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Betreffend: Sterblichkeitsstatistik.
Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg an die Großherzoglichen Wir erinnern diejenigen von Ihnen, welche sich noch mit der Einsendung der Todeszeugnisse und Sterbfallszählkarten an Großherzog— liches Kreisgesundheitsamt Friedberg im Rückstande befinden, an die sofortige Erledigung.
Friedberg den 7. September 1886. Bürgermeistereien des Kreises.
Dr. Braden.
Betreffend: Vertilgung der Kleeseide.
Friedberg am 7. September 1886.
Das Gr. Kreisamt Friedberg an die Gr. Bürgermeistereien des Kreises und das Gr. Polizeicommissariat Wickstadt. Wir haben in Erfahrung gebracht, daß in neuester Zeit auf Feldern und Wiesen die Kleeseide vielfach und zwar in beträchtlicher Ausdehnung sich zeigt und sehen uns veranlaßt nachstehend das Reglement vom 6. August 1876 in Erinnerung zu bringen. Wir empfehlen Ihnen die hiernach vorgefchriebenen Ermittelungen eintreten zu lassen und unter Bezeichnung der Ihrerseits angeordneten
Maßregeln uns eventuell demnächst Anzeige zu erstatten.
Dr. Braden.
Reglement zum Schutze der Felder und Wiesen gegen die Verbreitung der Kleeseide für den Kreis Friedberg.
Mit Zustimmung des Kreis-Ausschusses des Kreises Friedberg und mit Ge— nehmigung Großberzoglichen Ministeriums des Innern vom 4. August laufenden Jahres zu Nr. M. d. J. 16658 werden für den Kreis Friedberg zur Vertilgung der Kleeseide nachstehende Vorschriften erlassen:
1. Zum Schutze der Felder und Wiesen gegen die Verbreitung der Kleeselde wird in jeder Gemeinde des Kreises vom Gemeinderathe eine Commission von 3 beziehungsweise 6 Mitgliedern(je nach der Größe der Gemarkung) alljährlich zu Johannis auf 1 Jahr gewählt; die Bildung der Commission wird unter Nennung der Mitglieder in der Gemeinde publleirt.
2. Die Commission hat die Aufgabe, zu ermitteln, ob sich in der Gemarkung Kleeseide vorfindet und wird hierin von den Feldschützen unterstützt, welche bei Strafe gehalten sind, jeden einzelnen Fall des Vorkommens von Kleeseide in der Gemarkung der Commission sofort anzuzeigen. Hat die Commission irgendwo in der Gemarkung Kleeseide entdeckt, so macht sie sofort dem Bürgermeister Anzeige davon, indem sie zugleich die zur Einschränkung resp. Ausrottung der Kleeseide er— forderlich scheinenden Maßregeln demselben vorschlägt.
3. Zur Erfüllung ihrer Aufgabe wird die Commission verpflichtet, 8 Tage nach allgemeiner Beendigung der Getreide-Erndte die neuen Klee- und Luzernefelder auf Kleeseide zu untersuchen und diese Untersuchung in Zwischenräumen von höchstens 14 Tagen während der Monate August, September und Oktober und ebenso im Frübjabre von Mitte Mat an mehreremale zu wiederholen, auch auf jede etwaige Anzeige von Sesten der Feldschützen, oder irgend welcher anderer Personen von dem Vorkommen der Kleeseide Untersuchung der betreffenden Stellen eintreten zu lassen. Ebenso wie die Felder sind die Wiesen, Raine, Gräben, Böschungen ꝛc. von der Commission zu besichtigen, da die Kleeselde hier häufig auf den verschledenen Klee— arten, auf Ginster, Quendel, Heidekraut, Wicken ꝛc. vorkommt. Ueber den Nund— gang der Commission in der Gemarkung ist ein Protokoll von derselben aufzunehmen.
J. Ist dem Bürgermeister von der Commission das Vorhandensein von Klee— seide auf irgend einer Stelle der Gemarkung angezeigt, so gibt derselbe sofort dem Naturalbesitzer der Fläche auf, die von der Commission in Vorschlag gebrachten Maßregeln zur Einschränkung resp. Ausrottung der Kleeseide spätestens innerhalb 6 Tagen in Anwendung zu bringen und führt dieselben, falls nicht innerhalb der festgesetzten Zeit Seitens des Naturalbesitzers der Verfügung entsprochen worden ist,
mit öffentlichen Mitteln auf Kosten des Betreffenden aus. Die Commission wacht darüber, daß die von ihr vorgeschlagenen Maßregeln nichtig und ordnungsmäßig befolgt werden. Außerdem macht der Bürgermeister von dem Auftreten der Klee— seide in der Gemarkung dem Kreisamt Anzeige, welches im Laufe des Herbstes oder Frühjahrs die von dem Kreis- Husschuß für diesen Zweck zu erwählende Commission nach den von der Kleeseide heimgesuchten Distrikten sendet, damit sich dieselbe von den zur Vertilgung der Kleeseide angeweadeten Maßregeln überzeugen kann. Dem Kreisamte ist über das Resultat der Inspeetion von Seiten der letztgedachten Com— mission Bericht zu erstatten.
