anwesenden auswärtigen Bischöfen durch einen Fackelzug, verbunden mit Musik und Gesangs— vorträgen, eine Ovation gebracht.
Berlin. Die„Berl. pol. Nachr.“ erklären, die Regierung beabsichtige nicht, diesem Reichs— tage eine neue Branntweinsteuer-Vorlage zu machen. So lange der Reichstag eine Zu— sammensetzung aufweise, welche das Bedürfniß zur Vermehrung der Einnahmen nicht aner— kenne, sei es zwecklos, solche Vorlagen zu machen.
— Nach dem Fr. Journ. wird eine kaiser— liche von Mainau datirte Verordnung publieirt, betreffend die Errichtung einer Commission für die Herstellung des Nordostsee-Canals, welche die Bezeichnung„Kaiserliche Canal Commission“ führen und alle Rechte und Pflichten einer Reichsbehörde haben soll. Sitz, Zusammensetz— ung und Geschaͤftsgang der Commission bestimmt der Reichskanzler. Eine weitere von Salzburg datirte Verordnung ermächtigt den Gouverneur des Kamerungebietes und die kaiserlichen Com— missäre des Togogebietes und des südwestafri— kanischen Schutzgebietes für ihre Amtsbezirke auf dem Gebiete der allgemeinen Verwaltung und des Zoll- und Steuerwesens Verordnungen zu erlassen. Der Reichskanzler, welchem die— selben sofort mitzutheilen sind, kann dieselben wieder aufheben; derselbe ist auch zuständig für die Beschwerden gegen Strafbescheide, die auf Grund der Verordnungen ergingen.
— Die Meldung, daß der deutsche Bot— schafter in Paris Graf Münster demnächst in den Ruhestand treten werde, bezeichnet man als„verfrüht“. Daß derselbe schon lange mit der Absicht umgeht, sich von den Staatsge— schäften zurückzuziehen, ist richtig.
— 23. Juli. Die Errichtung eines deutsch— evangelischen Bisthums in Jerusalem bedingt, telegraphirt man dem Fr. Journ., den Neubau einer eigenen deutschen Kirche daselbst. Das Terrain ist vorhanden, das der Sultan dem Kaiser im Jahre 1869 zum Geschenk gemacht hat. Der nächste Cultusetat wird einen Be— trag für das deutsche Bisthum enthalten.
— Ausland. Oesterreich⸗Ungarn. Wien. Die Blätter melden den baldigen Besuch des
italienischen Ministers des Auswärtigen, Nobi— lant, in Wien; halbamtliche Kreise haben in— dessen bisher keine Bestätigung der Nachricht.
— 24. Juli. Das Fr. Journ. schreibt von hier: Tisza kommt anfangs August nach Wien, besucht das Heflager in Ischl und reist dann nach Ostende.— In hiesigen unterrichteten Kreisen ist von dem angeblich bevorstehenden Besuche des italienischen Ministers Grafen Ro— bilant nichts bekannt. Auch von Rom aus wird die bezügliche Nachricht dementirt.
Belgien. Brüssel. Die Congoregierung hat nach dem„Fr. Journ.“ dem Ministerium Freycinet eine Erklärung dahingehend zugestellt, daß sie dem Wortlaut der Congoacte gemäß auf Berufung eines Schiedsgerichts in dem Grenzstreit bestehen müsse.
Dänemark. Kopenhagen, 24. Juli. Der Präsident des Folkethings Berg wurde heute nach Verbüßung einer sechsmonatlichen Gefäng⸗ nißstrafe aus der Haft entlassen. Ein Comité hatte zu Ehren Berg's eine öffentliche Feier vorbereitet; nachdem die Veranstaltung von Festen im Thiergarten und in Landeskrona ver— boten worden, ist nunmehr die Abhaltung eines Festes in Marienlyet beschlossen.
Großbritannien. London, 22. Juli. Die Königin hat das Entlassungsgesuch des Cabinets angenommen und den Marquis von Salisbury nach Osborne berufen, um ihn mit der Bildung des neuen Ministeriums zu betrauen.
