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Deutsches Reich.

Darmstadt. Der Kreisschul-Inspektor Dr. Seeger in Alzey wurde auf Nachsuchen in den Ruhestand versetzt und demselben das Ritter kreuz 2. Klasse des Philipps Ordens verliehen, sowie dess Oberlehrer Kissinger zu Lampertheim zum Kreisschulinspektor in Alzey ernannt.

An die zweite Kammer ist ein Gesetzent wurf, das Civildienerwittweninstitut betr., gelangt.

30. Jan. Der Herzog von Edinburgh, welcher in den jüngsten Tagen mit dem Herzog von Coburg in Berlin anwesend war, ist heute früh hier eingetroffen und im Großherzoglichen Neuen Palais abgestiegen. Der Herzog wird morgen wieder abreisen und zwar, wie wir hören, direct zu dem englischen Mittelmeer geschwader, dessen Commandeur der Herzog ist. Die Aussöhnung des Herzogs von Coburg Gotha mit dem Herzog von Edinburgh kann jetzt als vollständig gelten, nachdem ersterer, der sonst im Winter in Gotha residirte, am 28. ds. in Coburg eintraf, als der Herzog von Edinburgh angekommen war.

Berlin, 29. Januar. Der Reichstag lehnte die Commissionsberathung des Antrages Junggreen, be treffend die Gleichstellung der dänischen Sprache vor den Schleswiger Gerichten ab, und beschloß die zweite Lesung im Plenum. Ferner erledigte der Reichstag eine Reihe von an die Büdgeteommission zurückverwiesenen Etatstiteln nach den Commissionsanträgen, ebenso das Etatsgesetz und das Anlethegesetz. Die rückständigen Titel des Etats der Justizverwaltung, der Reichsschuld, des Bankwesens und des Reichsschatzamtes wurden ohne Debatte nach den Vorschlägen der Commission erledigt. Zum Militäxetat lag noch der Antrag der Commision vor, welcher um einen Gesetzentwurf ersucht, der die Unterstützung der Familien der zur Uebung einberufenen Reservisten und Landwehrmänner regelt. Der Antrag wurde, nachdem sich alle Parteien für denselben aus gesprochen, angenommen. Der ganze Rest des Etats sammt Anleihegesetz veranlaßte keine weitere Debatte. Damit ist die zweite Berathung des Etats erledigt. 30. Jan. Abg. Ackermann begründet den Antrag wegen Abänderung der Gewerbeordnung bezüglich des Befähig ungsnachweises und der Bevorrechtung der Innungen. Abg. Lohren wendet sich Namens der Reichspartei gegen den ersten Theil des Antrages, ist aber für eine Stärkung der facultativen Innungen. Abg. Baumbach ist gegen den ganzen Antrag als der Gewerbefreiheit widerstrebend; facultative Innungen seien nur eine Vorstufe zu den Zwangsinnungen. Die Anträge wurden schließlich ge mäß dem Vorschlage Ackermann's einer Commission von 21 Mitgliedern überwiesen.

Dem Bundesrath ist eine Vorlage zu gegangen, betreffend eine Abänderung des Münzen gesetzes dahin, daß auch Nickelmünzen im Werthe von 20 Pfennig geprägt werden sollen. So dann ist der Antrag auf Verlängerung der Geltungsdauer des Socialistengesetzes eingebracht worden. Aenderungen an dem Gesetze werden, mit Ausnahme der Bestimmung über die Geltungs dauer, in dem Antrage nicht vorgeschlagen.

29. Jan. Der Andrang zur heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses ist ebenso groß wie gestern. Die Tribünen sind dicht besetzt, die Plätze des Hauses voll. Der erste Redne, Pole Stablewski, versucht die vom Reichskanzler gestern erhobenen Anklagen gegen die Polen zu entkräften, muß aber zugeben, es hieße einer höheren Macht vorgreifen, wenn sie an einer Wiederherstellung Polens verzweifelten. Minister v. Puttkamer constatirt gegenüber Stablewski, welcher Repressivmaßregeln Rußlands in Aus sicht stellte, daß es in Rußland keine deutsche Frage, in Preußen aber eine polnische Frage gebe; er hält die getroffenen Ausweisungsmaß⸗ regeln nicht für inhuman, da sie wahrscheinlichen inhumanen Consequenzen vorbeugen. Wer auf der Tribüne des Hauses sich für die Wiederher stellung Polens aussprechen könne, beschreite einen Weg, der landesverrätherisch genannt werden müsse.(Lärm bei der Opposition.) Der Kriegsminister nimmt Anlaß zu erklären, daß er schärfer als bisher noch darüber wachen werde, daß die Soldaten polnischer Zunge vor der polnischen Agitation geschützt werden. Fürst Bismarck wendet sich zunächst gezen die gestrigen

Ausführungen Windthorst's, den zu bekehren er

nie wagen werde. Die Polen seien unsichere Unterthanen Preußens und Windthorst bevor zuge diese vor den Deutschen. zur Sache protestirt der Kanzler entschieden.

