r
Wegen Bettels bestraft: Georg Christian Bausch von Steina
Ausgewiesen aus dem Großherzogthum
bei Sonnenberg, Herzogthum Sachsen-Meiningen.
Herr Landwirthschaftslehrer Hannemann will diese
„Hessischen Hofe“ hier halten. Die Landwirthe
geladen. Butzbach den 27. Februar 1886.
9. N
auf Grund des F. 3
Bekanntmachung.
von Butzbach und der Umgegend werden
Beginn des Vortrags um 2½ Uhr Mittags.
ch bei Sonnenberg, Herzonthum Sachsen⸗Meiniugen. Absatz 2 des Frelzügigkeitsgesetzes: Georg Christlan
Woche und zwar Samstag 6. daher zu recht zahlreichem Besuche
el N e J e ***
Bausch aus Stein 0
Vortrag über Obstbaumzucht im
März einen freundlichst ein
Hechler.
Deutsches Reich.
Berlin. Dem Bundesrath ging der Handels- und Schifffahrtsvertrag Deutschlands mit San— sibar nebst Denkschrift zu; im Wesentlichen ein Meistbegünstigungsvertrag, sind darin doch noch besondere Vereinbarungen, die sich auf den Ver⸗ kehr in Ostafrika beziehen, enthalten.— Gene— ralconsul Travers, welcher Dr. Rohlfs in San— sibar abgelost hatte, ist jetzt in Sidney einge— troffen, wo er die Geschaͤfte des Generalcon— sulats übernommen hat.
— Prinz Heinrich von Battenberg, der Schwiegersohn der Koͤnigin Victoria von Eng— land, wird demnächst in die koͤnigliche berittene Leibgarde dahier eintreten.
Febr. Reichstag. Fortsetzung der Berathung des Viehseuchengesetzes. Der Reichs— tag lehnte schließlich alle Abänderungsanträge und die Regierungsvorlage ab und nahm eine Resolution au, den Reichskanzler zu Vorkehr— ungen zur Verbinderung des Schmuggels und zu Vorsichtsmaßregeln bei der Vieheinfuhr vom Auslande, sowie zur Anordnung von periodischer Desinfictrung der Gasthofs-Viehställe und der Viehstaͤlle der Händler und Eisenbahn-Wagen auffordernd. Das Lissaboner Zusatzabkommen zum Weltpostvertrag wird in dritter Lesung ge— nehmigt. Der Gesetzentwurf über die Bürg— schaft des Reiches für die Zinsen der egyptischen Anleihe wurde in dritter Lesung genehmigt. Zu dem Antrag Reichensperger, betreffend die Wiedereinführung der Berufung, erklären der bayer. und der württemb Bundesrathsbevoll— mächtigte Kastner und Schmidt, der Bundes rath habe die Wiedereinführung der Berufung bereits früher abgelehnt; ihre Regierungen nähmen heute dazu noch die nämliche Stellung ein, Bundescommissär Leuthe spricht sich gleichfalls gegen den Antrag Reichensperger aus. Die Weiterberathung findet morgen statt.— 27. Febr. Der Reichstag setzte heute die Berathung des Antrages Reichensperger auf Wiedereinführung der Berufung fort und vertagte nach unerheb— licher Debatte die Weiterberathung abermals.
— 27. Febr. Herrenhaus. Der Reichs— kanzler ist durch seinen Gesundheitszustand ver— hindert, der Sitzung beizuwohnen. Auf der Tagesordnung steht die Berathung des Antrags Dernburg. Referent und Graf Stolberg empfeh— len die Annahme desselben als patriotische Pflicht. Die Ausweisungen seien eine durchaus gerecht— fertißte Maßregel, eine gründliche Reform des Schulwesens in den polnischen Provinzen sei nothwendig. Prof. Dr. Dernburg tritt wieder— holt für seinen Antrag ein. Fürst Ferdinand Radziwill begründet seinen Antraz auf Ueber— gang zur Tagesordnung. v. Bethmann-Hollweg ist für den Antrag Dernburg; er verlangt ener— gische Durchführung des Programms der Regier— ung. Kammerherr v. Zoltowski spricht für den Antrag Radziwill: Die Maßrezeln der Regier— ung seien eine Vergewaltigung der polnischen Bevölkerung. Kleist-Retzow tritt für den Antrag Dernburg ein, der mit dem Culturkampf nicht zusammenhaͤnge. Bischof Kopp betont, die Sicher— ung des gesammten Vaterlandes sei Pflicht jedes Unterthanen, insbesondere der Geistlichen; eine Rückkehr zum Culturkampf fürchte er nicht, hege vielmehr das Vertrauen, die Regierung werde den Schutz des Vaterlandes mit dem Schutz der Confessionen in Einklang zu bringen wissen.
