Ausgabe 
31.3.1885
 
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dagegen mit gleichem Stimmenverhältniß die Besteuerung der Aetiengesellschaften als solche genehmigt, außerdem beschloß die Kammer noch die Heranziehung der ein zelnen Aetionäre in Ansehung der bezogenen Zinsen und Dividenden. Auf eine Anfrage des Abg. Schröder sicherte der Ministerpräsident in Kürze eine Vorlage zu, durch welche die durch die neuen Steuergesetze gebotenen Veränderungen unserer Wahlgesetze stattfinden sollen, und ging die Stimmung der Kammer unzweifelhaft dahin, daß das Wahlrecht des kleinen Mannes keine Beschränk ung erleiden soll. Bei der Schlußabstimmung wurde das ganze Gesetz, wie es aus den dreitägigen Verhand lungen hervorgegangen, elnstimmig angenommen, worauf sich die Kammer wieder vertagte. 0

Berlin. Betreffs der Einwanderung russisch poluischer Elemente in die östlichen Provinzen sagt dieNordd. Allg. Ztg.: Die angestellten Ermittelungen ergeben, daß die Besorgnisse wegen vollständiger Verschiebung der nationalen Ver hältnisse einzelner Grenzdistrikte nicht übertrieben seien. Der drohenden förmlichen Polonisirung gewisser Grenzgebiete gegenüber sei die Aufgabe der Regierung nicht zweifelhaft; es seien bereits Anordnungen getroffen, um sowohl dem ferneren Zuzug Riegel vorzuschieben, wie durch Rückver weisung in die Heimath, als auch um dem Ueber maße der Belästigung durch Elemente fremder Nationalität ein Ziel zu setzen.

29. März. Der Afrikareisende Flegel hat Berlin heute verlassen. Das Schiff, das ihn zunächst nach Madeira bringt, fährt am 4. April von Hamburg ab.

Ausland.

Oesterreich-Ungarn. Wien, 27. März. Das Abgeordnetenhaus genehmigte in der Spezial debatte die Nordbahnvorlage. Vorher gab Plener im Namen der Linken die Erklärung ab, an der Spezialdebatte nicht weiter theilnehmen zu können, worauf die Linke den Saal verließ. Das Haus nahm die Sprengstoffvorlage und das Socialisten gesetz in zweiter und dritter Lesung unverändert an.

27. März. Ein Offizier im Generalstab, Namens Poitier, wurde wegen Vermittelung von Plänen der südöstlichen Befestigungen an ein Kopenhagener Bureau verhaftet. Augeblich ist ein preußischer Offizier mitverwickelt.

Pest, 27. März. Das Oberhaus hat den Gesetzentwurf der Oberhausreform nach den An trägen der Dreierausschusses genehmigt.

Frankreich. Paris, 27. März. Der Senat nahm die von der Kammer beschlossenen Zu schläge zu den Getreidezöllen an.

28. März. Kammer. Grauer inter⸗ pellirt Ferry, indem er demselben vorwirft, daß er ohne die Genehmigung der Kammern Krieg mit China führe. Ferry erwiedert, die Lage der Dinge sei eine vollständig unveränderte. Der Kammer und dem Lande sei das Ziel be kannt, das die Regierung verfolge, es handele sich um die volle und ganze Ausführung des Vertrags von Tientsin. Wenn man eine bessere Lösung des Conflicts vorzuschlagen wisse, möge man sie vorschlagen; eine weitere Ausdehnung der militärischen Operationen sei durch den Be schluß der Kammer selbst herbeigeführt.

Dem JournalParis zufolge erhielt General Negrier 4000 Mann Verstärkungen, darunter 2000 Zuaven und 160 Spahis. Die Gesammtstä ke seiner Truppen beträgt gegen wärtig 10000 Mann.