tages denke er

Auf den Ruf

Er werde reden, was ihm beliebe; was er im Interresse des Staates für geboten halte, das könne er allein nur beurtheilen. Einen Vor wurf habe er gegen die polnischen Frauen als solche nicht erhoben; sie seien sehr liebenswürdig, aber an der Regierung des preußischen Staates möchte er sie nicht theilnehmen lassen. Der polnische Bauer sei ein treuer Unterthan und wolle vom Königreich Polen nichts wissen, denn er wisse, wie seine Väter und Großväter vom polnischen Adel behandelt wurden. Richter habe gestern behauptet, der Kanzler drohe mit dem Staatsstreich, um das Branntwein-Monopol durchzubringen. Richter habe eine objective Un wahrheit gesprochen; daß Richter jetzt an der Spitze der Schnapsschänker stehe, sei gefährlicher noch als ein Staatsstreich. Wenn der Reichs tag das Monopol ablehne, so werde das sehr bedauerlich sein; man werde kein Geld haben, viele Bedürfnisse nicht befriedigen, den Com munen nichts geben können, aber persönlich werde die Regierung nicht berührt werden. An einen Staatsstreich denke er deshalb doch nicht. Wenn die Obstructionspolitik im Reichstag fort dauere, so würden die Regierungen sich eben ihren Landtagen mehr nähern und bei ihnen Deckung ihrer Bedürfnisse suchen; werde das Monopol abgelehnt, so werde er zu der Consum Steuervorlage von vor 3 Jahren zurückkehren, aber unter sehr erhöhten Sätzen; das werde den Schankwirthen weit theuerer zu stehen kommen als das Monopol. Redner bespricht die Tactik der Opposition und versichert, daß er ihr gerne Gelegenheit geben würde, zu be weisen, daß sie besser zu regieren verstehe. Er wäre überzeugt, Windthorst könne als Reichs kanzler fungiren, zweifle aber, daß der Kaiser Vertrauen in die Zuverlässigkeit und Fahigkeit Windthorst's habe; wenigstens sei ein Sondiren nach dieser Richtung bei dem Kaiser erfolglos gewesen. Der Kaiser meine, er sei zu alt, um Experimente zu machen. Er(Bismarck) hoffe, Richter werde seine unwahre Behauptung vom Staatsstreich zurücknehmen und er wolle noch hinzufügen, auch an eine Auflösung des Reichs nicht. Nach dem national liberalen Abgeordneten Professor Enneccerus spricht der Centrumsführer Dr. Windthorst und reizt den Widerspruch des Hauses aufs Aeußerste durch die wiederholte Behauptung, daß die Polen ebenso wenig wie die Katholiken Ge legenheit hatten, in der Armee wie im Civil dienste Carridre zu machen. In Folge dessen entsteht ein außerordentlicher Lärm. Der Kriegs minister erklärt dem Abg. Rickert gegenüber, daß die Frage der Verlegung des Cadetten hauses von Kulm noch nicht entschieden sei. Er weist sodann nach, daß seit einer Reihe von Jahren im Kulmer Cadettenhause kein Zögling aus den polnischen adligen Familien des Groß herzogthums Posen gewesen sei.(Hört, hört!) Hierauf spricht der Kriegsminister seine tiefe Entrüstung aus über Windhorst's Behauptung, daß die Katholiken im Officiersdienste und im Avancement zurückgesetzt seien; er erklärt dieselbe auf Ehre und Gewissen für unbegründet.Werfen Sie den Culturkampf doch nicht noch in die Armee!(Wiederholter stürmischer Beifall bei den Conservativen und den Nationalliberale.) v. Hammerstein(cons.) erklärt sich gegen die vom Reichskanzler gestreifte Expropriirung pol nischer Gutsbesitzer, sowie gegen die geplante Immediat-Commission, und zwar aus con stitutionellen Bedenken,

Wilhelmshafen. Deutscherseits ist be kanntlich das PanzerschiffFriedrich Karl am Mittwoch nach den griechischen Gewaͤssern ab gegangen, nachdem die Reparaturen an dem selben unter Zuhilfenahme von Nachtarbeit bei elektrischer Beleuchtung beendet waren. Der Besatzung wurde mitgetheilt, daß das Schiff voraussichtlich auf die Dauer eines Jahres nach dem Mittelmeere gehe. Commandant ist Capitän zur See Stempel.

München, 29. Jan. Die Kammer der

Reichs räthe berieth den Antrag Kopp auf Ab

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lehnung des russischen Auslieferungsvertrags.

