wärter Best zu Darmstadt; der Schullehrer Simmer⸗ macher zu Nieder-Kinzig; der Pedell Schneider zu Worms; der Justizrath Dr. Dornseiff zu Gleßen; der Weichen— wärter Frey zu Darmstadt; der Forstmeister Leo zu Vüdingen.
Berlin, 24. Mai. Reichstag. Erste Lesung der Branntweinsteuer-Vorlage. Finanzminister v. Scholz führt aus, trotz der Ueberzeugung von der Vorzüglichkeit des Monopolprojects habe sich die Regierung zur jetzigen Vorlage ent— schlossen, um dem Reichstage entgegenzukommen, und daß das Bessere nicht der Feind des Guten werde. Die Vorlage sei das Ergebniß einer völlig neuen Prüfung der Verhältnisse. Durch die Verbindung der Verbrauchssteuer mit einer vermehrten Maischraum-Materialsteuer, sowie durch die im Gesetz angedeutete Möglichkeit, das Project auch auf die süddeutschen Staaten aus— zudehnen, habe man geglaubt, allen Wünschen ohne Schädigung einzelner Zweige am besten dienen zu können. Richter erklärt sich gegen die Vorlage, der Commissionsberathung wolle aber seine Partei sich, um Schlimmstes zu verhüten, nicht entziehen. v. Wedell-Malchow und Oechel— häuser erklären die Geneigtheit ihrer Partei— freunde für die Vorlage. Bei der Schwierig— keit der Frage sei aber eine Commissionsbe— rathung unerläßlich, welche Wedell beantragt. Windthorst ist principiell für stärkere Heran— ziehung des Branntweins, aber gegen eine Vor— lage, die zum Monopol führe; er behält sich deßhalb bestimmte Stellungnahme vor und empfiehlt ebenfalls Commissions-Berathung.— 25. Mai. Der Reichstag setzte heute die erste Lesung der Branntweinsteuervorlage fort. Abg. Delbrück(freicens.) ist gegen die Form der Vor— lage und deren Controlbestimmungen; er tritt für die Beseitigung der beiden höheren Steuer— stufen und für Herabsetzung der ersten Steuer— stufe auf 30 Pf. ein. Finanzminister v. Scholz bekämpft diese Vorschläge, da sie die Brennereien zu sehr begünstigten, den Fiscus aber schwer schädigten. Die Erklärung Windthorst's, daß das Centrum bereit sei zu positiver Mitwirkung, sei ihm sehr werthvoll. Daß die Durchführung des Monopolgedankens nicht möglich, bleibe be— dauerlich, da selbst die Monopolgegner die jetzige Vorlage als weniger gut bezeichneten. Bock (Soc.⸗Dem) ist gegen die Vorlage, da sie das Volk neu belaste.— Der Reichstag wird heute vertagt und jedenfalls vor Pfingsten nicht mehr zusammentreten.— Ein dem Reichstage zuge— gangener Rechenschaftsbericht wegen der Ver— hängung des kleinen Belagerungszustandes über Spremberg zählt die bekannten Vorgänge bei der Rekrutenaushebung auf und schildert die vor— gefallenen Excesse als sehr ernste. Die social— demokratische Agitation soll im Kreise Spremberg eine überaus lebhafte sein, was sich schon durch die Verbreitung des Züricher„Socialdemokrat“ documentire.
24. Mai. Das Abgeordnetenhaus ge— nehmigte in zweiter Lesung den Gesetzentwurf, betreffend die Beseitigung der schwebenden Schuld von 30 Million, und nahm ferner die Vorlage betreffend den Beitrag von 50 Million zu den Herstellungskosten des Nordostseekanals an.
Kiel. Blutige Zusammenstöße haben zwischen der Besatzung des Kreuzers„Albatroß“ und den Eingeborenen auf den Juseln des Bismarck Archipels stattgefunden. Am 11. April war „Albatroß“ in Sidney eingetroffen. Das Schiff war von einer längeren Fahrt zurückgekehrt, um Eingeborene von Neu-Irland und Neu-Britan— nien wegen der Ermordung deutscher Unterthanen zu züchtigen. Mehrere Kämpfe mit den Einge— borenen fanden statt. Dörfer wurden in Brand geschossen und zerstört: In Bulgai auf Neu— Irland wurden zwei Farbige gefangen genommen, welche verdächtig waren, einen weißen Händler Namens Carr, ermordet zu haben. Sie wurden nach Apia gesandt, um dort bestraft zu werden. Auf Neu- Britannien war ein Weißer, Namens Carlson, ermordet und, wie verlautet, verspeist worden.