— 22. Juli. Der Herzog von Aumale ist seit seiner Ankunft in London Gegenstand großer Aufmerksamkeit seitens der englischen Aristokratie. Die Herzöge von Rutland und Bedford, sowie Lord Syduey und viele andere Pairs machten ihm vorgestern ihre Aufwartung in Claridge's
Hotel. Außerdem empfing er die Besuche des Prinzen von Wales, des italienischen Botschafters und der Gesandten Dänemarks, Belgiens und Portugals.
— Eine Commission zur Untersuchung der Ursachen des Rückganges des Handels sprach sich dahin aus, daß der Rückgang durch die großen Schwankungen in dem relativen Werthe von Gold und Silber noch verschlimmert sei. Die Commission empfiehlt demnächst die Frage wegen des Goldumlaufs eingehend zu erwägen.
Serbien. Nisch, 24. Juli. Die Skup⸗ schtina beendete die Adreßdebatte, während welcher der Minister-Präsident die Vertrauens— frage stellte. Der Entwurf der Minorität ent— hielt das Programm der radicalen Partei. Der Majoritätsentwurf, welcher die Thronrede um— schrieb, wurde mit 82 gegen 37 Stimmen an—
genommen. Sofia, 24. Juli. Die Na⸗
Bulgarien. tional-Versammlung wurde mit einer Thronrede
des Fürsten Al«xander geschlossen, worin der— selbe den Deputirten dankt und sie beglück— wünscht, daß sie durch den Rückkauf der Eisen— bahn Varna-Rustschuk eine von Bulgarien über— nommene internationale Verpflichtung erfüllt hätten.
Rußland. Petersburg. Bezüglich der Zu— sammenkunft des Ministers des Aeußern, v. Giers, mit dem Fürsten Bismarck und dem Grafen Kalnoky sind noch keine bestimmten Verabred— ungen getroffen; voraussichtlich wird jedoch Giers den beiden genannten Staatsmännern zwangs— lose Besuche abstatten.
— Nach einer der„Pol. Corr.“ zugehen— den Meldung ist das seit einigen Tagen in hiesigen politischen Kreisen umlaufende Gerücht von angeblichen Vorschlägen der russischen Re gierung bei den Mächten, welche eine eventuelle Occupation Bulgariens und eine auf die Türkei behufs Einwirkung einer Modification ihrer Haltung in der bulgarischen Frage auszuübende Pression zum Gegenstande hätten, vollständig unbegründet. Es sei zwar nicht unmöglich, daß derartige Maßregeln in späterer Zukunft sich als nothwendig erweisen könnten(I]), bis jetzt aber hätten dieselben weder stattgefunden, noch seien sie in nächster Zeit bevorstehend.
Aus Stadt und Land.
Friedberg, 24. Juli. Ueber den Blitzschlag am Chausseehaus gestern Mittag erfahren wir noch, daß gerade Bahnwärter Georg mit mehreren Personen am Schwalheimer Uebergang sich befand, während eine Kur— fremde von Bad-Nauhelm mit 2 Kindern etwa 50 Schritte von dem alten Birnbaum entfernt waren. Als der Schlag ertönte, stürzten die letzteren 3 Personen betäubt nieder und lagen noch längere Zeit wie leblos vor dem Krauch'— schen Hause. Frau Krauch selbst ist heute noch gelähmt vor Schrecken. Der Blitz fuhr wie ein dicker feuriger Ball in den Baum, den er von oben bis unten ringelte und theilweise spaltete. Während ein Strahl in den Erdboden fuhr, sprang ein anderer auf die Telephon— leitung über und lief wie eine Rakete an dem Drahte nach Dorheim zu, sowett man sehen konnte.
b. Bad⸗Nauheim, 25. Juli. Gestern früh wurde dem Herzog von Nassau, anläßlich seines 69. Geburts- tages, eine Serenade gebracht. Heute Nachmittag ist der Herzog und die Herzogin von Nassau, sowie der Erbprinz von Nassau wieder abgereist. Die Herrschaften begeben sich zunächst nach Königstein.
