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erfahren und jedenfalls Windthorst mitgetheilt. Gleichwohl hat die Centrumspartel, wie ein Mann, fur den Antrag Stauffenberg, also gegen die Forderung der Regierung, gestimmt. Wird sich das Centrum jetzt dem Papst unterwerfen? Man kann die Frage ohne Bedenken bejahen. Denn das Centrum will doch wobl als Partei fortbe stehen. Zu dieser neuesten Kundgebung aus Rom bemerkt die gemäßigt-ultramontaneDonau Ztg.: Der Papst hat früher seinen Willen privatim und in vertraulicher Weise kundgegeben; jetzt tritt er offen auf. Seine Worte sind nicht etwa nur an einen Centrumsführer, sondern sie sind an alle deutschen Katholiken gerichtet. Der Papst ist entschieden für das Septennat und entwickelt wie immer große Gesichtspunkte, er begründet sein Vorgehen mit den Interessen des Papst thums, welche mit den Interessen der Katholiken indentisch sind. Offen und klar sind die Argu mente des Papstes. Er will den Fortbestand

des Centrums, aber er will auch, daß dieses die Interessen der Kirche nicht nach eigener Anschau ung vertrete, sondern auch den Papst etwas gelten lasse. In rein politischen Fragen sei die Action

des Centrums frei, in der Septennatsfrage sei sie es nicht ganz, weil diese auch mit religtösen und moralischen Fragen zusammenhänge, wie wenigstens der Papst die Sache anschaue. Da gegen gibt es Nichts zu sagen. Deun hierüber entscheidet der Papst und nicht der eine oder andere Parteiführer. Das Centrum bleibt. Der hl. Vater wünscht ausdrücklich seinen Fortbestand und muß es im Interesse der deutschen Katho liken und seiner selbst wünschen, wie er dies ja ausdrücklich anerkennt; aber wir sind der Mei nung, daß das Centrum in manchen Dingen neue Bahnen einschlagen muß.

Offenbach, 3. Febr. Gestern fanden bei dahier wohnhaften Mitgliedern der socialdemo kratischen Partei umfangreiche Haussuchungen nach verbotenen Druckschriften statt, welche, wie derOff. K. erfährt, insofern von Erfolg waren, als ein in der Herrnstraße wohnhafter Gastwirth gestern mittag noch verhaftet wurde.

Metz, 3. Febr. Der Mitredacteur des Moniteur de la Moselle, Bessard, hat gestern einen Ausweisungsbefehl erhalten und heute Metz verlassen.

Ausland.

Oesterreich-Ungarn. Wien. Im Abgeord netenhaus interpellitte Mauthner den Minister präsidenten darüber, ob sich die Beziehungen der Monarchie zu den auswärtigen Mächten geändert hätten und ob die Regierung auch gegenwärtig hoffe, daß der Friede aufrecht erhalten werde.

Pest. Weckerle übernimmt die Leitung des Finanzministeriums.

2 Frankreich. Paris. Cassagnac verlangt die schleunige Demission des Kriegsministers Boulanger, der die einzige Kriegsgefahr bilde.

Italien. Rom. Das italienische Cabinet ist aus der Debatte über seine afrikanische Politik siegreich hervorgegangen. Die Depu tirtenkammer hat, nachdem Depretis die Er klärung abgegeben hatte, daß Italien in Massauah bleiben, aber keine Cppausionspolitik betreiben werde, die von Bonghi beantragte, von dem Ministerpräsideuten zurückgewiesene einfache Tagesordnung mit einer Majorität von 30 Stimmen abgelehnt und darauf den ver

langten Credit von 5 Million fast einstimmig.

genehmigt.

Türkei. Konstantinopel, 4. Febr. Heute traf hier ein erster russischer Botschaftsrath mit einem wichtigen Handschreiben des Zaren an den Sultan und mit Depeschen für den russischen Botschafter v. Nelidoff ein.

Die Pforte hat auf die bestimmte Nach richt hin, daß der Fürst von Montenegro noch immer rüste, eine neue Anfrage an ihn erlassen Diesmal hat Fürst Nikita in seiner Antwort die Thatsache anerkannt, daß er Truppen zusammen ziehe, behauptet aber, das geschehe nicht in kriegerischer Absicht, sondern um die Verthei digungsfähigkeit seines Ländchens auf alle Fälle sicher zu stellen.

