——
Unruhen erneuern, wird die Verhängung des Belagerungszustandes erwartet.
Italien. Mailand. Hier werden in Folge eines Streikes der Bäcker Unruhen befürchtet. Der Streik hat ungeahnte Dimensionen angenommen. Mehr als 2000 Arbeiter haben die Arbeit ein— gestellt; 1100 zogen sich auf Morivione zurück. Die Straße dahin wurde mit Militär abge— sperrt. Die Massen zeigten sich ungemein erregt und wollten gegen das Militär marschiren, wur— den jedoch von ihren eigenen Führern beschworen, einen Conflict zu vermeiden und die Ruhe zu bewahren.
Amerika. New-Pork. Das mexkkanische Gericht in El Paso verurtheilte den Redacteur Cuttings zu einjähriger Zwangsarbeit und 600 Dollars Geldstrafe, im Unvermögensfalle zu hunderttägigem Gefängniß.
Aus Stadt und Land.
h. Friedberg. Beim raschen Herankommen des Sedantages wird die Mittheilung allgemein angenehm berühren, daß von maßgebender Seite die nöthigen vor⸗ bereitenden Schritte schon vor einiger Zeit geschehen sind, um auch diesmal den Sedantag in herkömmlich schöner und für Jung und Alt freudiger Weise zu feiern.
Allerlei.
Frankfurt, 7. Aug. Der aus der Friedhofsaffatre bekannte Polizeicommissär Meyer wurde heute begnadigt, ebenso der Schutzmann Schweiger; den Schutzleuten Wingeleith und Homann, die gleichfalls zu Gefängniß verurtheilt waren, wurde die Strafe in eine Geldstrafe von je 80 und 40 Mark umgewandelt.
Coblenz, 9. Aug. Von einem entsetzlichen Unglück wird der„Cobl. Z.“ berichtet: Bei Rolandseck ist gestern Nachmittag 3 ½ Uhr ein Nachen, in welchem sich 13 Per⸗ sonen befanden, an die Kette der Fährponte gestoßen und umgeschlagen. Fünf der Insassen, einschließlich des Fährmanns, sind ertrunken. Die Verunglückten waren größtentheils Fremde, in Sommerfrische Befindliche.
Altona, 9. Aug. Der Schuhmacher Jablowsky ermordete gestern Abend einen Arbeiter Namens Stuhrberg. Der Mörder wurde verhaftet.
Aus der Berliner Verbrecherwelt. (Fortsetzung aus Nr. 85.)
Nicht immer wird das Herannahen der Polizei, sei es durch einen zufällig des Weges kommenden Verbrecher, in der Klappe recht— zeitig signalisirt; es gelingt ihr auch, unverhofft einzutreten, und dann ist die Physiognomie des Lokals eine wesentlich andere. Die Ver— brecher kennen die Polizeibeamten ganz genau, und sollten sie sie nicht persönlich kennen, so täuscht sie ihr Scharfblick selten in der Quali— tät des Eintretenden. Sie versuchen nicht im entferntesten zu entfliehen, denn es ist ihnen wohl bekannt, daß, während einige Beamte das Lokal betreten, durch andere alle Zugänge des— selben besetzt gehalten werden, und jeder un— weigerlich festgenommen wird, der den Versuch macht, es zu verlassen. Sie nehmen deßhalb einen möglichst harmlosen Gesichtsausdruck an und geben sich ungezwungener Unterhaltung hin. Indessen auch die Polizeibeamten kennen ihre Leute, und ohne viele Umstände greifen sie sich Diejenigen heraus, die sie suchen. Die Anderen machen erstaunte Gesichter und thun, als ob sie die Sache Nichts anginge. Selbst die Betroffenen pflegen ruhig der Einladung zu folgen. Es ist sehr vereinzelt, daß bei einer solchen Verhaftung Widerstand geleistet wird, und es erregte deß— halb ein allgemeines Aufsehen, als vor einigen Jahren ein Kriminalschutzmann von einem alten Verbrecher, der wiederum vor harter Zuchthaus— strafe stand, alsbald beim Betreten des Lokals überfallen und mit Messerstichen so unbarm— herzig zugerichtet wurde, daß er mehrere Monate am Tode lag und sich nur sehr mühsam erholte. Die Verbrecherlokale werden, während sie dem Uebelthäter zum Versteck dienen sollten, nicht selten zu seinem Verräther. Die Polizei hat deßhalb auch gar keinen Grund, allzu unnach— sichtig gegen ihr Bestehen vorzugehen. Sie kennt sie genau, duldet sie und beschränkt sich darauf, sie streng zu überwachen. Sie kann das um so unbedenklicher thun, als das Treiben in den Verbrecherkneipen ein gemeingefährliches durchaus nicht ist, und wirklich schwere Straf— thaten in den Lokalen selbst kaum vorkommen. Zwar ist vor nunmehr fast zwanzig Jahren ein
hochangesehener Mann aus den besten Kreisen in einem solchen Keller ermordet worden, allein der Fall steht ganz einzig da und seine näheren Umstände sind niemals aufgeklärt worden.
