Ausgabe 
2.4.1887
 
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Iweite Beilage.

Oberhessischer Anzeiger.

cundwirthscharlliches.

Zur Werthschätzung der Thomasschlacke).

Vorgänge auf dem Gebiete der Fabrikation und des Handels der gemahlenen Thomas schlacken machen es nothwendig, auf obige Frage noch einmal einzugehen, obgleich die

Thbomasschlacken-Frage meinerseitis nach um Fassenden Versuchen von Landwirthen der Pro

vinz Sachsen in diesen Mittheilungen schon

ausführlich behandelt worden ist.

Bei unseren Versuchen zeigte die Thomas schlacke im großen Durchschnitt einen Wir kungswerth von 56 pCt. einer gleichen Menge wasserlöslicher Phosphor-Säure der Super

obosphate; bei Wagner's Versuchen ergab sich

dei staubfeiuer Pulverung eine Wirkung von

31 pCt., bei etwas weniger feiner Pulverung

von 58 pCt., jedoch ist sowohl von mir als von Wagner ausdrücklich betont worden, daß diese verhältnißmäßig günstige Wirkung nur durch eine Thomasschlacke von außerordent ich feiner Pulverung hervorgebracht werden könne. Die gemahlene Thomasschlacke, mit welcher ich experimentirte, hatte fast 95 pCt.

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feinstes Mehl unter 0,25 mm enthalten, und dei Waguer's Versuchen war der Feinheits grad folgender gewesen:

Wagner's Thomasschlacke Nr. 1 mit einem Wirkungswerth von 61 pCt. der wasserlös

ichen Phosphorsäure bestand nur aus Fein mehl bis zu 0,1 mm Körnung, Nr. 2 ent⸗ bvielt 83 pCt. und 17 pCt. Mehl von 0,1 bis 0,2 mm(mit 9,2 mm meint Wagner das Sieb Nr.

staubfeine Theile bis 0,51 mm 1090 don Amandus Kahl⸗ Hamburg).

Die günstigen Resultate, welche mit der gemahlenen Thomasschlacke erzielt wurden, hat man daher bis jetzt nur bei außerordentlich

einer Mahlung erhalten, und es ist mit Be

Aimmtheit zu erwarten, daß man bei gröberer

Mahlung bei Weitem schlechtere Resultate er alten wird. Zweck der folgenden Zeilen ist nun, festzustellen, in welchem Umfange un zefähr eine gröber gepulverte Thomasschlacke weniger werth ist als eine feiner gepulverte.

Zu Wagner's Versuchen diente auch eine robgemahlene Thomasschlacke, welche gar keine taubfeinen Theile, die absichtlich abgesiebt waren, enthielt: sie bestand zu 52 pCt. aus Mehl einer Körnung von 0,1 bis 0,2 mm und 418 pCt. 0,2 bis 0,4 win. lind welches war der Wirkungswerth dieser Thomas⸗

schlacke? 13 pt. der wasserlöslichen Phosphorsäure. Wenn nun eine gemahlene

Thomasschlacke, welche immerhin noch 52 pCt. selativ feine durch das vereinbarte Normal seb fallende Theile enthält, einen Wirkungs- berth von nur 13 pCt. besitzt, so kann man nit Recht fragen, welchen Wirkungswerth jene fröberen 48 pCt. 0,2 bis 0,4 mm Theilchen serselben Schlacke besitzen werden, oder noch weiter, wie groß der Wirkungswerth noch sröberer Theile sein wird. Wagner's Versuche assen uns hierüber nicht im Zweifel. Wenn an Mehl mit 52 pt. immerhin noch recht seinen Theilen nur 13 pCt. des Wirkungs werthes der wasserlöslichen Phosphorsäure be tzt, so können die gröberen Theile unmöglich einen irgendwie erheb lichen Wirkungswerth besitzen; daß se absolut ohne Wirkung sein werden, ist nicht zu erwarten, aber welche Zahl man fur die selben annehmen soll, ist vorläufig nicht zu lestimmen keinenfalls kann man es der (andwirthschaft zumuthen, mit irgend einer lypothetischen Zahl hierbei zu rechnen. Im

lebrigen wird der Wirkungswerth aber ein so

) Aus der Magdeburgischen Zeltung mit besonderer Erlaubnlß des Verfassers,

kleiner sein, daß die gröberen Theile bein der Werthschätzung der Thomas schlacke so gut wie ganz in Fortfall kommen werden, und zwar sämmt liche gröbere Theile, welche nicht durch das vereinbarte Normal-Sieb Nr. 100 fallen.