Hier schwinden neuerdings die Aussichten auf eine baldige Ausgleichung des russisch bul garischen Confliktes.

Rumänien. Bukarest, 3. Febr. Die Kammer bewilligte heute auf Grund des Berichts Cogaluiceanu's 5 Million zur Vervollständigung der Rüstungen.

Rumänien hat die von Serbien ergangene Anregung einer Conföderation der Balkan staaten abgelehnt.

. Wie diePol, Corr. erfahrt, hat die rumänische Regierung sich veranlaßt gesehen, mehrere der in Rumänien weilenden bulgarischen Emigranten, darunter Gruew und Benderew, mit Rücksicht auf bedenkliche Agitationen der selben gegen die Sicherheit des rumänischen Staates, zu interniren.

Griechenland. Athen. Die Rekruten einstellung soll bis Juni verschoben sein.

Aus Stadt und Land.

C. T. Friedberg, 31. Jan. Gemeinderathssitzung. Dem Vertrag mit A. Flohr, betreffend Tausch und Er werb von Gelände wurde zugestimmt, ebenso dem von demselben vorgelegten Bauplan. Die Stelle eines Wasen⸗ meisters soll durch Schäfer Kayser besetzt werden. Ein Gesuch von Frau Fiedler, um Ueberlassung einer Gras nutzung auf längere Zelt, wurde durch Ablehnung erle⸗ digt. Die von Geometer Laubner vorgelegte Rechnung wurde zur Zahlung angewiesen.

m. Friedberg, In der hiesigen Suppen-Anstalt wurden vom 27. Dezember 1886 bis 31. Januar 1887 2593½ Liter Suppe ausgegeben. 2274 Liter wurden verschenkt und 319½ Liter wurden à 10 Pf. verkauft. Im Durchschnitt wurden täglich 72 Liter verbraucht. Auch in dlesem Jahre hat sich die Anstalt für unsere Armen als eine reiche Wohlthat ezwiesen.

w. Friedberg. Auf den Wahl-Versammlungen auf dem Lande fährt man fort, die Thatsachen zu verwirren und zu verdrehen. Unsere Gegner, unter anderem auch Major Hinze, eitiren eine Aeußerung Dr. Miquel's aus dem Jahre 1867 über die Nothwendigkeit der Aufrecht erbaltung des Budgetrechts, welche gegen das zuerst be willigte sogenannte Pauschquantum und dessen ewige Dauer gerschtet war. Als wenn es sich bei einer Be willigung der Friedenspräsenz auf 7 Jahre um die Preis gebung des Budgetsrechts handelte. Jede auf Gesetz beruhende Einrichtung, und deren gibt es im Reich ja eine große Anzahl, läßt das Budgetrecht unangetastet. Nur müssen die aus dem Gesetz direet folgenden Ver pflichtungen natürlich auch vom Parlament geachtet werden. In den letzten 12 Jahren hat der Reichstag dies Bud getrecht auch ungestöͤrt geübt, und zwar naturgemäß in weit eingretfenderer Weise, wie bei anderen auf Gesetz beruhenden Reichsinstitutionen. Man sieht daher klar, daß auch hier wieder eine absichtliche Verdrebung der Thatsachen vorliegt, und Dr. Miquel genau auf demselben Boden steht, wie 1867.

W. Friedberg. Oberbürgermeister Dr. Miquel hatte in Neustadt versichert, daß alle seine politischen Freunde wie bisher so auch in Zukunft für die Gleichberechtigung aller Confessionen eintreten würden. Wie weit die durch die Gegner geschürte Verwirrung der Gemüther geht, ergibt sich aus zahlreichen an ihn gerichteten Anfragen, ob diese Worte sich auch auf die Gleichstellung der is raelitischen Mitbürger beziehen sollten. Natürlich wurden diese Anfragen in dem Sinne beantwortet, daß jene Worte in Neustadt wesentlich den Zweck hatten, gegen über den leider in vereinzelten Kreisen noch immer nicht ganz ausgestorbenen antisemitischen Bestrebungen einen Satz auszusprechen, der sonst als selbstverständlich an zusehen und längst wohlerworbenes Gemeingut der Natton ist. Wir brauchen nicht hinzuzufügen, daß die gesammte nationalliberale Partei eine gleiche Anschauung vertritt.

