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1885.
Hamstag den 31. Yckober.
V. 29.
Oberhesst
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Inzeiger.
Wird hier und in Bad-Nauheim Montag, Mittwoch und Freitag Abend ausgegeben.
Kreisblatt für den Kreis Friedberg.
Erscheint dreimal wöchentlich und zwar Dienstag, Donnerstag und Samstag.
Die einspaltige Petitzeile. wird bei Annoncen mit 11 Pf. berechnet, bei größerem Tabellen- oder Ziffersatz mit 14 Pf., bei Reclamen mit 22 Pf.; ein Beleg kostet 9 Pf. Annoncen von auswärtigen Einsendern(soweit Letztere nicht Jahresconto bei uns haben), welchen der Betrag nicht beigefügt ist, werden stets per Post nachgenommen.
Die zu Martini l. J.
Amtlicher Theil. Me ka nen t m ach un
schuldigen Zeitpachtgelder, Steigschillinge für Holz, Gras und Waldnebennutzungen, Reecognktionsgebühren, Beiträge der Gemeinden zu
den Forstdienerbesoldungen, sowie die von denselben zu ersetzenden Kosten für Formularpapler der Forstverwaltung c. sind an das unterzeichnete Rentamt an den be—
stimmten, Zahltagen Dienstags und Donnerstags, Vormittags von 8 bis 12 Uhr und Nachmittags von 2 bis 5 Uhr, sowie Mittwochs, Freitags und Samstags, Vormittags
von 9 bis 12 Uhr, längstens bis zum 25. November l. J. zu entrichten, gegenfalls das Beitretbungs verfahren eintritt. N g Die Großherzogl. Buͤrgermelstereien werden ersucht, dieses im Interesse ihrer Ortsangehörigen öffentlich bekannt machen zu lassen.
Friedberg am 29. Oetober 1885.
Großherzogliches Rentamt Friedberg.
Deutsches Reich.
Berlin, 28. Oct. Der Bundesrath hält morgen eine Plenarsitzung ab. Die Tagesord— nung enthält eine Vorlage, betreffend die Ueber— sicht der Ausgaben und Einnahmen der Landes— verwaltung von Elsaß Lothringen für 1884/85, und einen Ausschußantrag, betreffend den Erlaß gleichmäßiger polizeilicher Strafvorschriften zur Verhütung der Gefährdung militärischer Pul— vertransporte.
— Der Reichstag ist zum 19. Nov. einberufen.
— Der Etat der Eisenbahnverwaltung des Neiches pro 1886/87 weist auf: 47,391,700 M. Einnahme, 29,544,300 M. Ausgabe, mithin 17,847,400 M. Ueberschuß. Die Einnahme ist um 948,000 M. höher, die Ausgabe um 173,900 M., der Ueberschuß endlich um 774,00 M. höher, als im Etat des laufenden Jahres ver— anschlagt. Die Erwerbskosten der Reichsbahnen verzinsen sich mit 3,6 pCt., die Anlagekosten mit 4,4 pCt.
— Der Etat des Reichsamts des Innern hat eine wesentlich andere Gestaltung erfahren; die Dampfersubvention ist darin aufgenommen. Das Reichsversicherungsamt hat in Folge um— fangreicher Arbeiten eine Vermehrung des Per— sonals beantragt. Der Zuschuß für die Afrika— Erforschung ist herausgenommen und an das Auswärtige Amt übertragen; auch für die Nor— malaichungscommission wird eine Mehrforderung verlangt.
— 28. Oct. Es verlautet, daß auf der Balkan— Couferenz mehrseitig der Antrag gestellt sei, die nach Philippepel zur Geschäftsführung abzusen— dende Commission auch mit einer Revision des ostrumelischen Statuts zu betrauen. Eine Peters— burger Meldung der„Independance belge“ be— sagt, das Einvernehmen der Kaisermächte betreffs der Bulgarenfrage sei unsicher, speziell Deutsch— land petrhorrescire den status quo.
— 29. Oct. Der heute stattgehabten 200 jährigen Jubiläumsfeier der französischen Colonie wohnten auch der Kronprinz und die Kronprin— zessin bei.
