Scminarlehrer Friedrich Link. Kaum hat sich das Grab über unserem unvergeßlichen
anes Wahl geschlossen, so müssen wir auf's Neue
in schweren Verlust beklagen in Friedrich Link, dem eoderdlenten Musiklehrer an unseren beiden Seminaren.
sel vergoͤnnt, uns in wenigen Zügen das Bild dieses ungegangenen Freundes noch einmal zu vergegenwär „ der mit dem musikalischen Leben unserer Stadt wir so manche edle
eng verwachsen war und dem ende verdanken.
Friedrich Philipp Link ward zu Obernhain im maligen Herzogthum Nassau am 1. Dezember 1841 Foren. Sein Vater Ludwig Link, der nun tiefgebeugt
Sohne in's Grab blicken mußte, war daselbst Lehrer Organist. Der kleine Friedrich wurde von dem
er schon frühe in der Musik unterrichtet und machte
in so rasche Fortschritte, daß er schon als Knabe von
Jahren im Stande war, den Vater im sonntäglichen
etesdienst auf der Orgelbank zu vertreten. Da er sonst große Begabung zeigte, wurde er fur den
ruf eines Volksschullehrers bestimmt und bezog 1857 Schullebrerseminar zu Usingen, das er mit tüchtigen
utnissen im Jahre 1860 verließ. Vier Jahre wirkte
nun in verdienstvoller Weise im praktischen Schuldienst
Rüdesheim, Geisenheim und Friedrichsdorf.
Aber mit unbezwinglicher Macht brach schon während her Zeit die Liebe zur Tonkunst hervor. Mtt eisernem Niß studirte der junge Lehrer in den Freistunden, dle sein Beruf gönnte, und die— weil er noch eine Inge Privatstunden gab— nahe zusammen gingen, Werke von Marx, Lobe, Richter, um sich eine genaue
lichen Compositlonen für Pianoforte, Violoncello, Ge— sang, welche ihm einen geachteten Namen verschafften. Frische Erfindung, eln auch verwickeltere Formen klar und sicher aufbauender Formensinn und große Gewand— hett im Satze wurde ihm von Kennern nachgerühmt. Nach gjährigem Aufenthalt in der Schwetz erhlelt Link die Berufung an das Großherzoglich Hess. Schullehrer— Seminar zu Friedberg. Am 1. Juli 1875 wurde er als 1. Musiklehrer an demselben angestellt, am 1. Jan. 1876 wurde er zum außerordentlichen Lehrer am Prediger— seminar ernannt und ihm der kirchenmustkalische Unter— richt an demselben übertragen. Auch in dieser Stellung hat sich Link die volle Anerkennung seiner Vorgtsetzten und Schüler erworben. Er war mit Ernst bei der Sache und forderte daher ernste Arbeit auch von den Lernenden; die Musik war ihm nicht bloßes Spiel, sondern strenge Kunst und Wissenschaft: manchen erschien vielleicht die Aufgabe zu hoch gegriffen, wie er sie faßte. Es liegt in der Natur der Sache, daß von Seiten der jungen Theologen, da von denselben speeifisch musikalische Vor— bildung nicht gefordert wird, immer nur Einzelne das voll verwerthen konnten, was Link bot in Theorie und Geschichte. Alle aber ehrten und liebten in ihm, wie auch seine Schüler im Lehrerseminar den gewissenhaften Lehrer und liebenswerthen Freund. Seine Tüchtigkeit in Theorle und Praxis der Tonkunst wurde von maß— gebender Seite voll gewürdigt. Als im Herbste 1883 von dem Großh. Oberconsistorium eine Commission zur Her— stellung eines neuen Choralbuchs nach Darmstadt einberufen wurde, gehörte derselben Link nicht nur an, sondern er nahm innerhalb derselben eine tonangebende Stellung
sel und beurlaubt werden müsse. Mit Bangen erfüllte alle Freunde das Fortschrelten der unheimlichen Krank heit. Eline Kur in Soden konnte die Krankheit lindern, aber nicht bannen. Zu der Erkrankung der Lunge trat noch solche der Nieren. Die treueste Pflege, welche ihm die nicht von seiner Seite weichende Gattin zu Theil werden ließ, konnte das Ende nicht aufhalten. Nur er selbst konnte— wie es diese traurige Krankheit mit sich zu bringen pflegt— noch an der Hoffnung der Genesung festhalten. Den Seinigen bangte schwer um ihn. Trotz— dem kam auch ihnen das Ende noch viel zu früh und unverhofft. Am 26. August hatte er noch mit ihnen bei Tische gesessen, dann, im Gefühl großer Ermüdung, sich niedergelegt. Um 7% Uhr Abends entschlief er stille, ohne Todeskampf.