Hamburg, 24. Mai. Hier streikte die Mehrzahl der Kutscher der Hamburg-Altonger
Pferdebahn und wurde heute der Verkehr auf derselben eingestellt.
Ausland.
Frankreich. Paris, 24. Mai. Anläßlich des Jahrestages des Sturzes der Commune be— gaben sich die Socialisten gestern in mehreren Haufen nach dem Friedhof Pere Lachaise und entfalteten dort rothe Fahnen, während mehrere Führer Reden hielten. Bei den umfassenden Vorsichtsmaßregeln, welche die Polizei getroffen hatte, unterblieb jedoch jeder erustere Zwischen— fall. Die Polizei entfernte die rothen Fahnen, ohne Widerstand seitens der Socialisten zu finden.
— Nach einer der„Pol. Corr.“ von hier zugehenden Meldung hätte sich die Regierung dafür entschieden, derzeit nicht mit der Ausweis— ung der Prinzen vorzugehen, obwohl einige Mit— glieder des Cabinets die Nothwendigkeit dieser Maßregel sehr nachdrücklich betont haben sollen.
Bulgarien. Sofia, 24 Mai. Den hier accreditirten Diplomaten wurde ein Rundschrei— ben der Regierung an die bulgarischen Präfecten über eine Verschwörung in Burgas mitgetheilt, wodurch bestätigt wird, daß der Bulgare Michai— loff das Complot anzeigte. Mehrere Ausländer, darunter der russische Excapitän Nambokoff und einige Montenegriner wurden verhaftet.
Griechenland. Athen, 24. Mai. General Sapundzakt, sowie Ejub Pascha erhielten den Befehl ihrer Regierungen, die Vorposten inner— halb der Grenze zu halten. Die letzten Feind— seligkeiten an der Grenze stellen sich als ein mißglückter Versuch dar, Trikupis zu stürzen und Delyannis wieder ans Ruder zu bringen. Das„Amtsblatt“ veröffentlicht ein Decret, welches die Entlassung von 5 Classen der Reserve verfügt.
— 25. Mai. Im Anschluß an die Entlass— ung von 50,000 Mann Reserven wurde der Befehl ertheilt, die griechischen Truppen von der Grenze zurückzuziehen und dort nur die ge— wöhnlichen Garnisonen zu belassen.
Rußland. Petersburg, 25. Mai. Wie es heißt, beabsichtigt Giers auf der Reise nach Franzensbad den Fürsten Bismarck in Fried— richsruhe zu besuchen.
Amerika. New-Pork, 25. Mai. Einem Telegramm aus Portland(Unionsstaat Maine) zufolge wurde die Fischerbark„Sisters“ aus Neuschottland von den Unionsbehörden mit Be— schlag belegt, weil sie keinen Deklarirschein be— saß. Es scheint die Revanche dafür zu sein, daß die canadischen Behörden mehrere amerika— nische Fischerfahrzeuge mit Beschlag belegten.
Montevides. Präsident Vidal gab seine Ent— lassung, die Nationalversammlung berief an seiner Statt den Expräsidenten Santos.
Aus Stadt und Land.
