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Deutsches Reich.
Darmstadt. Das Reglerungsblatt, Beklage Nr. 19,
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998 Uebersicht der Rechnung der May'schen Schul— unterstützungsstiftung für 1884.
II. Bekanntmachung, die Aufbringung der Bedürfnisse der Landjudenschaft der Provinz Oberhessen für 1886/87 betreffend.
II. Uebersicht der fr 1886/87 genehmigten Umlagen in den Gemeinden des Kreises Heppenheim.
Iv. Bekanntmachung, die Erhebung einer Umlage in der Stadt Darmstadt betreffend.
V. Dienstnachrichten. Es wurde: Dem ev. Pfarrer Pabst zu Fürfeld die Pfarrstelle zu Sprendlingen über⸗ tragen; dem nach Darmstadt versetzten Postinspektor Meyer aus Frankfurt die landesherrliche Bestätigung er— theilt, dem Schullehrer Schlipper zu Winterberg eine Lehrerstelle zu Nackenheim, der Schulverwalterin Parendier zu Darmstadt eine Lehrerinnenstelle an der Volksschule daselbst, dem Schulamtsasp. Wetzel aus Hofheim eine Lehrerstelle zu Wersau übertragen.
VI. Abwesenheitserklärung.
VII. Konkurrenzeröffnungen. Erledigt sind: Die ev. Pfarrstelle zu Altenstadt. Eine Lehrerstelle zu Beerfelden, Gebalt 1000-1250 M. Dem Grafen zu Erbach— Fürstenau steht das Präsentationsrecht zu. Eine Lehrer⸗ stelle zu Nieder-Beerbach, Gehalt 900 M. Die Lehrer⸗ stelle zu Eimsheim, Gehalt 900 M. Die Lehrerstelle zu Unter⸗Ostern, Gehalt 900 M. Dem Grafen von Erbach— Erbach steht das Präsentationsrecht zu. Eine Lehrer— innenstelle zu Gießen, Gehalt 1200 1600 M.
— Der Steuerkommissaͤr Fuhr in Beer— felden wurde nach Seligenstadt versetzt und der Steuerkontroleur Hippenstiel zu Nidda zum Steuerkommissär in Beerfelden ernannt, der Steuerrath Rau in Seligenstadt auf Nachsuchen, unter Anerkennung seiner Dienste, in Ruhestand versetzt und demselben das Ritterkreuz I. Klasse des Philipps-Ordens verliehen. Der Kreis— arzt Dr. Köhler zu Laubach wurde zum Kreis— arzt in Gießen, der ord. Professor Dr. Katten— busch zum Rektor der Landesuniversität für die Zeit vom 1. Oktober 1886 bis 1887, der Kanzleiwärter Noch zu Darmstadt zum Kanzlei— diener bei dem Ministerium des Innern und der Justiz ernannt; und der Kanzleidiener bei dem Ministerium des Innern und der Justiz Grünewald auf Nachsuchen, unter Anerkennung seiner Dienste, in den Ruhestand versetzt.
Stettin, 10. Juli. Im Beisein des Staats— ministers v. Puttkamer und des Staatssecretärs v. Bötticher, hoher sächsischer, württembergischer, badischer, hessischer und hanseatischer Wuͤrden— träger, mehrerer Admiralitätsräthe, des chinesi— schen Gesandten, des Consuls vom Norddeutschen Lloyd, der Spitzen der Provinzial-, Militär— und städtischen Behörden, sowie zahlreicher Zu— schauer, fand heute der Stapellauf des ersten auf der Werft des„Vulkan“ erbauten großen Subventionsdampfers statt. Der Taufact wurde von der Gräfin Behr-Negendank vollzogen. Der Dampfer erhielt den Namen„Preußen“.
Kiel. S. M. Kreuzer„Nautilaus“, Com— mandant Corv.⸗Capitän Rötger, ist am 10. Juli von Nagasaki nach Shanghai in See gegangen.
