Um Auskunft über den dermaligen Aufenthaltsort der Franz Geisel Ehefrau von Ober-Seemen wird ersucht.
Friedberg den 4. Januar 1886.
Ausschreiben.
*
Der Großherzogliche Amtsanwalt. Wagner.—
We
An die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.
Wir ersuchen Sie, diejenigen Ihrer Ortsangehörigen, welchen Pfleglinge unserer Stiftung anvertraut sind, zu benachrichtigen, daß unser
Rechner, Herr Vogt, die Pfleggelder aus dem 2. Halbjahr 1885 gegen die vorschriftsmäßige Quit
Friedberg den 5. Januar 1886.
tung Mittwoch den 13. Januar d. J. auszahlen wird.
Für den Vorstand der Mathildenstiftung:
Meyer. ö—.—
Deutsches Reich.
Darmstadt. Der Straßenmeister Sahl— feld zu Grünberg wurde zum Kreisbauaufseher ernannt, der Stationsvorsteher Pfannemüller in Zwingenberg auf Nachsuchen, unter Anerkennung seiner Dienste, in den Ruhestand versetzt und demselben das silberne Kreuz des Philippsordens verliehen, der Ober-Medieinalrath Dr. Lorenz, unter Enthebung von seiner Stelle als Kreis— Veterinärarzt zu Offenbach, zum Landgestüts— Veterinärarzt ernannt.
Berlin. Die„Nordd. Allg. Ztg.“ bringt einen Erlaß des Kaisers an den Reichskanzler, worin es, anknüpfend an die Regierungsjubelfeier, heißt: Was mich besonders erhebt, ist das un— erschütterliche Vertrauen, die Treue und unwandel— bare Liebe des Volks. Der Kaiser dankt für die ungemein zahlreichen Kundgebungen der Anhaͤng— lichkeit und Verehrung, welche ihm aus der Monarchie, aus dem ganzen deutschen Vater— lande und weit über dessen Grenzen hinaus, so weit die deutsche Zunge klingt, zugegangen seien. Der Erlaß schließt: Gott sei auch ferner mit unserem deutschen Vaterlande!
— Dem Reichstag wird außer dem Weiß— buch über die Karolinen Angelegenheit auch das Protocoll über die Verständigung mit Frankreich, welche neulich bezüglich der westafrikanischen Besitzungen erzielt worden, vorgelegt werden. Das Protocoll bezüglich der Karolinen ist sehr umfangreich und ähnlich wie das seiner Zeit über den Sulu-⸗Archipel publicirte.
— Der„Reichsanzeiger“ publicirt die Be— rufung des Landtags auf den 14. Januar.
— Wie der„Hamburger Börsenhalle“ aus Rom mitgetheilt wird, hat der Papst dem Fürsten Bismarck den höchsten Orden, den Christusorden mit Diamanten, verliehen.
— Das Fr. Journ. schreibt: Das Reich und Preußen beabsichtigen nicht etwa mit größeren Emissionen von dreieinhalbprocentigen Consols vorzugehen, sondern nur die gesetzlich bereits bewilligten Credite, sofern selbe für Deckung der Ausgaben in Anspruch genommen werden, in 3½ proc. Consols flüssig zu machen.
— In gut unterrichteten Kreisen verlautet, die Regierung sei entschieden gegen den Wollzoll.
Potsdam, 3. Januar. Prinz Wilhelm hat wieder die erste Ausfahrt gemacht.
Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Wien. Die„Neue Freie Presse“ meldet aus Rom: Der Wieder— zusammentritt der Conferenz auf Grund eines festen Programms, worin auch Maßnahmen zur Beruhigung Gricchenlands enthalten sind, wurde offiziell angeregt
Frankreich. Paris, 4. Jan. Freycinet hat den Auftrag zur Bildung des Cabinets nunmehr übernommen.