Friedberg. Ueber das Unwetter vom Sonntage erfahren wir noch weiter: In Ockstadt wurden am Kirschberge mehrfach ganze Bäume entwurzelt und ab— gedreht und vom Winde fortgeführt, so daß man sie erst in weiten Strecken wieder fand. Auf der Hasel— hecke wurden Dächer abgedeckt, die Fensterkreuze ein— geschlagen, Eisstücke schlugen auf den Polstermöbeln in mitten einer Stube die Ueberzüge entzwei. In Ober— Mörlen stehen die Leute händeringend auf der Straße, die Häuser sind Rulnen, es sieht aus, als ob eine Schlacht stattgefunden habe, bei welcher das Dorf bombardirt worden sel. Die Windhose und der Hagel gingen über den Hausberg welter in der Richtung nach Wetzlar und richteten auf dem Wege ganz unberechenbaren Schaden an. Wir erfahren darüber, daß in den Gemarkungen von Hausen, Hoch Weisel, Münster, Malbach, Fauerbach v. d. H., Pohl-Göns und Ebers-Göns das Gewitter großen Schaden angerichtet hat. Die noch kurz vorher in üppiger Fülle strotzenden Fluren sehen aus, als sesen sie gewalzt worden. Am schlimmsten litt Fauerbach und Hoch ⸗Weisel. Die Windhose entwurzelte auch hier viele Bäume. Es hagelte so stark, daß alsbald Straßen und Felder bedeckt waren. Schloßen fielen in der Dicke eines Taubeneies. Der Hagel tödtete viele Singvögel und ihre Brut. Hunderte von Fensterschelben wurden zertrümmert. Die Winterfrucht ist vernichtet und der so reiche Obstsegen dahin. In Wetzlar er— reichte die Windhose ihre größte Stärke und richtete ganz entsetzliche Verheerungen an. Der Locomotipschuppen der Nassauischen Bahn wurde abgedacht, zwei Elsen— bahnwagen mit Steinen beladen, wurden aus den Schienen geworfen und umgestülpt. Auf der chemi— schen Fabrik sind große Schornsteine eingestürzt und in dem benachbarten Hermannstein zwei Häuser von dem
berechtigt im Bezirksvorstande sein solle.
Sturm wegtzeweht worden. Welche Gewalt der Sturm hier hatte, geht noch aus folgenden Elnzelheiten hervor: Folgt man selner Bahn, so gewahrt man zunächst, daß jenselts des Lahnflusses außer einer Anzahl Obstbäume der dritte Theil des Tannenwaͤldchens gänzlich nieder geworfen ist. Die Stämme liegen da kreuz und quer durcheinander wie die Kezel nach einem„Alle Neun“ Wurf An dem rechten Lahaufer liegt ein total zer⸗ splitterter Nachen; die Windhose hat ihn über das Wasser fortgetragen und mit furchtbarer Gewalt wider die Böschung geschleudert. Zwischen den Schlenen im Bahnhofe lagen oder liegen noch uberall zerbrochene Balken, Ziegel, Dachschlefer u. s. w. umher. Das Häus⸗ chen des Mauerstein-Lief eranten Klötz, welches derselbe auf seinem Lagerplatz errichtet hatte, ist wegrassirt; ebense ist das Wiegehäusschen verschwunden; die schweren Ge wichtsteine, welche aus den sie überdeckenden Ziegeln hervorschauen, bezeichnen allein die Stelle, wo früher sein Platz war. Recht trostlos schaut ein Packwagen aus, bei welchem das Untergestell, die Achse, ganz un⸗ versehrt blleb, während drei Viertheile des Oberbaues weggeflogen sind. Wohl am schlimmsten sieht es auf dem Walzwerk Wetzlar aus. Ein großer, neuerbauter runder Schornstein ist bis zur Hälfte niedergeworfen. Dachtheile bis zu 20 Meter Länge, viele Centner schwer, sind weit auf's Feld hinausgeschleudert, in ihrer Nähe befinden sich schwere eiserne Rohre, welche gleichfalls von der Gewalt des Wirbelsturmes fortgetragen waren. Um Nichts zu vergessen, sei noch erwähnt, daß ein zu dem letzten, auf der linken Seite der Hermannsteiner Straße stehenden Hause gehörender Stall abgedeckt wor— den ist. Wohin das Dach gekommen— wer weiß es? Vielleicht ist es weit fortgetragen, vielleicht liegt es in tausend Stücken zerschlagen auf der weiten Flur zerstreut umher. Ein wahres Wunder darf es geradezu genannt werden, daß bei alledem nicht ein einziges Menschenleben zu Grunde gegangen ist. Hinter Hermannstein zerstob die Windhose. In Nieder⸗Erlenbach schlug der Blitz in die Schützenhalle ein, welche abbrannte, in Hausen bei Usingen schlug der Blitz in eine Scheune, welche gleichfalls abbrannte. Das Vieh konnte kaum noch gerettet werden. In Mainz tobte der Sturmwind über eine Stunde mit ungeschwächter Heftigkeit. In Wiesbaden war gegen 5 Uhr ein furchtbares Ge— witter, welches von Süden nach Norden zog, und be⸗ deutenden Hatel mit sich führte. Es hagelte fast zehn Minuten. In Eltville und in anderen Ortschaften des Rheingaues gingen heftige Hagelschläge nieder; Eis— stücke von der Größe eines Eies sind gar keine Selten— heiten gewesen und sind die Weinberge und die übrigen Felder sehr arg mitgenommen worden. In Bingen hat das Wetter die besten Lagen„Eisel“ und„Scharlach⸗ berg“ getroffen und ganz kolossalen Schaden verursacht.