— Zum Gesetzentwurf, betreffend die Für— sorge für Beamte und deren Hinterbliebene in Folge von Unfällen, welcher von den Bundes— rathsausschüssen verändert und wesentlich er— weitert war, hat Preußen neuerdings noch eine Reihe von Abänderungsanträgen gestellt.
Braunschweig, 28. Oct. In der heu— tigen Landtags sitzung berichtete der Staatsminister Görtz über die Audienz der Deputation bei dem Prinzen Albrecht. Der Landtagspräsident Velt⸗ heim brachte ein dreifaches Hoch auf den neu— gewählten Regenten aus, worin die Versamm⸗ lung und die überfüllten Tribünen einstimmten. Die nächste Sitzung findet Sonnabend zur Be- richterstattung über die Empfangsfeier statt.
München, 29. Oct. Die Abgeordneten- kammer nahm einstimmig den Gesetzentwurf be⸗ treffs Ausführung des Reichsgesetzes über die Ausdehnung der Unfall- und Krankenversicherung!
an, sowie ferner mit großer Majorität das pro- verzweifelten Widerstand leisten werden.
visorische Fortbestehen des bisherigen Malzauf— schlags; die Kammer verwarf dagegen die von der Reßierung beantragte Fixirung desselben.
Ausland.
Oesterreich- Ungarn. Wien. Von guter Seite tauchen wieder Gerüchte auf, nach welchen Kalnocky's Stellung durch die Bulgarenfrage er— schüttert sei. Sein Rücktritt sei nach Schluß
der Delegationen voraussichtlich; man nannte Kallay als Nachfolger. Frankreich. Paris, 29. Oct. Heute
feuerte ein Individuum auf der Concordiabrücke auf den Wagen Freyeinet's, als der Minister aus dem Ministerrath im Ministerium des Aeußeren zurückkehrte, einen Pistolenschuß ab, der indessen Niemanden verletzte. Der Thäter wurde verhaftet. Derselbe erklärte, Freyeinet nicht persönlich zu kennen und lehnte es ab, irgend eine Aussage über seine Person und Existenz— mittel zu machen. Er hat das Aussehen eines Werkführers und scheint italienischer Nationalität.
Spanien. Madrid. Der Colonialminister mißbilligte das Verhalten des Steueramtes in Cuba und ordnete die Aufhebung der gericht— lichen Beschlagnahme des Privateigenthums des englischen Generalconsuls in der Havanna an. Es fragt sich nur, ob England mit dieser„Ge— nugthuung“ zufrieden ist.
—„El Liberal“ sagt, daß das spanische Cabinet eine neue Note nach Bexlin zu senden im Begriffe sei als Antwort auf die jüngste Mittheilung der deutschen Regierung, welche den Spaniern bekanntlich die Priorität der Besitzer— greifung von Vab bestreitet. Die spanische Re— gierung behauptet, daß ihrerseits überhaupt kein neuer Besitzact nöthig wäre, um ihre alten Rechte auf die Karolinen- und Palaos-Inseln zu bekräftigen.
Italien. Rom. Italien wird, wenn die Kaisermächte der Conferenz eine Intervention der Türkei vorschlagen, nicht mitstimmen.
Türkei. Constantinopel. Durch ein Irade des Sultans ist der Vertrag mit der Banque Ottomane betreffs der Eisenbahnanleihe von 800,000 Pfund sanctionirt. Hiervon wurden 550,000 von der Bank fest übernommen, der Rest bleibt zur Option.
Serbien. Belgrad, 28. Den Bel— grader Zeitungen zufolge versicherte Serbien auf die Colleetivnote der Botschafter, daß es den Berliner Vertrag heilig halte und alles zur Wahrung des Friedens aufbieten werde. Serbten hoffe, daß die Großmächte seiner loyalen Halt— ung Rechnung trügen.
— 29. Oct. Bulgarische Patrouillen, die sich auf serbisches Gebiet verirrten, wurden fest— genommen.
Bulgarien. Sofia, 28. Oct. Man be trachtet hier die Arbeit der Conferenz als resul— tatlos, da eventuell die Bulgaren, unterstützt von den russischen Panslavisten und Ostrumeliern
Oet.