Ein stattlicher Zug von Leidtragenden gab ihm das Geleite am 29. August. Sowohl in der Rede des Geist— lichen, wie in den Ansprachen, unter welchen Kränze und Palmenzweige am Grabe niedergelegt wurden— von Seminarlehrer Dr. Heid Namens des Großh. Schul— lehrer-Seminars, von Geh. Kirchenrath Dr. Diegel Namens des Prediger-Seminars, von dem Musiklehrer des Seminars zu Bensheim Namens des dortigen Seminars, von Oberlehrer Dörr Namens der Lehrer von Stadt und Umgegend, von Fabrikant C. Trapp Namens des hlesigen Musik Vereins,— kam zum Ausdruck, was der Entschlafene als Mensch, Lehrer und Künstler uns gewesen ist. Ergreifende Gesänge des Sängerchors des Schullehrer Seminars umschlossen die ernste Feier.
Mit Wehmuth gedenken wir der schönen Stunden, welche die kunstgeübte Hand des so früh Entrissenen uns
(Gsccht in das Wesen der Musik und eine allseitige] ein. Die Ausarbeitung des Melodienbuchs wurde seiner bereitet hat. Er hütete zwar seine Kunst fast ängstlich Wersicht über das gesammte Gebiet dieser vlelverzweigten Hand anvertraut. Als in diesem Sommer, nachdem vor profaner Berührung. Wo er aber auf wirkliche st zu verschaffen. So kam er, als er nun 1865 die das Melodienbuch eine eingehende, zum Theil scharfe Empfänglichkeit rechnen konnte, da ließ er sich gerne Ich die Erinnerung an Fellz Mendelssohn⸗ Bartholdy] und einschneidende, zum Theil sehr anerkennende Kritik bereit finden. Unvergeßlich wird uns seine Mitwirkung eihte Kunststätte, das Conservatortum zu Leipzig, auf durchlaufen batte, an Link die Anfrage erging, ob er bei den letzten Aufführungen des Musikvereins sein; es war, te, wohl ausgerüstet und tüchtig vorbereitet in die die Harmonisi rung übernehmen und das Werk in thun- als wollte er noch einmal sein Bestes geben zum„Elias“ gule der Meisterschaft. Im Clavierspiel waren Moscheles, lichster Bälde vollenden könne, mußte er— leider von 855 zu jenem todessehnsüchtigen Lied der Liebe„Der necke und Wenzel seine Lehrer, im Orgelspiel unter der tückischen Krankheit erfaßt vorläufig ablehnen
iete ihn Richter, in Compositionslehre u. s. f., außer letztgenannten und Richter, retiker Morstz Hauptmann. Daneben bildete sich Link
in Violin⸗ und Violoncellospiel weiter aus. Seine It war somit völlig ausgefüllt und es bedurfte der pannung aller Kraft, um den Ansprüchen des viel— igen Unterrichts zu genügen. Gleichwohl erhielt Link hn nach einem Jahr(1866) das Reife-Zeugniß und gte einem Rufe als Lehrer des Clavier, und Orgel— els an das Schullehrerseminar in Wettingen in der ehweiz. Von der Schule war er ausgegangen, zur gule kehrte der junge Künstler zurück, denn er sollte ne künstlerische Kraft von nun an im Dienste der banwachsenden Lehrerwelt verwerthen. In Wettingen hat br elne sonnige Zeit verlebt und stets mit Behagen von Jahren des ersten Ebeglücks erzählt, das ihm dort an
1
g Seite seiner jungen Gattin Anna, geb. Braun, erblühte. f
de Ehe wurde mit einem Sohne gesegnet. Link fand in mer Berufsstellung Zeit und inneren Drang zu erfreu
der berühmteste Musik⸗ der Behörde in zweiter Linie
und es gereicht ihm zu hoher Ehre, daß man seitens neben ihm nur an eine der ersten Autoritäten des Faches gedacht hat, ein Be— weis, in welcher Linie man Link rangitte. Eine zweite Aufgabe, die Link mit wahrem Herzensinteresse angefaßt hat, konnte er zu Ende führen. Es war ihm von Gleßen der ehrenvolle Auftrag geworden, die Disposition zu einer neuen Orgel für die dortige Stadtkirche zu ent werfen. Es war eine wahre Freude, zu beobachten, mit welcher Sorgfalt und peinlichen Gewissenhaftigkeit er diese Aufgabe löste. Ehe er für den betr. Orgelbauer eintrat, machte er eigens eine„Orgel-Reise“ nach Süd deutschland, um auf den verschiedenen Orgelbänken sich über dessen Leistungsfähigkeit persönlich zu orientsren. Das Werk, auf dessen Klang er sich kindlich gefreut hat, zu hören, war ihm nicht mehr vergönnt. Es wurde am 31. Juli eingeweiht.