Ueber den Berliner Verbrecher als Typus schreibt der Autor:„Er ist meist höflich und bescheiden und bewegt sich in den gewandten Formen, die das Leben einer Großstadt auch in den geringeren Klassen ihren Einwohnern auf— zuprägen pflegt. Sein Aeußeres ist nicht ver— wildert und schmutzig, sondern er kleidet sich, so lange es ihm seine Verhältnisse erlauben, sauber und ordentlich, oft genug elegant, und sorgt auch sonst für anständiges Aussehen, indem er seine Haut reinlich hält und Haar und Bart eine aufmerksame Pflege angedeihen läßt. Selbst sein Blick ist meistens frei und ungenirt, so lange er nicht gerade jenen Kampf kämpft, bei dem seine Leidenschaften so sehr entflammt werden. Nicht wenig trägt hierzu freilich die Kunst, sich zu verstellen, bei, die unter den Berliner Ver— brechern in hohem Maße entwickelt ist. Der ahnungslose Bürger oder gar der Fremde, der in Berlin flanirt, die Locale und die Sehens— würdigkeiten besucht, ahnt nicht, daß ein großer Theil der Menschen, mit denen er in Berühr— ung kommt, die ihm in irgend einer Form ihre Dienste anbieten, oder von denen er in Wirk— lichkeit bedient wird, vielfach bestrafte Subjecte sind. Ja, der Prinzipal, der seine Leute enga— girt, ahnt dies nicht und läßt sich durch ihr Aeußeres und ihr einnehmendes Wesen täuschen. Kürzlich wurden in einem sehr großen Restaurant Nachts mehrfach Einbrüche verübt und Geld, Wein u. s. w. im Betrage von mehreren tausend Mark entwendet. Die Criminalpolizei lenkte den Verdacht auf den Oberkellner. Der Prin- zipal wies dies energisch zurück und erklärte, für den Oberkellner eintreten zu wollen. Es stellte sich heraus, daß dieser dennoch der Thäter gewesen, und mit ihm ein Hausknecht, den der Oberkellner selbst engagirt hatte. Beide waren, wie sich nun ferner herausstellte, vielbestrafte Diebe und hatten diese Stellung nur zu dem Zwecke angenommen, die Diebstähle ausführen zu können. Der Wirth war wie aus den Wolken gefallen. Wie ihm, geht es Hunderten von Menschen, und die, die sich rühmen, den schlechten Charakter eines Menschen aus seiner Physiog— nomie herauslesen zu können, möchten der Ber— liner Verbrecherwelt gegenüber einen harten Stand haben. Mit den sogenannten„Verbrecher— Physiognomien“ ist es überhaupt ein eigenes Ding. So lange sie durch eine sorgsame Pflege der äußeren Erscheinung verdeckt werden, sind sie schwer zu erkennen. Im Zuchthause aller— dings, wo das Gesicht bartlos ist, und nur die kurzen Stoppeln eines Bartes ihm eine graue Färbung geben und jeden Zug dests deutlicher hervortreten lassen, wo das Kopfhaar kurz ge— schoren ist, und die einförmige häßliche Kleidung den Gesichtszügen keinerlei Unterstützung ge— währt, da kann man Verbrecher-Physiognomien sehen, da ergreift einen manchmal ein Grauen vor diesen von Lastern und Leidenschaften