Ems, 14. Juli. Der Kaiser ist dem Fr. J. nach heute um 4 Uhr mittelst Extrazuges nach Coblenz abgereist und wurde auf dem Wege zum Bahnhofe von einer großen Volksmenge enthusiastisch begrüßt. Auf dem Bahnhofe fand die Verabschiedung von den Spitzen der Behörden und verschiedenen destinguirten Badegästen statt. Der Kaiser sah vortrefflich aus.
München. Kaiser Wilhelm wird dem Fr. Journ. zufolge auf der Fahrt nach Gastein am 18. d. M. hier erwartet und hier, statt wie bisher in Rosenheim, auf des Prinz-Regenten Einladung übernachten. München wird den Kaiser jubelnd empfangen. Der Prinz-Regent wird wahrscheinlich nach den Herbstmanövern den Kaiser in Berlin besuchen.
— Der Prinz Regent von Bayern wird, wie die„N. N.“ aus bester Quelle hören, sämmtliche Kreise des Königreiches besuchen. Vor Ablauf der Landestrauer können jedoch diese Rundreisen nicht stattfinden und wird der Be— such der Provinzstädte sich auf die Dauer der Manöver in Franken beschränken.
Ausland. Frankreich. Paris. Die Einnahmen des Staatsschatzes im Monat Juni waren um
3½ Million geringer, als die Voranschläge des Budgets. Die Einnahmen des ersten Semesters 1886 betrugen 38 Million weniger, als in der gleichen Periode des vorigen Jahres. Das Defieit rührt besonders von der Zuckersteuer her.
— Der Post-Minister Granet schloß mit der Compagnie der„Mesageries maritimes“ einen Vertrag, wodurch der bestehende Dienst geändert und hauptsächlich gefordert wird, daß nur in Frankreich gebaute Schiffe in Dienst gestellt und nur französische Kohlen verwendet werden dürfen. Der neue Vertrag hebt die Vortheile auf, welche in den Frachtsätzen den englischen Erzeugnissen zum Nachtheile der fran— zösischen Waaren gewährt waren. Der Vertrag tritt 1888 in Kraft.
— 10. Juli. Die heutigen Morgenblätter melden: Da das Gerücht verbreitet war, daß bei den französischen Waffenfabrikanten große Bestellungen gemacht werden sollen, so befragte der Abgeordnete Laur hierüber den Kriegsminister, welcher hieranf folgende Antwort gab: Es wer— den augenblicklich in Chatellerault mit gewissen Mustern Versuchen gemacht; wenn dieselben günstig ausfallen sollten, so werden noch vor dem Herbste bei den Waffenfabrikanten namhafte Bestellungen gemacht werden. Das Blatt„Paris“ meldet, daß auf Befehl des Kriegsministers sechzehn Regimenter Infanterie und siebzehn Jägerbataillone mit Repetirgewehren ausgeruüͤstet werden. Diese Maßregeln bewiesen, daß der Kriegsminster sich nicht zuvorkommen lasse, ob— gleich die Einführung von Repetirgewehren nicht von ihm ausgegangen sei—
— Die Generalrathswahlen wurden auf den 1. August festgesetzt.
— Anstatt des Herzogs von Noailles ist der Graf Montebello, bisher Gesandter in Brüssel, zum Botschafter in Constantinopel ernannt worden.
— Lesseps kündigt au, daß eine Emission von 600 Million Francs neuer Panama-Obligationen anstatt der beabsichtigten Prämienanleihe dem— nächst erfolgen werde.
Großbritannien. London, 11. Juli. Bis gestern waren 572 Wahlen bekannt; davon entfallen auf die Conservativen 290, auf die dissentirenden Liberalen 62, auf die Anhänger Gladstone's 148 und auf die Paruelliten 72.
— Die„Times“ meint, durch das Verhalten Rußlauds in der Batumfrage erlange auch Eng— land die Actionsfreiheit in der Dardanellenfrage wieder.
