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werden. Ministerpräsident Bratiano hat sich von Govora nach Sinaja zum Könige begeben, wo Ministerrath stattfinden soll.

24. Aug. Von hier liegen sichere Nach richten noch immer nicht vor. Es verlautet jedoch Folgendes: Am Samstag um 2 Uhr Nachmittags umzingelte das 2. Cavallerie-Regiment von Kostendil, Commandant Oberst Stojanow, das hiesige Palais des Fürsten Alexander. Hierauf begaben sich Zankow und Metropolit Clement, von einigen anderen Mitverschworenen gefolgt, zum Fürsten und verlangten, er solle abdanken. Der Fürst unterzeichnete schließlich eine Erklär ung, daß er, um Bulgarien durch sein Verbleiben auf dem Thron nicht zu gefährden, abdanken wolle. Die schmähliche Haltung der Truppen wird nach weiteren Telegrammen bestätigt. Der N. Fr. Pr. zufolge drangen 4 Offiziere mit Revolvern in das Schlafgemach des Fürsten und forderten seine Abdankung, während die Soldaten und das Volk draußen: Dole Kneaz! (Nieder mit dem Fürsten!) riefen. Gegen Morgen wurde der Fuͤrst unter militärischer Bedeckung bis Lompalanka an der Donau gebracht, von wo er nach Rumänien übersetzen sollte. Nach dem das Geschehene bekannt gegeben war, wurde eine Schaar vor das russische Consulat geleitet, um den Schutz des Czaren zu erflehen. Ein Erlaß der vorläufigen Regierung besagt, Leben und Rechte der Eingeborenen und Fremden seien sicher. Die Mitglieder der vorläufigen Regier ung besuchten den russischen Agenten Bagdanow und baten ihn, dem Czar ihre Ergebenheit zu übermitteln. Die hiesigen Truppen wurden auf die vorläufige Regierung vereidigt. Karawelow und Major Nicolajew sind dahin verständigt worden, daß der russische Candidat für die Nach folge des Fürsten Alexander der Prinz Alexander von Oldenburg, Generaladjutant des Czaren und Commandeur der russischen Garden, sein werde. Die Truppen in Ostrumelien, in Widdin, Tirnowo, sowie die in Schumla liegende Division und die Bevölkerung daselbst erklärten sich für den Fürsten. Oberst Muthurow wurde dort zum Chef der Regierung proclamirt. Auch in Sofia sollen zwei Parteien, eine dem Fürsten feindlich, eine ihm freundlich gesinnt, in scharfem, dauern den Gegensatze sich gegenüberstehen. Prinz Alexander in Darmstadt ist bis jetzt immer noch ohne directe Nachrichten von seinen Söhnen, dem Fürsten Alexander und dem Prinzen Franz Joseph. Nach denHess. V. liegen bis jetzt nur folgende heute eingetroffene telegraphische Nachrichten vor: Hofprediger Koch, welcher dem Fürsten nach reiste, als dieser nach Lompalanka entführt wurde, telegraphirte heute, er höre von einem rumäni schen Minister, daß Fürst Alexander am 23., Abends 6 Uhr von Rahova stromabwärts ab geführt sei. Bankdirector Parcus telegraphirt heute aus Pirot: Der Fürst und sein Bruder seien am 22. August nach Wratza und am 23. August nach Nicopoli oder Grahovo ge bracht worden und per Schiff weiter gereist. Von Bukarest kommt die Nachricht: Die Vacht des Fürsten Alexander ist bei Schumla nicht ans Land gekommen, sondern wurde Vormittags in der Nähe von Silistria, ihren Lauf fortsetzend, gesehen. Man schließt daraus, daß seitens der provisorischen Regierung beabsichtigt sei, den Fürsten auf russischem Gebiete an das Land zu setzen. Die rumänische Regierung traf Anord nungen, daß dem Fürsten Alexander, sobald er irgendwo auf rumäuischem Gebiete landen sollte, sofort Schutz gewährt werde.

Rußland. Petersburg, 24. Aug. Nach der Beendigung der Truppenmanber verabschie deten sich gestern die ausländischen Offiziere von den russischen Majestäten, welche nach Peterhof übersiedelten. Heute findet in Kronstadt vor dem Kaiser eine Flottenschau statt, zu welcher 56 Schiffe versammelt sind.

Amerika. New⸗Vork. Eine Meldung aus Mexiko constatirt, die mezikanische Regierung sei bereit, Cuttings in Freiheit zu setzen, weigere sich aber, das Prinzip aufzugeben, welches die Verhaftung Cuttings' veranlaßte.