Nach dieser Grundlage koͤnnen wir nun an eine Rechnung über den Werth gemahlener Thomasschlacken von verschiedener Feinheit gehen und hierbei haben wir zunächst eine N welche Wagner in seiner Broschüre Die Thomasschlacke, Verlag von Paul Parey, Berlin 1887, Seite 42 macht, richtig zu stellen.

W. berechnet den Wirkungswerth einer ge mahlenen Thomasschlacke, welche 20 Theile Grobmehl(gröber als 0,2 mm) und 80 Theile Feinmehl, durch das 0,2 mm Sieb fallend, enthält, folgendermaßen:

100 Theile Grobmehl kungswerth von 13 pCt. der wasserlöslichen Phosphorsäure, also 20 Theile 2,6; 100 Theile Feinmehl wirken zu 60 pCt. 80 Theile D 48,0 pCt.; also ist in Summa 50,6 pCt. der Wirkungswerth einer Thomasschlacke mit 80pCt. Feinmehl. Hiergegen wende ich Folgendes ein:

100 Theile Grobmehl wirkten nur dann zu 13 pCt., wenn in ihnen wie bei W.'s Ver suchen 52 pCt. 0,1 bis 0,2 mm feine Theil chen enthalten waren; hieraus zu folgern, daß Grobmehl, welches nur gröbere Theilchen als 60,2 mm enthält, auch 13 pCt. wirken soll, ist denn doch absolut unberechtigt: der Wirkungs werth dieser groben Theile wird voraussicht lich sehr klein sein, und es liegt kein Anhalt vor, sie mit irgend einem bestimmten Werthe in Rechnung zu setzen. Auch bezüglich des Feinmehls konnen wir W.'s Rechnung nicht ohne Monitum lassen; W. nimmt für das Feinmehl 60 pCt. Wirksamkeit an, während aus seinen eigenen Versuchen hervorgeht, daß die Thomasschlacke II., welche ganz aus kleineren als 0,2 mm Theilchen bestehend, einen Wirkungswerth von nur 58 pCt. hatte. Ich verstehe nicht, wie er sie danach mit 60 pCt. in Rechnung ziehen kann.

Nun berechne ich den Wirkungswerth einer Thomasschlacke mit 80 pCt. Feinmehl folgen

dermaßen:

20 Theile Grobmehl haben keine zu be stimmende Wirkung oder eine so kleine, daß sie nicht in's Gewicht fällt, 80 Theile Fein mehl wirken(100 zu 58 pCt.), also ist der Wirkungswerth einer Thomasschlacke von obigem Feinheitsgrade 46,4 pCt.

Dem Drängen der Fabrikanten der ge mahlenen Thomasschlacken folgend, haben sich die Versuchsstationen, indem sie Kenntniß von den Schwierigkeiten der Herstellung einer ab solut staubfeinen Thomasschlacke nahmen, bereit erklärt, eine Pulverung mit 75 pCt. Feinmehl als normale anzuerkennen und hierin liegt auch, wie gleich dargethan werden soll, noch eine gewisse Berechtigung.

Die 25 pCt. Grobmehl rechnen wir wieder als unwirksam; 75 pCt. Feinmehl mit 58 pCt. Wirksamkeit(obgleich diese Zahl, wie aus den weiteren Ausführungen hervorgeht, etwas zu hochgegriffen ist), gibt einen Wirkungswerth von 43,5 pCt. der wasserlöslichen Phosphor säure. Wenn ein Pfund(nach üblicher Aus drucksweise 1 pCt.) Gesammtphosphorsäure in der Thomasschlacke 10 Pf. kostet, so stellt sich demnach der Preis von einem Pfunde wirk samer Phosphorsäure auf 23,0 Pf., also noch

haben einen Wir

etwas billiger als in den Superphosphaten (2526 Pf.) Wir sehen übrigens, daß die wirksame Phosphorsäure in der Thomasschlacke bei einer Pulverung mit 75 pCt. Feinmehl so übermäßig billig gar nicht ist, aber immerhin ist sie noch etwas billiger als im Superphosphat.

