur theil abzuändern. Aus allen Landestheilen gehen dem Gouverneur von Illinois Petitionen zu, welche um Milde bitten.

Aus Stadt und Land. Ober⸗Ramstadt. In der hiesigen Gemeinde treten Masern und Scharlach, besonders unter den Kindern, in schreckenerregender Weise auf. Innerhalb 11 Tagen haben 23 Sterbfälle stattgefunden.

Allerlei.

München, 5. Nov. Der Prinz⸗Regent hat das vom Schwurgerscht Bayreuth über den Zuchthaussträfling Wild gefällte Todesurthell bestätigt, da Gründe zur Begnadigung nicht vorlagen. Wie bekannt, hat Wlld in dem Zuchthause Plassenburg einen Gefängnißaufseher ermordet.

London, 2. Nov. Der Sonntagssturm ist gestern mit erneuter Heftigkeit zurückgekehrt, hat ganz Großbri⸗ tannien mit Regengüssen überschwemmt und die Küsten mit Strandgut bedeckt. Im St. Georgs⸗Canal zwischen England und Irland kobte er am wüthendsten, gefährdete die Postdampfer und riß in der Nachbarschaft der Lan dungsstation Holyhead den Eisenbahndamm halb weg. In Mersey trieb er losgersssene Schuner gegen die Brücken; bei Cardiff zerstörte er eine Menge kohlenbeladener Küsten⸗ schiffe; vor Plymouth entankerte er das Panzer Schiff Conqueror und unterwühlte den Eisenbahndamm. Von allen Selten laufen ähnliche Berichte ein, namentlich aber aus Belgien.

Handel und Verkehr.

Friedberg, 5. Nov. Buttermarkt. Butter kostete per Pfd. M. 0.800.90. Eier 1 St. 8 Pf.

Butzbach, 5. Novbr. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfund M. 0.95 0.00. Käse per Pfd. 4546 Pf., Eler 1 Stück 8 Pf.

Homburg, 5. Nov. Marktpreise. Kartoffeln per Malter M. 4.4.50, per Gescheid 89 Pf., Eier per Stück 6 und 7 Pf., Butter per Pfd. 1. Qual. M. 1.00, 2. Qual. M. 0.90.

Gießen, 2. Nov. Auf dem heute und gestern ab gehaltenen Viehmarkte waren aufgetrieben: 994 Stück Rindvieh und 1835 Schweine. Die Preise bei ersterem standen dem letzten Markte gleich, während bei letzteren ein Rückgang bemerkbar war. Nächster Markt Dienstag den 22. und Mittwoch den 23. d. Mts.

Gießen, 5. Nov. Auf dem heutigen Markt kostete Butter per Pfd. M. 0.95 1.00., Eier per St. 7 Pf., Käse per St. 47 Pf., Tauben per Paar 4050 Pf., Hühner per St. M. 0.85 1.00, Hahnen per St. M. 0.50 bis 0.80, Enten per St. M. 1.40 1.80, Gänse per Pfd. 40 50 Pf., Ochsenfleisch per Pfd. 58 60 Pf., Kuh⸗ und Rindfleisch 45 50 Pf., Schweinefleisch 54 bis 60 Pf., Hammelfleisch 4060 Pf., Kalbfleisch 4046 Pf., Kartoffeln per 100 Kilo M. 3.50 4.50, Zwiebeln per Ctr. M. 6.907.00., Weißkraut per Stück 49 Pf.

Frankfurt, J. Nov. Der Heu- und Strohmarkt war gut befahren. Heu kostete 100 Kilo M. 6.60 7.60, Stroh M. 4.40 4.80. Anf dem Kartoffelmarkte waren 31 Wagen mit 350 Malter Kartoffeln zugefahren. Die Preise waren gefallen und wurde 100 Kilo mit M. 3.40 bis M. 3.80 bezahlt. Butter 50 Kilo M. 90-93, Eier das Hundert M. 5.80 7.50, Erbsen 100 Kilo M. 18 bis M. 21.50, geschälte Erbsen M. 2080, Linsen M. 2845, Bohnen M. 2124, Weißkraut 50 Kilo M. 35, Zwiebeln 50 Kilo M. 68, Mohrrüben M. 68, Kastanten der Ctr. M. 15, Maronen M. 18, Citronen 100 Stück M. 8, Orangen 100 Stück M. 10 bis M. 12, Mäusekartoffeln 50 Kilo M. 10. Hammel⸗ fleisch ist um 5 Pf. abgeschlagen.

Frankfurt, 5. Nov. Wochenmarkt. Ganze Erbsen per Pfund 1216 Pf., geschälte Erbsen 14 18 Pf., Linsen 1828 Pf., weiße Bohnen 1820 Pf. Butter das Pfd. M. 1. 1.30, Eier das Stück 68 Pf. Hammelfleisch ist um 5 Pfennig per Pfund abgeschlagen, die übrigen Flelschpreise unverändert. Hahn M. 0.70 bis 1.80, Huhn M 1. 2.20, Welsche M. 10.12., Gänse bei 600 Stück auf dem Markt per Pfd. 65 bis 70 Pf., Ente M. 2.3.50, Taube 4060 Pf., Pou⸗ larden M. 2.50 3.50, Capaun M. 3.50 5. Kar⸗ toffeln das Gescheid 1015 Pf., Gelberuͤben 8 10 Pf.,

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