24 Aug. Cuttings wurde von der mexi⸗ kanischen Regierung heute in Freiheit gesetzt.

Aus Stadt und Land.

h. Friedberg. Dem Bericht über die Gravelotte feier in voriger Nummer des Anzeigers haben wir noch nachzutragen, daß zu dem würdigen und erhebenden Festgottesdienste der Gesang des Seminaristenchors wesent lich beigetragen hat.

h. Friedberg. Nach dem Beschluß des Sedan Comités soll der 2. September auch in diesem Jahre bei uns, wie herkömmlich, also auf der Seewiese, gefeiert werden. Das Sedanfest dürfte nicht leicht schöner und zu größerem geistigen Nutzen bei Jung und Alt gefeiert werden wie bei uns, da es sich zu einem Jugendfest ge staltet hat. Um Eltern, Lehrer, Erwachsene und Kinder wird das natürliche Band durch dasselbe fester und wirk samer geknüpft. Wir dürfen darum gewiß zuverlässig darauf rechnen, daß sich der opferwillige Sinn der Be wohner unserer Stadt dafür wie seither zeigen und be währen wird. Die besonderen Verhältnssse in diesem Jahre, die aus Rücksichtnahme gegen hochgestellte An wesende gebietet, dürften sogar etwas mehr Mittel er fordern als seither. Zu unserer Freude können wir auch mittheilen, daß Lehrer mit ihren Schülern von auswärts beabsichtigen, Antheil an unserem schönen, patriotischen Feste zu nehmen. Immer mehr wird dasselbe Anzieh ungskraft auch nach unserer Umgebung ausüben, aus der uns Kinder wie Erwachsene herzlich willkommen sein sollen.

Friedberg, 25. August. Heute Morgen rückte mit klingendem Spiel unsere Einquartierung ein. Ueber die Manöver in unserer Nähe erfahren wir: das Inf. Regt. Nr. 116 übt vom 27. Aug. bis 1. Sept. bet Friedberg, sodann hält die 49. Infanterie-Brigade (Regimenter Nr. 115 und 116) 3. bis 8. Sept. bei Friedberg Uebungen ab und hierauf vom 10. bis 14. Sept. zwischen Friedberg und Hanau. An den Uebungen nehmen ferner Theil: Die 2., 3. und 4. Ese. des Drag. Regts. Nr. 23, die 2. Abtheilung des Feld-Art.-Regts. Nr. 25, mit Ausnahme der reitenden Batterie, welche zu den Kaisermanövern im Elsaß abeommandirt ist. Außerdem ist die 2. und 3. Batterie der reitenden Ab theilung des Feld-Artillerie-Regts. Nr. 11 und die 4. Comp des Pionier-Bataillons Nr. 11 zur Theil nahme eommandirt. Während der angegebenen Zeit finden dret Bivouaks der Vorposten staktt. Divistons: manöver finden vom 16. bis 18. Sept. zwischen Hanau und Echzell mit zwei Bivouaks der Vorposten statt. Vom 20. bis 22. Sept. manövrirt die 25. Division gegen die 21m. zwischen Staden und Gießen. Während dieser Zeit bivouaklrt die ganze Division in zwei Nächten. Der 9. und 15. Sept. sind Ruhetage.

k. Reichelsheim. Bes der gestern hier stattge habten Kreistagswahl wurde der seitherige Abgeordnete, Gutsbesitzer Fr. Keil aus Melbach, im ersten Wahlgang wieder gewählt.

Altenstadt. Der Alterthumsforscher Kofler aus Darmstadt hat hier mit Nachforschungen nach einem Pfahlgrabencastell begonnen. Diese Thäkigkeit war schon am ersten Tage mit Erfolg gekrönt, da in unmittelbarer Nähe des Ortes am sog. Haingraben die Mauer der Nordseite des Castells in einer Länge von 70 Schritten blos gelegt werden konnte. Soviel bis jetzt festgestellt ist, ziehen sich die Mauern bis tief in unseren Ort hinein, so daß man zweifellos das größte der bis jetzt entdeckten Pfahlgrabencastelle gefunden hat. Die Arbelten Kofler's werden unter diesen Umständen noch mindestens 14 Tage in Anspruch nehmen und es wird eine Besichtigung der betreffenden Stellen sehr interessant und lohnend sein.

Allerlei.

Wächtersbach. Am 19. August zwischen 6 und 7 Uhr Abends entlud sich dahier ein furchtbares Ge witter. Der Regen fiel mit solcher Macht nieder, daß sehr viele Kartoffeln auf den Aeckern blosgelegt und weggeschwemmt wurden. Auch die Feldwege sind schlimm zugerichtet. Zwet bis drei Meter tiefe Rinnen sind ent standen. Der Schaden ist ein beträchtlicher.