m. Dorheim. Heute wurde ein schönes Exemplar einer Forelle in der Wetter, in dem Fischereigebiet des Mühlenbesitzers Schudt dahier, gefangen. Wie wir hören, hat Letzterer s. Z. einige Tausend Salm- und Forellen⸗Setzlinge eingesetzt und sieht man also, daß auch in den Flüssen bezw. Bächen der Wetterau diese edle Art von Fischen gedeihen; nur wäre es zum Schutze der Fischzucht erwünscht, daß besonders während der„Laich— zeit“, die Enten, als die bekanntesten Vertilger der Fisch— laichen, zurückgehalten würden.
m. Ziegenberg, den 24. Juli. Heute Nachmittag be— suchten der Herzog und die Herzogin von Nassau, sowie der Erbgroßherzog und die Erbgroßherzogin von Baden unser Schloß, nahmen auf dem schönen Platze vor dem Gasthause„Zur Linde“ den Kaffee ein und begaben sich dann nach Bad Nauheim retour.
r. Holzhausen, 23. Jult. Gestern Nachmittag ½6 Uhr zog ein furchtbares Gewitter über unsere Ge— markung hin. Die Hoffnungen auf einen reichen Ernte— segen sind dadurch vernschtet worden. Korn und Weizen sind zum großen Theile ausgeschlagen und das Stroh zerknickt, Kartoffel, Dickwurz und Klee vollständig von den Hagelkörnern verdorben, Obst, zum Theile von den Bäumen abgeschlagen und das noch auf denselben befind— liche verwundet; kurz, es ist eine trostlose Sttuation.
Außerdem wurden vlele Fensterscheiben zertrümmert der wolkenbruchartige Regen verursachte sehr vielen Scha⸗ den an Aeckern, Wezen und Hoefraithen. In dem 1210 barten Rodheim schlug der Blitz in die neu erbaute Scheuer des Beigeordneten ohne zu zünden. Gambach, 23. Juli. schlug der Blitz in eine sozen. englische Scheune auf dem Felde bei Gambach ein. Dieselbe brannte total nlever. Gießen, 23. Jult. Zur Aufsuchung der aus dem hiesigen Provinztalarresthaus entsprungenen beiden Ver⸗ brecher ist gestern Abend ein Commands des hlesigen
Regiments, bestehend aus 1 Offizier und 25 Mann, in
die benachbarten Waldungen ausgerückt. Ein Soldat
dieses Commandos wurde heute durch das Losgehen eines Schusses aus dem Gewehr eines Gens darmen schwern Die Kugel drang dem Mann von hinten in den
verletzt. Leib und ging vorn durch die Patrontasche durch.
Allerlei. Frankfurt, 23. Juli.
Privathaus und in der Deutschen Handelsgesellschaft eingeschlagen. Augenzeugen, welche am Abend spät noch in hohem Grade nervös erregt waren, erklärten uͤber— einstimmend, daß in dem Moment des Einschlagens der Hof des Hauses einem Funken- und blendenden Feuer— meer ähnlich gesehen habe. Weiterer Schaden ist nicht entstanden.
Homburg, 23. Juli. Heute Mlttag 5% Uhr ging, nach dem Homb. Kreisbl., hier nach voraus gegangenem starkem Gewitter mit Regen ein Unwetter nieder, wie wir es seit langen Jahren nicht erlebt haben. Der Himmel venfinsterte sich kurz vorher so stark, daß Lampenlicht zum Lesen und Schreiben erforderlich wurde; kurz darauf ging mit wolkenbruchartigem Regen ver⸗ mischt ein Hagelschlag nieder, der so dicht und in solcher Stärke fiel, dast die Louisenstraße wie mit weißen Klickern besäet aussah Daruter befanden sich Eisstücke in der Größe von Taubeneiern. Daß der ea. 10 Minuten andauernde Hagel an den Obstbäumen und im Felde Schaden angerichtet, läßt sich leider erwarten.
Homburg, 22. Juli. Hier hat sich heute Oberst⸗ lieutenant Bertram von Gießen erschossen.
