14
3—
Deutsches Relch.
Berlin, 2. Sept. Wie der„Reichsan⸗ zeiger offieiell meldet, fiel der Kaiser gestern während des Umganges nach dem Parade-Diner in Folge einer Unebenheit des Fußbodens auf die linke Hüfte und den linken Ellenbogen und zog sich hierdurch eine maͤßige Quetschung der genannten Theile zu, setzte aber hierauf die Unterhaltung mit verschiedenen Gaͤsten im Um— hergehen noch längere Zeit fort. Sein Schlaf in der Nacht war im Ganzen befriedigend. Der Kaiser ist heute kurz nach 9 Uhr aufgestanden.— 3. Sept. Wie der„Reichsanzeiger“ heute offi— ciell meldet, hat der Kaiser noch an den Folgen des Ausgleitens zu leiden und ist durch örtliche Schmerzen am Ellenbogen und an der Hüfte in der Nachtruhe beeinträchtigt worden. Der Kaiser hat daher zu seinem großen Leidwesen die Reise nach Königsberg aufgeben müssen.— 4. Sept. Der Kaiser verblieb am gestrigen Abend in seinem Arbeitszimmer. Morgen kehrt das Kaiserpaar nach Babelsberg zurück, wo es voraussichtlich die ganze nächste Woche verbleiben wird. Seit— dem es feststeht, daß der Kaiser nicht zu den Manövern geht, ist auch die Zusammenkunft mit dem Kaiser von Rußland als aufgegeben anzusehen.
— Von zuverlässiger Seite wird mitgetheilt, daß innerhalb der Reichsregierung Erwägungen sowohl in Betreff der Erhöhung der Getreide— zölle als der Beseitigung des Identitätsnach— weises stattfinden, daß dieselben jedoch noch nicht zum Abschluß gelangt sind. Der Reichstag wird in diesem Herbste früher als sonst, jedenfalls für Anfang November berufen, um die Frage der Getreidezölle, wie die Handelsverträge zu be— rathen. Augenblicklich werden die diesbezüglichen Arbeiten eifrig gefördert.
Wilhelmshaven, 3. Sept. Das ge sammte Manövergeschwader ist unter dem Be— fehl des Contre-Admiral Paschen auf hiesiger Rhede eingetroffen.
Stuttgart. Ein königliches Rescript be— ruft den Landtag zur Berathung der Brannt— weinsteuervorlage zum 13. September ein.
Straßburg. Die hiesige Bürgermeister— frage ist entgültig entschieden. Back bleibt und gibt seinen Posten als Unterstaatssecretär auf.
Ausland.
Oestereich-Ungarn. Wien. Die Her— zogin Thyra von Cumberland ist aus der Döb— linger Irrenanstalt nach Gmunden in die dortige Villa Hannover übergesiedelt, wo sie ihrer Ent— bindung entgegensieht. Der Gemüthszustand der Herzogin ist ein verhältnißmäßig günstiger, so daß eine völlige Heilung nicht ausgeschlossen erscheint.
Konitz(Mähren), 3. Sept. Die Manöver fanden heute mit einer Revue aller Truppen vor dem Kaiser ihren Abschluß. Der Kaiser gab dem Offiziercorps und den Commandeuren der Truppen in einer Ansprache seine Zufrieden— heit zu erkennen und wird heute Abend abreisen.
Holland. Amsterdam. In hiesiger Stadt sind bei den Wahlen zur zweiten Kammer sämmt— liche Candidaten der liberalen Partei mit großer Majorität gewählt worden.
Belgien. Ostende, 2. Sept. Ein eng⸗ lisches Fischerboot lief heute in den hiesigen Hafen ein. Unter dem Schutze der Gendarmerie und der Polizei wurden die Fische ausgeladen und ver— kauft, ohne daß ein Zwischenfall vorgekommen ist.
Frankreich. Paris, 4. Sept. Officiöse Depeschen aus Toulouse bezeichnen die Mobil— machung bis jetzt natürlich als vollkommen ge— lungen: die Mitwirkung des„Civilelements“ werde in der Armee sehr geschätzt und es herrscht zwischen Militär und Civilisten vollständige Ein— tracht. Bei der Requirirung der Pferde freilich sei man einem gewissen Widerstande bei den Be— sitzern von Luxuspferden begegnet, und in der Umgegend von Toulouse zahlten die Pferdebesitzer lieber Strafe.