5. Die Maßregeln zur Einschränkung resp. Ausrottung der Kleeseide sind folgende: Zeigt sich die Kleeselde nur an einer oder an einzelnen kleinen nicht über ein Meter im Durchmesser betragenden Stellen und in einer durchschnittlichen Ent— fernung derselben von mindestens 15 bis 20 Metern, so werden die betreffenden Stellen in einem etwas größeren Umkreise auf etwa 20— 25 Centimeter tief(je nach Beschaffenheit des Bodens) sorgfältig umgegraben, so daß nirgends eine Spur von Klee sichtbar bleibt.— Finden sich im weiteren Verlaufe nach Ausführung dieser Maßregel wieder neue Stellen mit Kleeseide oder zeigt sich letztere überhaupt bald in größerer Aus dehnung und Menge als eben angeführt, so daß eine Einschränkung derselben durch bloses Umgraben der betreffenden Stellen von sehr zweifelhaftem Erfolge zu bleiben verspricht, so ist das ganze Feld in einer Tiefe von mindestens 12-15 Centimeter umzupflügen. Es bleibt der Commission überlassen, an Stelle des Umgrabens auch das Verbrennnen der betreffenden Kleeseldestellen mit Stroh, welches zur Beschleunigung und sicheren Wirkung des Verfahrens vorher mit Petro— leum getränkt wird, als Vertilgungsmittel anzuordnen. Unter allen Umständen ist aber die Vertilgung der Kleeseide vor deren Blüthe bezw. Samenbildung vorzunehmen.
6. Gegenwärtiges Reglement wird innerhalb des Monats Juli jeden Jahres, nach welchem die Kleeselde in der Gemarkung aufgetreten ist, in der Gemeinde öffentlich bekannt gemacht und so lange aufrecht erhalken, bis nachweislich jede Spur von Kleeseide in der Gemarkung verschwunden ist.
Friedberg den 6. August 1876.
Großherzogliches Kreisamt Friedberg. Trapp.
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Bekanntmachung.
In Gemäßheit der Instruction vom 2. September 1875 zur Ausführung des Reichsgesetzes über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die Durchschnittspreise der nachbemerkten Artikel für den Monat August 1886 sich folgendermaßen für den Centner berechnen: Hafer M. 6.75, Heu M. 2.75, Stroh M. 2.25.
Friedberg den 7. September 1886.
Großherzogliehes Kreisamt Friedberg. Dr. Braden.
Deutsches Reich.
Friedberg, 8. Sept. Gestern Abend 8 Uhr traf S. K. H. der Großherzog mit dem Erbgroßberzog, den Prinzessinnen Irene und Alix und dem Prinzen von Schleswig-Holstein mit großem Gefolge hier ein. In der Be— gleitung der allerhöchsten Herrschaften befanden sich General v. Westerweller, Oberst v. Herff, Oberstlieutenant Wernher und die Hofdame Freiin v. Grancy Nachdem die allerhöchsten Herr— schaften am Bahnhofe von Kreisrath br. Braden dem General v. Schwarzkoppen, Major Römheld, sowie den Commandeuren der hier und in der Umgegend liegenden Regimenter empfangen worden waren, fuhren sie durch die reichbeflaggten Straßen unter enthusiastischen Kundgebungen seitens des Publicums in das Großherzogliche Schloß. Nach Ankunft daselbst wurde alsbald die Fahne des 116. Regts. mit militärischen
Ehren dem Kriegsherrn übergeben. Zu der hierauf folgenden Hof-Tafel war Kreisrath Dr. Braden zugezogen worden. Um 9 Uhr
fand sodann ein Fackelzug statt mit darauf— folgender Serenade, ausgeführt durch die Se— minaristen, den Liederkranz, den Musikverein, den Turnverein unter Direction des Seminar— lehrers Schmidt und durch die Kapelle des 116. Regts. unter Direction des Musikdirectors Krausse. Das Hoch auf S. K. H. brachte Bürgermeister Steinhäußer aus, der Großherzog sprach mit huldvollen Worten seinen Dank aus, worauf die Musik„Heil unserm Füͤrsten Heil“ spielte. Der Zug bewegte sich sodann wieder zurück in die Stadt.