Eine Depesche des General Brière aus Hanoi vom 28. d. meldet, General Negrier sei schwer verwundet und gezwungen, Langson zu räumen. Die Chinesen hätten sich in drei starken Colonnen auf die französischen Positionen vor Kilua geworfen. Nachdem Oberst Berbinger an gesichts dieser bedeutenden numerischen Ueber macht seine Munition verschossen hatte, habe er General Briere benachrichtigt, daß er gezwungen sei, sich auf Dongsong und Thannoi zurückzu ziehen; der General habe alle seine Streitkräfte concentrirt zu einer Action bei den Ausgängen von Chu und Kep. Der Feind erscheine in immer größerer Anzahl auf dem Songkol; doch sei zu hoffen, daß das ganze Delta gehalten werden könne. General Briere ersucht die Re gierung, sobald wie möglich weitere Verstärk ungen zu senden.

Großbritannien. London, 28. März. Unterhaus. Hartington erklärt, die Discussion über die Botschaft der Königin könne am Montag nicht stattfinden, der Tag der Discussion werde am Montag anberaumt werden. Die Pro elamation der Königin habe sofortige Wirkung, um den Uebertritt der Mannschaften zur Reserve und die Verabschiedung solcher, die sonst zum Abschied berechtigt wären, zu suspendiren und ermächtige außerdem die Regierung, jedwede Reserve-Klasse einzuberufen. Das Unterhaus nahm ferner mit 294 gegen 246 Stimmen den Regierungsantrag, betr. das egyptische Finanz abkommen an.

Wegen Theilnahme an den ECxplosionen im Tower und der Westminster Hall wurden die Angeklagten Cunningham und Burton vor die Assisen verwiesen.

Standard meldet, auf den Staats werften würden Anstalten getroffen zur Aus rüstung einer Panzerflotte für Operationen iu den nördlichen Meeren.

Spanien. Madrid. Die marokkanische Regierung bot Spanien betreffs der Alhucema Frage Genugthuung au. Die spanische Flagge wird salutirt, die Urheber des Attentats gegen den Gouverneur bestraft; außerdem wird Marokko eine Entschädigungssumme zahlen, deren Höhe aber noch nicht festgesetzt ist.

28. März. In der heutigen Sitzung der Deputirtenkammer erklärte der Minister präsident Canovas del Castillo, daß er zum Schutze der am Gold-River angesiedelten Spanier ein Kriegsschiff absenden werde.

Italien. Rom. Marquis Molins, der spanische Gesandte beim Vatican, wurde ab berufen und zum Marineminister ernannt.

Rußland. Petersburg, 28. März. Die Times meldet, die russische Regierung habe die Concentrirung von 50,000 Mann bei Baku angeordnet und den Gouverneur des Kaukasus zu einem Kriegsrath nach Petersburg berufen. DieTimes erblickt hierin das Anzeichen der Entschließung Rußlands, die englischen Propo sitionen nicht anzunehmen. DieTimes er fährt ferner, die russische Regierung habe ver sucht, mehrere der größten und schnellsten Dampfer der englischen Handelsmarine anzukaufen, die britische Regierung sei ihr jedoch zuvorgekommen.

Amerika. New-Pork, 28. März. Zwischen den Staaten San Salvador, Nicaragua und Costarika ist ein Offensiv- und Defensivvertrag abgeschlossen worden. Der Präsident von San Salvador leitet die Operation gegen Barrios.

Egypten. Suakin. Nachrichten aus Kassala vom 5. d. zufolge konnte sich die Garnison bis jetzt immer gut halten. Wie es heißt, leite Ita lien Verhandlungen ein, um die Ermächtigung zu erhalten, einen Versuch zum Entsatze Kassala's von Massauah aus zu unternehmen.