Großbritannien. London, 2. Septemb. Die königliche Nacht„Victoria und Albert“ wurde in Folge stürmischer Witterung an der Insel Wight zurückgehalten und kam erst gegen Abend
mit der Kronprinzessin nebst deren Töchtern vor Sheerneß an. Die Pacht geht heute nach Port Victoria, und wird dort den Kronprinzen auf— nehmen, worauf die Abreise nach Vlissingen erfolgt.
Türkei. Constantinopel. Einer Meldung des„Reuter'schen Bureaus“ aus Sosia zufolge hätte, nach einer offtciellen Mittheilung an die Regierung, die Pforte die Mission des russischen Generals Ernroth acceptirt.
Bulgarien. Sofia, 2. Sept. Heute wurde das Cabinet definitiv gebildet. Stambulow wurde Präsident und Minister des Innern, Mutkurow Kriegsminister, Stoilow Justiz, Stransky Aeuße— res, Natschevitsch Finanzen, Zivkow Unterricht.
— 3. Sept. Meldung der„Agence Havas“. Wie es heißt, herrschte in dem gestern abgehal— tenen Ministerrathe unter dem Vorsitze des Prinzen von Coburg die Anschauung vor, daß die Mission Ernroth's bulgarischerseits nicht zugelassen wer— den dürfe, selbst wenn die Mächte die Mission billigten. Der„Köln. Ztg.“ wird von hier tele— graphirt: Die Regierung ist entschlossen, keinen russischen Commissär über die Grenze zu lassen, falls dieser die Mission hätte,„gegen die bul— garischen Interessen“ zu wirken, oder falls dessen Entsendung nicht den Bestimmungen des Ber— liner Vertrages entspräche. Der„Nord“ sagt, materielle Schwierigkeiten verlängerten die Dauer der Unterhandlungen bezüglich Bulgariens. Es sei nicht die Rede davon, einen russischen Ge— neral nach Sofia zu entsenden; das könnte erst an dem Tage geschehen, wo es der Türkei ge— lungen sei, die gesetzmäßige Lage der Dinge gegenüber den Verletzungen des Berliner Ver— trags zur Geltung zu bringen.— 4. Sept. In dem heute abgehaltenen Ministerrathe ist, wie verlautet, beschlossen worden, die Wahlen zur Sobranje auf den 9. Oct. anzuberaumen und den Belagerungszustand am 8. Sept. aufzuheben.
Rußland. Petersburg, 4. Sept. Eine Depesche des„Hamb. Corresp.“ aus Berlin be— stätigt, trotz des Dementis der„Kölner Ztg.“, die Nachricht, daß vor der Abreise des Zaren nach Dänemark ein Attentat auf denselben statt— gefunden habe. Der Zar erhielt einen Prell— schuß, der eine Quetschung des linken Armes verursachte. Trotzdem keine Blutung stattfand, ist die Verwundung doch schmerzvoll.
Asien. Bombay, 2. Sept. Nach einer Reutermeldung wird aus Badakshan gemeldet, daß die russische Garnison in Kerki in der Rich— tung auf Herat abgezogen und neue russische Truppen nach Kerki zum Ersatze der bisherigen russischen Garnison gesandt seien.— Meldungen aus Kabul zufolge fand am 6. August bei Killai Katambator in der Nähe von Zulfikar zwischen russischen Soldaten und Soldaten aus Herat ein thätlicher Zusammenstoß statt.
Aus Stadt und Land.