h. Friedberg. Die Leistungen unseres Dilettanten vereins verdienen alle Anerkennung. Das ist uns in dem am 6 d. Mts veranstalteten Concert wieder klar geworden. Alle Nummern des Programms wurden von dem Publikum in dem dichtbesetzten Saale mit großem Betfall aufgenommen, enthustastisch aber wurde der Applaus bei den humorlstischen Vorträgen Zenkers aus Offenbach. Hervorzuheben sind auch die Leistungen des Dirigenten F. Reinhardt in Beziehung auf's Ganze und auf seinem Instrument, dem Plston. Die vier Zitherspieler haben ebenfalls die Anwesenden als andächtige, aufmerksame und erfreute Zuhörer gehabt. Der Dilettantenverein kann uns bei vorkommenden Anlässen gute Dienste leisten und hat sie geleistet, er ist ein Gewinn für unsere Stadt.

h. Friedberg. Die musikalisch⸗theatralische Abend unterhaltung des GesangvereinsConcordia am 5. Febr. verdient es, in diesem Blatte lobend besprochen zu wer den. Das reichhaltige, schöne Programm wurde in seinen zwel Theilen, Musik und Theater, gut durchge führt. Dirigent, Präsident und der gesammte Verein Die Chöre wurden frisch und

haben alle Ehre davon. präeis ausgeführt, die Instrumentalpieeen zeugten von Fertigkeit und gutem, mustkalischen Geschmack; hervor heben wollen wir noch die Solosängerin und ihre Mit

sängerin im Duett. Die bei der Theateraufführung Mitwirkenden spielten so gewandt, natürlich und gut, wie dies nur bet guter Befähigung und sachverständig geletteter Uebung der Fall ist; die Damen namentlich spielten ganz excellent; daß unter solchen Umständen nach

jeder Nummer der Aufführungen es an lebhaften Velfalls⸗ N

bezeugungen nicht gefehlt hat, kann man sich denken. Das Volksleben braucht Gesang! Dleser Wahrheit zufolge war schon in demselben Krelse unserer Bürger⸗ schaft vor 40 Jahren der Gesangveresnzur Elntracht entstanden. Wenn die nachfolgende Generation in Be⸗ ziehung auf Wissenschaft und Kunst, Edelsinn und Pa⸗ triotismus auf die Schultern der Vorfahren stelgt, dann ist dies der rechte Fortschritt im Guten.

m. Friedberg. Der Hessische Ausschuß der Süd vdeutschen Conferenz für innere Wssion hat der Herberge zur Heimath in Friedberg, die, wie es in dem betreffen den Schreiben heißt, eine Bedeutung für das ganze Land und insbesondere auch für die Arbelter-Colonie in Neu Ulrichstein hat, eine einmalige Unterstützung von fuͤnfzig Mark bewilligt,

a. Altenstadt, 2. Febr. Im dichtgedrängten Saale der Holzapfel'schen Wirthschaft sprach heute Oberbürger⸗ meister Miquel aus Frankfurt vor den Wählern. Nach⸗ dem der Vorsitzende, Rechtsanwalt Jöckel, den Candi daten vorgestellt hatte, entwickelte dieser in meisterhafter Rede sein Program. Er betonte den hoben Ernst der Lage, der es vollständig unbegreiflich erscheinen lasse, wle eine Reichstagsmehrheit das Septennat habe abelehnen können. In ruhigen Zeiten im Jahre 1874 und 1889 babe man anstandlos das Septennat bewilligt. Welcher Grund sei jetzt vorhanden, daß man ablehne, letzt, wo die euro⸗ pälsche Lage sich zugespitzt habe bis zum Aeußersten. Un⸗ begreiflich sei es, wie Männer, die früher unserer Partei angehört, vergessen konnten, daß sie selbst mit beredtesten Worten selner Zeit das Septennat befürwortet hätten. Wie könne man jetzt, wo der äußere Feind drohe, Con fliete heraufbeschwören, jetzt, wo alle Deutsche auf das einmüthigste zusammenstehen und zusammen zu halten alle Veranlassung hätten. Deßhalb gehe sein Ruf an alle Parteien, Fraetlonszwang und Partetinteressen zu ver⸗ gessen und nur einmal dem Mahnwort Molike's und Bismarck's zu folgen, vorzubeuzen und zu vermelden, daß das Ausland erstarke angesichts unserer inneren Kämpfe. Die Gegner säben sehr wohl ein, daß sie diesen Kernpunkt der Frage verdunkeln mußten, deßhalb würfen sie in die Wählermassen die Beschuldigung, die Natsonal⸗ liberalen wollten Monopole und Aenderung der Reichs- verfassung. Um allen diesen Beschuldigungen die Spitze abzubrechen, erklärte Redner, wolle er offen bekennen, daß er entschiedener Gegner aller Monopole und einer Aenderung der Reichs verfassung sei. In religiöser Be ziehung vertrete er unentwegt den Standpunkt allge⸗ meiner Gleichberechtlgung für Ehristen und Juden, mit Freuden begrüße er alle zur Beilegung des Culturkampfes ergriffenen Maßregeln. Donnernder Beifall lohnte den Redner. Nachdem Fabrikant Hofmann, ein geborener Altenstädter, unseren Wahlkreis zu seinem vortrefflichen Candidaten beglückwünscht und ein Hoch auf densel den ausgebracht hatte, das begeisterten Anklang fand, schloß Rechtsanwalt Jöckel die Versammlung mit einem Hoch auf Kaiser und Vaterland.