Aus Stadt und Land.

h. Friedberg. Nächsten Mittwoch feiern wir unseres großen Reichskanzlers Fürsten Bismarck Geburtstag. Diese Feier, die durchs ganze Reich und über seine Grenzen hinausgeht, wird von neuem Zeugniß dafür ablegen, welche Stelle unser großer Staatsmann in den Herzen der Deutschen elnnimmt. Die Huldigung der deutschen Natlon an dem siebzigsten Geburtstag Bismarcks gilt einem thatenreichen Leben für Vaterland und Kaiser, wie es selten, vielleicht noch nie einem Sterblichen be schleden gewesen ist. Dem Manne, der die sechshundert⸗ jährige Leldensgeschichte Deutschlands zu einem ruhm reichen Abschluß gebracht, der die Wiedergeburt Dentsch⸗ lands bewerkstelligt und die Bahn für Wohlfahrt, Frei heit und Gesictung geebnet hat, dem hohen, edlen Manne gebührt Dank, ihm gebührt daß man ihm mit Anerkennung, Liebe und Verehrung lohnt. Unsere Stadt wird auch am Geburtstage des deutschen Heldenmannes zeigen, wie sehr sie wirkliche und wahre Verdienste ums Große und Ganze zu würdigen, zu ehren und dankbar anzuerkennen vermag. Beim Festbankett, Abends 8 Uhr, wird es sich wieder durch zahlreichen Besuch und ein müthiges, freudiges Zusammensein dokumentiren, daß wir wissen und es verstehen, eine geeinigte große Natlon zu sein und ein ächt nationaler Geist wird die Ver sammelten durchziehen. Die Festrede Prof. Weiffenbach's wird uns ein Lebensbild des großen Mannes durch stille und bewegte Zeiten, durch Kämpfe und Siege, Verhöhnungen und Triumphe hindurch zeigen. Und Lieder und Musik werden die patriotische Stimmung heben und zur Begeisterung steigern. Unter den allgemeinen Liedern werden wir auch eins von einem begabten und begelsterten

jungen Friedberger Poeten singen. Es soll uns eine Freude sein, wenn wieder die Freunde der Umgegend uns an dem nationalen Gedenktage mit ihrem Besuche be ehren. Schon Mittags wird uns auch vor dem Hötel Trapp die Musik der hiesigen Dilettantenkapelle erfreuen und uns in schöner Weise auf den Festabend vorbereiten. Die auswärtigen Freunde werden unsere Stadt an diesem Tage im Festgewande und in erhöhter Feststimmung an⸗ treffen. Für leibliches Wohlsein wird unserHötel wie immer bestens besorgt sein.

e. Friedberg. Aus den Kreisen der Verwaltung derZuckerfabrik Wetterau dahler sind uns Nachrichten über das Ergebniß der diesjährigen Campagne zugegangen, wonach die in der letzteren Zeit zu besseren Preisen er⸗

folgten Verkäufe des Zuckers das Resultat der Fabrik

verbessert haben. Es wird hierdurch voraussichtlich möglich sein, für die nach dem 15. November gelieferten Rüben der Actionäre 10 Pfennig per Centner nachzuzahlen, so daß die Aetlonäre dann dieselben Preise erhalten, welche den Kaufrübenlieferanten bereits ausgezahlt sind. Diese Preise betragen 80 Pfennig für die vor dem 15. Nov. und 90 Pfennig für die nach dem 15. Nov. gelieferten Rüben, ein Ergebniß, das unter den jetzigen Verhältnissen als recht befriedigend zu bezeichnen ist und bedeutend vorthellhafter erscheint gegenüber den übrigen Fruchtarten.

Friedberg. Am 26. März fand die Schluß⸗ prüfung an der hiesigen Ackerbauschule statt. Zu der⸗ selben waren aus Darmstadt Ministerkalrath Dr. Jaup und Landesökonomierath Dr. Weidenhammer erschlenen. Außerdem bethelligten sich zahlreiche Landwirthe der Umgegend und Bewohner Friedbergs aus den ver schiedensten Berufskreisen. Die Ackerbauschule war von 18 Schülern besucht. Die mündlichen Prüfungen und ausgestellten Arbeiten zeigten, daß auch in diesem Winter fleißig mit den Schülern gearbeitet worden war. An die eigentliche Prüfung schloß sich ein gemeinsames Mit⸗ tagsmahl und an dieses eine Besichtigung der Schul⸗ lokalttäten und Lehrmittel.