Spanien. Madrid, 10. Juli. Die Kammer genehmigte mit 203 gegen 2 Stimmen die Civil— liste und verwarf den Antrag Romero um Er— höhung der Civilliste der Regentin, welchen An— trag die Regentin schon vorher zurückgewiesen hatte.
Serbien. Nisch, 11. Juli. Der König traf gestern in Begleitung sämmtlicher Minister hier ein. Morgen findet die erste Sitzung der Skupschtina statt.
Rumänien. Bukarest, 10. Juli. Der Budapester„Nemzet“ meldet: Die Anwesenheit russischer Offiziere in Bukarest bezweckt den Ab— schluß einer Durchmarsch-Uebereinkunft zur etwaigen Besetzung Bulgariens. Rußland zieht in Bessarabien Truppen zusammen. Diese Nach— richt wird zwar officiös dementirt, taucht aber immer wieder auf.
Griechenland. Athen. Nach einer der „Pol. Corr.“ zugehenden Meldung ist es nun— mehr entschieden, daß König Georg bei seiner diesmaligen Reise ins Ausland sich zunächst zum Kurgebrauche nach Wiesbaden und dann zum Besuche seiner Eltern nach Kopenhagen begeben wird. Der Zeitpunkt der Abreise ist jedoch noch nicht bestimmt.
Rußland. Petersburg. Ein Communsqus des„Rezierungs-Anzeigers“ sagt: Die Auf— hebung des Freihafens von Batum sei keine Verletzung des Berliner Vertrags. Der be— treffende Vertragsartikel enthalte nicht das Er— gebniß eines Abkommens der Mächte, sondern nur die spontane Erklärung Rußlands, einen Freihafen einzurichten. Nach Abschaffung des
Transitverkehrs biete Batum den anderen Mächten
keinen Vortheil für den Waarenaustausch Eu Der„Regierungsanzeiger“
ropa's mit Persien. veröffentlicht einen kaiserlichen Ukas, wonach die Schließung des Freihafens von Bakum vom 17. d. Mts. ab angeordnet wird.
Aus Stadt und Lond.
Friedberg. Die Erbauung der Homburg Frled⸗ berger Bahn hat dem Homb. Kr. Blatt zufolge dortselbst einen Interessenstreit hervorgerufen. Die Bewohner des oberen Stadttheiles von Homburg hatten eine Petftlon für Anlegung einer Haltestelle, resp. Führung der Bahn um die Nordseite der Stadt, angeregt und ist solche von ca. 400 Petenten unterzeichnet worden. Die hessischen Orte streben mit aller Kraft darnach, daß die neue Bahallnte ihre Loealinteressen mehr wahrnsmmt, als solches im Projecete vorgesetzen ist, und nun regt es sich auch im unteren Stadttheile von Homburg, um einer mög⸗ lichen Schädigung desselben durch die in der ersterwähnten Petition ausgesprochenen Wünsche vorzubeugen. Aus diesem Grunde wurde eine betr. Eingabe an die Königl. Eisenbahndirectton Frankfurt a. M. in Cireulation gesetzt und soll demnächst an ihre Adresse befördert werden. An die hessischen Orte möchten wir bei dieser Gelegenheit die Mahnung richten, sich noch energischer zu regen, damit die Bahn so geführt wird, daß auch die Orte Ober- und Niederrosbach, Rodheim und Holzhausen wirklichen Nutzen durch dieselbe haben
Lich. Die Generalversammlung der„Oberhessischen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde“ sindet am 18. Jult in dem benachbarten Kloster Arnsburg statt. Die Sitzung beginnt um 11 Uhr Vormittags.
b. Bad Nauheim, 10. Juli. Zu Ehren des Geburtstages des Erbgroßherzogs von Baden fand gestern Abend Beleuchtung des Sprudels und des Parks zu⸗ nächst der Quellen statt; auch wurde ein kleines Feuer— werk abgebrannt. Prinz Ludwig von Baden war zum Besuche seines Bruders hlerhergekommen und reist heute wieder ab. Die hohen Herrschaften befanden sich wäh rend der Beleuchtung in dem neuen Badehaus.