— 5. Jan. Es wird versichert, daß Frey— cinet mit dem Chef der Radicalen ein Abkom— men getroffen, wonach die verschiedenen Fragen, welche die Opportunisten und die Radicalen spalten, bis zur Herbstsession vertagt werden sollen. Dagegen habe Freycinet zugesagt, in allen Zweigen der Verwaltung gründlich mit den reactionen Beamten aufzuräumen und be— züglich Tonkins sofort den General v. Courcy abzuberufen und die oberste Leitung der politi— tischen Angelegenheiten in Tonkin und Annam einem Civilbeamten zu übergeben. Clemenceau soll dagegen Freyeinet die volle Unterstützung der Nadicalen zugesichert haben.
Italien. Rom. Hier geht das Gerücht, daß die italienische Mission in Abessinien von
einem englischen Officier begleitet sein soll, welcher Träger eines Briefes der Königin Victoria ist. Die Mission sollte bekanntlich ein Bündniß mit König Johannes abzuschließen suchen behufs der militärischen Operationen in Oberegypten.
Türkei. Konstantinopel. Wie verlautet, meldete Mukhtar Pascha, daß die Pacification des Sudan ohne Mitwirkung türkischer Truppen unmöglich sei.
Serbien. Belgrad. General Horvatovic wird demnächst sämmtliche Truppen im Innern des Landes inspiciren. Bezüglich des Ortes der Friedensverhandlungen ist noch keine Einigung erzielt.
Rußland. Petersburg. Der Gouverneur von Archangel, Paschtschenko, wurde zum Gou— verneur von Kurland ernannt.
Egypten. Kairo, 4. Jan. Eine amtliche Depesche aus Abri sagt: General Butler meldet aus Erane, 20 Meilen südlich von Abri, der Verlust des Feindes sei viel größer, als Anfangs angenommen. Er schätze ihn jetzt auf 600 Todte. Der Feind flieht durch Kaibar in der Richtung auf Dongola.
Aus Stadt und Land. e. Ilbenstadt, 4. Januar. Die Gräfin Olga zu
Alt⸗Leiningen Westerburg wurde heute glücklich von einer gesunden Tochter entbunden.
Allerlei.
Bis jetzt ist hier kein weiterer
Triest, 3. Januar. Cholerafall vorgekommen.
Handel und Verkehr. Friedberg, 5. Jan. Fruchtber. Waizen M. 16.50, Korn M. 14.50— 14.75, Gerste M. 14.00— 15.50, Hafer M. 12.50—13. Alle Preise verstehen sich auf 100 Ko. 200 Zollpfund. Friedberg, 6. Jan. Buttermarkt. Butter kostete per Pfd. M. 0.70 0.85, Eier 1 St. 7—8 Pf. Gießen, 5. Januar. Auf dem heutigen Markt kostete Butter per Pfd. M. 0.80- 1.05, Eier 1 St. 7-8 Pf., Käse per St. 5—8 Pf., Tauben per Paar M. 0.50 0.60, Hühner per Stück M. 0.80— 1.00, Hahnen per Stück M. 0.60— 1.40, Enten per Stück M. 1.30— 1.40, Ochsenfleisch per Pfund 62—64 Pf., Kuh- und Rind⸗ fleisch 54—56 Pf., Schweinefleisch 50— 60 Pf., Hammel: fleisch 50—62 Pf., Kalbfleisch 48—50 Pf., Kartoffeln per 100 Kilo M. 3.—3.50, Zwiebeln per Ctr. M. 4—5, Weißkraut per Stück 5—8 Pf.
Homburg, 5. Januar. Marktpreise. Kartoffeln per Malter M. 3.50—4s% per Gescheid 8—9 Pf., Eier per Stück 8—9 Pf., Y per Pfd. 1. Qual. M. 1.20, 2. Qual. M. 1.10.