Kiedrich, 20. Aug. Htier wird gegenwärtig eine hier gefundene starke Salzquelle durch einen Mainzer Unternehmer aus gebohrt. Nach Abdämmen des Suͤß wassers fand man, daß durch die Beschaffenheit des Salzwassers die gehegten Erwartungen weit übertroffen wurden. Die Bohrungen sollen nunmehr je nach dem Ge halt des Wassers bis zu 100 Meter Tiefe fortgesetzt werden.

Lübeck, 23. Aug. In einem alleinstehenden Hause an der Travemünder Bahn sind gestern Abend vier Per sonen(eine Arbeiterfamklie) verbrannt und eine fünfte durch Brandwunden schwer verletzt.

Biel, 22. Aug. Bei einem Elsenbahnunglück zwischen Bern und Genf sind 9 Wagen entgleist und theilweise zertrümmert. Vier Personen sind schwer verwundet.

Malta, 19. Aug. Heute Morgen um Uhr wurde wiederum ein schwacher Erdstoß hier verspürt. Der Kapitän des gestern Abend hier eingetroffenen DampfersTransition meldet, daß er um etwa 9 Uhr Abends am 17. d. etwas wie eine Feuergarbe aus dem Wasser habe emporschießen sehen. Die Erscheinung war ungefähr 30 Fuß breit und stieg etwa 100 Fuß in die Höhe, worauf sie plötzlich wieder verschwand. Das Schiff befand sich zu der Zeit ungefähr 200 Seemeilen östlich von Malta. Die feurige Erscheinung wurde von dem Schiffe beobachtet und Alle, welche sich an Bord be fanden, waren darüber einig, daß es kein Blitz war.

New⸗Vork, 20. Aug. Nach einer Depesche aus Galveston, Texas, haben daselbst heftige Stürme ge⸗

wüthet. Der ganze südliche und südöstliche Stadtthell ist überschwemmt. Man fürchtet für die Sscherhelt der an den exponirten Punkten wohnenden Famillen. Eine spätere Depesche meldet, daß auch gestern daselbst stürm isches Wetter herrschte. Die ganze Stadt ist jetzt über⸗ schwemmt. Das Wasser riß einige Holzhäuser fort und schwimmen dieselben jetzt die Straßen hinab. Mehrere Personen sind ertrunken. Die Stadt Harle in Sonora üst vollkommen von den Fluthen hinweggeschwemmt wor den und blieb nicht ein Haus stehen. Die Stadt hat 700 Einwohner. Es ist noch nicht bekannt, wie viele Menschenleben verloren gegangen sind und wie hoch sich der Verlust an zerstörtem Eigenthum beläuft.

Handel und Verkehr.

Friedberg, 24. Aug. Fruchtpr. Waizen M. 16.50 bis 16.75, Korn M. 14.00 14.25, Gerste M. 11.5012, Hafer M. 138. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo 200 Zollpfund.

Friedberg, 25. Aug. Buttermarkt. Butter kostete per Pfd. M. 1.00 1.10, Eier 1 Stück 6 Pf.

Grünberg, 21. Aug. Fruchtpr. Weizen M. 17.50, Korn M. 14.00, Gerste M. 12.00, Hafer M. 11.90, Samen M. 21.00.

Gießen, 24. August. Auf dem heutigen Markt kostete Butter per Pfd. M. 0.85 0.00, Eier per St. 56 Pf. Käse per St. 4 8 Pf., Tauben per Paar M. 0.400.60, Hühner per Stück M. 0.85 1.20, Hahnen per Stück M. 0.40 0.85, Enten per Stück M. 1.20 1.80, Ochsen⸗ fleisch per Pfund 6264 Pf., Kuh⸗ und Rinzdfleisch 52 56 Pf., Schweinefleisch 54 60 Pf., Hamme fleisch 50 66 Pf., Kalbfleisch 4650 Pf., Kartoffeln per 100 Kilo M. 45., Zwiebeln per Ctr. M. 3.505.