Der Referent Abg. Neumayer bestritt die Com- Graf Ortenburg ver⸗

petenz des Landtages.

f theidigte das Recht der Besprechung und be 1 mängelte die Härten des Vertrags. Der Mi 60 1 nister des Innern vertheidigte den Vertrag in f. Dae! seinen Einzelnheiten. Schließlich sprach sich die[ende 1 Kammer dem Ausschußantrage gemäß gegen die 1 Zuständigkeit des Landtages aus. 6 2 1 Ausland. 1926 Frankreich. Paris. Die französische 4 legten FregatteVenus erhielt in Syra Befehl, J zal den sofort nach dem Pyräeus zu dampfen. ung Großbritannien. London, 29. Januar. 75 Die Königin hat das von Lord Salisbury J dug übergebene Eutlassungsgesuch des Cabinets an- Sbeleun genommen, Gladstone zu sich berufen und ihm[ Dae 1 die Cabinetsbildung übertragen. Es ist ein[

Einverständniß zwischen Lord Hartington und U ö Gladstone erzielt. Bulgarien. Sofia. Wie diePol. Corr. berichtet, wird hier ein Kurier aus Petersburg mit einem Schreiben des Zar erwartet. Die Officiere Paprikow und Benderew gingen nach Philippopel, um die Errichtung der zwei rume lischen Brigaden durchzuführen. f Griechenland. Athen, 29. Jan. Die Meldung derAgence Havas über das Ein

betzeichnif Forderun! uber die! tetmin 4 90 Uhr, elt bes

lenken Griechenlands in friedliche Bahnen ist Di! verfrüht. Wie diePolit. Corresp. meldet, 18 sollen die Geschwader und Schiffe der euro- 105 päischen Mächte von morgen ab in der Suda dad bucht vor Kreta eintreffen. Das britische Cabinet ö habe seinerseits die bezüglichen Weisungen bereits J Gut ergehen lassen und sei von den Cabineten ver- 6 ständigt worden, daß auch sie die betreffenden Ordres ectheilt hätten. Die europäische Flotte Mi

werde ungefähr 20 Schiffe umfassen. 1 97 Rußland. Peiersburg. DasJournal[ 2 g. de St. Petersbourg dementirt die Zeitungs- messtle

berichte über das Auffinden von Revolvern und I daten

Bomben, sowie einer geheimen Druckerei und. as aut bezeichnet alle Gerüchte von Comploten als reine 1 Erfindung. 1 Amerika. Newyork, 29. Jan. Bei einem Zusammenstoß der amerikanischen mit den mepi B kanischen Truppen auf mexikanischem Gebiete g wurden auch ein mexikanischer Kapitän und vier 0 mexikanische Soldaten getödtet. Jui Aus Stadt und Land. Mn h. Friedberg Die Abendunterhaltung des Gesang vereins Frohsinn am 30. Januar d. J. war sehr schön 6 6

Chöre gingen alle präeis und gut, besonders eindrucks voll wirkte Der Marsch, Chor mit Orchesterbegleitung und Mein Heimathland, Chor mit Solo. Die

und fand von allen Anwesenden verdienten Beifall. Die 40 0 Instrumentalmusik leistete ebenfalls nur Gutes, auch

Fräulein Chastenier von Frankfurt trug die schönen Solos 60 gesänge so anmuthig und in Folge ihrer guten Stimm 1400 mittel prächtig vor. Ein LustspielLiebesmahl in dem 20⁰ alle Mitwirkenden gut spielten, schloß den ersten Theil 1 700

der Abendunterhaltung würdig ab und fand großen Beis

fall. Es war ein schöner, angenehmer Abend, den uns 6 der gedachte Verein bereitet hat. 9 h Friedberg. Wir haben die Freude zu melden, 18 daß uns nächsten Freitagabend halb acht Uhr Stadt- 5 pfarrer Bauer von Frankfurt einen Vortrag über Jusan Zwingli's Frau und Familienleben auf dem Rathhause Ilbe öffentlich halten wird. Auch dieser Vortrag wird sich, wie der vorigjährige, den er hier über den großen Reformator 9 Zwingli gehalten, durch Gelst und schöne präelse Dar stellung auszeichnen, das sind wir überzeugt. J h. Friedberg. Von unseremFeierabend können ö wir berichten, daß auch in diesem Winter ein frisches Dirt Leben darin herrscht. Die jugendliche Schaar von durch Domu schnittlich 5060 Lehrlingen und anwesende Mitglieder 185 des evangelsschen Vereins lauschen den Erzählungen über zusamm Reiseerlebnisse mit gespannter Aufmerksamkeit und Erstere urchm singen unter sachverständiger Leitung Volkslieder und7G Im

gesellige Lieder, daß es eine wahre Lust ist; dazu kommen die bereits bekannten Unterhaltungen und Beschäftigungen. So dürfte sich immer mehr bei den jungen Leuten der Geschmack für ein richtiges geselliges Zusammensein

heraus bilden. Nan

Gießen. Von der philosophischen Fakultät ist Die! August Baur aus Friedberg zum Doetor promovirt tat worden. deld

Offenbach, 27. Jan. Heute wurde endlich mit den Vorarbeiten zu dem Bau unserer neuen Brücke be⸗ gonnen und zu diesem Behufe eine größere Anzahl Ar beiter angenommen.

Darmstadt, 29. Jan. Der lange gesuchte zweite Thellnehmer an dem Fach'schen Raubmord, Wilh. Olden dorf aus Wersau, ist gestern in Aschaffenburg wegen