Mainz. Gemeinde Mainz hat sich der Ober Consistorkalrath und Superintentent der Provinz Rheinhessen Dr. Köhler aus Gesundheitsrücksichten gezwungen gesehen, um Entbind ung von der durch ihn versehenen ersten Pfarrstelle da hier einzukommen. Seiner deßfallsigen Bitte ist bereits höchsten Ortes entsprochen worden und wird Dr. Köhler in Folge dessen demnächst wieder von hier, wo er sich die allgemeinste Hochachtung und Verehrung erworben, schelden, um seinen Wohnsitz wieder in Darmstadt zu nehmen.

Mainz, 4. Febr. Auf der Strecke Mainz-Alzey erlitt heute Morgen in dem Tunnel bei Kleinwinternheim die Maschine des Marktzuges einen Defeet, in Folge dessen der Zug im Mitten Tunnel halten blieb. Unter den Insassen des Zuges entstand dadurch eine große Aufregung, die sich indeß ohne besonderen Unfall wieder bald legte.

Allerlei.

Hildburghausen, 4. Febr. In der Nähe von Jägersruh wurde gestern Nacht die von Hildburghausen nach Heldburg fahrende Post räuberisch überfallen. Von drei Strolchen, welche das Attentat ausführten, fiel einer den Pferden in die Zügel, ein andrer stach nach dem Postillon, und der diktte versuchte in den Wagen, in dem sich keine Passagiere befanden, einzudringen. Der Postillon wehrte die weiteren Angriffe des auf ihn ein dringenden Räubers mit einem Sillscheit ab, trieb die Pferde an und ist so glücklicherweise entkommen. Bisher sind die Strolche noch nicht ermfttelt.

Verloosungen.

Nassauische 25fl.-Loose vom Jahre 1837. Zlehung am 1. Februar. Auszahlung am 1. Mai 1887. Hauptpreise: Nr. 35932 2000 fl. Nr. 3454 18888 37491 je 72 fl. Nr. 43235 43683 51800 82480 82887 85894 90764 99328 je 60 fl. Am 2. Februar ge⸗ zogene Hauptpreise: Nr. 27110 1000 fl. Nr. 50601 500 fl. Nr. 9 306 72 fl. Nr. 11336 23437 46677 51723 60318 64885 73050 74966 80257 85481 100875 je 60 fl.

Köln Mindener 31 ꝛproe. Thlr. 100 Loose von 1870. Gewinn-Ziehung vom 1. Febr. 1887. Heimzahlung am 1. April 1887. Nr. 108867 Thlr. 55,000. Nr. 103727 Thlr. 8000. Nr. 189335 Thlr. 4000. Nr. 79272 Thlr. 196152 à Thlr. 1000. Nr. 56442 143381 à Thlr. 500. Nr. 22977 83252 103725 107448 108886 108888 117658 138542 141393 144169 196189 à Thlr. 200. Auf alle übrigen in den am 1. Dezbr. 1886 gezogenen

Zum größten Bedauern der evangelischen

2000. Nr. 85059 118429

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