Als wir im Mai 1887 in das traten, überraschte uns die Kunde,
neue daß
Semester Link
ein
erkrankt!
Rose Pilgerfahrt“. Die Hand, deren von lichter Klar— heit durchflossenes Spiel uns damals entzückte, ist er— kaltet. Geblieben sind uns seine Compositionen, neben den obengenannten noch Präludien für die Orgel und vor allem ein interessant aufgebautes, schwungvolles Trio für Planoforte, Violine und Vloloncello, das her, wie in Frankfurt a. M. im Tonkünstlerverein, hohe An⸗ erkennung fand, aber leider zum Drucke noch nicht ge— lar gt ist. Bleiben aber wird in unseren Herzen das Bild des liebenswerthen Collegen und Freundes, dessen hervorstechendste Züge Verläßlichkeit und Klarheit des Charakters, Bestimmtheit und Gewandtheit in Wesen und Auftreten, gewissenhafte Abwägung von Wort und That bei sich selbst und Andern gewesen sein dürften. Von dem reichen Maße der Liebe und Hingebung, deren sein Herz bedürftig und fähig war, wissen die Seinigen zu erzählen, denen er ein treuer Gatte und Vater ge⸗ wesen ist. Möge ihnen die Liebe, die ihm gegolten hat, reichlich erhalten bleiben!
Seinem Andenken Ehre!
Bekanntmachung.
Die Anton Vorbach Wittwe und Johannes Vorbach J. Ettwe Erben beabsichtigen auf dem in der Gemarkung nedberg, Flur II. Nr. 186, gelegenen Grundstück eine lefsiederei zu errichten. Pläne und Beschreibung der usektirten Anlage liegen 14 Tage lang, vom Tage i Erscheinens dieser Bekanntmachung an gerechnet, auf iitrer Schrelbstube offen und sind Einwendungen während 18 Frist bei dem Kreisausschusse des Kreises Pedberg vorzubringen. Friedberg den 29. August 1887. Großherzogliches Kreisamt Frledberg. 34 Dr. Braden.
Bekanntmachung.
N Das dahler unter der Firma„P. Theis, vormals
9 Haustädt“ betriebene Geschäft wird sett dem 15. August
. von dem bis dahin alleinigen Inhaber P. Theis und dem hinzugetretenen Kaufmann Wilhelm Müller aus
Asseld unter der Firma„Theis& Müller“ fortgeführt,
ßhalb Löschung der alten Firma und Eintrag der inen im Handels register angeordnet wurde.
ö Friedberg, 3. September 1887.
1 Großherzogliches Amtsgericht Friedberg.
681 Süffert. 5
Immobilien⸗Versteigerung.
Samslag den 10. September, Vormittags 10 ½ Uhr, ben die Immobilien der Andreas Graubert's Erben,
tehend in Hofraithe und Güterstücken, nochmals öffent⸗
i meisibletend versteigert werden. Friedberg den 5. September 1887.
J. A.: Großherzogliches Ortsgericht Friedberg. Steinhäußer.
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Großherzogliches Kreis bauamt Friedberg. Kranz.
Grummetgras-Versteigerung.
Mittwoch den 7. d. Mts., Vormittags 10 Uhr, soll das Gemeinde-Grummetgras auf hlesigem Rathhaus ver— steigert werden.
Schwalheim den 2. Oetober 1887.
Großherzogliche Bürgermeisterel Schwalheim. 3074 Hensel.
Grummetgras-Versteigerung.
Nächsten Mittwoch, den 7. l. Mts., Nachmittags 2 Uhr anfangend, kommt das der hiesigen Gemeinde zustehende Grummetgras im alten Schulsaale zur Ver— steigerung. 0 Stammheim den 3. September 1887. Großherzogliche Bürgermeisterel Stammheim. Thaler.
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