Frankfurt, 4. Jan. Wochenmarkt. Butter im Großen das Pfd. 90—95 Pf., im Detail M. 1.10— 1.20. Weißkraut der Centner M. 3—4, Kartoffeln 100 Kilo M. 3.80—5, das Gescheid 8 Pf., Gelberüben der Ctr. M. 4—5, der Pack 6 Pf. Eier das Hundert, deutsche M. 6.50—8, italienische M. 9. Zwiebeln 50 Kilo M. 5 bis 6.— Fleischpreise: Ochsenfleisch 60— 70 Pf., Kuh— und Rindfleisch 50-60 Pf., Kalbfleisch 40-60 Pf, Hammelfleisch 45—70 Pf., Schweinefleisch 70—75 Pf. Has M. 2.60—3, Gans M. 510, Hahn 70 Pf. eis M. 1.50, Huhn M. 1—2, Taube 40-60 Pf., Capaun M. 2.50—3, Poularde M. 3, Ente M. 2.50—3.
Frankfurt, 4. Jan. Fruchtmarkt. Hiesiges Weizen mehl Nr. 0 M. 31—32, Nr. 1 M. 26—27, Nr. 2 M. 24—25, Nr. 3 M. 22—23, Nr. 4 M. 16—17, Nr. 5 M. 15—16, Milchbrod- und Brodmehl im Ver— band M. 49— 51, norddeutsches und westfälisches Weizen— mehl Nr. 00 M. 23, Roggenmehl Nr. 0 hlesiges M. 23 bis 23.50, do. Nr. 0/1 M. 21— 21.50, do. Nr. 1 M. 19 bis 19.50, do. Nr. 2 M. 17, Weizen ab unserer Um— gegend M. 16.50— 16.75, frei ab Bahnhof hier M. 17 bis 17.15. do. fremder je nach Qual M. 17.25— 18.50, Roggen hiesiger M. 14.75— 15. Gerste, Brauerwaare M. 15.50— 19, do. zu Mahlzwecken M. 12, Hafer stark beregnet mit Geruch M. 11.50— 12, do. mittel M. 13 bis 13.25, do. prima M. 14 14.25, Raps M. 28, Mais, bunter(mixed) M. 12— 12.25.— Heu M. 3, Roggenstroh M. 2 per Ctr. Roggenkleie M. 4.75, Weizenklete M. 4 per Ctr.(Die Preise verstehen sich
bei Abnahme von mindestens 200 Ctr.) Rüböl im Detail M. 52. Stimmung ruhig. Frankfurt, 4. Jan. Viehmarkt. Angetrieben
waren 314 Ochsen, 10 Bullen, 413 Kühe, Stiere und
Rinder, 233 Kälber, 81 Hämmel und 272 Schweine. Die Preise. stellten sich wie folgt: Ochsen 1. Qual. pro 100 Pfd. Schlachtgewicht M. 6466, 2. Qual. M. 56 bis 60, Bullen 1. Qual. M. 48—50, 2. Qual. M. 40 bis 45, Kühe, Stiere und Rinder 1. Qual. M. 56—57, 2. Qual. M. 50—55, Kälber 1. Qual. pro 1 Pfund Schlachtgewicht 6065 Pf., 2. Qual. 40—48 Pf., Hämmel 1. Qual. 55—57 Pf., 2. Qual. 40— 45 Pf., Schweine 5456 Pf.
Literarisches.
Daheim. Nr. 11 enthält: Dem Kaiser und Könige zum 2. Januar. Von R. Kögel.— Sphinx. Roman von D. v. Spaettgen.— Aus dem Reiche des Sultan von Sansibar. Briefe von L. Rohlfs.— Der Kupfer⸗ stecher G. Fr. Schmidt. Mit 3 Illustr.— Am Familien; tisch: Der Heiland in der Kinderbewahranstalt. Mit Bild.— Eingang des Dogenpalastes in Venedig. Mit Bild. Baggesen und Schiller.— Rechtsrath.— In unserer Spielecke.— Mit! illustr. Beilage.