b. Bad⸗Nauheim. An unserer Mtttheilung be⸗ züglich des Besuches der Erbgroßherzogin von Baden in Frankfurt ist zu berichtigen, daß dieselbe nicht nach Königstein zum Besuche ihrer Mutter, der Herzogin von Nassau fuhr, sondern letztere in Frankfurt selbst traf.
k. Bad⸗Nauheim, 9. Juli. Heute morgen wurde ein hiesiger wohlhabender Oekonom ertrunken im Pfuhl⸗ loch seiner Hofraithe gefunden. Man vermuthet, daß ein Schlaganfall ihn betroffen, als er noch spät am Abend über den Hof ging und daß er in Folge dessen in das beinahe leere Pfuhlloch stürzte und dann, da er sich nicht helfen konnte, ertrank.
Allerlei.
st. Frankfurt. Die zweite von dem Ensemble des Theaters an der Wien im hiesigen Opernhause zur Auf— führung kommende Novität„Eine Nacht in Venedig“, Operette von Johann Strauß, welche in Wien und Prag mit ungewöhnlichem Erfolge von dem Wiener Ensemble gegeben wurde(die Operette von Direetor Jauner in— scenirt, erlebte in Wien über 100 Aufführungen), wird am 14. d. M. wiederholt. Billets können jetzt schon bei der Kasse des Opernhauses bestellt werden.
Würzburg, 9. Juli. Am hiesigen Bahnhof er— eignete sich heute Vormittag schon wieder ein Unfall, indem am Kohlenhof ein einpassirender Zug, der jeden— falls nicht gehörig gebremst, zurücklief. Ein Weichensteller riß den Wechsel herum, in Folge dessen der Zug eine andere Richtung nahm und dann zum Stehen gebracht wurde. Einem Bedientesten wurde ein Fuß gequetscht.
Dresden, 10. Juli. Der gzestern Nachmittag von Wien nach Dresden abgegangene Courierzug ist beute früh 2 Uhr bei Pirna auf durch heftige Regengüsse berabgespülte Erdmassen gefahren und theilweise entgleist. Drei Wagen sind den Damm heruntergestürzt, aber Niemand verletzt. Der Güterverkehr ist stark gestört und wird vorläufig über eine andere Linie geleitet. Die Passagtere müssen umstelgen
Wien, 11. Juli. Die Nachricht von der Auffindung aller Leichen der vier verunglückten Besteiger des Groß— glockners war verfrüht. Erst heute sind die eichen des holländischen Gesandtschafts-Seeretärs Crommelin und des Führers Rangetnier aufgefunden worden. Nach der Leiche des Markgrafen Pallavleini wird noch gesucht.
Basel, 9. Juli. Der gestern Abend zehn Uhr von Chauxdefonds nach Biel abgetzengene Eisenbahnzug ent⸗ gleiste zwischen Couvers und Renan. Die Lokomotive grub sich in den Bahnkörper ein, die Wagen stauten aufeinander. Von 55 Passagieren sind drei schwer und acht leicht verletzt.
Brüssel. Das Mädchen, dessen Leichnam von der Hebamme Rodelet und deren Liebhaber Masquelier zer⸗ stückelt worden ist, heißt Beekmann. Das Mädchen war 1846 in Brügge geboren und diente zuletzt als Ladenmädchen bei dem Brüsseler Schuhwaaren-Fabrlkanten Hofer. Die Eltern des Mädchens machten Angaben, welche an der Identität keinen Zweifel übrig ließen, und auch Frau Hofer erkannte die in St. Gilles ge⸗ fundenen Kleidungsstücke als der Beekmann gehörig. Das Mädchen war am 6. Juni zu seinen Eltern gereist, hatte diese aber wieder am 18. Juni verlassen, um sich angeblich nach Brüssel zu begeben. In Wirklichkeit war sie in die Wohnung der Rodelet gegangen, wo sie umkam. Die Beekmann schien einen regelmäßigen Lebenswandel zu führen und von einem Geliebten derselben hat man nichts gehört.
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