zer— fressenen Gesichtern, da ist vielleicht der einzige Ort, wo man den Verbrecher an seinem Aeußeren erkennt, wo er uns so zu sagen nackt gegenüber— tritt, und da freilich ist sein Anblick abscheulich. Sehr interessant sind ferner die Enthüllungen des Kapitels„Die Diebeswelt“: Es gibt in Berlin keine gewerbsmäßigen Räuber und Mörder. Wo irgend Erscheinungen von bandenmäßiger Zusammenrottung zur Begehung von Kapital— verbrechen hervortreten, wie sie im Dickhoff'schen Prozesse mehr geahnt als erwiesen waren, da sind es sehr seltene Erscheinungen, die ebenso rasch verschwinden, wie sie aufgetaucht waren. Die Anzahl der Kapitalverbrechen ist überhaupt im Verhältniß zur Bevölkerungszahl und zu ihrer Dichtigkeit gar nicht so groß, sie wird durch die Ziffern anderer Großstädte sehr stark in den Schatten gestellt. Nur in einer Art von Ver— brechen steht Berlin unerreichbar da, das ist der Diebstahl, speziell der schwere Diebstahl in jeder
nur denkbaren Form. Die Diebeswelt ist auch
die Verbrecherwelt von Berlin; alles Andere gruppirt sich um sie herum, empfängt Leben und Odem von ihr, hangt von ihr ab oder ist aus ihr hervorgegangen, versucht sich auf allen möglichen Gebieten, aber kehrt stets wieder in ihren Schoß zurück. Sie ist die erste gewerbs— mäßige Sekte im Verbrecherthum, und alle Eigenheiten und Absonderlichkeiten, alle Organi— sation und Disciplin, deren sich dasselbe jetzt erfreut, sind von ihr ausgegangen. Die hand⸗ werksmäßigen Spitzbuben huldigen dem Grund— satze, daß man es zu einer wirklichen Vollkom⸗ menheit nur dann bringen kann, wenn man nicht auf allen Gebieten unsicher umhertappt, sondern sich ein bestimmtes Fach erwählt, dieses gründlich studirt und bis zur Vollendung auslernt. Sie haben deßhalb sämmtlich ihre Spezialität, welche sie cultiviren und von der sie ohne ganz beson⸗ dere Veranlassung nicht abweichen, um Anderen in's Handwerk zu pfuschen.(Schluß folgt.)
Handel und Verkehr.
Friedberg, 10. Aug. Fruchtpr. Waizen M. 18.25 bis 18.50, Korn M. 14.00— 14.25, Gerste M. 11.50.— 13, Hafer M. 12.50 13.00. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo= 200 Zollpfund.
Friedberg, 11. Aug. Buttermarkt. Butter kostete per Pfd. M. 1.00— 1.10, Eier 1 Stück 6 Pf.
Grünberg, 7. August. Fruchtpr. Weizen M. 18.20, Korn M. 14.00, Gerste M. 12.00, Hafer M. 12.70, Samen M. 21.30.
Gießen, 10. August. Auf dem heutigen Markt kostete Butter per Pfd. M. 0.90— 1.00, Eier 1 St. 5—6 Pf, Räse per St. 4—8 Pf., Tauben per Paar M. 0.50—0.70, Hühner per Stück M. 0.85— 1.20, Hahnen per Stück M. 0.50— 1.00, Enten per Stück M. 1.30— 1.60, Ochsen⸗ fleisch per Pfund 62—64 Pf., Kuh⸗ und Rindfleisch 52—56 Pf., Schweinefleisch 54—60 Pf., Hammelfleisch 5066 Pf., Kalbfleisch 46—50 Pf., Kartoffeln per 100 Kilo M. 3.50—5, Zwiebeln per Ctr. M. 5.—5.50.