Die Werkstatt 1886, Nr. 14 enthält: Zum Jahreswechsel ein herrliches Gedicht von dem berühmten Handwerker-Poet, dem Drechslermeister Carl Weise, ferner: Für die Werkstatt: Allgemeine Handwerkerschulen in Oesterreich.— Die Krankheit der Perlmutterdrechsler. — Ein Kohlenstaub Motor.— Amerikantsches Cypressen⸗ holz.— Rost an Eisen und Stahl zu entfernen.— Allerlei Nützliches für den Handwerker.— Für den Abendschoppen: Mein Sonntag hat eine Seele.— Der deutsche Kronprinz ein Tischler.— Allerlei Neues und
Merkwürdiges.— Für Haus und Herd: Eine praktische.
Schule.— Gegen die Sprünge in eisernen Oefen.— Für den Feierabend: Meister Lorenz. Ein Bild aus dem Handwerkerleben. Von Carl Weise.
Wieder hat„Was Ihr wollt!“ einen Band vollendet, der eine Relchhaltigkeit des Inhaltes aufweist, wie sie in Zeitschriften ähnlichen und stärkeren Umfangs wohl schwerlich gefunden werden dürfte. Wenn unsere Leser, jetzt vor dem Jahreswechsel sich die Frage vorlegen: „Was wollen wir lesen?“ So möchten wir ihnen dringend rathen, einmal auf„Was Ihr wollt!“ zu abonniren. Das kostet das ganze Vierteljahr nur ein Mark, was am Ende Jeder spenden kann. Wir sind überzeugt, daß, wer einmal unserem Rath gefolgt, uns dafür dankbar und ein treuer Leser des Blattes sein wird, das, wie kein zweites, so echt und recht, „für's deutsche Haus“ bestimmt ist.
Das Vorkommen von Viehseuchen im Großher⸗ zogthum Hassen während des Monats November 1885. Rotzkrankheit: Das in Gießen wegen Verdachts der Ansteckung seither unter polizeilicher Beobachtung ge⸗ haltene Pferd wurde, da sich inzwischen keine verdäch⸗ tigen Erscheinungen mehr bel demselben gezeigt, freigegeben. Milzbrand wurde festgestellt: im Kreise Gießen in Langsdorf am 4. und in Neuhof am 14. und 26.; im
Kreise Friedberg in Steinfurth am 6.; in Friedberg am
7., in Ossenheim am 8., in Fauerbach am 14. und am 25.; im Kreise Büdingen in Hitzkirchen am 19., in Glau⸗ berg am 26.; im Kreise Alsfeld in Eifa am 12. und im Kreise Lauterbach in Eisenbach am 4. November, in allen Fällen bei je einem krepirten Rindviehstücke,
Lungenseuche: In Kelsterbach, im Kreise Groß⸗ Gerau, wurden die angeordneten Maßregeln wieder auf— gehoben.
Die Maul- und Klauenseuche unter den auf dem Mainzer Viehhofe untergebrachten Schweinen ist, nachdem die bezüglichen Stallungen evaeuirt wurden, erloschen.
Der Bläschenausschlag in Leusel, im Kreise Alsfeld, ist erloschen. Festgestellt wurde die Seuche in Weckesheim, im Kreise Friedberg, am 9. November bei 1 Zuchtbullen und 3 weiblichen Rindern, und in Nidda, im Krelse Bündingen, am 30. November bei einem Bullen und zwei weiblichen Rindern.
Die Räude gilt noch als vorhanden unter den Schafen im Kreise Gießen in Inheiden und Trats-Hor⸗ loff; im Kreise Alsfeld in Heidelbach, Appenrod und Erbenhausen; im Kreise Büdingen in den Orten Wenings, Dauernheim, Bergheim, Wallernhausen, Nanstadt, Lohr bach, Eckartsborn, Leid hecken und Berstadt.
Auszug aus dem Civilstands-Register der Stadt Friedberg. Getraut:
26. Dez. Der Maurer Georg Heinrich Johann Wagner von Schwalheim mit Dorothea Völker von Sterzhausen.
Geboren: 4. Dez. Dem Kappenmacher Adam Joseph Steinbach 1 Sohn.
9 ö 1 1 7 52 1