ü. Friedberg. Auch ohne unseren bisherigen Fest— platz— der, trotz aller Bemühungen des Festeomités, leider nicht wieder verwendet werden konnte, weil die Bedingungen, unter welchen derselbe zur Verfügung ge— stellt wurde, für unsere Stadt geradezu unannehmbar waren— und trotzdem, daß der Himmel sich drohend mit Wolken umzogen hatte, ja sogar einmal seine Schleußen öffnete, um, wie sich ein Festredner ausdrückte: dem „Grummet auf der Seewiese“ einen erquickenden Sedans— regen zu spenden, damit wir dasselbe auch einmal in frischem Grün prangend sehen könnten— verlief unser diesjähriges Sedansfest durchaus in schönster und er— hebendster Weise. Eingeleitet wurde dasselbe durch einen Festgottesdienst in der Stadtkirche um ½10 Uhr, wo Dekan Meyer nach dem durch 3 Chöre, welche von dem Sängerchor unseres Schullehrer-Seminars präeis und sicher vorgetragen wurden, erweiterten und verschönerten Altardienst, die Festpredigt hielt, in welcher er, unter Zugrundelegung von Pf. 118, 15. 16, in erhebenden, von warmem Patriotismus durchdrungenen Worten redete von des deutschen Volkes Slegesfreude, Slegesdank und Siegeszuversicht. Ungeachtet des gegen Mittag eintreten: den Regens, welcher auch die nach dem Gottesdienst eiligst noch einmal zusammengetretene„Wettereommission“ des Festeomites nicht zu hindern vermochte, wurde hierauf um 1½ Uhr der Festzug am Südende der Stadt auf— gestellt und sich um 2 Uhr von da aus in Bewegung zu setzen— und siehe da— der Himmel, der uns bisher bei unserem Feste stets so gnädig gewesen, hatte auch diesmal ein Einsehen und hemmte seine Ergüsse, so daß ein Regenschirm nach dem anderen aus dem Zuge ver— schwand und derselbe ohne weiteren Unfall auf dem Fest— platze anlangte. Hier bestieg nach dem allgemeinen Ge—
sang„Preis dem Vater“ Geh. Kirchenrath Dlrerte
Dr. Diegel die Rednerbühne, um dle Festrede zu dale 0 die überaus resch an schönen und erhebenden Gedanke
die Zuhörer, insbesondere die Jugend ermahnte, sich nich!
wleder entreißen zu lassen, was in den Jahren 1870/¼J% ö mit sovtel Blut und Ruhm erworben wurde und. ihrem Theile durch Fleiß und Aus dauer, Treue und
Tüchtigkeit mit dazu beizutragen, daß unsere starke un
tapfere Armee, durch welche allein Deutschland sit schützen könne gegen die zahlreichen Feinde, die es vo allen Seiten bedrohen, erhalten bleibe. Schnell ent wickelte sich hierauf ein fröhliches, lebendiges Treiben das seinen Höhepunkt erreichte, als gegen 5 Uhr sic das Wetter so aufhellte, daß sogar die Sonne für einlg⸗ Zeit durch die Wolken brach, und erst seinen Abschluß fand, als um 6 Uhr ein Trompetensignal die überaus zahlreichen Festtheilnehmer um die Tribüne versammelte, Hier ergriff noch einmal Kaufmann Weis das Wort, um auf die Gebrüder von Helmolt, welche in so llebens würdiger und von echtem Patriotismus eingegebener Weise uns den Festplatz zur Verfügung gestellt hatten, eln Hoch auszubringen, in welches Alle begeistert ein— stimmten, überzeugt, daß Dank diesen Männern unsen diesjähriges Sedanfest in keiner Weise einem der früheren nachstand. Nachdem sich hierauf der Festzug auf's Neue geordnet und zum Rückmarsch in Bewegung gesetzt hatte, wurde derselbe vor dem Hause der Gebrüder v. Helmolt aufgelöst und damlt der offielelle Theil des Festes ab⸗ geschlossen. Viele Festtheilnehmer vereinigten sich jedoch noch am Abend auf den verschiedenen Felsenkellern zu einer, wie wir hören, nicht weniger begelsterten Nachfeler, sodaß das Fest eigentlich erst ziemlich spät sein fröoͤh⸗ liches Ende fand. a
s. Friedberg. Trotz des regnerischen, stürmischen Wetters traf das Ehepaar Seeurlus die Vorbereitungen zu der Ballonauffahrt am 4. Sept. und wohnten schon frühzeitig unzählige Besucher der Füllung bel, welche durch die geschickte Einrichtung und den guten Druck der hlesigen Gasanstalt flott vorwärts schritt. Der Nach⸗ mittags heftig wehende Wind legte sich und repräsentirtt sich um 5 Uhr der Ballon in seiner schönen Form und Größe. Frau Seeurius, welche die ganze Füllung leitete knüpfte die Gondel an, Ballast wurde eingestellt, Anker angebunden, Feuerwehrleute hielten den Koloß, und als das Commando: 12 38 los! erscholl, da schwang sich das seidene Ungethüm unter lebhaftem Hurrah des Publikums kerzengrade, prachtvoll in die Höhe; Seeurius stand kühn auf dem Rande der Gondel und begrüßte das Publikum mit seiner Fahne. Nachdem der Ballon eine beträchtliche Höhe erreicht hatte, ankerte er durch die geschickte Füh⸗ rung seines Capftäns auf einer Wiese bei Bisses hinter Reichelsheim nach ½stündiger Fahrt.