Frankfurt, 23. August. Fruchtbericht. Hiesiges Weizenmehl Nr. 0 M. 31.50 32.50, Nr. 1. M. 27 bis 28, Nr. 2 M. 2526, Nr. 3 M. 2324, Nr. 4 M. 17 17.50, Nr. 5 M. 15- 16, Milchbrod⸗ und Brodmehl im Verband M. 4952. Roggenmehl(hies.) Nr. O M. 22.50 23.50, Nr. 0/1 M. 21.50 22.50, Nr. 1 M. 1819., Nr. 2 M. 1616.50, Weizen ab unserer Umgegend neuer M. 16.7517. frei Bahnhof hier M. 17.25 17.50, fremder nach Qual. M. 17.50 bis 19.25, Roggen(hies.) M. 13.50-18.75, Königs berger M. 14.25, Nieolajeff M. 14., Bulgarischer M. 13.75, Gerste, Brauerwaare M. 13.50 44.50, do. zu Mahl- zwecken M. 11.50, Hafer, stark beregnet, mit Geruch M. 12., do. mittel M. 1313.50, prima M. 14., Raps M. 21.25 21.75, Mais, bunter(mixed) M. 11.50, ge⸗ schrotener, bestes Pferdefutter, M. 13., Heu per Ctr. M. 2.50 2.75, Stroh M. 2 2.25, Erbsen M. 18., Wicken M. 14.5015., Roggenkleie M. 4.50, Weizen⸗ kleie M. 4 4.25 per Ctr.(bei Abnahme von 200 Ctr. an). Malzkeime M. 4.20, Moostorfstreu prima M. 1.30, Spelzenspreu M. 1.20, Sesamkuchen M. 5.40, Rüböl im Detail M. 48.

Frankfurt, 23. Aug. Viehm. Der heutige Markt war mit 329 Ochsen, 31 Bullen, 448 Kühen, Stieren und Rindern, 242 Kälber, 34 Hämmeln und 184 Schweinen befahren. Die Preise stellten sich pro 100 Pfd. Schlacht⸗ gewicht: Ochsen 1. Qual. M. 65 66., 2. Qual. M. 58 bis 60., Bullen 1. Qual. M. 4244., 2. Qual. M. 32 bis 34., Kühe, Stiere und Rinder 1. Qual. M. 52 bis 54., 2. Qual. M. 40 45, Kälber pro 1 Pfd. Schlacht⸗ gewicht: 1. Qual. 6062 Pf., 2. Qual. 50 52 Pf., Hämmel 1. Qual. 59-60 Pf., 2. Qual. 4550 Pf., Schweine 1. Qual. 5658 Pf., 2. Qual. 54 55 Pf.

Frankfurt, 24. Aug. Wochenm. Auf dem Heu- und Srohmarkt waren 54 Wagen angefahren. 50 Kilo Heu kosteten M. 2.40 3.11, Stroh M. 2 2.40, Butter im Großen M. 7578., Eier das Hundert M. 4.505., Kartoffeln das Malter M. 4 4.50, Bohnen der Ctr. 3 M. Gurken das Hundert zum Einmachen M. 1.30, das Hundert Essiggurken 50- 60 Pf.

Litergrisches.

Daheim Nr. 47 enthält: Marja, die Fremde. Er zählung von H. Pichler. Fürst von Pückler- Muskau. Eine deutsche Endeckung im Innern Brasiliens. Mit 3 Illustr. Deutsche Musiker IV. Der Uhland-Sänger. Von H. A. Köstlin. Mit Porträt von K. Kreuzer. Der Wiesbadener Verein vom rothen Kreuz. Am Familientisch: Liebe und Trompetenblasen. Der Papier- verbrauch auf der Erde. Zur Geschichte des Brannt weins. Durst und Trinken bei heißem Wetter. Volks fest im Mittelalter. Von Paula Monje. Briefkasten. In unserer Spielecke. Mit 1 illustr. Beilage.

Zum 2. September! Wie in den vorderen Jahren, kommen wir auch in diesem Jahre zum bevorstehenden Nattonalfest vom 2. September mit der Bitte um Gaben für dle Invaliden und die Hinterbliebenen gefallener Soldaten des Krieges 1870/71. Wir bitten insbeson⸗ dere, wie früher, die evangelischen Pfarrämter und Kirchen⸗ vorstände, gemäß der ihnen von Großherzoglichem Ober⸗ Consistorlum ertheilten Erlaubniß, bei den betr. Fest⸗ gottesdiensten Colleeten für jenen Zweck zu erheben. Unsere Zweigvereine ersuchen wir, wle seither möglichst für Verbreitung dieser Ansprache und Durchführung un serer Idee zu wirken, insbesondere an geeigneten Orten Sammelbüchsen aufzustellen. Alle, welche uns demnächst die Erträgnisse von Sammlungen zu übermitteln haben, bitten wir, dieselben durch Posteinzahlung an unseren Schatzmeister, Brandversicherungsseeretär Hechler dahier, einzusenden. Darmstadt am 11. August 1886. Der Vorstand des Hülfsvereins für die Krankenpflege

und Unterstützung der Soldaten im Felde ze. c.

A. Weber, Ministerlalpräsident, Vorsitzender.

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