— 26. Febr. Die im Abgeordnetenhaus fortgesetzte Berathung der Impfvorlage verweist dieselbe schließlich nach unerheblicher Debatte an die gestern beschlossene Commission. Der Gesetz— entwurf, betreffend die Fortbildungsschulen in
— 26
licher Debatte derselben Commission überwiesen. — 27. Febr. Erste Berathung der Secundär— bahnvorlage. 11 Redner sind für, 17 Redner gegen die Vorlage angemeldet. Im Laufe der Debatte erklaͤrte Minister Maybach, die Re— gierung erkenne an, daß noch lange nicht alle gerechtfertigten Wünsche erfüllt seien, obwohl eln schließlich der gegenwaͤrtigen Vorlage 4600 Kilo— meter Eisenbahnen für 600 Million Mark neu hergestellt sind. Die Regierung prüfe alle von den Rednern vorgebrachten Wünsche betreffs der Eisenbahnen gewissenhaft, um letztere nach Moglichkeit zur Ausführung vorzuschlagen. Das Abgeordnetenhaus überwies die Secundärbahn— vorlage schließlich an die Budget-Commission.
Ausland.
Frankreich. Paris, 25. Febr. In der Deputirtenkammer gab bei Eröffnung der Sitz— ung ein Individuum zwei Revolverschüsse von der Tribüne in die Luft und warf einen Brief in den Saal. In die Quästur geführt, erklärte derselbe an Clemenceau geschrieben zu haben, welcher wisse, was die Sache bedeute. Der Revolver war, obgleich in die Luft abgeschossen, geladen. Die Kugel wurde auf dem Boden des Saales im Halbrund aufgefunden. Das Indi— viduum heißt Pionnier, ist 35 Jahre alt und erklärte, daß er die Aufmerksamkeit der Regier— ung auf seinen Prozeß lenken wollte, welcher neue Einzelnheiten über die Capitulation von Metz und die Anwesenheit deutscher Spione in der Armee enthälle.
— 27. Febr. In Decazeville ist ein neuer Streik ausgebrochen, welcher fast den ganzen Ort umfaßt. Die Streikenden verlangen die Entlassung des Ingenieurs Blazy und die Er— höhung der Löhne, und drohen im Weigerungs— falle, die Feuer auszulöschen. Truppen wurden abgesandt, um dies zu verhindern.
Großbritannien. London, 26. Febr. Im Unterhause brachte Minister Trevelyan die schottische Kleinbauernbill ein. Dieselbe schlägt eine feste Pacht, Feststellung eines billigen Pacht⸗ zinses, Entschaͤdigung für vorgenommene Ver— besserungen und Erweiterung der Pachtgüter mittelst obligatorischer Verpachtung vor. Die Bill wurde in erster Lesung genehmigt.
Birmingham, 26. Febr. In Smethwick, unweit Birmingham, stellten heute Morgen etwa 3000 in der Schraubenfabrik von Nettlefold be— schaͤftigte Arbeiter in Folge der Reduction ihres Lohnes um 10 Prozent die Arbeit ein. Die Streikenden richteten Steinwürfe gegen den Leiter der Fabrik und zertrümmerten sodann die Fenster der eigenen, sowie mehrerer anderen Schraubenfabriken. Schließlich setzten sich die inzwischen auf etwa 4000 Personen angewachsenen Streikenden in der Richtung auf Birmingham in Bewegung. Die hiesigen Polizeikraͤfte waren genug verstärkt worden, um den Ausschreitungen eutgegenzutreten.
Spanien. Madrid. Das Decret, betr. Auflösung der Cortes, wird in der„Gazeta offi— zial“ am 8. Marz verkündigt werden; die Wahlen werden am 4. und 18. April stattfinden und die neuen Kammern werden am 10. Mai zu— sammentreten.
Serbien. Belgrad, 26. Febr. Garaschanin erklärte dem türkischen Gesandten, Serbien könne den von der Pforte vorgeschlagenen Friedens— artikel nicht annehmen, weil von serbischer Seite bereits ein Vorschlag gemacht sei, welcher den Wünschen der Mächte nach baldigem Abschluß des Friedens entspreche, und weil man glaube aus Rücksicht auf die Machte, welchen der serb—
Westpreußen und Posen wurde nach unerheb—
ische Vorschlag mitgetheilt sei, keine Aenderung
annehmen zu sollen, bevor die Mächte sich darüber ausgesprochen hatten.— Die Anschaffung eines neuen Trainparks für die serbischen Truppen wurde sistirt. 5
Febr. Es
Rumänien. Bukarest, 25.
heißt, daß in der heutigen offiziellen Sitzung
der Friedensconferenz Madjid Pascha und Ge. schoff, gemäß von Konstantinopel resp. Sofia erhaltener Instructionen, eine Vertragsconvention für den Friedensschluß vorschbugen, welche einen einzigen Artikel euthält. dem serbischerseits vergeschlagenen Artikel nur wenig ab. Mifjatovie berichtete sofort an die serbische Regierung. In unterichteten Kreisen gilt der Abschluß des Friedens als nahe be⸗ vorstehend.