Stoltz. rn 5 Die russischen Offieiere wurden Freiwillige bei den Bulgaren. Griechenland. Athen, 29. Octbr. Die
Kammer nahm die Finanzgesetze in zweiter Lesung an. Es wurde ein Gesetzentwurf eingebracht, wonach alle Beamtengehäͤlter und sonstigen Zahl— ungen der Staatscasse während der Mobilisir— ung um 5 Procent gekürzt werden sollen.— Es werden weitere Marine-Reserven einberufen.
Indien. Bombey, 28. Oet. Die„Daily News“ erhält ein Telegramm aus Kalkutta, in
Rangun gehe das Gerücht, der König von Birma sei ermordet und in Mandalay eine Revolution ausgebrochen.
— Am 5. Nov. läuft die für die birmanische Antwort auf das englische Ultimatum gewährte Frist ab. Falls demnach nicht am 10. Nov. in Rangun eine Antwort eintrifft, die eine voll— ständige Annahme der englischen Bedingungen enthält, werden die Feindseligkeiten Tags darauf beginnen. Inzwischen nehmen englischerseits die militärischen Vorbereitungen zu Land und zu Wasser ihren Fortgang.
Aus Stadt und Land.
W. Friedberg.(Verspätet.) Am 16. Oet. l. J. fand im Festsaale des Predigerseminars in Anwesenheit der o. u. a. o. Lehrer die Aufnahme der ö neuen Can⸗ didaten(Böckel, Götz, Heinrichs, Jäger, Schöner) statt. Nach dem Gesang des Liedes Nr. 280(O Liebes— gluth u. s. w.) hielt Direetor Dr. Diegel an die Neu- Eintretenden und die Gebliebenen(Noack, Schönfeld) sowie den(nach absolvirtem Militärdienst) wieder Eingetretenen(von der Au) eine herzliche und herzbewezende Ansprache über 1. Joh. 4, 19—20, worauf er die Aufnahme- Urkunden vertheilte. Mit Vaterunser und Segen schloß die einfache, aber er— hebende Feier.
r. Friedberg. Das Programm des nächsten Musik vereinseoncerts(8. November) wird vorwiegend Vocal— Compositionen sowohl älteren(Neukomm, Beethoven) als jüngeren Datums(N. W. Gade, Max Bruch) ent— halten. Bruch's„Jubilate, Amen“ und„Birken und Erlen“, beide zu seinen Erstlingswerken gehörend, sind durch Frische und Melodienreichthum ausgezeichnet. Für die Sopran Parthle in diesen Nummern wurde Fräulein Emma Dienstbach gewonnen, eine junge Sängerin aus Frankfurt, ff
unter Max Fleisch(Raff Conservatorium) gebildet uud von dort auf's Beste empfoblen.— Neu⸗ komm's schöne Mottete„Lobet den Herrn“ wird durch die Mitwirkung des Chors der Seminaristen zur vollen Geltung gelangen und Friedrich Link's Solo Vorträge auf einem Fluͤgel aus der renommirten Bechstein'schen Fabrik werden Gelegenheit geben, sich auf's Neue dieser bewährten heimischen Kraft zu erfreuen.
Nidda. Zur Leitung des Baues der in der Pro— vinz Oberhessen zu erbauenden staatlichen Nebenbahnen ist vorübergehend eine die Benennung„Baubehörde für Nebenbahnen“ führende Behoͤrde errichtet worden, welche ihren Sitz vorläufig in Nidda hat,
Mainz, 28. Oet. Die vielbesprochene Reisetasche, mit welcher der muthmaßliche Mörder Herbst an dem Tage nach der Ermordung des Wothe gesehen worden sein soll, ist heute Mittag in dem Aborte der Wirthschaft (Brauerei)„Zum Täubchen“ gefunden worden. Die Tasche, deren Boden abgeloͤst war, enthält zwar absolut Nichts, doch herrscht kein Zweifel, daß man es mit der vermißten Tasche zu thun hat. Da Herbst mit einer Reisetasche an dem Tag nach dem Morde vielfach ge sehen worden ist, so bildet dieser neueste Fund wohl das wichtigste bis jetzt gefundene Objeet, durch welches Herbst der That vollständig überführt erscheint.