Nachdem man die Kenntniß gewonnen hat, daß der Werth der Thomasschlacke weit mehr von der Feinheit ihrer Pulverung als von einigen Procenten Phosphorsäure& abhängig ist, sollte man doch meinen, es hätte das Bestreben der Fabrikanten sein müssen, einen größeren Feinheitsgrad anzustreben und dadurch den Werth der Thomasschlacke zu erhöhen. Was ist aber nun in der letzten Zeit in dieser Beziehung geschehen? In einer Versammlung zu Köln am 29. Dezember v. J. haben die Hauptvertreter dieser Industrie sich geeinigt, die Garantie auf 67, sage siebenundsechzig Procent Feinmehl herabzusetzen und die Folgen davon machen sich auch sofort geltend. In der Zeit vom 1. September bis 31. Dezember v. J. wurden in Halle grade 25 pCt. der untersuchten Thomasschlacken mit einer gröberen Pulverung als 75 pCt. Feinmehl angetroffen, dagegen von den bis zum heutigen Tage vom 1. Januar ab untersuchten 62 pCt.; dieser Umstand dürfte doch kaum zufällig sein, er beweist vielmehr, daß die Fabrikanten von der unter sich vereinbarten Minimalgarantie von 67 pCt. Feinmehl ausgiebigen Gebrauch zu machen beginnen. Von mehreren Seiten war mir privatim mitgetheilt worden, man beab sichtige durchans nicht eine Veränderung der bestehenden Verhältnisse, wolle nur gegen Zu fälligkeiten geschützt sein, werde aber bestrebt sein, mit demselben Feinheitsgrade als früher zu liefern nun, diese Hoffnungen scheinen sich nicht zu erfüllen.

Was ist aber eine gemahlene Thomasschlacke mit 67 pCt. Feinmehl werth e Unsere bekannte Rechnung ergibt 67 zu 58 pCt Wirksamkeit gleich 38,86 Wirkungswerth gegenüber der wasserlöslichen Phosphorsäure gleich 100, oder es würde bei einem Preise der Gesammtphos phorsäure der Thomasschlacke von 10 Pf. 1 pCt. wirksame Phosphorsäure 25,73 Pf. kosten, also eben so viel als im Superphosphat, und es läge, abgesehen von den im Boden ver⸗ bleibenden Resten der Thomasschlackendüngung, über deren Nachwirkung wir vorläufig noch nicht orientirt sind, bei dieser Sachlage nicht der geringste Grund vor, die altbewährten Superphosphate aufzugeben und zur Thomas schlacke überzugehen. Aber obige Rechnung ist viel zu günstig, wir müssen vielmehr eine neue ausfuͤhren, zu welcher uns Wagner auf Seite 41 seiner Broschüre die noͤthigen Unterlagen liefert.

Es liegt auf der Hand, daß, wenn ein Körper fein gepulvert wird, die kleineren Theile desselben viel feiner werden, als wenn ein Korper nur gröber gepulvert wird. Verwandle ich z. B. eine Thomasschlacke vollkommen und eine andere nur zu 67 pCt. in Feinmehl, so werden, da die Pulverung längere Zeit dauert, die feineren Theilchen im ersten Falle durch die Mühlen auch noch weiter zerkleinert werden und je mehr Feinmehl in einer Thomasschlacke enthalten ist, um so zarter und staubfeiner wird dasselbe sein. Wagner fuͤhrt hierüber Zahlen an, welche darthun, daß dem wirklich so ist, er erwähnt ferner Versuche aus dem Jahre 1885, bei welchen Feinmehl, welches bei einer unvollkommneren Mahlung erzielt worden war, nur einen Wirkungswerth von