Rußland. Petersburg, 26. Febr. Der Secretär des äußeren Amts Baggovout ist gestern nach Rom in einer Specialmission beim Papste abgereist. 1
Amerika. Washington, 26. Febr. Im Senat brachte Edmunds eine Bill ein, welche verlangt, daß das zur Ausfuhr bestimmte Fleisch untersucht und die Einfuhr verfälschter Lebens- mittel und Getränke verboten und der Präsident ermächtigt werde, sofern er überzeugt sei, daß andere Staaten amerikanischen Erzeugnissen eine ausnahmsweise unbillige Behandlung zu Theil werden lassen, die Einfuhr aus diesen Landern zu suspendiren.
Aus Stadt und Land. 1
l. Bad⸗Nauhelm, 28. Febr. Gestern starb in Franfurt a. M. an einem typhösen Fleber der ältere der Gebrüder Schott, die jeden Sommer als Badeärzte hier thätig sind. Sein Hingang ist ein schwerer Verlust für unser Bad.
f. Bad Nauhelm Gestern schloß Ingenieur Gruner von Basel, ein bekannter Wasserwerkstechniker, mit der blesigen Stadt wegen der Anlage und des Betriebs einer Quellwasserleitung einen Vertrag ab, der für die Stadt sehr günstige Bedingungen enthält. 55
Mainz, 27. Febr. Der„M. A.“ schrelbt: Die Hinrichtung des Moͤrders Herbst scheint nun bestimmt in aller Kürze erfolgen zu sollen, da vorgestern bereits die nöthigen Vorkehrungen getroffen wurden. Die Maschine mit dem Fallbeil wurde nämlich durch Zimmermeister 1 Gerster vollständig in Ordnung gebracht, theilweise auf- und dann wieder abgeschlagen, und das Fallbeil zum Schleifen gegeben. Ebenso wurde der Lauf des Fallbeils probirt und der Platz im Gerichtshof, direet vor dem Eingang in das Gefängniß, zum Aufschlagen der Gulllo⸗ tine bereit gemacht. Heute Morgen wurde dem zum Tode verurtheilten Doppelmorder Herbst von einem Ge— richtsvollzteher das abwelsende Revisions-Urthell des Reichsgerichts in Leipzig zugestellt. Den Empfang des Urtheils mußte Herbst unkerschreiben und that er dles mit der von ihm stets zur Schau getragenen Gleich!“ giltigkeit.— Heute Nacht wurde in dem Gold: und Silberwaarengeschäft des Herrn P. auf der Ludwigs straße ein frecher Einbruch verübt. Die Spitzbuben hoben den Rollladen des Schaufenstees in die Hohe, drückten daselbst die Scheiben ein und stahlen so vel Schmuckgegenstände, als sie mit den Händen von der Straße aus erwischen konnten. Im Ganzen wurden 213 Schmuckgegenstände, als Armbänder, Medaillons, Halsketten, Ohrringe de., sowte eine Parthie Granat“ schmuck entwendet. Bis jezt hat man von den Ver brechern keine Spur— 5
Hammelbach, 24. Febr. Gestern Abend 10 Min. nach 10 Uhr wurde hier ein heftiger Erdstoß wahrgenommen, Die Bewegung war von Süd-West nach Nord-Hst.
Allerlei.
Berlin. Prinz Wilhelm, der einige Tage beim Fürsten Radziwill auf der Jagd war, brachte von seinem Jagdausfluge in Polen drei junge Bären mit. Die beiden jüngsten Thiere hatte der Prinz mit in seinen
Derselbe weicht von
2
Schlafwagen genommen, während das ältere und größere im Packwagen untergebracht war. Das ältere Exemplar ist dem Zoologischen Garten in Berlin als Geschenk. überwlesen worden.
Augsburg, 24. Febr. Gestern und vorgestern Abends wurden, nach Schluß der Ardeitsstunden, vor sämmtlichen Fabelk-Gtablissements dahier, mehrere tausend sonlallstische Flugblätter unter die Arbelter verthellt. Vis die Pollzei von diesem Treiben Kenntniß erhlelt und einschretten wollte, waren die mit der Verthellung vertrauten Personen bereits verschwunden.