Hanau, 53. Juli. Gestern Abend um 5 Uhr brach nach dem Fr. J. über unsere ganze Gegend ein schreck— liches Gewitter los. Der Regen ergoß sich in Stismen, an einzelnen Plätzen hagelte es und that der Frucht nicht unbedeutenden Schaden. In der Gegend von Kessel— stadt, Dörnigheim, im Bücherthale ꝛc. hat der Blitz mehrfach in Bäume oder direet ins Land eingeschlagen, man hört jedoch bis jetzt von keinem besonderen Unfall.
Wiesbaden. Der„Rhein. Kurter“ brachte vor einigen Tagen eine Mittheilung, wonach ein seit dem Feldzuge 1870/71 vermißter Landwehrmann aus Welterod, Kreis St. Goarshausen, aus 15jähriger Kriegsgefangen— schaft in Algier in seine Heimath zurückgekehrt sein sollte. An der ganzen Geschichte ist kein wahres Wort.
Essen, 23. Juli. Die„Rhein.-Westph. Zelt.“ meldet: Auf der Zeche König Ludwig fand gestern eine Explosion statt. Sieben Bergleute wurden getödtet und zwei verletzt. Der Betrieb ist ungestört.
Schweinfurt, 23. Juli. Die„N. Bad. Land. Zeit.“ bringt folgende Privattelegramme: Gestern Nacht 10 Uhr erhob sich unter furchtbarem Donner und Blitz ein Orkan mit Wirbelwind, der die ganze Stadt erzittern machte. Im Bahnhöfe Oberndorf- Schweinfurt wurde die massive, eiserne Einsteighalle gleich einem Papler⸗ carton aufgehoben und zertrümmert. Elserne Säulen von Mannes dicke wurden wie Strohhalme zerknickt und gebogen. Die steinerne Wagenremise, worin mehr denn fünfzig Waggons standen, wurde gleich nichtigen Gegen⸗ ständen aufgehoben und in sich selbst zusammengestoßen. In der Stadt selbst sieht es gräulich aus. Hohe Fabrik⸗ schlöte barsten, überhaupt sieht man große Schornsteine in der Stadt nicht mehr. Schrecken und Trauer erfüllt Stadt und Land. Wie viele Menschenleben zu Grunde gingen, läßt sich nicht ermessen. Alles ist bestürzt und bei Fackelbeleuchtung wurde an den Unglücksstätten die ganze Nacht über gearbeitet. Weiter stürzte der katholische und protestantische Kirchthursmm ein. Das Hagelwetter und der Wirbelsturm, von furchtbaren Erdstößen be— gleitet, trat um halb 8 Uhr ein. Sogar beladene Wagen wurden bei Bergrheinfeld umgestürzt. Alles hier sieht aus wie in einer durch Krieg zerstörten Stadt.
Berlin, 23. Juli. Der bekannte Historiker Max Duncker ist, auf der Reise nach Pontresina begriffen, in Ansbach gestorben.
Olmütz, 22. Juli. bei welchem hühnereiergroße Eisstücke, 20 Deka schwer, fielen, zerstörte in weitem Umkreise von Olmütz die Saaten und das Obst. Der Schaden ist ein sehr be— deutender.
Pest, 21. Juli. übter Raubmord wurde heute hier entdeckt. Der wohl⸗ habende Eisentrödler Herm. Löwenthal ist nächst Engels⸗ feld in einem Graben erdrosselt als Leiche aufgefunden worden. Der Lelchnam war mlt Erde bedeckt. Wie eruitt wurde, ist Löwenthal gestern Nachmittag von einem Individuum, dem Aeußern nach einem Matrosen, unter dem Vorwande, es biete sich günstige Gelegenheit zum Ankaufe von Eisen, außerhalb der Stadt gelockt worden, wo er ermordet und beraubt wurde.
Paris, 21. Juli. Ein furchtbarer Sturm, welcher vorgestern Abend im östlichen Theile des Gironde Departe—
ments, in der ganzen Dordogne und Lot-et-Garonne
wüthete, hat 17 Dörfer dermaßen heimgesucht, daß die
Einwohnerschaft für nächsten Winter dem größten Elend
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Das gestern Abend um 6 Uhr über die Stadt gezogene Gewitter hat am Roß⸗ markt in den Blitzableiter des Telephons an einem
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