Darmstadt. Postpersonalnachrichten. Ver— setzt sind der Postinspektor Gerke von Darm— stadt nach Arnsberg behufs Uebernahme einer Postrathsstelle, der Postinspektor Meyer von Frankfurt nach Darmstadt, der Ober-Postsekretär
Seelgen von Lüdenscheid nach Darmstadt, der Postsekretär Lauer von Offenbach nach Köln be— hufs Uebernahme einer Ober-Postsekretärstelle. In den Ruhestand treten der Ober Postsekretär Schulz in Gießen und der Postsekretär Stein— metz in Mainz.
— Der großh. Gesandte am Berliner Hofe und Bundesraths-Bevollmächtigte, Wirkl. Geh. Rath Dr. Neidhardt, wird in etwa 14 Tagen zur Uebernahme seiner Amtsgeschäfte nach Berlin zurückkehren. Der Gesundheitszustand des Ge— sandten soll jetzt wieder ein guter sein.
Berlin, 6. Sept. Das Fr. J. schreibt: Der Kaiser conferirte heute mit dem Grafen Herbert Bismarck. Der Kaiser hat seine auf heute festgesetzte Abreise nach den Reichslanden verschoben. Der„Reichsanzeiger“ meldet noch nachträglich, daß der Kronprinz vor seiner Ab— reise nach Baiern dem Minister v. Giers einen Besuch abgestattet habe.
— Die„Nordd. Allg. Ztg.“ dementirt nach dem Fr. J. die Nachricht, daß die Mächte über die bulgarische Revolution ihre Meinungen aus— getauscht hätten. Auch sei weder in Gastein noch in Franzensbad über den Nachfolger des Füͤrsten Alexander von Bulgarien verhandelt worden. Auch in Franzensbad sei das Thema der bulgarischen Revolution nicht behandelt worden. Die„Nordd. Allg. Ztg.“ will die Richtigkeit der Meldung, daß der Fürst Alexander von der Insurgirung Mace— doniens gesprochen habe, bezweifeln.
— Consul Hellwig zu Porto Alegre(Bra— silien), welcher das dortige Berufsconsulat seit seiner Errichtung vor zwei Jahren leitete, ist von dort abberufen, um in das Auswärtige Amt einzutreten.
— Die„Nordd. Allg. Ztg.“ veröffentlicht eine Cabinets-Ordre vom 5. September, welche den Reichstag zum 16. September einberuft.
Ausland.
Großbritannien. London, 7. Sept. Die Botschafter Deutschlands und der Türkei, sowie die Geschäftsträger Italiens, Frankreichs und Oesterreichs hatten gestern eine längere Unter— redung mit Lord Iddesleigh, welcher dann im Laufe des Tages wiederholt mit Salesbury conferirte.
Türkei. Konstantinopel, 7. Sept. Die Pforte versandte gestern ein Rundschreiben, um Meinungsäußerungen der Mächte, betr. die neue Wendung der bulgarischen Frage, herbeizuführen.
Serbien. Belgrad, 5. Sept. Die pro⸗ visorische Consularconvention mit der Türkei ist gestern unterzeichnet worden. Die Nachricht, daß Serbien beabsichtigt habe, sich bei dem Ein— zuge des Fürsten Alexander in Sofia durch einen Abgesandten vertreten zu lassen, wird in Re⸗ gierungskreisen als vollständig erfunden bezeichnet.
Bulgarien. Sofia, 6. Sept. In einer gestern unter dem Vorsitze des Fürsten Alexan— der abgehaltenen Versammlung von Vertretern aller Parteien wurde die gegenwärtige Lage Bulgariens berathen. Es wurde eine Commis— sion ernannt, bestehend aus Stambulow, Rados— lawow, Karawelow, Geschow und Stoilow, welche mit Rußland und den übrigen Mächten über die Lösung der gegenwärtigen Krisis verhandeln soll. Die Regierung theilte dem russischen Consul den Entschluß des Fürsten, abzudanken, mit und erklaͤrte, daß sie für dieses Opfer Garantien für die innere Unabhängigkeit Bulgariens verlangen müßte. Eine Occupation dürfe nicht stattfinden. Die Verfassung müsse aufrecht erhalten bleiben. Rußland könne einen General als Kriegsminister entsenden, zu der inneren Reorganisation der Armee jedoch nur bulgarische Offiziere verwen— den. Der Consul telegraphirte hierüber nach Petersburg.
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