W. Bad⸗ Nauheim. Auch in unserer Stadt wird der 70. Geburtstag des Reichskanzlers durch eine am Abend des 1. April stattfindende festliche Vereinigung, bei welcher Lehrer Hahn von hier die Festrede halten wird, gefeiert werden. Von Veranstaltung eines Fest⸗ essens ist im Interesse einer möglichst allseitigen Be⸗ theiligung abgesehen worden. Auch die Antheilnahme seitens der Damen ist erwünscht.

Allerlei.

Bielefeld, 28. März. Gestern und vorgestern fanden hier anläßlich eines Arbeiterstrikes in der Koch'schen Nähmaschinenfabrik Zusammenrottungen und Ruhestör⸗ ungen statt. In zwei Häusern wurden Fensterscheiben eingeworfen. Das requirirte Militär säuberte die Straßen und stellte die Ruhe wieder her. Einige Personen wurden verwundet und gegen 30 verhaftet. Die Störungen der öffentlichen Ruhe wiederholten sich heute Abend nicht.

Weyer, Amts Runkel, 26. März. Hier herrscht eben, wie demRh. K. berichtet wird, nicht geringe Aufregung infolge des Anschlagens mehrerer Brand⸗ plakate, die für Ende dieses, oder Anfang nächsten Monats einen Brand verkünden. Da auch frühere häufige Brände von ähnlichen Umständen begleitet waren, so faßt man die Sache nicht als bloßen Scherz auf. Die Nachtwachen sind verstärkt und die Gendarmerie entwickelt einen anerkennenswerthen Eifer im nächtlichen Patroulllen⸗ dienst. Da die Montanindustrle hier eben auch darnieder⸗ liegt, so fehlt es im Allgemeinen an lohnender Arbeit. Auf diese Art Arbeit zu verschaffen, scheint das Motiv zu solchen Projecten zu sein.

Wien, 2. März. Cardinal Fürst Schwarzenberg ist heute gestorben.

Troppau. In der Nacht auf den 27. März sind im Bettina⸗Schachte der Dombrau⸗Ornauer Bergwerks⸗ gesellschaft bet Dombrau in Schlesien in Folge einer Gasexplosion 40 Bergarbeiter verunglückt.

Bukarest, 28. März. Ein Theil des Deputlirten⸗ palastes ist heute Nacht durch eine in Folge von Un⸗ vorsichtigkeit entstandene Feuersbrunst zerstoͤrt worden. Die Archive wurden gerettet, der Sitzungssaal ist un⸗ beschädigt geblieben.

Repertoir⸗ Entwurf der vereinigten Stadt⸗Theater in Frankfurt. Opernhaus.

Dienstag den 31. März: Gastspiel des Kammersängers Herrn Theodor Reichmann. Der Vampyr. Lord Ruthwen: Herr Reichmann.

Mittwoch den 1. April, Nachmittags Uhr: Till Eulenspiegel. Außer Abonnement. Ermäßigte Preise

Donnerstag den 2. April: Letztes Gastspiel des Herrn⸗ Reichmann. Die Meistersin ger. Hans Sachs: Herr Reichmann.

Freitag den 3. April: Geschlossen.

Samstag den 4. April: Figaro's Hochzeit.

Sonntag den 5. April: Undine.

Montag den 6. April: Außer Abonnement. Der Prophet. Johann van Leyden: Herr Perrotti.

Schauspielhaus.

Dienstag den 31. März: Der Hüttenbesitzer.

Mittwoch den 1. April: Raub der Sabinerinnen. An⸗ fang 7 Uhr.

Donnerstag den 2, u. Freltag den 3. April: Geschlossen. Samstag den 4. April: Zum ersten Male: Der Hexen⸗ meister. Lustspiel in 4 Akten von F. G. Triesch. Sonntag den 5. April: Zum ersten Male wiederholt:

Der Hexenmeister. Montag den 6. April: Der Probepfeil.

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