Frankfurt, 9. Aug. Fruchtmarkt. Hiesiges Weizen: mehl Nr. 0 M. 31.50— 38.50, Nr. 1 M. 27— 28, Nr. 2 M. 25— 26, Nr. 3 M. 23— 24, Nr. 4 M. 1717.50, Nr. 5 M. 15—16, Milchbrod- und Brodmehl im Ver⸗ band M. 49—52, norddeutsches und westfälisches Weizen— mehl Nr. 00 M. 23— 23.50. Roggenmehl(hies.) Nr. 0 M. 22— 22.50, Nr. 0/1 M. 20.5— 21.50, Nr. 1 M. 18 bis 19, Nr. 2 M. 16— 16.50. Weizen ab unserer Um⸗ gegend M. 18.25 18.50, frei Bahnhof hier M. 18.25 bis 18.75, fremder nach Qualität M. 17.50— 19.25. Roggen hiesiger M. 18.50— 14, Königsberger M. 14.25, Nicolajeff M. 13.75, Bulgarischer M. 13.25. Gerste, Brauerwaare M. 13.50— 14.50, do. zu Mahlzwecken M. 11.50. Hafer, stark beregnet, mit Geruch M. 12, do. mittel M. 13— 13.50, prima M. 14. Raps M. 21 bis 21—75. Mais, bunter(mixed) M. 11.50, geschro⸗ tener, bestes Pferdefutter, M. 13. Heu per Centner 3.20—4, Stroh M. 2.20— 2.50. Erbsen M. 18. Roggen⸗ kleie M. 4.50. Weizenkleie M. 4— 4.25 per Ctr.(bei Abnahme von 200 Ctr. an). Malzkeime M. 4.20, Moos⸗ torfstreu prima M. 1.30, Spelzenspreu M. 1.20. Sesam⸗ kuchen M. 5.40. Rüböl im Detail M. 48.
Frankfurt, 9. Aug. Viehmarkt. Angetrieben waren 388 Ochsen, 29 Bullen, 414 Kühe, Stiere und Rinder, 261 Kälber, 135 Hämmel, 143 Schweine. Die Preise stellten sich pro 100 Pfd. Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qual. M. 63-65, 2. Qual. M. 54—58, Bullen 1. Qual. M. 38—40, 2. Qual. M. 32— 35, Kuͤhe, Stiere und Rinder 1. Qual. M. 50—52, 2. Qual. M. 40—45, Kälber pro 1 Pfd. Schlachtgewicht: 1. Qual. 55 60 Pf., 2. Qual. 45—50 Pf., Hämmel 1. Qual. 58—60 Pf., 2. Qual. 50—55 Pf., Schweine 1. Qual. 55—56, 2. Qual. 53— 54 Pf.
Verloosungen.
Pappenheimer 7 fl.⸗Loose von 1864. Serien⸗ Ziehung vom 2. August 1886. S. 26 38 54 87 93 116 156 185 208 225 226 238 261 309 335 343 390 428 463 497 583 616 658 699 731 754 765 774 834 898 930 979 1098 1145 1186 1202 1251 1268 1314 1332 1364 1369 1381 1408 1425 1457 1614 1625 1662 1823 1846 1858 1881 1909 1938 2003 2020 2030 2048 2065 2122 2168 2177 2223 2228 2315 2406 2447 2455 2458 2543 2695 2651 2701 2718 2734 2744 2749 2759 2762 2778 2782 2818 2840 2956 3008 3011 3085 3154 3157 3180 3193 3221 3298 3369 3400 3432 3447 3474 3524 3558 3660 3672 3746 3775 3796 3910 3942 4162 4268 4345 4355 4380 4451 4582 4595 4616 4666 4691 4886 4888 4984 5018 5044 5087 5139 5192 5202 5217 5233 5272 5273 5334 5345 5391 5428 5441 5457 5487 5496 5556 5623 5737 5742 5797 5802 5828 5934 5961 5969 6034 6141 6178 6228 6337 6371 6411 6506 6525 6534 6741 6748 6769 6784 6881 6927 7083. Die Gewinn⸗Ziehung findet am 1. Sep⸗ tember 1886 statt.
Köln⸗Mindener 3½ pCt. 100-Thlr.⸗Loose vom Jahre 1870. Gewinnziehung vom 2. Aug. 1886. Heimzahl. am 1. Oet. 1886. Nr. 105790 à 55,000 Thlr. Nr. 105798 à 8000 Thlr. Nr. 53817 à 4000 Thlr. Nr. 105765 135505 à 2000 Thlr. Nr. 53807 105794 à 1000 Thlr. Nr. 53803 135550 à 500 Thlr. Nr. 29684
693 53801 814 819 821825 105783 135510 515 531
F — — 8 2
— —— —
bp D S —*
Zehung 1886. 180 Ale 991 998 1620 16 2431 2 3013 30 3632 3 4637 3 9742 5 6220 f 6780
Gewin
2
2 8 —
Mit
meinder