W. Nieder⸗Eschbach. Wie alljährlich, so wurde auch diesmal wieder in hiesiger Gemeinde der Erinner— ungstag der glorreichen Schlacht von Sedan in festlicher Welse begangen. Das Kriegerdenkmal prangte im Schmucke frischer Blumenkränze und prächtiger Guirlanden und die Einwohner hatten relchlich geflaggt. Anstatt Reveille und Zapfenstreich wurden Morgens und Abends die ortsüb— lichen„Katzenköpfe“ losgebrannt. Des Abends versam— melte sich der Kriegerverein unter reger Bethetligung der Feuerwehr und der Einwohner im Saale des Chrsstian Kester IV., um bei braunem Gerstensaft und den Klängen einer kleinen Musikkapelle den Abend festlich zu verbringen, Der Bürgermeister mit dem Ortsvorstande waren in cor— pere erschtenen und von den umliegenden Dörfern nahmen viele Gäste an der Feier Theil. Nachdem der Präsi⸗ dent des Kriegervereins in einigen Worten auf die Be— deutung des Tages und seiner Feier hingewiesen und auf den Kaiser, unseren obersten Kriegsherrn, ein dreifach donnerndes Hoch ausgebracht hatte, hielt Lehrer A. Wolf eine längere Festrede, die der Bedeutung des Tages für unser Deutschland und seiner politischen Entwicklung ge dachte und welche in Form und Inhalt gleich vorzüglich war. Brausender Applaus lohnte den Redner, der mit einem Hoch auf Kaiser Wilhelms verbündete Fürsten schloß. So verlief in ungetrübter Fröhlichkeit unter Ge— sang von patriotischen Liedern und fröhlichen Tänzen der Abend und Jeder ging in gehobenster Stimmung nach Hause, nicht ahnend, daß die Festivität einen so tragischen
Abschluß erhalten würde. Gegen ¼5 Uhr Morgens näm⸗
lich erscholl plötzlich der Schreckensruf:„Feuer!“ In hellen Flammen brannte derselbe Saal, in welchem die Feier stattgefunden hatte. Mit großer Mühe gelang es das Feuer auf seinen Herd zu beschränken, lelder aber sind einige Unglücksfälle zu verzeichnen. Der Viee-Feuer⸗ wehrhauptmann fiel von einer berstenden Leiter, verletzte sich erheblich am Kopfe und brach beide Arme. Einem Nachbarn stieß eine Kuh, die er los binden wollte, zwei Rippen ein. Außerdem wurden noch einige Wehrleute durch herunterfallende Balken ꝛc. verletzt. Fast gar nichts konnte gerettet werden, was um so mehr zu bedauern ist, als der Geschädigte nur sehr gering versichert sein soll. Die Entstehung des Feuers ist bis zur Stunde noch nicht aufgeklärt.
Allerlei. Magdeburg, 3. Sept. Die Neustädter Aktien brauerel, eine der größten Brauereien Deutschlands, sst niedergebrannt.
Brodpreise vom 1. bis 16. September. Nach eigener Angabe der Bäcker.
Für Friedberg, Bad- Nauheim und Butzbach unverändert, Fleisch⸗ ꝛc. Preise vom 1. bis 16. Sept. Nach eigener Angabe der Metzger.
Für Friedberg, Bad-Nauheim und Butzbach unverändert.
——
——
——
N. Du Anton L
Ein Ecben b
5 Bet Au dabler
Jufädt⸗ b. J un den
im hinzug db unter d 0
b Lͤschu
Ain Hand brledder,