C. Klein⸗-Karben. Kaum haben wir uns von unserem letzten Brandschrecken erbolt, so ertönte am 24. ds. Mts. schon wieder Feuerlärm. Es brannte ein Häuschen nahe an der Nidda nieder. Auf welche Weise das Feuer entstanden, ist nicht bekannt. Auch sollen die Leute nicht versichert sein.
s. Massenheim, 25. Mai. Verflossenen Sonntag fand dahier der erste diesjährige Bezirkstag des Krieger verbandes Vilbel statt. Sämmtliche Vereine des Bezirks waren zahlreich vertreten. Auch die Vereine von Holz⸗ hausen und Okarben, welche bis jetzt noch nicht zur „Hassia“ gehören, waren erschienen. Der Bezirks⸗Vor⸗ sitzende, Völker von Vilbel, eröffnete die Versammlung, welche vom Vorsitzenden des hiesigen Lokal-Vereins, Kamerad Schmidt, begrüßt wurde. Lehrer Will von Rendel erstattete dann den Rechenschaftsbericht des ab— gelaufenen Verbandsjahres, sowie Bericht über dle Dele— girtenversammlung der„Hassia“ zu Worms. Beide Be— richte wurden von der Versammlung mit Beifall und Befriedigung aufgenommen. Hlerauf begann die Be— rathung der Tagesordnung des diesjährigen Delegerten⸗ tags zu Butzbach. Pos. 1—8 wurden debattelos ge— nehmigt; Pos. 9 rief eine längere Diskussion hervor. Im Ganzen wurde dem Antrag von Rieder-Olm zuge⸗ stimmt, jedoch der Zusatzantrag gewünscht, daß auf die Vereine, die erst neu gegründet werden, dieser Para⸗ graph keine Anwendung finden soll. Der Pos. 10(An- trag Worms) wurde in soweit zugeslimmt, daß wohl ein Schriftführer zu bestellen, aber derselbe nicht stimm⸗ Zu wählen sei derselbe vom Bezirksvorstande. Pos. 11(Antrag Seligenstadt) wurde abgelehnt. Pos. 12— 14 fanden keine Beanstandung. Zu Pos. 15 ist zu bemerken, daß von Seiten der Delegirten der einmüthige Wunsch ge⸗ äußert wurde, es möge im Allgemeinen bei der früheren Bestimmung bleiben; jedoch sollen in Verhinderungs⸗ fällen des Vorsitzenden des Lokalvereins auch andere Mitglieder des Vereins zu Vorstandssitzungen resp. zum Bezirksvorstande gewählt werden können. Zu Pos. 16 wurde nichts angeführk. Zum Schlusse sei noch bemerkt, daß zu dem Delegirtentag der„Hassia“ am 6. Juni zu Butzbach als Vertreter Lehrer Will zu Rendel mit Stimmenmehrheit gewählt wurde.
Allerlei.
Frankfurt, 22. Mai. In dem Mordprozesse gegen den Portefeuiller Scheffel von Offenbach, welcher als derjenige ermittelt worden ist, der den Barbler Lepper aus Darmstadt vorgestern mittelst eines Dolchmessers auf der Straße niedergestochen hat, wurde nach dem „Fr. Journ.“ gestern Vormittag die Seetion der Leiche des ermordeten Lepper auf dem Sachsenhäuser Friedhofe bewirkt, zu welcher auch Scheffel und sein Compliee, ein gewisser Metzger Schnurr, vorgeführt waren. Die übrigen vier verhafteten Personen sind bereits vorgestern
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